Die Wissenschaftler und Experten: ein ABC

Dies ist eine erste Zusammenstellung von jenen, die im Zusammenhang mit kontaminierter Kabinenluft forschen, lehren und gutachten. Es sind die wichtigsten Vertreter beider Seiten portraitiert:

  • Jene, die die Gesundheitsprobleme von Menschen und die offensichtlichen Zusammenhänge ernst nehmen - jedenfalls solange sie nicht widerlegt sind
  • und andere, die das Problem ganz grundsätzlich in Frage stellen oder kleinreden.

Demnächst sollen weitere und ausführlichere Darstellungen folgen.

Prof. ABOU-DONIA, Mohamed (USA)

Professor der Pharmakologie und Biologie. Er arbeitet an der Duke University Durham in North Carolina. ABOU-DONIA untersuchte die beim Aerotoxischen Syndrom relevanten Stoffe der Organophosphatgruppe und bestätigt in seinen Studien die gefährliche Wirkung von TCP auf den menschlichen Körper. Er testete in einer Studie das Blut von Flugbegleitern und Piloten. Dabei zeigten die Testpersonen erhöhte Werte bestimmter Autoantikörper, diese sind ein Indikator für Auto-Immun Erkrankungen oder Krebs. Die Werte dieser Antiköper normalisierten sich, nachdem die Testpersonen nicht mehr flogen. 

Seine Erkenntnisse, wie er sie in dem Film “Ungefiltert Eingeatmet“ beschreibt: 

 „…Jeder Atemzug ist eine Dosis… Wenn die inhalierte Chemikalie im Gehirn ankommt, verursacht sie Hirnschäden … Das führt zum Verlust von Funktionen, wie Probleme mit dem Gedächtnis, zu Muskel- und Gelenkschmerzen und Kopfschmerzen. Kopfschmerz ist ein wichtiger Hinweis auf eine Organophosphat-Vergiftung“. 

"Organophosphate wurden ursprünglich entwickelt um Menschen zu töten, als Nervengase. Wenn hohe Dosen dieser Chemikalien das Gehirn erreichen, unterdrücken sie ein Enzym, das für unser Leben sehr wichtig ist. Bei sehr geringen Dosen gibt es einen anderen Effekt, genannt "OPIDN", der zum Zelltod im Gehirn, dem Rückenmark und den peripheren Nerven führt. Der Langzeiteffekt, "OPICN“... führt zum Zelltod in Teilen des Gehirns, die sehr kritisch sind: Der Hirnrinde, dem Hippocampus und dem Kleinhirn." 

Zusammengefasst:

OPIDN (Organophosphate-induced delayed neuropathy): Erkrankung des peripheren Nervenssstems, ausgelöst durch eine Organophosphat-Vergiftung. Führt zum Zelltod im Rückenmark, Gehirn und dem peripheren Nervensystem.

OPICN (Organophosphorus ester-induced chronic neurotoxicity): Chronische (dauerhhafte) Nervenerkrankung, quasi der Langzeit-Effekt einer regelmäßigen Kontamination mit Organophosphaten. Die Symptome sind vielfältig: Von Kopfschmerzen, Müdigkeit und Konzentrationsschwierigkeiten über Depressionen, Schlaflosigkeit bis hin zu motorischen Störungen und Gedächtnisverlust. Die Anerkennung als Krankheitsbild ist aufgrund des breiten Symptomspektrums sowie der angewandten Untersuchungsmethoden umstritten. 

Webseite: 

https://dibs.duke.edu/scholars/mohamed-abou-donia

Zusammen mit Chris WINDER verfasste ABOU-DONIA 2005 eine wissenschaftliche Arbeit über die Auswirkungen des „OPICN“-Effekts: 

Contaminated Air Protection Conference: Proceedings of a Conference, held at Imperial College, London, 20-21 April 2005, Winder, C., editor, University of New South Wales, Sydney, 2005, pp 59-90

ABOU-DONIA schrieb 2013 im Journal of Toxicology eine Abhandlung über den Nachweis von erhöhten Autoantikörpern im Blut von Flugbegleitern:

Abou-Donia, MB; Abou-Donia, MM; ElMasry, EM; Monro, JA; Mulder, MF Autoantibodies to nervous system-specific proteins are elevated in sera of flight crew members: biomarkers for nervous system injury.. 76 6: 363-380. Journal of Toxicology & Environmental Health: Part A (2013) 


Prof. BAGSHAW, Michael (UK)

BAGSHAW war Jet-Pilot der Royal Air Force (Anm.: Da Militärjets keine Zapfluft-Versorgung haben, weil die Piloten Sauerstoffmasken tragen müssen, kennen diese Piloten keine Fume-Events). Er arbeitete danach als Chief medical Officer für British Airways und lehrte am King`s College London. 2012 war er Gastprofessor an der Cranfield Universität in Großbritannien.

Heute ist BAGSHAW für Airbus tätig. Er zweifelt die Existenz des Aerotoxischen Syndroms stark an und behauptet, das Aerotoxische Syndrom wäre ein „Nocebo-Effekt“ (Die Symptome seien nur eingebildet). BAGSHAW behauptet sogar, dass der Giftstoff TCP keine relevanten gesundheitlichen Schäden hervorrufen würde. DIe Aussagen von BAGSHAW und weiteren Kritikern sind auch in Andere über Fume Events, Kabinenluft und aerotoxisches Syndrom zusammengefasst.

Eine seiner Kernaussagen (laut Übersetzung aus dem Film "ungefiltert eingeatmet"):

 „…Viele der wissenschaftlichen Daten, die zur Unterstützung der Hypothese präsentiert werden, dass kontaminierte Kabinenluft das angebliche „aerotoxische Syndrom“ auslöst, halten einer wissenschaftlichen Betrachtung nicht stand“

BAGSHAW bestritt 2013 die Existenz von unabhängigen (Peer-reviewed) Untersuchungen über die toxischen Auswirkungen von TCP durch Inhalation:

„There have been no independently peer-reviewed recorded cases of neurologiacl harm in humans following dermal or inhalation exposure to TCP“ - Health Effects of Contaminants in Aircraft Cabin Air aus dem Jahr 2013. 

In dem Paper "Cabin Air Quality: A review of current aviation medical understanding" behauptet BAGSHAW, dass es keine wissenschaftlichen Beweise dafür gibt, dass durch Fume-Events Organophosphate in ausreichender Konzentration austreten, um einen toxischen Effekt zu erzeugen:

"Finally, so far as scientific evidence has been able to establish to date, the amounts of organophosphates to which aircrafts occupants could be exposed, even on multiple longterm expoures, are insufficient to produce neurotoxicity".

Michael BAGSHAW betreibt mit Steve JARVIS (ebenfalls Experte für Luftfahrtsicherheit) eine Firma (Jarvisbagshaw Ltd.) die sich mit Untersuchungen und Studien zu Luftfahrtsicherheit beschäftigt: http://jarvisbagshaw.com/

 


Dr. BALOUET, Jean-Christophe (FRA)

BALOUET studierte unter anderem an der Universität Le Sorbonne in Paris und arbeitete für das Smithonian Institute, er ist Doktor in Earth-Science und studierte Evolutionsbiologie und Genetik sowie Paläontologie BALOUET ist außerdem Experte für Environmental Forensics (Umwelt-Forensik).

Er arbeitete 7 Jahre lang (1989-1994) für das UN-Umweltprogramm. Seine Fachgebiete sind Luftfahrtsicherheit und Boden/Luftverschmutzung. BALOUET ist Direktor der privaten Firma „Environmental International LTD.“. Diese Consulting-Firma berät Regierungen und die Industrie in Sachen Umweltschutz.

Zusammen mit Chris WINDER prägte BALOUET 1999 den Namen „Aerotoxisches Syndrom“ in einer wissenschaftlichen Veröffentlichung.

2001 schrieben die beiden eine wissenschaftliche Abhandlung über die Bestandteile von Jetöl und deren toxische Eigenschaften


Dr. BENNETT, Simon (UK)

BENNETT ist Soziologe und Direktor der "Civil Safety and Security Unit“ an der Universität Leicester (UK). Sein Fachgebiet: Risikomanagement in der Luftfahrt. BENNETT befasst sich in vielen seiner Veröffentlichungen mit dem Stress, dem FLugblegleiter und Piloten häufig ausgesetzt sind.

2005 untersuchte Bennett in dem wissenschaftlichen Artikel "The Role of social Amplification an News Values in the  Re-presentation of Risk Research: A Case Study" den Einfluss von Medienberichten auf die Wahrnehmung von Risiken. Er behauptet, die Berichterstattung in den Medien über das Aerotoxische Syndrom sei maßlos übertrieben.

2006 erschien der Artikel "Through a Glass Darkly" im Fachblatt "Air Safety Week", danach werden Informationen negativer Art in ihrer Wahrnehmung einseitig verstärkt und tragen zur Stigmatisierung bei. Danach richtet sich dann auch die mediale Berichterstattung aus - zumindest dann, wenn man Auflage und Reichweite steigern möchte. 

Webseite der Universität Leicester mit dem Profil von  BENNETT: www2.le.ac.uk/departments/management/people/simon-bennett


FURLONG, Clement (USA)

FURLONG ist Professor an der Universität Washington in Seattle. Er ist Dr. der Biochemie und hat einen Bachelor in Chemie. Er forschte an der Universität Stanford im Fachgebiet Immunbiologie (1976 bis 1977). Ein weiteres Fachgebiet von FURLONG ist die Genetik.

2011 erschien sein Artikel  "Exposure to triaryl phosphates: metabolism and biomarkers of exposure" in der Fachzeitschrift Journal of Biological Physics and Chemistry . Dieser Artikel erklärt die Gesundheitsrisiken bei Kontakt mit TCP und die Ursache der Fume-Events: Das synthetische Motoröl und schlechte Wartung der Triebwerke, die zu Lecks in der Zapfluftanlage führen. Außerdem stellte FURLONG fest, dass es bestimmte Enzyme gibt, die per Massenspektroemeter analysiert werden könnten und einen eindeutigen Hinweis auf Kontamination mit TCP Estern geben würden. Quasi ein Test auf die Kontamination mit TCP. FURLONG kritisiert in dieser Publikation die "Cabin Air sampling Study" der Universität Cranfield. Seine These: Es sei wesentlich effektiver, die Symptome von Patienten zu untersuchen, als die Qualität der Kabinenluft zu messen.

Webseite:


Prof. HENSCHLER, Dietrich (DE, verstorben)

Chemische Formeln verschiedener TCP-Isomere (aus "Die Trikresylphosphatvergiftung").

Der 2014 verstorbene Toxikologe (geb. 1914) erforschte bereits in den fünfziger Jahren die toxischen Eigenschaften von TCP (deutsch: TKP für Trikresylphosphat). Er hielt diesen Stoff für extrem gefährlich. 

Dies ist seine Aussage über TCP im Film "Ungefiltert Eingeatmet":

 „Es handelt sich um einen der elitärsten Giftstoffe, die wir überhaupt kennen. Das erzeugte Vergiftungsbild ist so erschreckend, dass man nicht davon abkommen kann, dass eigentlich alles getan werden muss, um Das (die Kontamination, anm. d. Red.) zu vermeiden“

Eine seiner wichtigsten Veröffentlichungen bezieht sich auf die Wirkung von Organophosphaten:

Henschler D. (1958): "Die Trikresylphosphatvergiftung", Klinische Wochenschrift Jg 36, Heft 14, S. 663 - 674. Damit setzte die bis heute anhaltende Diskussion über TCP ein. 

HENSCHLER gilt als Koryphäe in seinem Fach der Medizin und Toxikologie. Von 1961 an war er Mitglied der "Kommission zur Prüfung gesundheitsschädlicher Arbeitsstoffe" der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG), von 1969 bis 1992 sogar deren Vorsitzender. Zweck dieser Institution, die auch als "MAK-Kommission" bezeichnet wird (Maximale Arbeitsplatz-Konzentration): Grenzwerte für Gefahrstoffe festzulegen. 


LEARMOUNT, David (UK)

LEARMOUNT war lange Pilot und Fluglehrer. Nach mehreren Jahren in diesem Beruf erkrankte er an einer mysteriösen Nervenkrankheit, seine Fluglizenz wurde daraufhin eingeschränkt. Er arbeitet seitdem als Journalist und Flugsicherheitsexperte. Trotz seiner gesundheitlichen Probleme fliegt LEARMOUNT privat weiterhin. LEARMOUNT behauptet, die Airlines seien sich über die gesundheitlichen Risiken durch Zapfluft bewusst, würden aber die Investition in Filtersysteme und umbauten scheuen, solange sie keinen Druck von Behörden und Regierungen bekommen.

Eines seiner Statements im Film "ungefiltert eingeatmet":

 „…solange Regierungen und Aufsichtsbehördern die Airlines für dieses Syndrom nicht in die Verantwortung nehmen, müssen es die Airlines nicht berücksichtigen. Sie wissen es ist wahr, vermutlich wissen sie auch, dass sie sich darum kümmern müssen, aber sie versuchen auf Zeit zu spielen“.  

Webseite:

 LEARMOUNT schreibt unter anderem einen Blog auf dem Fachportal Flighglobal. Darunter ist auch ein Artikel über Fume-Events.


of MAR, Margaret, 31st Countess of Mar (UK)

Margaret of MAR ist beruflich Schafzüchterin und seit 1975 unabhängiges Mitglied (Crossbencher) des britischen House of Lords. Sie leidet unter dem chronischen Erschöpfungssyndrom (Myalgische Enzephalomyelitis) seit einem Berufsunfall mit einem Organophosphat-haltigen Insektizid (Sheep-dipping). Seitdem engagiert sich MAR für strengere Regeln bei der Verwendung von Organophosphaten.

Am 11. Dezember 2013 brachte sie das Thema der kontaminierten Kabinenluft bei einer Rede vor dem Parlament auf den Tisch. Ihre Fragen und die Antwort der konservativen Regierung lässt sich hier nachlesen: Aviation: Air Quality.

Webseite:


Dr. MICHAELIS, Susan (AUS)

MICHAELIS ist ehemalige Pilotin und Fluglehrerin mit über 5000 geflogenen Stunden seit 1987. Sieben Jahre später, 1994, stellte MICHAELIS erste Symptome des Aerotoxischen Syndroms an sich fest. Insbesondere, wenn sie in Maschinen vom Typ "BAe 146" flog (Die Flugzeuge dieses Typs sind bekannt für ihre Probleme mit der Zapfluftanlage, wie eine australische Studie zeigt).

Seit 1997 ist Susan MICHAELIS aufgrund ihres Gesundheitszustands nicht mehr in der Lage, ihren Beruf als Pilotin auszuüben. 1999 entzog ihr die australische Flugsicherheitsbehörde (CASA) die Fluglizenz aufgrund körperlicher Probleme. MICHAELIS begann daraufhin das Thema Kabinenluft weiter zu studieren und auf das Aerotoxische Syndrom aufmerksam zu machen. 2010 schrieb sie ihre Doktorarbeit unter Supervision von Chris WINDER an der Universität New South Wales (Australien). Des Weiteren erhielt sie einen Mastertitel von der Cranfield Universität für eine Arbeit über die Verbesserung von Zapfluftanlagen in Flugzeugen.

Webseite:

Die ganze Leidensgeschichte von Susan MICHAELIS:

Veröffentlichungen:

Doktorarbeit über die Sicherheitsrisiken durch Zapfluft:


Dr. MULDER, Michel (NL)

MULDER war 18 Jahre lang Pilot und flog für die niederländische KLM, inbesondere die Boeing 737. Dann begann er Veränderungen an sich zu bemerken: Konzentrationsstörungen traten immer häufiger aus, seine Gedächtnisleistung ließ nach. MULDER kündigte und gab seinen Job auf, an dem er sehr gehangen hatte. Sein neuer Lebensentwurf: Mediziner zu werden. Und die Probleme, die man dem Problem der kontaminierten Kabinenluft nachsagte und deren Auswirkungen er selbst zu spüren bekam, medizinisch zu untersuchen. Und zu helfen. Also wurde er Arzt.

Inzwischen hat er viele Piloten und Crewmitglieder untersucht. Und er hatte den 2012 verstorbenen Piloten Richard WESTGATE in Behandlung, der nach 22 verschiedenen Ärzten in seinem Heimatland Großbritannien, die alle ratlos waren und nicht helfen konnten, seine letzte Hoffnung bei Dr. Michel MULDER sah. Mehr über den Fall WESTGATE unter Betroffene kontaminierter Kabinenluft

MULDER beschreibt im Film "ungefiltert eingeatmet" die Ergebnisse der Obduktion von WESTGATE folgendermaßen:

"Es ist eine Bestätigung, dass dem Gehirn und dem Nervensystem irreversible schwere Schäden zugefügt wurden und es zeigt auch, dass viele der Symptome des Aerotoxischen Syndroms direkt mit den Teilen des Gehirns und Körpers zusammenhängen, die eingeschränkt sind".

Und weiter macht er darauf aufmerksam, dass TCP von verschiedenen Personengruppen unterschiedlich verstoffwechselt wird (Fachbegriff: "metabolisiert" wird). Damit ist gemeint, dass der Körper schädliche Stoffe auch abbauen kann. Drei Gruppen sind es: Die größte Gruppe (ca 60%) kommt damit - offenbar - klar (Genaueres weiß man noch nicht), eine zweite Gruppe (ca 35%) bekommt kurzfristig Probleme, die sich aber wieder auflösen, wenn der Körper über genügend Kraftreserven verfügt.

Und dann die letzte Gruppe:

"Die geringen Metabolisierer, etwa 3 Prozent der Bevölkerung, die Probleme innerhalb von drei Jahren zeigen. Junge, fitte Menschen, die in drei Jahren fast zu Invaliden werden, ohne Heilung…“. 

2016 schrieb MULDER zusammen mit BALOUET den Artikel "A comparison of fresh and used aircraft oil for the identification of toxic substances linked to aerotoxic syndrome". Der Artikel befasst sich mit den toxischen Bestandteilen von gebrauchtem und frischem Jet-Öl.

Webseite von MULDER:


Prof. RAMSDEN, Jeremy (UK)

RAMSDEN hat am Fitzwilliam College, Cambridge UK und der Ecole Polytechnique Fédérale de Lausanne mehrere Disziplinen der Naturwissenschaften studiert (Mathematik, Physik, Zellbiologie, Biochemie) und besitzt einen Dr. in physikalischer Chemie. Er war zehn Jahre lang (2002-2012) Professor für Nanotechnologie an der Universität Cranfield in Großbritannien. Zwischen 2003 und 2009 war RAMSDEN zusätzlich Forschungsdirektor an der Cransfield Universität in Kitayushu, Japan. Er ist Chefredakteur der Fachzeitschriften Journal of Biological Physics and Chemistry sowie Nanotechnology Perceptions. RAMSDEN veröffentlichte in den letzten Jahren mehrere wissenschaftliche Artikel über das AETX und die Probleme mit Zapfluft.

2011 schrieb RAMSDEN einen im "Journal of Biological Physics and Chemistry" den Artikel "The scientific adequacy of the present state of knowledge concerning neurotoxins in aircraft cabin air". Der Artikel befasst sich mit der Kontamination von Kabinenluft durch Chemikalien wie TCP.

2012 schrieb RAMSDEN im gleichen Magazin den Artikel "Contaminated aircraft cabin air: aspects of causation and acceptable risk". Hier erklärt RAMSDEN die Gründe für die Verschmutzung der Kabinenluft.

2012 kritisierte RAMSDEN einen Untersuchungsbericht, den die Cranfield Universität zwischen 2007 und 2011 für das britische Verkehrsministerium erstellt hatte. In der sogenannten "Air Cabin sampling Study" kamen die Autoren zu dem Schluss, dass in Kabinenluft zwar toxische Chemikalien wie TCP enthalten seien, diese aber den üblichen Grenzwerten entsprechen würden und dementsprechend nicht gefährlich seien. Daraufhin kündigte die Universität Cranfield RAMSDEN seinen Vertrag.

2014 veröffentlichte RAMSDEN den Artikel "Is there such a thing as aerotoxic syndrome?" . Hier stellt er fest, dass der Begriff "Nocebo-Effekt" nicht auf die Symptome des Aerotoxischen Syndroms anwendbar sei, da die Symptome zu lange anhalten würden und zu massiv seien.

RAMSDEN äußerte sich im Film "Ungefiltert Eingeatmet" über die, seiner Meinung nach, falsch angesetzten Grenzwerte für den Kontakt mit TCP:

„Die Arbeitsplatz-Grenzwerte gelten, per Definition, für nichts anderes als einen Arbeitsplatz am Boden... Wir sollten auch nicht vergessen, dass als die Grenzwerte z.B. für TCP vor Jahrzehnten festgelegt wurden, diese im Hinblick auf einfache industrie-Arbeiter festgelegt wurden... nicht vergleichbar mit den Anforderungen an einen Piloten“

Webseite:


ROSENBERGER, Wolfgang (DE)

Er dürfte in Sachen Fume Events zu den best beschäftigsten Experten weltweit gehören: Wolfgang ROSENBERGER von der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Regelmäßige Forschungsaufträge in dieser Angelegenheit füllen sein Arbeitsleben. Studien und Aufträge, die mit (sehr) viel Geld unterlegt sind, landen auf seinem Schreibtisch. Zu den Auftraggebern, die mit ihm zusammenarbeiten, zählen zum Beispiel die EASA, die oberste europäische Aufsichtsbehörde in Sachen Luftfahrtsicherheit. Oder Airbus, der große europäische Flugzeugbauer. Oder die  Lufthansa - die große "deutsche" Airline. Und viele andere.

Auch bei der neuesten "Cabin-Air" Studie der EASA, die 2017 veröffentlicht wurde, steht sein Name unter den Autoren. Projektpartner: Lufthansa, Condor und British Airways.

Der Forschungsbericht der MHH, beispielsweise aus dem Jahr 2015, gibt nähere Auskunft über Wolfgang ROSENBERGER als unermüdlich forschenden Fachmann: regelmäßig als zuständig für die "Projektleitung" solcher Untersuchungen. Der anschließende Hinweis "Förderung: Wirtschaft" meint: im Auftrag der Wirtschaft. Konkret: finanziert durch die Luftfahrtindustrie. 

Genau das wollte z.B. die BFU vermeiden, als sie im Jahr 2014 bei 663 gemeldeten Fume-Events in 142 Fällen auch gesundheitliche Beeinträchtigungen konstatieren musste: Sie forderte in ihrer Studie über gemeldete Ereignisse in Verbindung mit der Qualität der Kabinenluft in Verkehrsflugzeugen ein "unabhängiges Institut" zu beauftragen, um derlei Zusammenhänge "wissenschaftlich fundiert" (S. 90) zu untersuchen und "einen möglichen Zusammenhang zwischen aufgetretenen Langzeiterkrankungen und Auswirkungen von verunreinigter Kabinenluft in Verkehrsflugzeugen zu klären und zu bewerten" (S. 92). Der Auftrag landet bei jenem Experten, der eigentlich aufgrund seiner Auslastung gar keine freien Kapazitäten mehr haben kann: Wolfgang ROSENBERGER.

Die Journalistin Petra SORGE hatte sich bereits im August 2016 dieses Phänomens angenommen und in der Onlineausgabe der Zeitschrift Cicero ihre Recherchen zu diesem Fachmann veröffentlicht: Kabinenluftforscher ohne Studium - der Überflieger. Dort stellt sie eine Reihe von Merkwürdigkeiten fest. So hat der "Projektleiter", dessen Ergebnisse und Bewertungen von der Luftfahrt als unangreifbar kommuniziert werden, beispielsweise überhaupt keinen Hochschulabschluss. Wie die MHH auf diese peinlichen Vorhaltungen reagierte, ist dort genau beschrieben. Und auch wie es kam, dass der technische Laborleiter der MHH, Wolfgang ROSENBERGER, bei einer Fachtagung der Berufsgenossenschaft Rohstoffe und Chemische Industrie 2015 zu Gefahrstoffen am Arbeitsplatz als "Diplom-Ingenieur" gelistet war. Oder wie ROSENBERGER im Referentenverzeichnis des Internationalen Symposiums für Luft- und Biomonitoring 2014 im französischen Marseille als "Lecturer" geführt wurde:

Screenshot: AIRMON 2014 / Speaker ROSENBERGER. Anklicken öffnet die Website

Und anderes mehr.

Im österreichischen Online-Luftfahrtmagazin Austrian.info findet sich noch mehr über den von der Luftfahrt bevorzugten Experten: unter der Überschrift Kontaminierte Kabinenluft: "Der Hauptmann von Hannover".

Inzwischen hat sich eine weitere Information als zutreffend erwiesen: Der Luftfahrtexperte hat noch nicht einmal Abitur.

Infos über Wolfgang ROSENBERGER

Wenige oder gar keine akademischen "Titel" zu führen, muss nichts heißen: Ein Experte zeichnet sich vor allem dadurch aus, was er macht und leistet. In diesem Fall ist die Sache eindeutig, für was und wen Wolfgang ROSENBERGER unterwegs ist.


Dr. VAN DE GOOT, Frank (NL)

Spongiose (Zellkorrosion) in den Gehirnzellen von Richard Wetgate (aus Autoantibody markers of neural degeneration are associated with post-mortem histopathological alterations of a neurologically-injured pilot)

Dr. Frank VAN DE GOOT ist Forensiker und gründete 2010 das Zentrum für Rechtsmedizin (Centrum voor Forensische Pathologie) in Baarn, Niederlande. Er ist Teil des Westgate Research Teams, welches den Körper des verstorbenen Piloten Richard Westgate untersuchte (siehe Betroffene kontaminierter Kabinenluft). VAN DE GOOT untersuchte das Gehirn sowie Nervenzellen von WESTGATE. Er fand heraus, dass viele Nervenzellen im Körper von Westgate entzündet oder abgestorben waren. In Zusammenarbeit mit ABOU-DONIA und MULDER fasste er seine Ergebnisse in einer wissenschaftlichen Arbeit zusammen, welche den Zusammenhang zwischen den Symptomen des Aerotoxischen Syndroms und Westgates Nervenschäden herstellte.

VAN DE GOOT über die Untersuchung des Gehirns von Richard WESTGATE (aus dem Film "ungefiltert eingeatmet"):

"Im Rahmen dieser Untersuchungen haben genau das gefunden wonach wir gesucht haben"

Webseite:

Die Ergebnisse der Obduktion von Richard Westgate (wissenschaftliche Arbeit von MULDER,ABOU-DONIA und DE GOOT): 


Prof. WINDER, Chris (AUS, verstorben 2014)

Die Symptome des Aerotoxischen Syndroms (aus "Aerotoxic Syndrom: Adverse Health Effects Following Exposure to Jetoil Mist during Commercial Flights").
Diese Grafik zeigt die Anzahl der Vorfälle, die mit Öldämpfen (Fume-Events) zusammenhingen, die Abkürzungen EWS, EWR etc. stehen für spezifische Ausführungen des Flugzeugtyps BA3 146 (Quelle: Chris WINDER 2010: Aerotoxic Syndrome, S. 38)

Prof. Chris WINDER war ein australischer Toxikologe an der Universität von New South Wales in Sydney. WINDER begründete im Jahr 1999 zusammen mit Dr. Jean-Christophe BALOUET und Dr. Harry HOFFMAN den Namen „Aerotoxisches Syndrom" in der Publikation "Aerotoxic Syndrom: Adverse Health Effects Following Exposure to Jetoil Mist during Commercial Flights"

 

Im Jahr 2010 reichte er bei seiner Universität eine wissenschaftliche Arbeit mit dem Titel "Aerotoxic Syndrome" zur Erlangung eines Master-Titels im Fach "Public Health" ein. Hier stellt WINDER einen Zusammenhang zwischen kontaminierter Zapfluft und dem AETX her.

WINDER dokumentiert in dieser Arbeit eine Untersuchung der Fluggesellschaft Ansett in den neunziger Jahren, dabei stellte sich heraus, dass bei dem FLugzeugtyp Bae 146 besonders viele Fume-Events stattfanden (siehe Grafik).

 

Im Film "Ungefiltert Eingeatmet" erinnert sich WINDER, wie sein Interesse für das Aerotoxische Syndrom begann:

"Zuerst kamen 1997 zwei Piloten und eine Stewardess. Etwas später wurden aus drei fünf, aus fünf wurden zehn, dann zwanzig. Da habe ich realisiert: Hier ist etwas im Gang. Dann tauchte ein französischer Kollege mit ähnlichen Fallzahlen von Betroffenen auf, die die gleichen Probleme hatten. Da war mir klar: Wir haben hier ein internationales Problem!"


(GD)