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Von dieser Seite aus gelangen Sie zu den mit dem „Wächterpreis der Tagespresse“ ausgezeichneten Berichten seit 2003. Alle Geschichten sind

  • zunächst nach Jahrgängen
  • dann nach den Preisen (1. bis 4. Preis; bis 2007 nur 3 Preise verliehen)

gelistet. Neben den Namen der Preisträger und der Zeitungen finden Sie auch eine ganz knappe Beschreibung der jeweiligen Story.

Sie können alle Geschichten mit ihren einzelnen Berichten entweder direkt von hier aus mit dem Link aufrufen oder Sie machen dies auf der linken Navigationsleiste unter ARCHIV und den dort genannten Story-Titeln. Egal, wo Sie sich auf dieser Website gerade befinden: Unter den jeweiligen aktuellen oder archivierten Storys finden Sie immer weitere Informationen. Zum Beispiel wie und warum die Berichte entstanden sind oder wie die Recherchen dazu liefen. Außerdem: Infos über die ausgezeichneten Journalisten, die Zeitungen und die Städte oder Regionen, für die und in denen die Zeitungen öffentlich kommunizieren.


Wächterpreis 2009



Den 1. Preis (12.000 Euro) erhalten die beiden Autoren der Frankfurter Rundschau Mattias THIEME und Jörg SCHINDLER: Spendenskandal bei UNICEF. Oder: Wie eine Tageszeitung Veränderungen initiieren kann.
Die beiden Redakteure haben in intensiven Recherchen das bis dahin intransparente Verfahren des Kinderhilfswerks Unicef Deutschland bei dem Einwerben und der Kontrolle großer Summen von Spendengeldern ausgeleuchtet. Ihre Berichterstattung enthüllte u.a., dass entgegen den Vorgaben des Deutschen Zentralinstituts für soziale Fragen (DZI) hohe Provisionen an professionelle Spendensammler und großzügige Honorare an externe Berater gezahlt wurden. In der Folge traten der Geschäftsführer und die Vorsitzende von Unicef Deutschland zurück. Das DZI entzog sein Spendensiegel. Weiter ergab sich eine breite Diskussion über schärfere Richtlinien zu mehr Transparenz im Spendenwesen. Unicef Deutschland hat sich inzwischen entsprechend reorganisiert.

Der 2. Preis (8.000 Euro) geht an die Redakteurin der Tageszeitung „Trierischer Volksfreund“ Christiane WOLFF: Handwerkskammer Trier: Luftgeschäfte und Subventionsbetrug?.
Christiane WOLFF war gravierenden Unregelmäßigkeiten bei der Verwendung staatlicher Fördergelder bei der Handwerkskammer Trier auf die Spur gekommen. Ihre Ergebnisse bewirkten ein staatsanwaltschaftliches Ermittlungsverfahren gegen den Hauptgeschäftsführer der Kammer und seinen Stellvertreter. Beide wurden vom Kammervorstand beurlaubt und sind später nicht mehr in ihren Dienst zurückgekehrt. Die Recherchen von Christiane WOLFF wurden durch die Versuche der Betroffenen in der Kammer erschwert, jede Veröffentlichung über diesen Sachverhalt zu verhindern.

Der 3. Preis (6.000 Euro) geht an Jürgen BOCK, Redakteur der „Stuttgarter Nachrichten“: Mangelhafte Notfallrettung in Baden-Württemberg.
Jürgen BOCK legt in seiner rechercheintensiven Artikelserie die Unzulänglichkeiten bei der Notfallrettung in Baden-Württemberg, insbesondere im Stuttgarter Raum (die gesetzliche Hilfsfrist von maximal 15 Minuten konnte wegen unzureichender Ausstattung nicht eingehalten werden) offen. In der Folge befassten sich die betroffenen Städte, Gemeinden und auch der Landtag mit diesem Missstand. Schritte zur Abhilfe wurden eingeleitet. Auch Jürgen BOCK musste die Erfahrung machen, dass die betroffenen Stellen zunächst versuchten, seine Rechercheergebnisse „unter der Decke“ zu halten.

Den Wächterpreis für Volontäre (4.000 Euro) erhält Philipp EPPELSHEIM, Volontär bei der „Frankfurter Allgemeine Zeitung“: Wo die Schule nicht im Dorf bleiben soll.
EPPELSHEIM beschäftigt sich auf überzeugende Weise mit dem Thema Schulschließungen im ländlichen Raum und macht am Beispiel eines Falles aus Niedersachsen deutlich, dass Schulschließungen mit ihren gravierenden Folgen für die betroffenen Kinder nicht immer nur durch schulische Zwänge veranlasst sind, sondern zumindest auch durch sachfremde Erwägungen – wie hier durch alte Fehden zwischen benachbarten Ortsteilen.


Wächterpreis 2008:


1. Preis: Frank JANSEN, Reporter des Tagesspiegel in Berlin.
"Hingucken!" heißt in Sachsen-Anhalt eine offizielle Kampagne der Landesregierung gegen Rechtsextremismus und Fremdenfeindlichkeit: "Hingucken! Für ein demokratisches und tolerantes Sachsen-Anhalt."
Hingeguckt, und dies sehr gründlich, haben drei Polizeibeamte des Staatsschutzes in Dessau. Sie sind nicht mehr im Amt. Genaues "Hingucken" bedeutet hohe Fallzahlen und Anzeigen - das treibt die Statistik nach oben. "Niemand ist damit glücklich, das LKA nicht, das Land nicht", hatte der Polizeivizepräsident wortwörtlich dazu gesagt. Die drei Polizeibeamten haben dazu ein Gedächtnisprotokoll verfasst, das ihnen jetzt offenbar zum Verhängnis wird - im Land des "Hinguckens!".
Der Tagesspiegel in Berlin, rund 150 km von Dessau entfernt, hatte die merkwürdigen Vorgänge aus 2007 ans Tageslicht gebracht. Jetzt versucht ein Parlamentarischer Untersuchungsausschuss dies alles aufzuklären. Die neueste Erkenntnis: Das Innenministerium hatte einen der Ex-Staatsschützer sogar bespitzeln lassen.
Die Berichte des Tagesspiegel und die Geschichte hinter dieser Geschichte finden Sie unter "Man muss nicht alles sehen".

2. Preis: Angela BÖHM, Landtagskorrespondentin in München für die Abendzeitung (AZ).
"Sex, Alkohol und die Staatskanzlei", so lautete Ende 2006 die Titelseite der AZ, die danach zu drei Rücktritten führte: Als erster demissionierte der Spitzel: Edmund STOIBER's Bürochef. Dann der Ministerpräsident. Die bespitzelte "Schöne Landrätin", Gabriele PAULI, gab im Frühjahr 2008 auf. Zuvor wurde sie immer wieder mit Traumquoten in ihrem Amt bestätigt.
Die ganze Geschichte nebst Analysen zum System Bayern und zum System CSU sowie einem Interview mit ihr unter "Sexspitzel in der Staatskanzlei".

3. Preis: David SCHRAVEN, Freier Journalist in Düsseldorf, u.a. tätig für die Welt am Sonntag (WamS).
PFT (perfluorierte Tenside) im Trinkwasser aus der Ruhr - allen Medien war diese Pressemeldung des Bonner Hygieneinstituts eine Berichterstattung wert. Man hatte auch schnell einen Schuldigen ausgemacht: eine kriminelle Abfallentsorgungsfirma. Doch das Problem steckt tiefer.
David SCHRAVEN leuchtet seit 2006 bis heute den Skandal hinter dem Skandal aus. Trotz unzähliger Gegendarstellungsversuche, Unterlassungsverfügungen sowie politischer Angriffe seitens des NRW-Umweltministers: die WamS steht nach wie vor zu ihrer Geschichte.
Alle WamS-Berichte, die Chronologie des Umweltskandals, die journalistischen Recherchen und juristischen Barrieren, mit denen SCHRAVEN zu kämpfen, hatte sowie ein Interview mit jenem ehemaligen Experten aus dem Umweltministerium, der sich schon immer für besseres Trinkwasser eingesetzt hatte und dann auf Betreiben der Wasserlobby entlassen wurde, finden Sie unter "PFT und anderes im Trinkwasser".

Volontärspreis: Thomas THIEL, Redakteur der Frankfurter Allgemeinen Zeitung (FAZ), Frankfurt.
Die Rundfunkgebühren - über 7 Milliarden Euro - geraten immer wieder ins Rampenlicht der Diskussion. Thomas THIEL hat typische GEZ - Abzocke-Geschichten zusammengestellt. Er kommt in seiner mehrteiligen Serie 2007 zum Ergebnis, dass die so genannten Rundfunkgebührenbeauftragten immer wieder rechtliche Grauzonen und die juristische Unkenntnis der angeblich Ertappten ausnutzen.
Weiter von uns dokumentiert: Wie sich die Rundfunkgebühren, die Steuern, die Arbeitsentgelte und die Verbraucherpreise seit 1975, der Geburtsstunde der GEZ, entwickelt haben. Unter "Schon GEZahlt?"


Wächterpreis 2007:


Der 1. Preis: Marion GIRKE und Christian DENSO, Reporter des Hamburger Abendblatt.
Nach Auffassung der Jury haben sie mit ihrer eingereichten Arbeit ein Lehrbeispiel für engagierten Journalismus und erstklassige Recherche abgeliefert. Die beiden Journalisten haben den Fall einer alten Dame aus der Nähe Pinnebergs/Schleswig-Holstein öffentlich gemacht, die auf Antrag einer Behörde unter rechtliche Betreuung („entmündigt“) gestellt worden war. Die beiden vom Gericht bestimmten Betreuer verkauften deren Haus und das 7.500 qm große und wertvolle Grundstück an die Gemeinde zu einem niedrigen Preis, die dieses große Grundstück schon lange haben wollte.
Gegen alle rechtlichen und tatsächlichen Widerstände ermittelten die Reporter den Sachverhalt und machten zugleich deutlich, dass hinter diesem Einzelfall eine ganz grundsätzliche Dimension von Missständen im Betreuungswesen existiert. Letztlich führten im konkreten Fall die gerichtlichen Auseinandersetzungen – einer der Betreuuer wollte die detaillierte Berichterstattung mithilfe eines Medienanwalts verbieten lassen – und die Öffentlichkeit dazu, dass der Kaufvertrag wieder rückabgewickelt werden muss. Lesen Sie dazu Besuch der Alten Dame – Maulkorb für die Presse?


Den 2. Preis: Hans LEYENDECKER und Nicolas RICHTER, Redakteure der Süddeutschen Zeitung.
Beide haben den Fall des von der CIA entführten Deutsch-Libanesen Khaled el-Masri und das zögerliche Verhalten der Bundesregierung in dieser Angelegenheit zum öffentlichen Thema gemacht zu haben.
Mit ihren Berichten und Analysen haben sie die Rolle deutscher und ausländischer Behörden im Kampf gegen den Terrorismus beleuchtet. Die Berichterstattung trug dazu bei, dass im Bundestag der Untersuchungsausschuss zur Arbeit der Geheimdienste eingesetzt wurde (BND-Ausschuss), in dessen Rahmen die Schicksale von El Masri und Murat Kurnaz zur Sprache kamen sowie die merkwürdige Rolle der Bundesregierung dabei. Hier geht’s zum Thema CIA und Guantanamo in Deutschland


Den 3. Preis: Ekkehard RÜGER, Redakteur der Burscheider (NRW) Lokalausgabe der Westdeutschen Zeitung: Bergischer Volksbote.
RÜGER recherchierte und berichtete über den geplanten Besuch des Aufsichtsrats und der Gesellschafterversammlung der Burscheider Stadtwerke auf einer norwegischen Förderplattform. Die Reise der 17-köpfigen Gruppe sollte von großen zwei Energiekonzernen finanziert werden.
Ein Leser schickte den Zeitungsartikel an die Staatsanwaltschaft und erstattet Anzeige. Damit war eine Lawine losgetreten, denn es kam zu richterlichen Durchsuchungen und Ermittlungsverfahren gegen über 300 Politiker.
Im Laufe der Berichterstattung zeigte sich, dass der Vorfall kein Einzelfall, sondern dass das Reisen auf Kosten von großen Energiekonzernen eine weit verbreitete Gewohnheit war. Daraus entwickelte sich schnell eine Diskussion um die Frage, wo beginnt und wo endet Korruption? Lesen Sie alles zum Thema Nix wie weg – Reisen mit E.ON & Co


Wächterpreis 2006:


1.Preis: Frank THONICKE / Hessische/Niedersächsische Allgemeine
Merkwürdigkeiten bei der Ausübung der beruflichen Tätigkeit und der Gestaltung der geschäftlichen Aktivitäten seiner Ehefrau hatte es bei dem früheren Sportchef des Hessischen Rundfunks (hr), Jürgen EMIG, schon länger gegeben. Auch konkrete Hinweise, dass es da um mehr gehen könne als nur persönlich-berufliche und persönlich-geschäftliche Interessenskollisionen. Dass es letzten Endes um die Käuflichkeit journalistischer Arbeit ging, hatte die Hessische/Niedersächsiche Allgemeine (HNA) aus Kassel aufgedeckt. Dass dies kein Einzelfall im öffentlich-rechtlichen Fernsehen war und dass dabei auch Korruption eine Rolle spielte, wurde im Zuge dieser Berichterstattung dann auch an einem zweiten Fall beim Mitteldeutschen Rundfunk (MDR) deutlich. Beide - inzwischen geschassten – Ex-Sportchefs müssen sich in Kürze vor Gericht verantworten. Hier geht es zur Story Käuflichkeit journalistischer Arbeit


2.Preis: Michael OHNEWALD / Stuttgarter Zeitung
Eine Reportage über den Arbeitsalltag eines „rechtschaffenen Strafrichters“ im Amtsgericht von Backnang, der im Stundentakt über „Schicksale“ urteilen muss, hatte den Anstoß gegeben. Eine junge Türkin war darunter, die sich wegen „Leistungsmissbrauch“ verantworten musste. Sie hatte auf der einen Seite Arbeitslosenhilfe bekommen, beim Beantragen aber ihre Ersparnisse auf einem türkischen Sparkonto (rd. 25.000 Euro) nicht angegeben. Dieses Schicksal sei nur „die Spitze eines Eisbergs“, meinte der Richter. Weitere Recherchen ergaben: bundesweit war durch derlei Leistungsmissbrauch ein Schaden von rd. 300 Millionen Euro entstanden. Doch die Aufklärung seitens der Behörden gestaltete sich zäh – interner Behördenzwist blockierte lange die juristische Aufarbeitung.
Durch die Berichterstattung der Stuttgarter Zeitung sah sich der baden-württembergische Justizminister veranlasst, die Streitfrage zwischen den Behörden (Datenschutzregelungen) durch eine gesetzliche Initiative im Bundesrat zu beenden - in Betrugsfällen sei wichtiger als der Datenschutz: die Verfolgung von Leistungsmissbrauch


3.Preis: Autorenteam Jörg KLOTZEK und Martin RIEDLAICHER / Passauer Neue Presse
Kritische Berichterstattung über lokale „Größen“ oder „Großkopferte“, wie man im Bayerischen auch sagt, ist immer schwierig: zu eng leben die Menschen, also die Redakteure und jene, über die berichtet wird, zusammen und zu dicht sind deren oft gegenseitigen Beziehungen im politischen, beruflich-geschäftlichen oder auch persönlichen Leben. Das ‚ausgezeichnete’ Autorenteam hat es trotzdem gemacht und einen veritablen „Ehrenämterkönig“ unter die Lupe genommen. Dessen „ehrenamtliche Aufwandsentschädigungen“ hatten sich zu ansehnlichen Nebeneinkünften entwickelt. Das Ehrenamtssystem fungierte für ihn als Selbstbedienungsladen. Nach den Veröffentlichungen musste er von allen diesen Ämtern zurücktreten. Hier finden Sie die (inzwischen historische) Geschichte des “Ehrenämterkönigs“


Wächterpreis 2005:


1. Preis: Frank Seidlitz / DIE WELT
(Fast) alles, was mit Bauen und Bauwirtschaft zu tun hat, ist hochgradig kartellverdächtig. So auch die Geschäftspraktiken in der Zementindustrie. Nach einer Großrazzia des Bundeskartellamtes in allen Zementfirmen bekam der Wirtschaftsjournalist bei der WELT Informationen, dass es nicht nur um jahrelange illegale Preisabsprachen gegangen war, sondern dass die Branche einen lästigen Konkurrenten, die Fa. Readymix, loswerden, sprich zerschlagen wollten: aus Rache. Readymix wollte aus dem Kartell aussteigen und hatte sich als Kronzeuge der Kartellbehörde zur Verfügung gestellt. Für die Branche war dies ein Affront – sie begann die “Operation Stinktier“


2. Preis: Jens Weinreich / Berliner Zeitung
Wie beim Traum und Hoffen der Stadt Leipzig um die Olympiabewerbung Gelder zweckentfremdet wurden, wie dies kaschiert und abgestritten werden sollte, und wer letztlich dann ‚gehen’ musste, darüber hatte nicht die Leipziger Volkszeitung vor Ort, sondern die Berliner Zeitung aus Berlin als erster und und dann auch immer wieder regelmäßig berichtet.
Warum es ein Redakteur aus Berlin und nicht aus Leipzig war, wie die Recherchen dazu begannen, was sich im Bereich des Sportjournalismus im allgemeinen und im speziellen abspielt sowie ein Portrait des Autors – das alles lesen Sie unter Olympia in Leipzig


3. Preis: Thomas Fritz und Rainer Stumpf / MAIN-POST, Würzburg
Die zugrunde liegende Geschichte - eine Art von Putzfrauenaffäre - liest sich wie eine Provinzposse. Der 1. Bürgermeister von Markt Zell am Main, der dabei nicht sonderlich geschickt agierte, schoss sich auf die unbotmäßige Zeitung ein, die über den fraglichen Vorgang regelmäßig berichtet hatte. Letztlich versuchte der Bürgermeister, die Informationsrechte der (ihm unliebsamen) Presse auszuhöhlen.
Dies jedoch misslang. Zwar obsiegte der Bürgermeister in der ersten Instanz, doch das oberste Bayerische Verwaltungsgericht hob das erstinanzliche Urteil auf und setzte neues und endgültiges Recht: Medien haben – im Interesse ihrer Leser - weitgehende Ansprüche auf Informationen gegenüber der öffentlichen Verwaltung.
Diesen Anspruch konsequent durchzusetzen und auch darüber zu berichten, war der Verdienst der Würzburger MAIN-POST und deren Mitarbeiter. Sie finden alle Informationen dazu unter Putzfrauenaffäre



Wächterpreis 2004:


1. Preis: Jürgen Schreiber/Der Tagesspiegel, Berlin und Horst Cronauer/BILD-Zeitung, Frankfurt
Beide haben - ohne Absprache, aber praktisch zeitgleich - im Mordfall des elfjährigen Jakob von Metzler 2003 über die Gewalt-Androhung der Frankfurte Polizei beim Verhör des Tatverdächtigen berichtet. "Folter" ist bei uns verboten. Hier aber wurde damit gedroht, um möglicherweise ein Menschenleben retten zu können. Der Fall ist umstritten. Wie diese Information überhaupt an die Öffentlichkeit gelangte, wie die Menschen darauf reagierten, wie dies den Mordprozess beinflussen könnte usw., all das können Sie unter "Folterdrohung" nachlesen.


2. Preis: Andreas Jungbauer/MAIN-POST, Würzburg
Der Namensgeber für die Würzburger Sporthalle, der gebürtige Würzburger Carl Diem, sowie Patron für die gleichnamige Sportmedaille hat ausgedient - beides wird nach langen Diskussionen umbenannt. "Carl Diem" - berühmtes Leitbild für viele Sportler - hatte noch im März 1945 auf dem Berliner Reichssportfeld vor Jugendlichen, die in letzter Sekunde als Kanonenfutter eingesetzt werden sollten, zum "finalen Opfergang für Führer und Vaterland aufgerufen". Das Manuskript dieser Rede, das lange angeblich "verschollen" war, sowie ein Prozess darüber sind in Würzburg der Auftakt zu einem neuen Kapitel von Vergangenheitsbewältigung, das die dortige Zeitung aufgeschlagen hatte. Hier geht es zu den Berichten "Sportidol Carl Diem".


3. Preis: Sonia Shinde, Hamburg, für die Financial Times Deutschland
Im Herbst 2002 ist ein großangelegter Betrug mit falschem Zahnersatz aufgeflogen, der zwischen Zahnärzten und der Firma Globudent in Mülheim auf kriminelle Weise regelrecht organisiert worden war – zu Lasten der Krankenkassen und zum Schaden der Patienten. Die Enthüllung geschieht über das Fernsehen (ZDF/Frontal 21) und kurz darauf in der deutschen Ausgabe der Financial Times - eine Art Arbeitsteilung zwischen TV und Printpresse, wie sie häufiger zu beobachten ist. Wie dreist dieser Betrug organisiert war und wie die Geschichte aufgeflogen ist, lesen Sie hier unter Zahnersatzbetrug.


Wächterpreis 2003:


1. Preis: Redaktion des Kölner Stadtanzeiger
Anfang des Jahres 2002 kam in Köln eine Affäre auf, die unter der Bezeichnung Kölner Müllverbrennungs- und Parteispendenaffäre bekannt wurde. Zu diesem Zeitpunkt waren die eigentlichen Vorgänge bereits zehn Jahre alt. 1995 gab es erste Berichte in der Kölner StadtRevue von denen aber niemand Notitz nahm. Erst die Verhaftungen im Jahre 2002 weckten das Interesse der Redakteure beim Kölner Stadtanzeiger. Hier geht es zum Kölner Müllverbrennungsskandal.


2. Preis: Tomas Avenarius/Süddeutsche Zeitung und Florian Hassel, Frankfurter Rundschau, beides Korrespondenten in Moskau
Obwohl ‚Konkurrenten’ für zwei überregionale Tageszeitungen taten sich die beiden Moskauer Korrespondenten zusammen. Sie nahmen gemeinsam das Risiko auf sich, heimlich nach Tschetschenien zu fahren, um von dort über den im Westen „vergessenen Krieg“ zu berichten. Die Berichte erschienen jeweils parallel in den beiden großen Tageszeitungen und konnten damit ein sehr viel höheres Maß an Aufmerksamkeit und Öffentlichkeit generieren. Diese Berichte und andere Hintergrundinformationen über die Tschetschenienkriege und das Thema Pressefreiheit in Russland finden Sie hier unter Der vergessene Krieg


3.Preis: Udo Meixner und Kollegen vom Nordbayerischen KURIER, Redaktion Pegnitz
Die aufgedeckte Affäre ist unter der Bezeichnung „Auerbacher Schulbuchskandal“ bekannt geworden. Die Recherchen nahmen ihren Anfang, als Biologiebücher in einer Realschule zensiert worden waren: von Ordensschwestern des dortigen Klosters. Die Recherchen ergaben weiter, dass es seltsame Verbindungen zum „Engelwerk“ gab, einer mysteriösen Ordenssekte. Letztlich ging es um die Manipulation von heranwachsenden Schülern der 8. und 10. Klasse.
Hier können Sie alles über den Schulbuchskandal nachlesen.