Betroffene kontaminierter Kabinenluft

Bei der "Berufsgenossenschaft Verkehr", die für die Folgen beruflich bedingter Unfälle u.a.m. zuständig ist, wurden im Jahr 2016 fast 1.000 Meldungen im Zusammenhang mit dem aerotoxischen Syndrom eingereicht. Das sind im Schnitt pro Tag 3. 

Es gibt also viele Betroffene. Bzw. gesundheitlich Geschädigte. Die allermeisten sind und bleiben einer größeren Öffentlichkeit unbekannt.

Um zu zeigen, wie "Fume Events" bzw. ganz allgemein kontaminierte Kabinenluft das Leben von Menschen verändern kann, haben wir hier einige (ganz wenige) Fälle etwas ausführlicher beschrieben. Die Realität stellt sich für die Betroffenen selbst weitaus dramatischer dar. 

"Schaden vom deutschen Volke abwenden", so lautet der Amtseid, den jeder Bundesminister und auch jene Person, die als Bundeskanzlerin die politische Geschicke führt, schwören muss.  Die Politik in Deutschland weiß spätestens seit 2011 um das Problem. 

1993

Angel BRAIN / Gulf Air

Angel BRAIN bewirbt sich bei GULF-AIR als Stewardess. Bis dahin leitet sie einen SPA in London. Die meisten ihrer Kunden kommen aus dem Orient. Die Arbeit als Stewardess bei einer orientalischen Fluggesellschaft sieht sie als Chance das Land, die Menschen und die Kultur des Orients besser kennenzulernen. GULF-AIR entscheidet sich für BRAIN und erfüllt ihr somit ihren Kindheitstraum: Stewardess. 

BRAIN zieht nach Manama, der Hauptstadt Bahrains, und beginnt zu arbeiten. Ein halbes Jahr geht alles gut.

Sie fliegt meist Langstrecken in Maschinen der Boeing 767.

Ab und zu bemerkt sie und ihre Kollegin einen beißenden Geruch, vergleichbar mit dem Geruch nach nassem Hund. Manchmal auch in Begleitung eines leichten Dunstes in der Kabine. 

Wenn solche Vorfälle eintreffen, sind Passagiere oft sehr müde, Crew-Mitglieder schlafen sogar plötzlich ein. Auch BRAIN ist teilweise an Board so müde, dass sie ihre Arbeit nicht weiter fortsetzen kann.

Rückblickend, seit sie weiß, dass es sich bei solchen Vorfällen um Fume-Events gehandelt hat, kann sie sicher sagen, dass sie häufig solcher Fume-Events erlebt hat.

Im eigenen Krankenhaus der Fluggesellschaft (Bahrain Specialist Hospital) wird sie mit Medikamenten behandelt. BRAIN geht es schlecht, sie wird depressiv. Die behandelnden Ärzte fordern BRAIN auf, Eisentabletten zu nehmen. Sie glauben,  dass BRAIN anämisch und dem Druck der Arbeit nicht gewachsen sei. BRAIN ist sich heute sicher, dass ihr Körper einfach nur genug von den giftigen Dämpfen hatte, die sie ganz oft eingeatmet hatte. Mit BRAINS Krankheit entzieht ihr GULF-AIR die Fluglizenz.

Rückkehr nach England

1995 zieht BRAIN nach England zurück. Dabei macht sie sich Sorgen, weil sie nicht mehr dieselbe ist, die sie vor Antritt ihrer Tätigkeit als Stewardess war: physisch, mental und gefühlsmäßig.

Sich selbst helfen

2013 besucht BRAIN in London eine von der GCAQE (Global Cabin Air Qualitiy Executive) organisierten Konferenz über kontaminierte Kabinenluft mit zahlreichen internationalen Experten. Britische Ärzte können ihr nicht helfen, deshalb will sie sich selbst informieren. 

Dort spricht sie auch mit Prof. Dr. ABOU-DONIA aus den USA. Da BRAIN nur von einer kleinen Sozialrente lebt, kann sie sich teure Arztbesuche und spezielle Untersuchungen nicht leisten. ABOU-DONIA bietet BRAIN an ihr Blut kostenlos zu untersuchen. BRAIN lässt sich in einem speziellen Labor Blut entnehmen. Dort wird es speziell aufbereitet. Jetzt hat sie Gewissheit: Sie leidet an einer Vergiftung, die auf eine Vergiftung durch Organophosphate zurückzuführen ist. Organophosphate wie sie bei Fume Events aus dem verdampften Motoröl der Turbine in die Kabine gelangen.

Ein Anwalt rät ihr von einer Klage ab. Grund: sie hat nicht in England, sondern in den Arabischen Staaten gearbeitet.

Treffen mit Tim van BEVEREN

Angel BRAIN trifft sich 2014 erneut mit Tim van Beveren. Dieser hat bei GULF-AIR um Stellungnahme gebeten: keine Reaktion.

Da BRAIN nur eine kleine Invalidenrente erhält, kann sie sich bis heute keine spezielle medizinische Hilfe holen


1998

Bearnairdine BAUMANN bzw. BEAUMONT / Lufthansa

Bearnairdine BAUMANN/BEAUMONT - seit 1977 Chef-Stewardess bei Lufthansa - muss ihren Beruf aus gesundheitlichen Gründen aufgeben. Sie leidet an mehreren neurologischen Syndromen, bei denen auch die Ärzte nicht weiter wissen. Der einzige Anhaltspunkt: Es muss etwas mit den Chemikalien in der Kabinenluft an Bord zu tun haben.

2010 fliegt Bearnairdine BAUMANN als Passagierin und atmet giftige Dämpfe in Form einer Rauchwolke ein. Ihr Körper reagiert sofort darauf. Seit diesem Flug leidet sie unter Muskelschwäche und Gleichgewichtsstörungen. Seither fliegt sie, wenn sie überhaupt noch fliegt, nur mit einer Aktivkohlemaske - wohl wissend, dass dies in einem Ernstfall nicht wirklich hilft: 

Bearnairdine BAUMANN fliegt nur noch mit einer Aktivkohlemaske. Aus dem Film "Ungefiltert eingeatmet" von Tim van Beveren.

Seit 2011 unterstützt BAUMANN ehrenamtlich ein Netzwerk für Betroffene des AETX im Netz: www.aerotoxicteam.com. Und sie dokumentiert auf ihrer Facebook-Seite Fume-Events: www.facebook.com/aerotoxicsyndrome

Sie erhält Zuschriften von tausenden Leuten weltweit. Aktuell hat sie Kontakt zu 500 Betroffenen. Heute lebt sie in den Schweizer Alpen, da ihrem Körper die klare Bergluft gut tut. Allerdings ist sie körperlich so beeinträchtigt, dass sie am Stock gehen muss.

Unter dem Namen Bernairdine BEAUMONT veröffentlichte BAUMANN 2015 das Buch "The Air I Breathe - It's Classified"


2002

Sandy VERMEER, Flugkapitän im Lufthansa-Konzern

Es ist das Jahr, in dem der Lufthansa-Kapitän Sandy VERMEER insgesamt 9 Male bei seiner Arbeit, also beim Steuern in der Kanzel, von Fume Events überrascht wird. Im Januar 2002 gleich zwei Male an einem Tag. Der Captain und sein Co fliegen eine BAe 146 Avroliner. Dieses Flugzeug hat sich schon in Australien als besonders anfällig für das Problem kontaminierter Luft im Flugzeug erwiesen.

Während des Fluges von Katovice nach Frankfurt entwickelt sich im Cockpit ein Gestank, der „alten Socken“ gleicht, wie DER SPIEGEL rapportiert.

Der Geruch ist kaum auszuhalten. Sandy VERMEER dröhnt der Kopf und seinen Co-Piloten überkommt ein Würgereiz. Beide fühlen sich so schlecht, dass sie sich die Sauerstoffmasken aufsetzen. Erst jetzt bemerken sie, wie schlecht es ihnen vor dem Aufsetzen der Maske tatsächlich ging.  VERMEER beschreibt das Aufsetzen der Sauerstoffmaske „als würde ein Schleier über ihm und seinem Co-Piloten weggezogen“. Sie können die Maschine aber sicher landen und übergeben das Flugzeug an die Techniker.

Mit derlei Vorfälle wird VERMEER die nächsten Jahre noch öfter konfrontiert. Nach und nach bemerkt er gesundheitliche Veränderungen an sich, wie z. B. Abgeschlagenheit, Erschöpfung, drei Tage hintereinander Schluckauf. Es folgen Herzrhythmusstörungen. Auf Anraten seiner Ärzte absolviert er eine Psychotherapie.

Ein paar Monate setzt er sich noch hinter das Steuer eines Flugzeugs. Der Gestank und die Beschwerden tauchen allerdings immer wieder auf. Folge: er leidet immer mehr an Angststörungen, konkret: ein Angsttrauma mit Panikattacken, wie ein Psychiater diagnostiziert. 2008 wird er flugunfähig geschrieben. Aus der Traum. Und aus der Beruf.

Und Ende mit Gehaltszahlungen seitens seines Arbeitgebers. Die Lufthansa bzw. deren Tocher Cityline lässt ihn auflaufen. Wohl als Strafe, denn VERMEER hat innnerhalb des Unternehmens regelmäßig auf das Problem aufmerksam gemacht, Antworten und Lösungen eingefordert. Und auch nach außen hin hat der Kapitän kein Blatt vor den Mund genommen. Mehrfach hatte er Journalisten Rede und Antwort gestanden und die Meinung vertreten: das aerotoxische Problem ist ein Gesundheitsproblem. Nicht nur für die fliegende Crew, sondern auch für die Passagiere. 

  • Doch derlei Engagement mag die Deutsche Lufthansa AG offenbar gar nicht. Sie lässt den fluguntauglichen Piloten schmoren.:
    Gehalt zahlt sie ihm nicht, denn er kann ja keine vertragliche Arbeitsleistung anbieten.
  • Kündigen tut sie ebenfalls nicht, denn dann würde er mit eine Kündigungsschutzklage reagieren und dann käme der Sachverhalt vors Arbeitsgericht. Und erneut an die Öffentlichkeit.
  • Eine Arbeit am Boden bietet die Lufthansa, etwa aus Gründen der Fürsorgepflicht, ihrem gewissenhaften Piloten ebenfalls nicht an – Strafe muss sein!

Jetzt lebt VERMEER - zunächst - von seiner Lost-Licence-Versicherung. Die garantiert ein Mindesteinkommen. Aber nur für einige Jahre. Als die Absicherung 2015 ausläuft, muss VERMEER gegen seinen Ex-Arbeitgeber klagen. Es kommt zu einem Vergleich vor dem Arbeitsgericht: Der ehemalige LH-Kapitän bekommt eine (sehr) bescheidene Abfindung. Im Gegenzug muss er sich einer Verschwiegenheitserklärung unterwerfen:

Der Kläger wird insbesondere keinen Kontakt zu Medien aufnehmen oder unterhalten, um dort unter Nennung des Namens der Beklagten oder einer anderen Konzerngesellschaft über durch Öldämpfe kontaminierte Kabinenluft Äußerungen zu tätigen. Dem Kläger ist bewusst, dass er damit gegen das im Sinne dieser Vereinbarung festgelegte Wohlverhalten verstoßen würde. Für jeden Fall des Verstoßes verpflichtet sich der Kläger eine Vertragsstrafe in Höhe eines letzten Bruttomonatsgehalts von EUR 11.054 zu zahlen.“



ab 2011

Richard WESTGATE / British Airways

WESTGATE, der 1969 in Sailsbury in England geboren wurde seit 1996 als  Pilot arbeitet, verliert seine medizinische Flugtauglichkeit, die Voraussetzung seiner Piloten-Lizenz. Er hat ständig Schmerzen und sucht Hilfe bei Ärzten in seiner Heimatstadt. Die Karriere im Cockpit ist schlagartig beendet. Er braucht also juristische und medizinische Hilfe. Mit WESTGATE geht es immer weiter bergab. Laut seinem Anwalt Frank CANNON (ehemaliger Pilot und früherer Besitzer einer kleinen Fluggesellschaft aus Schottland) hat er starke Schmerzen, versucht diese aber zu verbergen.

Der ehemalige Pilot Richard WESTGATE. Foto: Tim van Beveren.

Nach eigenen Recherchen von WESTGATE hängen seine Leiden mit der Zapfluft in Flugzeugen zusammen.

WESTGATE verliert seine Fluglizenz. Seine Ärzte können ihm ebenfalls nicht helfen, keiner weiß wie: insgesamt 22 Ärzte, die mit seinen Symptomen nichts anfangen können. Der letzte überweist ihn in eine Psychiatrische Klinik, was Ärzte gerne tun, wenn sie nicht mehr weiterwissen. In der Psychiatrie verabreicht man WESTGATE Psychopharmaka. Darauf hin entlässt er sich selbst und reist nach Amsterdam.

Er besucht Dr. Michael MULDER in Holland, einen Arzt und ehemaligen KLM-Piloten, der sich mit dem aerotoxischen Syndrom beschäftigt. MULDER war 18 Jahre lang für die KLM geflogen, bis er merkwürdige Veränderungen an sich feststellte: Konzentrationsstörungen, Nachlassen des Gedächtnis. MULDER kündigte. Und wurde Mediziner. Jetzt forscht er an dem, was er auch selbst erlebt hat.

Laut MULDER hat WESTGATE große Schmerzen und seinen Körper schlecht unter Kontrolle. Außerdem leidet er an seiner eingeschränkten Gehirntätigkeit. MULDER stellt für WESTGATE ein Therapie-Team zusammen. Mit MULDER fliegt WESTGATE noch ein letztes Mal in MULDER's privaten Maschine (einem Zweisitzer).

Die Symptome bleiben nach wie vor und es tritt trotz Behandlung keine Besserung ein. In England diagnostizierte man WESTGATE sogar das Münchhausen Syndrom (er würde sich seine Schmerzen nur einbilden).

WESTGATE begibt sich jetzt endgültig nach Holland in medizinisch-therapeutische Behandlung zu Dr. MULDER, da man ihm in Großbritannien nicht helfen kann.

Im April sucht WESTGATE den auf Luftfahrt spezialisierten Anwalt Frank CANNON auf, weil er aus medizinischen Gründen flugdienstuntauglich geschrieben wurde. Während seiner Zeit als Pilot flog er u.a. den Airbus A319 und A920 (die Kurzstreckenflotte für europäische Routen).

WESTGATE hinterließ bei CANNON einen bleibenden Eindruck. Der beschrieb WESTGATE als umgänglich und beeindruckend. WESTGATE war ein leidenschaftlicher Paraglider. Für sein Hobby reiste er um die ganze Welt. Er hatte sogar einen Eintrag im Guinnes Buch der Rekorde.

Als CANNON im April 2012 auf WESTGATE traf, war er laut CANNON eindeutig nicht mehr in der Verfassung eines leidenschaftlichen Extremsportlers und Pilotens. CANNON beschreibt ihn als kranken und veränderten Menschen.

WESTGATE verbringt den Winter in einem Hotel in Amsterdam, ganz in der Nähe von MULDERS Praxis. Er ist sehr einsam und hat weder Freunde noch Familie um sich herum. WESTGATE will nicht, dass ihn seine Familie in seinem Zustand sieht. Er hat den festen Willen wieder gesund zu werden.

WESTGATE verbringt den Abend des 11.12.2012 in der Hotel-Lobby vor dem Computer. Er sucht Kontakt zu weiteren Betroffenen. Er surft bis zum frühen Morgen im Internet und zieht sich gegen 2 Uhr morgens in sein Hotelzimmer im Erdgeschoss zurück. Das ist das letzte Mal, dass man ihn lebend gesehen hat.

2017 wird sich es einen weiteren Bericht des Coroner Dr. Simon FOX geben. Der nimmt keine nochmalige Autopsie vor, sondern liest nur alle bisherigen Berichte und prüft die Proben ein weiteres Mal. Zu neuen Erkenntnissen kommt er nicht. Er bestätigt nur das, was bereits bekannt war. Dass WESTGATE in der fraglichen Nacht - versehentlich oder bewusst - eine Überdosis des Schmerzmittels Pentobarbital genommen hatte. Ein Container, aus dem die Arznei stammte, konnte allerdings nie gefunden werden.

Das Vermächtnis

WESTGATE hat seinen Körper der Wissenschaft vermacht, damit das aerotoxische Syndrom besser erforscht werden kann. Deswegen wird jetzt seine Leiche beschlagnahmt. 

Das Besondere an diesem  Fall: es können zum ersten Mal Zusammenhänge zwischen kontaminierter Kabinenluft und einer schweren Erkrankung hergestellt und wissenschaftlich belegt werden.

Am 17.12.2012 findet die Untersuchung der Leiche von Dr. MULDER und Dr. Frank VAN DE GOOT (forensischer Pathologe im Westgate Research Team). Befund: entzündete Nervenzellen im ganzen Körper.

Forensisch-pathologische Analysen an Gewebeproben aus dem Gehirn, dem Rückenmark und Nerven des Verstorbenen werden durchgeführt.

Professor Mohamed B. ABOU-DONIA von der Duke-Universität in den USA und sein Team untersuchen ebenfalls neun Monate lang Zellproben von Richard Westgate. Die Ergebnisse veröffentlicht der Spezialist gemeinsam mit Dr. Michel MULDER (letzter behandelnder Arzt von WESTGATE).

Vor Veröffentlichung werden die Ergebnisse nochmals von sechs weiteren Fachleuten geprüft.

Die Veröffentlichung zu den Ergebnissen lässt sich hier einsehen.

Ergebnis: WESTGATE litt an Symptomen, die man mit dem gleichzeitigen Auftreten folgender Krankheiten vergleichen kann: Herzmuskelentzündung, Leukämie, multipler Sklerose und zusätzlich einer Arsen- und Insektizidvergiftung. Alle Krankheiten wurden zu Lebzeiten ausgeschlossen. Und krank oder schwächlich war WESTGATE nicht. IM Gegenteil: er war eine sportliche Natur, war leidenschaftlicher Paraglider und liebte schnelle Autos.

Am 18.01.2013 wird WESTGATE in seiner Heimatstadt der Provinz Dorset im Südwesten Englands.

Nach der Beerdigung werden die sichergestellten Proben und Organe von den Behörden freigegeben. Wunsch WESTGATES: die Untersuchung mit einer Kamera begleiten. Ein Team von mehreren Wissenschaftlern beginnt mit der Untersuchung von Herz, Gehirn und Nerven. Die Proben werden aufgeteilt und an unterschiedliche Labore für Analysen versendet. 

An der Duke University in North Caroliner untersucht Prof. Dr. ABOU-DONIA die Proben. Er sucht nach Markern im Blut, die für die Hirnschäden verantwortlich sind. Die Marker WESTGATES waren die höchsten, die er je gesehen hat. Die Untersuchung bestätigt außerdem, dass WESTGATES Erkrankung mit einer Organophosphat-Exposition im Zusammenhang steht. Dem Hirn und den Nerven wurden also durch giftige Stoffe irreversible Schäden zugefügt. Außerdem zeigt es auch, dass viele der Symptome des aerotoxischen Syndroms direkt mit den Teilen des Gehirns und Körpers zusammenhängen, die eingeschränkt sind.

Bemerkenswert ist auch, dass WESTGATE zu seiner Zeit als Pilot nicht viele offensichtliche Fume-Events erlebt hat. Seine Schäden stammen eher von regelmäßigen, niedrigen Organophosphaten, die er während seiner Flüge eingeatmet hat.

Der Chef-Gerichtsmediziner von Dorset Stanhope PAINE kommt zu dem Entschluss, dass Handlungsbedarf besteht und zukünftige Fume Events und dadurch mögliche Todesfälle, verhindert werden müssen. Er veröffentlicht eine amtliche Mitteilung, adressiert an British Airways sowie an die britische Zivililluftfahrtbehörde. Mit dieser Mitteilung wird das Problem der toxischen Stoffe in der Kabinenluft und die damit verbundenen Gafahren erstmals amtlich festgestellt


31.01.2013

Joanne de BOTT

Auf dem Rückflug einer Boeing 737 800 der Fluglinie Transavia (Flug HV 6146), erlebt die Passagierin Joanne de BOTT einen Fame Event. Stewardessen können während des Fluges nicht arbeiten und viele Passagiere verlassen krank das Flugzeug.

Seit diesem Tag leidet DE BOTT an neurologischen Problemen und Ausfällen. So falle (ihr  z. B. oft bestimmte Wörter nicht ein. Als sie einen Tag nach dem Vorfall zum Arzt gehen will, findet sie den Weg zu ihrem jahrelangen Arzt nicht mehr.

Tim VAN BEVEREN kontaktiert daraufhin die Fluggesellschaft Transavia und konfrontiert sie mit diesem Vorfall. Antwort: Der Fluggesellschaft ist kein Risikoereignis während des Fluges bekannt


20.03.2013

Freya von der ROPP, ehemals Condor

„Wir lieben das Fliegen“, so das Motto der Fluggesellschaft.

Das machen auch die Stewardessen, denn sonst hätten sie diesen Beruf nicht gewählt. Darunter: Freya von der ROPP, alleinerziehende Mutter von zwei Kindern.

Condor / Flug 5944 / eine Boeing 757 von Hamburg nach Las Palmas auf Gran Canaria. An Bord eine 8-köpfige Crew sowie 239 Passagiere.

Stewardess Freya von der ROPP bemerkt während des Anflugs auf Las Palmas (Gran Canaria) einen seltsamen Geruch in der Kabine. Auch ihre Kollegin riecht es. Der Geruch wird immer stärker und von der ROPP und ihrer Kollegin geht es schlecht. Beide klagen über Übelkeit, Kopfschmerzen und fühlen sich wie betäubt. Auch der Copilot fühlt sich schlecht und muss sogar seine Sauerstoffmaske aufsetzen. Das Flugzeug landet aber sicher in Las Palmas.

Auf Anweisung der Condor-Wartung in Frankfurt, wird das Flugzeug vom Bodentechnikern in Las Palmas untersucht. Dabei kann kein Mangel festgestellt werden. Die Besatzung entscheidet sich für einen Testlauf der Triebwerke und der Klimaanlage.

Von der ROPP und ihre Kollegin haben Angst, dass der Geruch wieder auftritt. Um sicherzugehen, dass der Geruch aus den Drüsen kommt, stellt sich von der ROPP auf Anweisung des Kapitäns direkt unter eine Düse und atmet ein. Der Geruch kommt tatsächlich aus der Düse. Von der ROPP möchte dies dem Piloten mitteilen und macht sich auf den Weg zum Cockpit. Nach zwei Reihen allerdings bricht sie zusammen. Ihr ganzer Körper versagt. Von der ROPP hat den Gedanken, dass es sich so anfühlen muss, wenn man vergast wird. Ihr Körper funktioniert nicht mehr, er ist taub und kribbelt zugleich, sie hat wahnsinnige Kopfschmerzen und ihr ist sehr übel. Außerdem rast ihr Herz.

Sofort leisten ihre Kolleginnen Erste Hilfe. Eine Kollegin versorgt sie mit Sauerstoff, was für von der ROPP sehr erleichternd wirkt. Während der Hilfemaßnahmen hat von der ROPP einen Tunnelblick. Ihre Gedanken kreisen sich nur um ihre Kinder. Gleichzeitig ist sie so müde, dass sie nur schlafen möchte.

Ein Krankenwagen bringt dann sie und ihre Kollegin ins Stadtzentrum. Erst die dritte kann ihnen weiterhelfen. Ihnen wird Blut und Urin entnommen. Außerdem werden ihre Reflexe getestet und sie werden geröngt. Von der ROPP hat keine Reflexe mehr im Knie. 

Spät nachts erreichen sie dann ihr Hotel. Besser geht es ihnen aber noch nicht. Von der ROPP ist alleine auf ihrem Zimmer, ist ängstlich und hatte einen seltsamen Gang. Aus Angst was mit ihr weiter passiert, schließt sie ihre Zimmertür nicht ab. Sie hat auch Angst, dass sie nicht mehr aufwacht.

→ kein Untersuchungsbericht bei BFU

Rückkehr nach Berlin

Von der ROPP  wieder zurück in Berlin. Sie begibt sich in das berühmte Krankenhaus "Charité" zur weiteren Behandlung. Doch da kann man ihr nicht helfen. Die Symptome der zweifachen Mutter bleiben unverändert. Von der ROPP ist ab nachmittags sehr müde, sodass sie nichts mehr machen kann. Sie fühlt sich dadurch in ihrem Leben und ihrem Alltag sehr eingeschränkt. Auch die Ungewissheit wie es denn weitergeht, macht ihr sehr zu schaffen. 

Dreimal in der Woche geht sie zur Physiotherapie. Sie ist täglich damit beschäftigt, alle Termine wahrzunehmen, die ihr bei ihrer Genesung helfen sollen. Das ist aktuell ihr heutiger 'Job' - ihre Arbeitsstelle im Flugzeug hat sie verloren: sie ist ja fluguntauglich.

Ihr Antrag auf Berufsunfähigkeit und Rentenzahlung bei der Berufsgenossenschaft Verkehr (die u,a, von den Airlines finanziert wird) hat keinen Erfolg - er wird abgelehnt. Begründung: ihre Symptome sind das Ergebnis einer Hyperventilation. Oder, wenn doch noch ein anderer Grund: dann wäre es Enteisungsflüssigkeit, die als Auslöser dieses Vorfalls in Frage käme.

Wie auch immer: Enteisungsflüssigkeit ist nicht giftig. Man riecht sie nur.

Als die spanische Untersuchungsbehörde das betroffene Flugzeug wieder freigibt, fliegt die Maschine nach Deutschland zurück. Auf dem Rückflug:  zwei weitere Fume-Events. Die Besatzung muss mehrmals die Sauerstoffmasken aufsetzen. Dieser Vorfall wird zwar der BFU gemeldet, aber nicht untersucht.

Im Oktober 2015 wird der Antrag auf Entschädigung von von der ROPP an die Berufsgenossenschaft (BG-Verkehr) abgelehnt. BG-Verkehr zwingt dadurch von der ROPP und weitere Geschädigte, ihre Forderungen gerichtlich geltend zu machen