Warum wir uns mit "Kabinenluft" und "aerotoxischem Syndrom" beschäftigen

Anmerkungen zu einem offenbar brisanten Thema

Wir hatten uns vor einigen Jahren mit den giftigen Holzschutzmitteln auseinandergesetzt, insbesondere den Produkten "Xyladecor" und "Xylamon": Warum es so lange gedauert hat, bis offiziell anerkannt wurde, dass sich darin hochtoxische Stoffe befinden. Warum die Behörden das Problem ständig heruntergespielt hatten. Warum die Industrie, insbesondere der Chemieriese BAYER aus Leverkusen, dieses Produkt ständig weiterverkauft hatte, obwohl die Manager wussten, dass die Waren giftig waren. Und warum sich so gut wie niemand um jene gekümmert hatte (und es bis heute nicht tut), die gesundheitliche Langzeitschäden davongetragen haben. Oder gestorben sind.

Die Antworten, die wir unter www.ansTageslicht.de/Holzschutzmittel dokumentiert haben, waren vergleichsweise einfach, aber zugleich erschreckend:

  • Die Giftigkeit war schnell klar, aber der fragliche Wissenschaftler hatte ein offizielles Redeverbot und hat sich daran gehalten - 28 Jahre lang. In den Behörden arbeiteten 'Beamte', die einen sicheren Job hatten, und denen es offenbar gleichgültig war, was sie gemacht, z.B. dazu veröffentlicht hatten. Vielleicht gab es auch Anweisungen von oben - das konnten wir allerdings nicht mehr herausfinden, dazu war es zu spät.
  • Die Politik hatte erst reagiert, als viele andere Skandale, aufgedeckt durch die Medien, die Glaubwürdigkeit der fraglichen Behörden (z.B. Bundesgesundheitsamt, das es heute nicht mehr gibt) erschüttert hatten.
  • Dem BAYER-Konzern ging es ums Geldverdienen und um nichts anderes.
  • Dazu bezahlte BAYER beispielsweise einen externen Wissenschaftler: Prof. Dr. Gerhard LEHNERT, der eine Professur für Arbeitsmedizin an der Uni Hamburg hatte und später Präsident der Deutschen Gesellschaft für Arbeitsmedizin und Umweltmedizin (DGAUM) wurde. Und natürlich Träger des "Bundesverdienstkreuz" ist. Gleichzeitig agierte er vor den Sozialgerichten als "unabhängiger Gutachter" und sagte gegen die Holzschutzmittel-Geschädigten aus: Es gäbe keinerlei kausale Zusammenhänge.
    In der Branche nannte man ihn deswegen auch "Professor ABLEHNERT".
    Der Mann war 'gekauft': Er hatte einen Beratervertrag mit dem BAYER-Konzern.

Was die Studierenden gelernt hatten: Nur durch akribische Recherche kommt man solchen Strukturen auf die Spur. Und nur dann passiert politisch etwas, wenn der öffentliche Druck groß wird. 

Jetzt sind die fraglichen Produkte schon lange aus dem Verkehr, der chemische Grundstoff "PCP" (Penta-Chlor-Phenol) verboten. Und die gesundheitlich Geschädigten ohne Wiedergutmachung, sofern sich unheilbare Schäden überhaupt wieder 'gut' machen lassen.

Inzwischen gibt es ganz offensichtlich ein anderes Problem, das durch unterschiedliche Begriffe wie "Smell Events", "Fume Events", kontaminierte, sprich: vergiftete Kabinenluft umschreiben lässt, dessen - potenzielle - gesundheitliche Auswirkungen auch mit dem Schlagwort "aerotoxisches Syndrom" zusammengefasst werden. Im Deutschen benutzen die Unternehmen (Airlines, Flugzeughersteller) und die Behörden bevorzugt das Wort "Geruchsereignisse". Letzteres klingt nicht so dramatisch und offenbar soll es das auch. Sprachwissenschaftler könnten eine Menge dazu sagen, wie man mit unterschiedlichen Wörtern und Begriffen die kognitive und emotionale Wahrnehmung beeinflussen kann.

Wir benutzen die unterschiedlichen Begrifflichkeiten abwechselnd und ohne ersteinmal da etwas hinein zu interpretieren. Wir wollen wissen, was es damit auf sich hat. 

Was wir sehen, sind Menschen, konkret Piloten und Flugbegleiter, inzwischen auch die ersten Vielflieger, die nach entsprechenden Vorfällen (soweit sie bekannt werden), gesundheitliche Probleme bekommen. Und dass sich dann in deren Körpern (wenn deren Blut schnell genug untersucht wird) chemische Stoffe befinden, die sonst nicht Bestandteil der normalen Lebenswirklichkeit sind, deren Existenz man aber nachweisen und erklären kann, wenn toxisches Motorenöl für die Turbinen verdampft oder Hydraulikflüssigkeit in die Kabinenluft gelangt. 

Was uns auffällt sind die Parallelen zum Holzschutzmittel-Syndrom:

  • ähnliche Zeitabstände zwischen Wahrnehmung der Probleme und der Akzeptanz dieser Probleme (von Einsicht ist offenbar noch nicht zu reden)
  • die Reaktionen der Verantwortlichen (z.B. Airlines, Flugzeug- und Turbinenbauer), die alles herunterspielen 
  • die Untätigkeit der Politik und ihrer nachgelagerten Behörden
  • die weitgehend abstreitende Haltung der meisten Arbeits- und Umweltmediziner, z.B. in der DGAUM
  • und der Umstand, dass die Geschädigten alleine gelassen werden

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