Axel SPRINGER und die SPIEGEL-Affäre: ein Verleger in der Zwickmühle

Einem der Hamburger Verleger kam die Affäre höchst ungelegen. Mit seiner BILD-Zeitung musste er seine konservativen Leser bedienen, das Hamburger Abendblatt indes war die Tageszeitung des liberalen Bürgertums in Hamburg - ein ungewöhnlicher journalistischer Spagat.

I) Ein Verleger und seine Macht

Der Hamburger Verleger Axel SPRINGER zählte Anfang der 60er Jahre zu den schillernsten und mächtigsten Figuren der Medienwelt, die damals vor allem aus Tageszeitungen und Zeitschriften bestand. Den Marktanteil des Verlages bezifferte ein Untersuchungsbericht, den der Deutsche Bundestag in Auftrag gegeben hatte (GÜNTHER-Kommission) auf

  • 39% bei den Tageszeitungen (inkl. BILD-Zeitung)
  • 82% bei den überregionalen Tageszeitungen (inkl. BILD-Zeitung)
  • und auf 48% bei den Publikumszeitschriften (z.B. Hörzu).

In den beiden großen Städten Hamburg und Berlin lag dieser bei rund 70%.

SPRINGER, der sich besonders narzisstisch darstellte, viel Zeit in weißem oder feinem Tuch auf Golfplätzen oder erlauchten Empfängen verbrachte, stand politisch der CDU nah. Sein eigentliches Credo indes bestand vor allem in Anti-Kommunismus. So ließ er die damals bereits bestehende DDR (Deutsche Demokratische Republik) in all seinen Blättern als „Zone“ schreiben. Als der zweite deutsche und real existierende Staat international anerkannt war, mussten seine Redakteure die drei Buchstaben in Anführungszeichen setzen: „DDR“. Politisch Handelnde und alles, was nicht dieselbe klare Linie bezog, galt als „links“.

Axel SPRINGER’s Redakteure mussten sich aber nicht nur an dieser politischen Leitline orientieren, die jeder Redakteur in seinem Arbeitsvertrag unterschreiben musste. SPRINGER’s eigentliche Religion aber war das Geschäft und die Macht. Allen voran die BILD-Zeitung, deren Umsatz auch heute noch zu rund der Hälfte aus Gewinn besteht – eine “Inszenierung, ein Volksstück, das die Kassen füllt, aber auch seine gefährlichste Waffe, der Kettenhund des Volkstribunen“, wie es der Ex-stern-Chefredakteur Michael JÜRGS in seiner Biografie über den „Fall Axel SPRINGER“ formulierte.

Die „SPIEGEL-Affäre 1962, die sich über immerhin fünf Wochen erstrecken sollte, bis sie einen vorläufigen Schlusspunkt mit dem Rücktritt von Franz Josef STRAUSS und einer neuen Bundesregierung ohne STRAUSS fand, wurde schnell zu einem Problem für den charismatischen Zeitungszaren: Wie sollte/wollte er über Rudolf AUGSTEIN und sein Nachrichtenmagazin berichten (lassen)? AUGSTEIN war alles andere als (s)ein Bruder im Geiste oder gar ein befreundeter Verleger. Schließlich hatte DER SPIEGEL oft genug seine spitze Feder auch gegen die SPRINGER-Blätter eingesetzt. Auf der anderen Seite hatte gerade dieser Vorgang die Menschen sensibilisert wie wenig andere Ereignisse. Axel SPRINGER sah sich deshalb in einer Zwickmühle. Insbesondere bei seinen drei in Hamburg erscheinenden Tageszeitungen.

Wie die Redakteure, die zum großen Teil die Invasion in den SPIEGEL als klaren Affront gegen die Presse betrachteten, mit der Berichterstattung und Kommentierung dieser Vorgänge umgingen, wird im nachfolgenden analysiert: anhand der wichtigsten Ereignissen dieser „Affäre“.

Zuvor eine kleine Skizze der hier untersuchten Zeitungen. 

II) AXEL SPRINGER’S BLÄTTER IN HAMBURG

Hamburger Abendblatt 
Die mit Abstand größte Lokalzeitung Hamburgs musste, um Auflage zu generieren, auf die spezifische hanseatische Mentalität Rücksicht nehmen:

  • den liberalen Geist vieler bürgerlicher Schichten
  • die sozialdemokratisch gesprägten Strukturen dieser Stadt.

Eine Besonderheit in der Berichterstattung der Lokalzeitung ergab sich daraus, dass ein leitender Redakteur, Christian KRACHT, mit dem Verlagsdirektor des SPIEGEL, Hans Detlev BECKER, befreundet war.

BILD-Zeitung 
Das 1952 aus der Taufe gehobene Boulevardblatt verstand sich als Volkszeitung: plakative Titel, große Fotos, kurze Artikel - alles verkürzt auf das Sensationelle, was sich schnell und einfach konsumieren lässt. Der Massenauflage wegen – rund 4 Millionen Exemplare täglich - sollen die Kasse füllen. Hintergrundberichterstattung zählt nicht zu „Fast Food“.

Maßgeblicher Chefredakteur seit Anfang 1962: Peter BOENISCH – ein persönlicher Freund von Bundeskanzler Konrad ADENAUER. 

DIE WELT 
ist SPRINGER’s Zeitung, in der er seine wirklichen Ansichten publiziert sehen wollte. Ursprünglich eine Tageszeitung, in der damals bekannte und exzellente Journalisten kritisch und offen über alles schrieben, was auf der öffentlichen Agenda stand, verordnete Axel SPRINGER dem Blatt ab 1958 einen ausgesprochen konservativen Kurs. Folge 1: Viele Redakteure verließen die Redaktion. Zum Beispiel Gert von PACZENSKY – er wechselte zum TV-Magazin panorama. Oder Conrad AHLERS – er ging zum SPIEGEL. Folge 2: Der Abgang seiner Journalistenelite ließ die Auflage einbrechen.

SPRINGER störte das nicht – er subventionierte DIE WELT fortan – und dies über Jahrzehnte - mit seinen sprudelnden Gewinnen aus derBILD. Hauptsache seine Meinung spiegelte sich in den Artikeln wider. 

III) AXEL SPRINGER'S PROBLEM 1962

Die Invasion der staatlichen Macht in den SPIEGEL sowie die ersten Verhaftungen von Rudolf AUGSTEIN und kurz darauf von Conrad AHLERS, der in seinem Spanien-Urlaub unter seltsamen Umständen festgesetzt wurde, setzen SPRINGER schnell unter Druck:

  • Wie sollen/wollen bzw. dürfen seine Redakteure über die noch nicht absehbaren Ereignisse berichten?
  • Wie offen dürfen oder können sich die Redakteure gegen diesen offenkundig staatlichen Affront gegen die Pressefreiheit identifizieren?
  • Wie stark muss SPRINGER auf die Befindlichkeiten der Leserschaften seiner Blätter Rücksicht nehmen?

Diesen Fragen soll in der nachfolgenden Analyse auf den Grund gegangen werden. 

IV) DIE (DIFFERENZIERTE) BERICHTERSTATTUNG DER 3 ZEITUNGEN ANHAND DER WICHTIGSTEN EREIGNISSE

1) Die "SPIEGEL-Aktion" und die "Festnahme" AUGSTEINS: 

  • Das Hamburger Abendblatt ist die erste Zeitung aus dem Hause Axel SPRINGER, das berichtet: bereits am Wochenende des 27./28. Oktober, also just zu dem Zeitpunkt, als sich Rudolf AUGSTEIN im Hamburger Polizeipräsidium einfindet, um sich zu stellen.

    Bemerkenswerterweise hat das Hamburger Abendblatt die Festnahme Rudolf AUGSTEINS am Samstag bereits als Nachricht platziert. Vermutlich ist diese Information entweder vom Bruder Rudolf AUGSTEINS, dem Rechtsanwalt Dr. Josef AUGSTEIN, bekannt gemacht worden oder jemand aus dem Polizeiapparat hat geplaudert - rechtzeitig vor Redaktionsschluss und Druck der Ausgabe.
     
    Der Artikel über die "SPIEGEL-Aktion" ist zweitrangig platziert. Aufmacher ist die Kuba-Krise, die sich in der heißen Phase befindet – gerade hat der sowjetische General Issa A. PLIJEW auf Kuba eine amerikanische Aufklärungsmaschine des Typs „U2“ abschießen lassen; der Pilot stirbt. In Westeuropa ist dies noch nicht bekannt:

2) Die Besetzung der SPIEGEL-Redaktion und der "Redaktions-Notstand" – Die Berichterstattung am Montag, den 29. Oktober: 

  • Das Hamburger Abendblatt veröffentlicht auf Seite 2 in der Rubrik POLITIK einen Bericht: Gegen Rudolf AUGSTEIN wurde ein Haftbefehl vollstreckt, nachdem er sich der Polizei am Sonnabendmittag gestellt hat. Weiterhin wird die Blockade der Redaktion und die Besetzung durch das Bundeskriminalamt und der Polizei hervorgehoben. Die redaktionelle Tätigkeit der SPIEGEL-Redakteure kann nur unter erschwerten Bedingungen fortgesetzt werden, da es z. B. an Schreibmaschinen fehlt und relevante Arbeitsunterlagen gesperrt sind. 
    Als Überbrückungsmaßnahme ist die Produktion der neuen Ausgabe auf fünf verschiedene Orte ausgelagert, z. B. bei der Illustrierten stern
  • Die BILD-Zeitung setzt auf ihrer Titelseite einen anderen Schwerpunkt, als sie zum allerersten Male an diesem Tag diese Aktion thematisiert: "Bundeswehroffiziere bestochen?". In der Subline dann der Verdacht: "Landesverräterische Fälschungen!" 
    Den Aufmacher stellt jedoch die Kuba-Krise dar, die entsprechend plakativ tituliert wird – die Krise ist bereits am Abklingen. 
  • In der WELT wird auf Seite 4 ebenfalls auf den Redaktions-Notstand hingewiesen: Die neue Ausgabe des SPIEGELwerde in Notredaktionen vorbereitet. Die Arbeit ist deshalb nur in beschränktem Umfang möglich.

Zusammengefasst: Das Hamburger Abendblatt und die Welt berichten nüchtern und stellen die Probleme ihrer Kollegen beim SPIEGEL in den Mittelpunkt. Die BILD-Zeitung geht lieber plakativer vor. 

3) Der Fall AHLERS – Berichterstattung am 31. Oktober: 

Conrad AHLERS, Redakteur und Verfasser der SPIEGEL-Story "Foertsch" wurde während seines Urlaubs in Malaga von spanischen Polizisten verhaftet. Conrad AHLERS stellte sich den deutschen Behörden freiwillig und kehrte nach Deutschland zurück. Das Auswärtige Amt äußerte sich, dass es nichts mit der Sache zu tun habe. Die deutsche Botschaft in Madrid war daran beteiligt, AHLERS ‚freiwillig’ zurück nach Deutschland zu bringen. Das allerdings ist noch nicht im Detail bekannt. Die Fragen im "Fall AHLERS" lauten daher: Wer war an der Verhaftung AHLERS tatsächlich beteiligt, welche deutschen Instanzen waren involviert? 

  • Das Hamburger Abendblatt äußert sich mit einer plakativen Überschrift zu der Verhaftung AHLERS. Hingewiesen wird hier auf Ungereimtheiten bzw. Widersprüche der Verhaftung in Spanien und der Einschaltung von Interpol. Und die Journalisten sehen offene Fragen. So bestätigt das spanische Außenministerium, dass Interpol involviert war. Demgegenüber steht jedoch die Aussage der Bundesanwaltschaft und Bonner Stellen, dass Interpol nicht eingeschaltet war. Dieser Widerspruch wird hier so thematisiert:

    "Den zuständigen Stellen in Bonn ist die ganze Angelegenheit überaus peinlich, da sich der Verdacht von Stunde zu Stunde verstärkt, dass hier nicht ganz korrekt gehandelt worden sei". Und weiter: "Die große Frage in Bonn lautet zur Stunde daher: Welcher andere Draht kann zwischen Bonn und Madrid gespielt haben? Der des Auswärtigen Amtes?" 

    Das Hamburger Abendblatt bezieht hier – indirekt - Stellung für den SPIEGEL
  • DIE WELT befasst sich in einem Kommentar ebenfalls kritisch mit diesen Ungereimtheiten: "Spanische Verhaftung". Das Blatt bezieht sich hier direkt auf jeden Bürger, der von einer solchen Verhaftung betroffen sein könnte. Hier sei die Verhaftung sogar "unter unwürdigsten Umständen vollzogen" worden. Die Frage sei, 
    "auf welche geheimnisvolle Weise die Bundesanwaltschaft die Verhaftung eines deutschen Staatsbürgers in Spanien erwirken konnte, ohne die Hilfe der Bundesregierung dafür in Anspruch zu nehmen?" 
    Denn Interpol war daran nicht beteiligt. "Also wie dann? Durch Amtshilfe der Geheimdienste etwa? Durch die Falange, durch die Abendländische Akademie?"
    Zusammengefasst äußert sich DIE WELT hier kritisch gegenüber der Bundesanwaltschaft, die diese Ungereimtheiten aufklären soll.

Auf der selben POLITIK-Seite findet sich dann aber auch ein Kommentar eines eher konservativ eingestellten Redakteurs. Der äußert sich kritisch zu der liberalen Schriftstellervereinigung "Gruppe 47", wie dies bereits der Titel "Narren der Nation?" andeutet. Die "Gruppe 47" heißt die Veröffentlichung militärischer Geheimnisse hier gut. Die meisten ihrer Mitglieder sind grundsätzlich folgender Auffassung:

"In einer Zeit, die den Krieg als Mittel der Politik unbrauchbar gemacht hat, halten wir die Unterrichtung der Öffentlichkeit über sogenannte militärische Geheimnisse für eine sittliche Pflicht, die wir jederzeit erfüllen würden"

DIE WELT
 ist die einzige Zeitung, die einen kritischen Kommentar darüber veröffentlicht. Im Kommentar werden die Äußerungen scharf verurteilt. Die Unterzeichner spielen"Landesverrat" und seien"kindliche Nationalnarren". 

Ganz offenbar will oder darf sich DIE WELT nicht allzusehr eindeutig positionieren. 

4) Die Fragen um die Ereignisse am 31. Oktober und 1. November in Hamburg: 

An diesen beiden Tagen formiert sich der öffentliche Protest in der SPIEGEL-Stadt. Eine für den 31. Oktober angesetzte Diskussionsveranstaltung in einem Hörsaal der Universität muss noch vor Beginn abgebrochen werden – zu viele Menschen wollen daran teilnehmen. Der Saal ist total überfüllt und während die ersten wieder gehen wollen, möchten andere Menschen immer noch hinein. Es endet im Chaos.

Davor und danach: Vor dem Untersuchungsgefängnis fordern aufgebrachte Demonstranten die Freilassung Rudolf AUGSTEIN’s. Helmut SCHMIDT ist derjenige, der beide Situationen in den Griff bekommt. 

Die ausgefallene Diskussion findet tags darauf im großen Audimax statt: spannend, ruhig und gesittet. Details dazu unter Protest in Hamburg. Die SPRINGER-Blätter thematisieren jetzt die Fragen, die im öffentlichen Raum stehen: 

  • DIE WELT thematisiert den Redaktions-Notstand beim SPIEGEL: "Zensur?". Die Journalisten der WELT beurteilen die Art und Weise der "SPIEGEL-Aktion" kritisch und stellen fest, dass es "demokratische Pflicht" ist, sich kritisch zu äußern. Sie beziehen sich dabei auf den Artikel 5 des Grundgesetzes, in dem es heißt, dass Zensur verboten ist. 
    Konkret: Die Aktion ist "ein schwerer Verstoß gegen die im Grundgesetz ausdrücklich festgelegte Pressefreiheit"
    Außerdem moniert der Kommentator, dass die SPIEGEL-Redaktion daran gehindert wird, ihrer Arbeit nachzugehen u. a. aufgrund der Beschlagnahmen. Dies "droht die Weiterführung der Zeitschrift zu gefährden".Die WELT ist sogar der Auffassung, dass die Durchführung der Aktion langwierig vorbereitet wurde, was darauf schließen lässt, dass die Behörden den SPIEGEL in seiner Arbeit beeinträchtigen. 
    Zusammengefasst: Die WELT stellt sich hier ganz offen auf die Seite des SPIEGEL - und gegen die Regierung. 
  • Die BILD-Zeitung meldet sich erstmalig mit einem Kommentar einen Tag später zu Wort und bezieht sich ebenfalls auf den Redaktions-Notstand beim SPIEGEL. Titel: "Pressefreiheit". Die Boulevardzeitung bietet sogar kollegiale Hilfestellung an. Das BILD-Archiv könne solange verwendet werden wie der Notstand andauere. Allerdings stellt dieBILD-Zeitung die eigene Position gegenüber dem SPIEGEL klar: "Wir halten seine Politik für falsch, ja, für gefährlich"
    Dieses Angebot des Redakteurs Christian KRACHT an die Kollegen von der anderen Straßenseite muss jedoch - auf Anweisung von Axel SPRINGER höchstpersönlich - wieder zurückgenommen werden. 
    Hingegen erklärt die BILD-Zeitung ihren Lesern, dass die Pressefreiheit in Deutschland generell nicht gefährdet sei und aufgrund der "SPIEGEL-Affäre" auch keine Einschränkung der Pressefreiheit bestehe.

5) Rücktritt STAMMBERGER – Berichterstattung am 1./2. November: 

Justizminister STAMMBERGER wurde über die "SPIEGEL-Aktion" nicht informiert. Er fühlte sich daher übergangen und war dementsprechend wütend. Er akzeptierte diese Vorgehensweise nicht. Nun verlangt er von Kanzler ADENAUER aus seinem Amt entlassen zu werden. 

  • DIE WELT befasst sich mit dem Rücktrittsgesuch in einem Kommentar - Titel: "Stammberger". Der Kommentator meint, dass dies einen"Schatten auf die politische Führung" wirft und eine Koalitionskrise verursachen könne. 
    Im Kommentar werden die Ungereimtheiten der Nicht-Informierung STAMMBERGERS thematisiert:

    • zwar sei sein Staatssekretär STRAUSS informiert gewesen
    • STAMMBERGER selbst aber nicht. Und dies, obwohl ihm"die Bundesanwaltschaft unterstellt ist".


    DIE WELT stellt daher die Vertrauensfrage: Es müsse geklärt werden, ob hier "aus eigenem Antrieb so gehandelt" wurde. Oder ob es auf Weisung anderer geschah. 
    Indirekt lässt sich ein Hauch von Kritik an der Bundesregierung ausmachen. 

  • Das Hamburger Abendblatt äußert sich in einem Kommentar im Vergleich zur WELT erst am 2. November zum Rücktrittsgesuch STAMMBERGER’s - unter dem auffälligen Titel: 
  • Aus dieser Überschrift wird erkennbar, dass die Lokalzeitung die sich anbahnende Regierungskrise als Folge STAMMBERGER’s Rücktrittsgesuches thematisiert:"Wer zog die Fäden?" lautet hier die Frage. 
    Als Entschuldigung bzw. zur Begründung für die unterlassene Informierung von STAMMBERGER wird die Äußerung seines Staatssekretärs, Walter STRAUSS, bemüht, dass dieser, unter "streng vertraulich – allerhöchste Geheimhaltungsstufe!" informiert worden sei. Und diese Geheimhaltung bedeute, so wenig Mitwisser wie möglich einzuweihen.

Im Ergebnis gehen sowohl die Redakteure des Hamburger Abendblatt als auch der WELT ihrer ureigenen Arbeit nach und thematisieren die offensichtlichen Ungereimtheiten auch dieser Aktion. 

6) Ungereimtheiten, Unerträglichkeiten & Pressekonferenzen – Berichterstattung am 3./4. November:


Inzwischen hat die Bundesanwalt den BND-Oberst Adolf WICHT verhaftet. Ebenso den SPIEGEL-Verlagsdirektor Hans Detlev BECKER. Der hatte über Oberst WICHT dem BND 13 Fragen zukommen lassen, um aus berufenem Munde zu erfahren, ob einige Informationen aus dem inzwischen inkriminierten "Fallex"-Artikel der Geheimhaltung unterliegen könnten. Der BND gab grünes Licht. Nun sitzen die beiden ersteinmal in U-Haft. 

  • Das Hamburger Abendblatt thematisiert die Ungereimtheiten der Verhaftungen und staatlichen Eingriffe, die "[…] die Öffentlichkeit erschrecken": "Unerträglich" - Dieser Titel ist durchweg kennzeichnend für die Aussage des ganzen Artikels. Denn die Bürger haben das Recht, durch eine freie, unabhängige Presse über diese Sachverhalte unterrichtet zu werden. Bemängelt wird zudem, dass zu den Sachverhalten 
    "ausweichende, widerspruchsvolle und unbefriedigende Erklärungen abgegeben" werden. 
    Zusammengefasst: Der Kommentator setzt sich für den SPIEGEL ein und fordert kritisch Aufklärung seitens der Regierung. Dies ist im Verlaufe der "SPIEGEL-Affäre" der erste Kommentar aus dem Hause SPRINGER, der klar Partei für den SPIEGEL ergreift. 
  • Währenddessen konzentriert sich der Kommentar in der BILD-Zeitung auf die Bundesregierung. Titel: "BILD an Bonn: Endlich Farbe bekennen!" Tenor: Die Regierung soll Klarheit über die Ungereimtheiten und Begleitumstände schaffen. Denn "alle offiziellen Sprecher reden um den heißen Brei herum"
    Die BILD-Zeitung stellt die Frage nach den Informanten auf und konstatiert, dass "Wenn es Verräter gibt, dann dürfen sie nicht frei herumlaufen". Gegen Ende des Kommentars wird theatralisch festgestellt: "Es ist jedoch eines Operetten-Staates nicht die Narrenfreiheit mit Kriminalfilm-Methoden"
    Zusammengefasst: Der BILD-Zeitung geht es ums Plakative, Vorverurteilungen ("Verräter") gehören zum journalistischen Repertoire. 

DIE WELT veröffentlicht am gleichen Tage u.a. einen Kommentar zu der Pressekonferenz der Bundesanwaltschaft. Auf der Pressekonferenz erklärte die Bundesanwaltschaft zur Verhaftung AHLERS, dass sie nicht dessen Festnahme veranlasst habe. Wer jedoch verantwortlich war, wird nicht gesagt. Der Kommentar ist daher überschrieben mit:

  • DIE WELT meint: Weder seien "die Hintergründe der Verhaftung von den Bonner Behörden aufgeklärt worden, noch hat die Bundesanwaltschaft Schritte unternommen, um die zu vermutende Amtsanmaßung und eventuelle weitere Vergehen zu verfolgen"
    Im Vordergrund müsse die Rechtsstaatlichkeit stehen, nach der jeder Bürger durch das Gesetz geschützt werden soll. Zusammengefasst: Die WELT stellt die Rechtsstaatlichkeit in Frage, für die in erster Linie die Regierung mit all ihren Instanzen verantwortlich ist. Daher wird eine Position contra Bundesregierung deutlich.

 

7) Entlassung AUGSTEIN’s? / "STAMMBERGER’s Täuschungsversuch?" / "So nicht!" – Berichterstattung am 5. November: 

  • Die Hamburger Abendblatt-Redakteure machen ihren Job. Sie berichten über

    • die Nicht-Informierung STAMMBERGER’s über die "SPIEGEL-Aktion"
    • und in einem anderen Artikel mit der Überschrift "Wird Augstein entlassen?" über die Prüfung eines Haftentlassungsantrags von AUGSTEIN’s Bruder, Rechtsanwalt Dr. Josef AUSTEIN.

  • Der BILD-Zeitung sind derlei politische Informationen zu uninteressant. Ihr Thema lautet bereits auf der Titelseite:"Hat uns Stammberger getäuscht?" 
    Dieser Täuschungsversuch bestehe darin, dass STAMMBERGER - entgegen seiner Aussage, von der "SPIEGEL-Affäre" nicht unterrichtet worden zu sein - durchaus von den Ermittlungen der Bundesanwaltschaft gegen denSPIEGEL gewusst habe. Es sei ihm gleichfalls bekannt gewesen, dass die Bundesanwaltschaft ein Gutachten zur Prüfung der Begehung von Landesverrat angefordert hat. Daher liege eine Täuschung der Öffentlichkeit vor, da die Bürger den Eindruck haben mussten, dass STAMMBERGER von nichts Kenntnis gehabt habe. 
  • Und es gibt noch einen Kommentar auf der Titelseite: "So nicht!". Hier nimmt der BILD-Kommentator Stellung zu der panorama-Sendung des NDR, in der die panorama-Journalisten über die "SPIEGEL-Affäre" "ein völlig einseitiges und verzerrtes Bild der Spiegel-Affäre" vorgeführt hätten. Beispielsweise sei Franz Josef STRAUSS als Drahtzieher hervorgehoben worden. Und dass der Verdacht des Landesverrats zu wenig thematisiert worden sei. Urteil derBILD-Zeitung"Es ist lächerlich, Deutschlands höchste Juristen als die Handlanger eines Mannes hinzustellen". Zusammengefasst: Diese Sichtweise sei ein Betrug am Zuschauer.

8) Antwort STAMMBERGERS / Haftprüfungstermin AUGSTEINS – Berichterstattung am 6. November: 

  • Die BILD-Zeitung veröffentlicht in dem Kommentar "BILD hat leider recht" die Stellungnahme STAMMBERGER’s auf den Bericht der BILD-Zeitung vom Vortage zu dem vermeintlichen Täuschungsversuch. 
    STAMMBERGER’s Antwort wird zum Anlass genommen, um weitere Kritik gegenüber dem FDP- Justizminister zu äußern. Der sagte, dass er den Zeitablauf des Verfahrens und der Verhaftungen nicht gekannt habe. 
    Die BILD-Zeitung kommentiert hierzu, dass 
    "sein Rücktritt den Eindruck erwecken musste, er habe überhaupt von nichts gewusst"
    Zusammengefasst: Der Kommentar stellt sich gegen STAMMBERGER bzw. gegen die FDP, die in Bonn inzwischen politisch Druck macht. Daraus kann geschlossen werden, dass dieBILD-Zeitung - bzw. Axel SPRINGER – dem Justizminister nachträgt, durch sein Rücktrittsgesuch den Fortbestand der Regierungskoalition aus der CDU/CSU und der FDP zu gefährden. 
  • Als Aufmacher des Tages jedoch wird der Haftprüfungstermin Rudolf AUGSTEIN’s thematisiert. In der plakativen, großräumigen Überschrift wird bereits darauf hingewiesen, dass AUGSTEIN auch nicht gegen eine hohe Kaution aus der Haft entlassen werde.

9) Fragestunden im Bundestag – Berichterstattung vom 7. November bis zum 10. November:

Jetzt kommt die Wahrheit an drei Tagen in drei Raten ans Tageslicht. 
Die Fragestunden im Bundestag erstrecken sich vom 7. November bis hin zum 9. November. Im Rahmen von insgesamt 18 Fragen der Opposition werden die Begleitumstände der "SPIEGEL -Affäre" diskutiert. Bzw. muss auf all dies die Bundesregierung Antworten geben. 

Die Berichterstattung am 7. November

  • Das Hamburger Abendblatt berichtet bereits aufgrund ihrer abendlichen Erscheinungsweise plakativ mit dem Aufmacher"Erregte Spiegel-Debatte im Bundestag - Stammberger fehlte" über die erste Fragestunde im Bundestag des gleichen Tages. Diese führte zu tumultartigen Szenen. 
  • Zum Verlauf der ersten Fragestunde im Bundestag veröffentlicht die BILD-Zeitung keinen Artikel. Stattdessen einen Kommentar: "Skandal-Magazin gegen fast alles". Darin wird eine kritische ausländische Stellungnahme des Nachrichtenmagazins TIME zitiert. Darin wird DER SPIEGEL mit einem Skandalmagazin verglichen, das methodisch zweifelhaft vorgeht. Offenbar freudig konstatiert der SPRINGER-Kommentator: "Wir sind nur dankbar dafür, daß endlich auch im Ausland der "Spiegel" auf den Platz verwiesen wird, der ihm gebührt"
  • DIE WELT veröffentlicht einen Kommentar unter dem Titel "Neue Akzente". So würde es im Bundestag um die Begleiterscheinungen der "SPIEGEL-Affäre" gehen, die "nicht auf die leichte Schulter" genommen werden sollten, wenngleich der sachliche Kern des vermuteten Landesverrates nicht als "Randerscheinung" anzusehen sei. Die WELT bezieht sich hierbei auf den"Nebel", der sich über der "SPIEGEL-Affäre" aufgetan hat. Dieser wird entweder"fortgeblasen" oder der Justizminister wird auf eine "[…] Mauer des Schweigens" stoßen. Zusammengefasst: Der Kommentar bezieht keine persönliche Stellung für oder gegen den SPIEGEL bzw. die Regierung, sondern signalisiert, dass es wichtig sei, die Begleitumstände zu klären.

1.Tag /1.Akt – Berichterstattung darüber am 8. November

  • Das Hamburger Abendblatt berichtet als einzige Zeitung wie bereits tags zuvor sehr zeitnah über die inzwischen zweite Fragestunde im Bundestag. Aufmacher: die neuen - von den Lesern bisher unbekannten - Tumult-Szenen im Bundestag. 
  • Die BILD-Zeitung scheint sich mit ADENAUER’s Meinung über das von ihm ungeliebte Nachrichtenmagazin zu identifizieren –so die überdimensional große Überschrift: "Kanzler: Verrat, um Geld zu verdienen"
  • Die WELT berichtet gleichfalls über die Tumulte im Parlament. Die Aufmachung ist eher zurückhaltend platziert.

Die Kommentierung der Ereignisse vom 8. November

  • Die BILD-Zeitung kommentiert die Fragen und Vorfälle der ersten Fragestunde unter der Überschrift "Skandal". Gegenstand der Betrachtung: die Verhaftung Conrad AHLERS in Spanien. " Welche deutsche Dienststelle hat sich hier die Finger schmutzig gemacht?" fragt der Kommentator. Die BILD-Zeitung äußert sich hier ausgesprochen kritisch gegenüber der Regierung. 
  • Die WELT befasst sich mit den Vorgängen der ersten Fragestunde unter dem Titel: "Flucht in die Wahrheit". Neben kritischen Seitenhieben auf einzelne Akteure wie beispielsweise STAMMBERGER, der wegen seines Rücktrittsgesuches nicht der richtige für den Posten des Justizministers sei, wird ganz allgemein das Vorgehen der Bundesregierung kritisiert. Ein Kommentar mit klarer inhaltlicher Richtung: contra Regierung. Denn würde zu vieles verschleiert. Einzige Lösung: "die Flucht in die Wahrheit – mit allen sich daraus ergebenden Konsequenzen".

2. Tag / 2. Akt – Berichterstattung darüber am 9. November

  • Das Hamburger Abendblatt berichtet - wie zuvor zeitnah - mit prominenter Aufmachung und der Überschrift"Strauß bekennt: Ich war es!" von dem Geständnis Franz Josef STRAUSS. Er hatte das entscheidende Telefongespräch mit Oberst OSTER in Madrid geführt, welches wiederum die Verhaftung Conrad AHLERS bewirkt hat. Zusammengefasst: Franz Josef STRAUSS wird von dem Hamburger Abendblatt schuldig gesprochen. Sein Geständnis wird als Aufmacher platziert. 
  • Die BILD-Zeitung bezieht sich sehr plakativ und großflächiger als das Hamburger Abendblatt auf Äußerungen der zweiten Fragestunde von Franz Josef STRAUSS. Dieser sucht nach durchlässigen Stellen im Verteidigungsministerium, um diese aufzudecken. Zusammengefasst: Dies lässt sich als eine Art Ablenkung derBILD-Zeitung deuten. Auf das von STRAUSS geführte entscheidende Telefongespräch zu nächtlicher Stunde mit Spanien wird nicht eingegangen. 
  • DIE WELT berichtet als Aufmacher, jedoch sehr viel dezenter als die BILD-Zeitung über die Statements des Bundesinnenministers HÖCHERL. Insbesondere seine Äußerung, dass in Bezug auf die Verhaftung AHLERS "etwas außerhalb der Legalität" vorgegangen wurde. 
    Gleichfalls veröffentlicht DIE WELT einen Kommentar – Titel: "Illegal". Der Kommentator setzt sich dafür ein, dass die Unklarheiten in Bezug auf die Verhaftung Conrad AHLERS von der Regierung aufgelöst werden sollen. Denn"halbe oder dreiviertel Wahrheiten nützen in diesen Tagen nichts mehr. Sie verschleppen nur"
    Auch hier: ein Contra gegenüber der Regierung.

3. Tag / 3. Akt – Berichterstattung darüber am 10. November

  • Das Hamburger Abendblatt konnte das ‚Geständnis’ des Verteidigungsministers aufgrund seiner Erscheinungsweise bereits am Vorabend vermelden. Deshalb geht es an diesem Tag um die tagesaktuellen Nachrichten: z.B. den SPIEGEL-Antrag auf Erlass einer einstweiligen Anordnung für die Freigabe der Redaktionsräume. 
  • Auf der Titelseite der BILD-Zeitung wird die Telefonabhörung Konrad ADENAUERS als Aufmacher genutzt. Und das entscheidende Telefonat zwischen Franz Josef STRAUSS und Oberst OSTER lediglich mit einem kleineren Artikel versehen, der seine Fortsetzung auf der letzten Seite findet. Dort dann auch ein typischer BILD-Kommentar mit dem Titel: "Verdunkelung" – in wenigen Zeilen. "Warum sind Minister und Beamte zwei Wochen lang wie die Katze um den heißen Brei geschlichen?" heißt es da. "Das hat niemandem genützt, sondern allen geschadet", so die klare Kritik. 
  • Aufmacher der WELT: das STRAUSS-Eingeständnis "Ich telephonierte mit Oster". Dort dann auch ein Kommentar "Die Wahrheit". STRAUSS habe das "Netz aus Unwahrheiten, Halbwahrheiten und Dementis" zerrissen. Es bleibe"ein bitterer Geschmack von Zorn und Enttäuschung".

Zusammengefasst: Die scheibchenweise Enttarnung dessen, was in den dreitägigen Fragestunden im Bundestag offenkundig wird, lässt schließlich auch SPRINGER’s Lieblingsblatt, die BILD-Zeitung, einen klaren Schwenk vollziehen. Denn spätestens jetzt wird klar, dass STRAUSS lange gelogen hat und sich vorher und wie jetzt bei dieser unfreiwilligen Wahrheitsfindung auf die Rückendeckung von ADENAUER verlassen konnte. 

10) Rücktritt von STRAUSS – Berichterstattung am 1./2. Dezember: 

Den Rücktritt von Franz Josef STRAUSS vom 30.11.1962 kommentieren alle drei SPRINGER Zeitungen. 

  • Kommentartitel im Hamburger Abendblatt: "Ohne Strauß". Der Rücktritt sei einerseits eine "unvermeidliche Konsequenz". Andererseits sei STRAUSS als Politiker weiterhin unabdingbar wegen seiner "militärisch-strategischen"Qualitäten. Sein Nachfolger werde "mit Sicherheit auf diese Unterstützung seines Amtsvorgängers angewiesen sein"
    Zusammengefasst: Der Kommentator spricht sich in diesem Falle für die regierende Seite aus bzw. für Franz Josef STRAUSS. 
  • Die BILD-Zeitung kommentiert den Rücktritt Franz Josef STRAUSS mit "Gut für uns alle". Trotzdem bedauert der Kommentator den Verlust STRAUSS als Verteidigungsminister und stellt fest, dass es kein Racheakt gegen denSPIEGEL war, sondern "der sehr ernste Vorwurf des Landesverrats"
  • Titel der Kommentars in der WELT: "Der Verzicht". Tenor: STRAUSS habe "sich selbst im Wege gestanden. Der mächtigste Gegner des Verteidigungsministers hieß Franz Josef Strauß".

11) Entlassung Rudolf AUGSTEIN’s ein Vierteljahr später – Berichterstattung am 8. Februar 1963: 

Alle drei SPRINGER Zeitungen berichten sachlich und neutral über die Entlassung des Herausgebers des SPIEGEL, der nach mehr als 3 Monaten, genau 102 Tagen, aus der Haft in Karlsruhe entlassen wird. Grund: Es besteht keine Verdunkelungsgefahr mehr. Der Vorwurf des Verdachtes auf Landesverrat indes bleibt weiterhin bestehen. 

  • Das Hamburger Abendblatt veröffentlicht einen kleinflächigen Bericht mit der Überschrift: 

Die BILD-Zeitung berichtet immerhin auf der Titelseite, die von einer anderen Geschichte plakativ mit Foto dominiert wird, in vergleichsweise großen Lettern: 

  • DIE WELT verkündet es kleiner, aber immerhin noch auf Seite 1:


Alles nochmals auf eine Kurzformel gebracht:

Axel SPRINGER dürfte sich damals in seiner Haut vergleichsweise unwohl gefühlt haben, einen solchen Spagat zwischen deftig-derber und plakativer Aufmachung in seinem lukrativsten Blatt (BILD) und eher ausgewogener und differenzierter Berichterstattung in der dominanten Hamburger Lokalzeitung (Hamburger Abendblatt) durchmachen zu müssen. Letztlich konnte es ihm aber gleichgültig sein. Dazu war seine publizistische Meinungsmacht und der finanzielle Unterbau zu groß, um sich ernsthaft Sorgen machen zu müssen. Ganz im Gegensatz zu Rudolf AUGSTEIN, dem es weniger um Glamour und publizistische Größe durch Bedienung des gesellschaftlichen Mainstream ging als vielmehr darum, auf eklatante Probleme und Entwicklungen aufmerksam zu machen. Und der dafür über ein Vierteljahr im Gefängnis gesessen hatte.

(JGint) 


Diese zusammengefasste Analyse beruht auf einer Bachelorarbeit mit der Aufgabenstellung "Pressefreiheit vs. Landesverrat. Inhaltsanalytische Vergleichsstudie der Berichterstattung über die "Spiegel-Affäre" unter besonderer Berücksichtigung der Axel Springer Presse in Hamburg" von Justine GINTER, Studierende an der Hochschule für Angewandte Wissenschaften Hamburg, aus dem Jahr 2012