Literatur und Quellen zur SPIEGEL-Affäre 1962

Zur SPIEGEL-Affäre gibt es reichhaltige Literatur. Das meiste ist allerdings recht alt. Was die wichtigsten Fakten der damaligen Geschehnisse anbelangt, so sind diese Quellen auch heute noch aktuell. Allerdings nicht immer im Detail.

In den letzten Jahren hat aber DER SPIEGEL t.w. erfolgreich versucht, bisher verschlossene Akten und Unterlagen einzusehen und zu erhalten, was beispielsweise über die Informations- und Freiheitsgesetze möglich wurde. Zudem ist auch in unserem Land die Einsicht gewachsen, dass - nach rund 50 Jahren - ehemals als "Verschlusssache" und sonstwie als "geheim" abgestempelte Informationen schon aus zeithistorischen Gründen der Öffentlichkeit zugänglich sein müssten. Dies ist indes ein andauernder Prozess, weil nicht alle (zumeist ältere) Beamte und Ministeriale Einsicht zeigen.

So werden nach und nach viele bisher unbekannte Details bekannt, insbesondere aus den typischen Sicherheitsapparaten wie BND, MAD, BKA, Bundesverteidigungsministerium oder Bundesanwaltschaft. Sie können die größeren und bekannten Zusammenhänge aufschlussreich ergänzen.
Unsere Darstellungen beruhen auf mehreren Säulen:

Standardwerke in gedruckter Form

  • Die beiden umfangreichsten Sammlungen an ausgewerteten Informationen finden sich in zwei zusammengehörigen Büchern zur Affäre, wobei der erste Band die Ereignisse rekonstruiert, soweit sie im Jahre 1965/66 bekannt waren, während der zweite Band die Reaktionen dokumentiert:

    • Die Spiegel-Affäre, Bd. 1: Die Staatsmacht und ihre Kontrolle. Herausgegeben von GROSSER, Alfred und SEIFERT, Jürgen, 1966
    • Die Spiegel-Affäre, Bd. 2: Die Reaktion der Öffentlichkeit. Herausgegeben von ELLWEIN, Thomas; LIEBEL, Manfred; NEGT, Inge und Jürgen SEIFERT sowie WALTER, Jürgen, 1966

  • Das erste Buch hatte 1968 ein US-amerikanischer Jungwissenschaftler geschrieben, David SCHOENBAUM, der gerade ein Auslandsstipendium erhalten und den SPIEGEL gefragt hatte, ob er aus dessen Beständen Unterlagen bekommen würde, um daraus ein Buch zu machen. DER SPIEGEL bzw. der damalige Verlagsdirektor Hans Detlev BECKER war von dieser Idee entzückt uns sagte 'ja'. Es ist dies das allererste Buch zur Affäre:
    Ein Abgrund von Landesverrat. Die Affäre um den Spiegel. Wien: Fritz Molden Verlag
  • 1983 setzte sich ein SPIEGEL-Redakteur ans Schreiben: Joachim SCHOEPS. Sein Buch trägt den Titel
    Die Spiegel-Affäre des Franz Josef Strauss, Rowohlt: SPIEGEL-Buch.


Zur Standardliteratur gehören auch die Berichte des SPIEGEL, die aus dem Jahr 1962 und - anlässlich der 50. Wiederkehr der Affäre - aus 2012 datieren. Vieles davon lässt sich inzwischen auf www.spiegel.de online erschließen.

Anlässlich des 50. Jahrestages hat DER SPIEGEL im September 2012 eine Konferenz zu 'seinem' Thema veranstaltet, auf dem viele Wissenschaftler ihre Forschungen zur Affäre, dem damaligen Zeitgeist, den politischen Umständen und zu vielen Einzelfragen vorgestellt hatten. Dies alles soll im Frühjahr 2013 in einem gedruckten Sammelband veröffentlicht werden.
Wer alles auf dieser Konferenz über was gesprochen hatte, findet sich in dem Flyer zur SPIEGEL-Konferenz 2012

Eine weitere wichtige Quelle ist die sogenannte Oral History: Berichte und Erinnerungen von Zeitzeugen. Wir haben nach solchen Menschen gesucht. Und eine ganze Reihe von Personen auch gefunden. Und in diesem Zusammenhang Dinge erfahren, die wir sonst nicht hätten erfahren können.

Die Zeitzeugen kommen vor allem mit ihren Statements in den verschiedenen Videoclips zu Wort, die wir nach thematischen Aspekten zusammen gestellt haben.
Wen wir gefragt und interviewt haben, findet sich im ABC der Zeitzeugen.

Unterlagen aus dem Hamburger Staatsarchiv 

Dort haben wir ebenfalls nach verschiedenen Unterlagen geforscht und gefunden

  • schriftliche "Ereignismeldungen" der Polizei
  • Akten des Staatsschutzes der Hamburger Polizei über Rudolf AUGSTEIN und andere.


Pressefotos, die Zeitgeschehen festhalten sind nicht nur wegen der bildlichen Darstellung von Bedeutung, sie enthalten meist auch weitere Angaben über die fotografierten Personen, Objekte und Örtlichkeiten. In der Hausdokumentation des SPIEGEL konnten wir sehr viele solcher Dokumente einsehen und auswerten. Auch hieraus ergaben sich eine Menge Detailinformationen. Insbesondere zu der Protestwelle, die nach der Invasion in die SPIEGEL-Redaktion durchs ganze Land zog.

"Nichts ist so alt wie die Tageszeitung von gestern", lautet einer der bekannten Aussagen über dieses Medium. Dennoch gehören auch Tageszeitungen zu den unverzichtbaren Quellen, insbesondere wenn man mehrere parallel auswertet. Auch dies wurde von uns gemacht, z.B. im Rahmen einer Bachelorarbeit, die die Frage klären wollte, wie der Axel Springer Verlag, Herausgeber der Zeitungen Hamburger Abendblatt, Die Welt und BILD-Zeitung, mit der Affäre journalistisch umgegangen ist. Axel SPRINGER war weder Freund noch Unterstützer von Rudolf AUGSTEIN und seiner Redakteure. Mehr dazu unter Axel SPRINGER - ein Verleger in der Zwickmühle.

Was die Vorgänge im Zusammenhang mit der Kuba-Krise anbelangt, so haben wir im entsprechenden Kapitel genannt, auf welchen Quellen unsere Rekonstruktion dieser weltpolitischen Krise basiert: Kurz vor dem Dritten Weltkrieg: Die Kuba-Krise

(JL)