Die ausführliche Chronologie: Borussia kurz vor der Pleite


25.06.1989

Borussia Dortmund (BVB) feiert: Man hat den DFB-Pokalsieg gegen Werder Bremen gewonnen. Ein historisches Datum. Man feiert in großem Stil. Nicht nur die Fans sind in Berlin.
Während der Feierlichkeiten im Berliner Olympiastadion bespricht der sogenannte „Tresen-Dreier“ mit dem Präsidenten des BVB Gerd NIEBAUM, Günter SAMTLEBE, seines Zeichens Oberbürgermeister der Stadt Dortmund und Hermann HEINEMANN, der ehemalige SPD-Arbeits- und Sozialminister in NRW und ‚Regionalprominenz’, zum ersten Mal die Zukunft des Westfalenstadions. 
Der Plan: SAMTLEBE „verkauft“ das Westfalenstadion für 1 „obligatorische Mark“ an den BVB mit der Vorgabe „etwas daraus zu machen“. Bisher war die Stadt Dortmund Eigner des Stadions und hatte seit der Fertigstellung zu Beginn der Saison 1974/75 an dem Stadion gut verdient – allerdings wenig reinvestiert. Nun erfolgt der Startschuss zum großangelegten Umbau


1991/92

Die Nordtribüne ist die erste Baustelle. Bezahlt wird dieser erste Ausbau noch von der Stadt Dortmund, die damit einer Forderung von NIEBAUM nachkommt. Kosten: 3.591.000 DM


Anfang 1993

Zum Beginn der Rückrunde der Saison 1992/93 holt der BVB den ein halbes Jahr vorher vom VFB Stuttgart zu Inter Mailand gewechselten Nationalspieler Matthias SAMMER für die Rekord-Ablösesumme von 8,5 Mio. DM nach Dortmund. Der Wechsel löst in den einschlägigen Zeitungen eine kritische Berichterstattung aus. NIEBAUM entgegnet auf das allgemeine Staunen über den teuren Spieler im Magazin DER SPIEGEL der Wechsel sei „business as usual“ und man habe „wie immer unseren Cash-flow reinvestiert.“ Der Ton der Berichterstattung im SPIEGEL ist euphorisch: „Während beim Reviernachbarn Schalke 04 mit gefühlsduseliger Traditionstümelei ein Schuldenberg von 18 Millionen Mark angehäuft wurde, regiert in Dortmund kühler Geschäftssinn.“


05.05.1995

Die Stadt Dortmund schließt mit der vom BVB neugegründeten Firma namens „Westfalenstadion Dortmund GmbH & Co. KG“ einen Erbbauvertrag. Neben einer Laufzeit von 30 Jahren wird ein Erbbauzins von 1 Mio. € pro Jahr vereinbart. Außerdem die Verpflichtung des BVB, das Stadion auf eine Größe von über 50.000 Plätzen zu bringen.
Die Westfalenstadion Dortmund GmbH & Co. KG wurde mit dem Ziel gegründet, eine zusätzliche Finanzquelle für den BVB zu generieren


1995/96

Es folgt der Ausbau der West- und Osttribünen, die eine komplette Etage dazu bekommen. Die Kosten für diese Ausbaustufe liegen bei 62 Mio. DM und damit deutlich mehr als der Bau der Nordtribüne


Sommer 1998

Gut zwei Jahre später die nächste Baustelle. Ausgebaut wird nun die Südtribüne, die nach den Bauarbeiten 25.000 Stehplätze („Schwarzgelbe Wand“) fassen wird. Mit diesem Abweichen vom allgemeinen Trend (Stehplätze werden zu Sitzplätzen) sichern sich NIEBAUM und Michael MEIER (Manager und späterer Geschäftsführer der KGaA) die Zustimmung der treuen Fans für die weiteren Bauvorhaben


28.11.1999

Ende der 90er Jahre wächst weltweit das Börsenfieber: Steigende Aktienkurse und saftige Spekulationsgewinne, wenn man alles richtig macht, lassen eine Atmosphäre von kollektiver Gold- und Geldgräberstimmung, teilweise aber auch von finanziellem Größenwahn entstehen. Auch die BVB-Geschäftsführer haben Großes vor, wollen an dem gigantischen Glücksspiel teilhaben. Außerdem schwebt NIEBAUM bei seinen Plänen das Vorbild des englischen Premier-League Renommier- und Traditionsclubs Manchester United vor.
Auf einer Mitgliederversammlung stimmen 1.300 BVB-Mitglieder über die Umwandlung des Clubs in eine Kommanditgesellschaft auf Aktien (KGaA) ab. Damit wird die nötige Grundlage für den späteren Börsengang geschaffen.
Die Anleger haben bei dieser Gesellschaftsform keinerlei Einfluss auf die Politik des Vereins, wie es Aktionäre bei regulären Aktiengesellschaften mit Vorständen haben


31.10.2000

In der turbulenten Börsen-Zeit - gerade ist die Blase der „New Economy“ geplatzt – startet der BVB an der Börse; mit einem Ausgabekurs von 11 € pro Aktie und jeder Menge Hoffnungen. Insgesamt werden 13,5 Mio. Aktien unters Volk gebracht. Die Hoffnungen der Anleger auf eine erfolgreiche Aktie sehen am Ende des ersten Handelstages schon nicht mehr so rosig aus. Der Kurs der BVB-Aktie fällt auf fast 10 €.
Der Börsengang spült dem BVB eine Summe von 143 Mio. € in die Kasse. Gleichzeitig stockt der Club seinen Anteil am Westfalenstadion von 47% auf 75% auf


Juli 2001

NIEBAUM rechtfertigt den Ausbau der Stadionecken mit der Chance auf ein FIFA WM-Halbfinale 2006. Diese Entscheidung trifft NIEBAUM alleine. MEIER ist intern dagegen, fügt sich aber

Foto: B. SCHICKENTANZ

06.11.2001

Es ist der Tag der ersten Aktionärsversammlung des BVB – ein Jahr nachdem die neu gegründete Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA 143 Mio. € in die Kasse bekam. NIEBAUM und MEIER müssen den anwesenden 4000 Aktionären einen Millionenverlust in der Bilanz erklären. Sie nennen die Zahl 9 Mio. €. Wie sich später herausstellen wird, ist der Verlust eigentlich viel größer. Nur ein Bilanztrick lässt den Verlust niedriger erscheinen, als er in Wahrheit ist (siehe 22.12.2003). Der Kurs der Aktie hat sich zu diesem Zeitpunkt bereits mehr als halbiert und steht an diesem Tag bei 5,18 €


12.12.2001

NIEBAUM und MEIER stellen die Pläne für den Ausbau der Stadionecken vor


27.12.2001

Die „Molacra Vermietungsgesellschaft mbh“ (Produkt und Tochterunternehmen der CommerzLeasing und Immobilien AG, die ihrerseits eine Tochter der Commerzbank ist) zahlt 31 Mio. € an den BVB für eine Beteiligung an der Westfalenstadion GmbH & Co. KG. Dafür muss der BVB eine jährlich fixierte Summe zurückzahlen. Es ist „ein kreditähnliches Geschäft“. Laufzeit: „langfristig“, so Molacra-Geschäftsführer Hermann HESSELMANN


06.05.2002

Die Arbeiten zum Ausbau der Stadionecken beginnen (erstmalige Nutzung am 10.09.2003). Die Endkosten betragen 40 Mio. €


30.12.2002

Aufhebung des Molacra-Vertrags. Der BVB verkauft seine 75%-Beteiligung am Stadion für 75,44 Mio. € an die Firma „Molsiris Vermietungsgesellschaft mbh & Co. Objekt Westfalenstadion AG“, ein Immobilienfonds ebenfalls von der CommerzLeasing. Der Haken daran: Der BVB muss 48,57 der 75,44 Mio. € als Festgeld für den geplanten Rückkauf 2017 deponieren. Das Festgeld wird jedoch in der Bilanz als ‚flüssige Mittel‘ deklariert


22.09.2003

DER SPIEGEL enthüllt Steuer-Tricks beim BVB: Gehaltsverzicht light in Dortmund
Der Trick ist nicht illegal, aber moralisch sehr grenzwertig. Und so funktioniert er: Der BVB hat seinen teuren Spielern Gehaltskürzungen von 20% aufgebrummt, die alle „freiwillig“ akzeptieren. Stattdessen zahlt der BVB seinen Spielern jedoch Zuschläge für geleistete Nacht- u. Sonntagsarbeit gemäß § 3b Einkommensteuergesetz (EstG). Diese sind steuerfrei. Damit verdient ein Spieler fast soviel, wie vorher, aber der Club braucht weniger bezahlen – er bedient sich aus der Steuerkasse.

Zu dieser Zeit haben sich in Dortmund zwei Journalisten zusammengesetzt, die sich schon länger über diverse Detailinformationen und andere Merkwürdigkeiten beim BVB wundern: Freddie RÖCKENHAUS, erfolgreicher Filmproduzent und im Nebenjob schreibender Sportjournalist, sowie Thomas HENNECKE vom Fachmagazin kicker, der berufsmäßig die BVB-Spiele betreut.

Sie stellen fest, dass sie sowohl identische, oft aber auch individuelle Informationen zu den Merkwürdigkeiten beim BVB haben. Sie beschließen, sich zusammenzutun und gemeinsam zu recherchieren. Auch die späteren Veröffentlichungen sollen immer zum selben Zeitpunkt erfolgen: in der Süddeutschen Zeitung (SZ), für die RÖCKENHAUS schreibt, sowie HENNECKE im kicker-Sportmagazin. Es wird eine ausgesprochen effektive Kooperation: zusammen wissen beide mehr als jeder für sich allein. Es beginnt eine seltene, aber sehr effektive Zusammenarbeit: Ein ungewöhnlicher journalistischer Doppelpass


15.12.2003

Die Zeitschrift Focus berichtet unter dem Titel „Gewaltige Delle“ über einen Fehlbetrag von mindestens 40 Mio. € beim BVB und zitiert MEIER mit den Worten, dass „eventuell Spieler verkauft werden müssen.“ Der Focus-Artikel hinterlässt überraschenderweise wenig Wirkung. 
RÖCKENHAUS und HENNECKE sitzen zu diesem Zeitpunkt mit ihren letzten Recherchen in den Startlöchern


21.12.2003

Die Süddeutsche Zeitung und der kicker kündigen vorab über Agenturen, u.a. über die dpa, eine größere Enthüllung beim BVB an: ein drohendes finanzielles Fiasko. Die Storys erscheinen einen Tag später

Die dpa-Meldung sorgt für Aufregung bei den Ruhr Nachrichten, die in Dortmund erscheinen. Die große Tageszeitung praktiziert schon lange eine „Medienpartnerschaft“ mit dem BVB: als Zeitung vor Ort erhält man oft Informationen exklusiv vom BVB. Auf der anderen Seite erwarten auch die Leser und insbesondere die vielen Fans aktuelle und spannende Berichte.
Es kommt zu einer ersten Sonderkonferenz - als Reaktion auf die Vorabmeldungen der SZ und des kicker. Teilnehmer sind der Chefredakteur, die Gebrüder Frank und Sascha FLIGGE sowie Mitglieder der Wirtschafts- und Lokal-Redaktion. Ergebnis: Es wird ein BVB-Sonderteam aufgestellt, das unverzüglich mit der Recherche beginnt.
Noch am gleichen Abend telefoniert das Team mit MEIER. Der bestätigt die Notwendigkeit, Finanzmittel zu beschaffen, verweigert aber weitere Informationen


22.12.2003

Quelle: FLIGGE - Die Akte Schwarzgelb

22.12.2003

Zwei Tage vor Weihnachten: Die SZ und kicker lassen ihre erste Bombe platzen: Borussia Dortmund vor dem Finanzcrash lautet die Überschrift in der SZ100.000.000 beim kicker. Konkret schreiben sie:

  • der BVB braucht eine neue Geldspritze 
  • erstmals Widerstand gegen NIEBAUMS Geldbeschaffungspläne 
  • Verluste von mindestens 50 Mio. € im laufenden Geschäftsjahr 
  • Verbuchung der Einnahmen aus dem Ausrüster-Vertrag mit „Nike“ (38 Mio. €) für das Jahr 2004/05 in die Jahresbilanz 2002/03 
  • Rekordumsatz (162,3 Mio. €), aber nur 3 Mio. € Gewinn 
  • Aufdecken des Spielerwechsel-Deals AMOROSO – EVANILSON mit dem italienischen Erstligisten AC Parma 
  • Rückzahlungsbelastung für den BVB in Höhe von 27 Mio. € jährlich auf lange Zeit

Die beiden Veröffentlichungen treffen voll ins Schwarze


22.12.2003

Als Reaktion auf die Berichterstattung in den Medien, setzt der BVB eine Pressekonferenz an:

NIEBAUM und MEIER sind in ihrem Element, empören sich über die Berichterstattung und drohen rechtliche Schritte an: Es werde geprüft, „ob es rechtliche Konsequenzen nach sich ziehen muss, wenn die Kreditwürdigkeit von Borussia Dortmund mutwillig oder fahrlässig in Frage gestellt wird.“

  • NIEBAUM kontert die Anschuldigungen der Journalisten RÖCKENHAUS und HENNECKE. Wörtlich sagt er: „Ich kann mich in diesem Bild, das von mir gezeichnet wird, beim besten Willen nicht wiedererkennen. (...) Ich bin seit 18 Jahren Präsident dieses Vereins und gehe meinen Aufgaben mit Herzblut nach. Ich habe mit allen Gremien und mit allen Personen immer kollegial zusammengearbeitet.“ 

NIEBAUM nennt die Berichterstattung „bösartig und übertrieben“ und fragt „mit welchen Motiven kurz vor Weihnachten eine derartige Charakterisierung erfolgt“. 

  • MEIER spricht von einer „Attacke gegen ein börsennotiertes Unternehmen, gegen die man sich wehren muss.“. Er bestätigt allerdings den Kontakt zu dem Londoner Investmentmakler Stephen Lloyd SCHECHTER, der jedoch, laut MEIER, nicht vom BVB ausging: „Vor einem dreiviertel Jahr gab es eine erste Kontaktaufnahme durch Schechter“. SCHECHTER hat, neben einigen ausländischen Fußballklubs, dem BVB-„Erzrivalen“ FC Schalke 04 im Jahre 2002 eine Anleihe von 85 Mio. € vermittelt, die damit das neue Stadion finanzieren. 

NIEBAUM nennt die Anleihe, falls sie denn überhaupt aufgenommen wird, eine „Investition in die Zukunft“. Die Fakten aus den beiden Berichten können beide jedoch nicht dementieren. MEIER: „Es hat keiner gesagt, dass die Fakten falsch sind.“


23.12.2003

Die SZ berichtet über die Pressekonferenz von gestern und wiederlegt einige Aussagen MEIERS, so etwa, dass die Liquiditätskrise durch Spielerverkäufe entspannt werden könne. RÖCKENHAUS gibt zu bedenken, dass alle Spieler langfristig an den Verein gebunden sind. In dem Artikel kommt auch Präsidialauschussmitglied Winfried MATERNA zu Wort, der die Vorgehensweise der Geschäftsführung stark kritisiert: „Die Kostenstrukturen müssen dringend den Einnahmestrukturen angepasst werden. Ich bin kein Freund von irgendwelchen Wechseln auf die Zukunft. (...) “. Außerdem bemängelt er seine Machtlosigkeit als Aufsichtsratsvorsitzender einer KGaA - indirekt ein Hinweis auf die Allmacht von NIEBAUM und MEIER - sowie die mangelhafte Unternehmensstruktur der KGaA: „Wir haben nur eine beratende Funktion. Das ist ein Nachteil. Meine Handlungsmöglichkeiten sind eingeschränkt.“


23.12.2003

Jetzt steigen auch die Ruhr Nachrichten ein. Konkret wird der Teil des BVB-Geschäftsberichts genannt, der die Berichterstattung in der SZ und im kicker auslöste: „Das komplizierte Zahlenwerk umfasst knapp 80 Seiten. Auf Seite 54 ist auf der Aktiva-Seite der Bilanz in der Tat von „Forderungen aus Lieferungen und Leistungen“ in Höhe von knapp 37 Mio. € die Rede – wurden die Nike-Einnahmen tatsächlich ungewöhnlich frühzeitig unter diesem Posten verbucht?“


23.12.2003

In der Westfälischen Rundschau hingegen schreibt der überzeugte NIEBAUM-Anhänger, der Sport-Redakteur Wilfried WITTKE: „Ohne Niebaums Visionen und Risikobereitschaft würde Borussia Dortmund heute vielleicht über ein internationales Renommee wie RW Oberhausen verfügen.“


29.12.2003

DER SPIEGEL berichtet von verspäteten Zahlungen des BVB an Spielerberater für vertraglich vereinbarte Honorare. Das Geld wäre z.B. in Raten gezahlt worden. Dass dieses Detail überhaupt an die Öffentlichkeit kommt, deutet ein NIEBAUM-Kritiker aus dem Verein so: „Zum ersten Mal ist es jetzt in der Ära des Präsidenten zu einer Indiskretion gekommen. Das deutet auf einen Autoritätsverfall hin.“ 
Im gleichen Artikel stärkt BVB-Schatzmeister Hans-Joachim WATZKE den Geschäftsführern den Rücken: „Man muss da Herrn Niebaum und Herrn Meier vertrauen, die das ja schon ein paar Jahre machen.“ Der unabhängige münstersche Wirtschaftswissenschaftler Gerhard SCHEWE hingegen kritisiert, wie zuvor schon MATERNA, die nahezu uneingeschränkten Machtbefugnisse der Geschäftsführer, die ja zugleich auch an der Vereinsspitze stehen und sagt, dass sich „die Geschäftsführung quasi selbst rekrutiert und überwacht“


Anfang Januar 2004

Bei einem Vier-Augen-Gespräch zwischen NIEBAUM und HENNECKE, versucht NIEBAUM, den kicker-Journalisten „einzulullen“, um dadurch eine weitere kritische Berichterstattung zu verhindern. HENNECKE selbst bezeichnet dieses Gespräch, das während des Winter-Trainingslagers in Spanien stattfand, als „schlimmstes Erlebnis meiner Laufbahn“


05.01.2004

Im neuen Jahr geht es gleich munter weiter. Die SZ und der kicker berichten erneut und wiederum zeitgleich:

  • BVB-Finanzlage ist schlimmer als zunächst berichtet 
  • auf einer Sitzung des Aufsichtsrats „flogen die Fetzen“ 
  • Vertrauen der Banken in den BVB ist „tiefgreifend erschüttert“ 
  • Fehlbetrag für den Rest der Saison (6 Monate): 20-25 Mio. € 
  • MEIER sucht „fieberhaft“ nach Geldquellen 
  • Gehälter der Spieler liegen weit höher als bisher geschätzt 
  • BVB-Insider sagen: 6-8 Topverdiener müssen verkauft werden - „und wenn wir sie verschenken.“ 
  • MATERNA sagt: „Wir brauchen einen kompletten Paradigmen-Wechsel.“

05.01.2004

MEIER greift DFB-Präsident Gerhard MEYER-VORFELDER an, der sich kritisch über die Pläne zur Aufnahme einer Anleihe äußerte: „Ein Präsident hat große Aufgaben. Er muss sich nicht über Dinge äußern, über die er nicht informiert ist. Meyer-Vorfelder sollte hinterfragen, was er durch solche Aussagen anrichtet.“


06.01.2004

MEIER verneint in einem Interview mit den Ruhr Nachrichten Liquiditätsprobleme und greift damit RÖCKENHAUS und HENNECKE indirekt an. Letzterer wird, wie später auch weitere kritisch berichtende Journalisten, durch E-Mails, vor allem von Fans, massiv beleidigt. NIEBAUM schießt indessen gegen MATERNA und bekräftigt, dass zwischen Geschäftsführung und Aufsichtsrat über alles Geschäftliche Einigkeit herrscht. Intern sucht er allerdings vehement nach dem Informanten, der die Journaille mit Insider-Informationen versorgt


07.01.2004

Nun werden auch Finanzexperten auf die Krise beim BVB aufmerksam. In der SZ meint ein Experte der Deutschen Bank, dass es beim BVB zugeht, „wie auf dem Pferdemarkt.“ Andere Experten kritisieren mal den schwankenden Bilanz-Wert des Westfalenstadions, mal die Investitionen in den Sportartikelhersteller „goool.de“, ein Reisebüro und ein Hotel, die alle keine Gewinne erwirtschaften.
Die SZ lässt auch den Hypovereinsbank-Analysten Peter-Thilo HASLER zu Wort kommen, der ausrechnet, dass der Schuldenstand des BVB bereits vor dem Börsengang 72 Mio. € betragen haben muss. Die BVB-Aktie ist zu diesem Zeitpunkt „underperform“, was soviel heißt wie ‚sie hat sich schlecht entwickelt‘


07.01.2004

RÖCKENHAUS führt im Hotel "lennhof" ein langes Gespräch mit NIEBAUM und MEIER, in dem die beiden Geschäftsführer die Möglichkeit ausloten, ob RÖCKENHAUS bereit ist, die kritische Berichterstattung über den BVB einzustellen. Anders als das Gespräch zwischen NIEBAUM und HENNECKE, ist die Atmosphäre an diesem Tag nicht feindselig.
RÖCKENHAUS telefoniert im Laufe des Januars noch mehrmals mit NIEBAUM. An die Gespräche in diesen Wochen erinnert er sich uns gegenüber wie folgt: "Insgesamt ergab sich aus Niebaums (und Meiers) Aussagen mir gegenüber, dass die grundsätzliche Problemlage eingestanden wurde und mir auch nicht unterstellt wurde, wahrheitswidrig zu berichten. Nur, dass man dies nicht öffentlich eingestehen wollte. Und wohl auch nicht konnte, ohne den letzten Rest an Bonität für den Klub aufzugeben."


18.01.2004

Die Ruhr Nachrichten berichten über eine schlechte Zahlungsweise des BVB, der seinen Verpflichtungen gegenüber den Stadtwerken Dortmund und dem Verkehrsverbund Rhein-Ruhr nicht nachkommt. Präsidialauschuss- und Aufsichtsratsmitglieder beim BVB erfahren davon erst aus der Presse – sie sind entsetzt


19.01.2004

MEIER gibt in einem Gespräch mit der Westfalenpost zu, von sich aus den Kontakt zu SCHECHTER hergestellt zu haben


Im Januar

NIEBAUM sagt im Beisein von Ruhr Nachrichten-Verleger Lambert LENSING-WOLFF sowie dem Bruderpaar FLIGGE, dass er bisher davon ausgegangen wäre, zumindest die regionale Presse ‚unter Kontrolle zu haben‘


26.01.2004

DER SPIEGEL berichtet auch über Widerstände in den BVB-Gremien gegenüber NIEBAUM. Es wird ein Sanierungskonzept von NIEBAUM gefordert. Der sieht den BVB „gut aufgestellt“. Erste Zweifel an einer Zukunft mit NIEBAUM werden publik. Stellvertretend dafür ist ein Zitat eines anonymen Gremium-Mitglieds: „Eine Mannschaft mit preiswerten Spielern aus der 2. Liga, das ist nicht die Welt von unserem Gerd.“


28.01.2004

Die SZ veröffentlicht ein Interview mit MEIER, in dem er zu den Vorwürfen der Geldvernichtung Stellung bezieht. Auf die Frage, ob er den BVB als einen Sanierungsfall sieht, antwortet MEIER: „Ich würde mich gar nicht gegen eine Sanierung stemmen. Es gibt viele Begriffe, die die Situation beschreiben. ‚Sanierungsfall’ aber finde ich nicht angebracht.“
Das Gespräch mit MEIER findet in "privater Atmosphäre" im Hause des Geschäftsführers statt. Über den siebenstündigen Interview-Marathon äußert sich RÖCKENHAUS später wie folgt: "Meier gestand [...] wesentliche Management-Fehler ein. Bei der Autorisierung des Interview-Textes ruderte er [...] erheblich zurück. Die im gedruckten Text verbliebenen selbstkritischen Passagen führten aber am Vorabend des Erscheinens des Textes zu einem heftigen Zerwürfnis zwischen Niebaum und Meier. Während Meier nämlich für eine offenere Kommunikationspolitik plädierte, wollte Niebaum weiterhin auf totales Ableugnen setzen."


29.01.2004

Unter dem Titel Größenwahn AG schreibt DIE ZEIT eine große Geschichte über die Lage beim BVB. Detailliert wird die gesamte bisherige Finanzkrise aufgerollt


Ende Januar 2004

RÖCKENHAUS und NIEBAUM diskutieren öffentlich in der DSF-Sendung "Doppelpass" über die Finanzkrise


19.02.2004

Ungeachtet dessen weitet sich die Krise immer weiter aus. Wieder einmal sind es die SZ und der kicker, die einen weiteren Beweis des drohenden Zusammenbruchs aufdecken.

  • Anscheinend kann der BVB seinen Zahlungsverpflichtungen gegenüber der Hochtief AG, die mit dem Ausbau der Stadionecken beauftragt wurde, nicht mehr nachkommen. 
  • Laut SZ sollen die Verbindlichkeiten bei 17 Mio. € liegen. 
  • Dazu addieren sich 6 Mio. €, die der BVB der Vermietungsgesellschaft Molsiris schuldet. 

Daraufhin meldet MEIER, dass die Westfalenstadion GmbH & Co. KG, der eigentliche Vertragspartner, in einem Schreiben MEIER den Eingang der Zahlungen bis Februar 2004 versichert. 
Kurze Zeit später kündigt der BVB eine Klage gegen die Behauptungen von SZ und kicker an. Daraufhin nimmt der kicker seine Behauptung, der BVB sei mit der Stadion-Miete im Rückstand, zurück. Bei der SZ ist man gelassener und reagiert nicht.
Außerdem dementiert MEIER die genannten Horrorzahlen (Halbjahresverlust von 25 Mio. € und ein Jahresfehlbetrag von 60-65 Mio. €) und greift die kritische Berichterstattung erneut an, dementiert andere Fakten der Berichte jedoch nicht


19.02.2004

Die Ruhr Nachrichten möchten von NIEBAUM persönlich eine klärende Stellungnahme zur Finanzsituation und legen ihm einen Fragenkatalog vor. Pressesprecher Josef SCHNECK meldet: NIEBAUM kritisiert den „anklagenden Ton“ und lehnt eine Beantwortung ab


27.02.2004

Nun ist es soweit: Der BVB muss seine Halbjahresbilanz veröffentlichen: 29,4 Mio. € Verlust in der ersten Saisonhälfte! Die von SZ und kicker genannten Zahlen waren richtig.
NIEBAUM spricht erstmals von einem „Super-Gau“ und einer „angespannten Liquiditätslage“


02.03.2004

Die Deutsche Fußball Liga (DFL) als Oberaufsicht meldet sich zu den Turbolenzen beim BVB zu Wort, sieht in den Zahlen aber noch keine Gefahr für die Erteilung der Lizenz für die nächste Saison


01.04.2004

Der BVB und sein Spieler Marcio AMOROSO lösen den bestehenden Vertrag wegen anhaltender Disziplinlosigkeiten des Spielers auf. Für den BVB entsteht ein Millionenverlust, da AMOROSO noch nicht voll abgeschrieben war


03.04.2004

Wieder einmal ist RÖCKENHAUS bei seinen Recherchen fündig geworden. In der SZ berichtet er, dass der BVB für den geplanten Rückerwerb des Stadions bis zum Jahr 2017 insgesamt 450 Mio. € aufbringen muss, was einer jährlichen Summe von ca. 35 Mio. € entspricht


22.04.2004

Sportlich geht es zudem steil bergab: der BVB verpasst (wie letzte Saison die Qualifikation für die UEFA Champions League) diesmal sogar die direkte Qualifikation für den UEFA-Cup und damit die Chance auf weitere Einnahmen


19.06.2004

Die Ruhr Nachrichten berichten in einem Artikel, dass der BVB die Namensrechte am Westfalenstadion bereits im Januar für 5 Mio. € an die Firma „Assunta GmbH“ verkauft hat. Bei einem Rücktritt vom Vertrag muss der BVB das Geld zurückzahlen. Für den Fall, dass der BVB nicht zahlungsfähig ist, hat er Transfererlöse von fünf Spielern (WÖRNS, DEDE, DEMEL, BERGDÖLMO und JENSEN) verpfändet


19.06.2004

Der BVB gibt eine Pressemitteilung heraus: NIEBAUM und MEIER versuchen den Deal zu relativieren, dementieren ihn aber nicht


29.06.2004

Ex-Profi Stefan REUTER, der Ende der Saison 2003/04 seine Fußballschuhe an den Nagel hängte, bekommt von NIEBAUM trotz der angespannten Finanzlage eine Position in der erweiterten Geschäftsführung und soll sich vor allem um das Sponsoring kümmern. Sein Aufgabenbereich ist jedoch unklar, so dass er eigentlich überflüssig ist – aber viel Geld kostet. Bereits kurze Zeit später gerät er in Konflikt mit Ex-Profi und Sportmanager Michael ZORC (Überschneidung der Kompetenzen) und nimmt bald darauf seinen Hut


24.07.2004

Der BVB verspielt seine letzte Chance auf Einnahmen aus einem europäischen Wettbewerb nach einer Heimniederlage im UI-Cup gegen den belgischen Vertreter KRC Genk. MEIER spielt die Niederlage herunter und sagt, der BVB hätte keine Einnahmen aus dem UEFA-Cup einkalkuliert


14.08.2004

Mehrere Spieler behaupten, dass ihr Juli-Gehalt bis zum 13.08. nicht auf ihrem Konto eingegangen ist. MEIER erklärt, die Gehaltszahlungen seien vom Monatsbeginn auf die Monatsmitte umgestellt worden. Die Spieler wurden allerdings davon nicht informiert und das August-Gehalt geht deutlich vor dem 10.09. auf den Konten ein. Im Anschluss schweigt MEIER zu diesem Thema


16.08.2004

Nach den Spielern meldet sich nun auch BVB-Trainer Bert VAN MARWIJK und meint, er habe sein Gehalt erst „nach mehrfachem Drängen“ bekommen. Der kicker berichtet


16.09.2004

Der BVB gibt bekannt, dass eine Kapitalerhöhung, also die Ausgabe neuer Aktien, durchgeführt wird. Die Platzierung der Aktien wäre zu einem Großteil durch „Abnahmegarantien institutioneller Anleger“ gesichert. Der größte Investor (Anteil 25,97%) sei die Investmentgesellschaft "FM Fund Limited". Deren Chef ist Florian HOMM, ein Hedge-Fonds-Manager und „knallharter Kalkulierer“. 
In Börsen-Fachkreisen wird die Kapitalerhöhung skeptisch gesehen, da der BVB die Verwendung des neu hereingespülten Kapitals (ca. 24,3 Mio €) nicht konkretisiert, sondern schlicht sagt, er brauche das Geld


22.09.2004

Die BVB-Finanzkrise erreicht die Politik: Nordrhein-Westfalens Ministerpräsident Peer STEINBRÜCK trifft sich mit seinen Ministern Jochen DIECKMAN (Finanzen) und Harald SCHARTAU (Wirtschaft) und bespricht den Antrag des BVB auf Aussetzung der Tilgungsraten für ein Bankdarlehen zum Stadionausbau für den Zeitraum vom 01.07.2004 bis 30.06.2005, für das das Land bürgt


Im September 2004

In einer BVB-Beiratssitzung beantragt ein Mitglied, dass jeder aus dem Beirat dem Präsidenten NIEBAUM das Vertrauen aussprechen solle. Als WATZKE an der Reihe ist, sagt er: „Was soll das, Gerd, Du weißt doch, dass ich dir nicht vertraue.“ Die Folge: Aufruhr und ein Sitzungsende im Chaos


02.10.2004

In einer Umfrage im Auftrag der Ruhr Nachrichten unter BVB-Fans vor einem Heimspiel glauben nur 31,5%, dass die aktuelle Geschäftsführung – NIEBAUM und MEIER – eine Wende zum Positiven schafft


06.10.2004

MATERNA, neben WATZKE einer der wenigen internen Kritiker NIEBAUMS, kritisiert in einem Interview mit den Ruhr Nachrichten den bisherigen Konsolidierungskurs von NIEBAUM und MEIER.
NIEBAUM verdächtigt MATERNA, einer jener „Maulwürfe“ zu sein, die Vereins-Interna an Journalisten weitergegeben haben


08.10.2004

Einer der wichtigsten Tage in der Geschichte: An diesem Freitag findet im Presseraum des Westfalenstadions die Bilanzpressekonferenz der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA statt. NIEBAUM und MEIER verkünden einen Verlust von 67,7 Mio. € und einen Schuldenstand von sagenhaften 118,8 Mio. €! 
NIEBAUM gibt zaghaft erste Managementfehler zu. Die Art und Weise wie sowohl NIEBAUM als auch MEIER das Rekorddefizit präsentieren und schönreden wollen, veranlasst die FAZ und den Sportinformationsdienst zu bissigen Kommentaren.
Gleichzeitig werden Details der erwähnten Kapitalerhöhung bekannt gegeben: 9,75 Mio. Aktien zu einem Stückpreis von 2,50 €


11.10.2004

Die SZ und der kicker berichten in ihren Montags-Ausgaben, dass HOMM Bedingungen für die Zeichnung des Aktienpakets gestellt hat. Diese lauten: 

  • die KGaA verpflichtet sich, einen dritten Geschäftsführer für die Bereiche Finanzen und Controlling zu installieren 
  • NIEBAUM bleibt längstens bis zur Neuwahl des Vereinspräsidiums 2006 in der Geschäftsführung, muss also gehen 
  • FM Fund Limited erhält drei Posten im Beirat und zwei im Aufsichtsrat.

NIEBAUM dementiert die Existenz einer derartigen Vereinbarung vehement, u.a. gegenüber Journalisten der Ruhr Nachrichtenund in einer eilig veröffentlichten Pressemitteilung.
MEIER wählt wiederum eine andere Taktik, indem er die Berichte nicht dementiert, sondern lediglich „keinen Kommentar“ abgeben möchte.
HOMM stärkt NIEBAUM durch einen Brief den Rücken. Darin versichert er NIEBAUM, dass bei der Aktienzeichnung keine Bedingungen ausgehandelt wurden. Damit wähnt sich NIEBAUM auf der sicheren Seite.
RÖCKENHAUS von der SZ hätte schon am folgenden Tag NIEBAUMS Lügenspiele auffliegen lassen können, da er von Informanten, die interessanter Weise nicht aus den Reihen des BVB kommen, Kopien der Abmachung zwischen NIEBAUM, MEIER und HOMM erhalten hat. Er muss jedoch auf seinen Recherche-Partner HENNECKE vom kicker warten, dessen Zeitung erst am Donnerstag (14.10.) wieder erscheint


12. + 13.10.2004 (Dienstag + Mittwoch)

In diesen zwei Tagen unternimmt NIEBAUM alles, um sich als Opfer darzustellen und um die beiden Journalisten RÖCKENHAUS und HENNECKE zu diskreditieren. Er impft NIEBAUM-treue Medien, wie die BILD-ZEITUNG, entsprechende Berichte zu veröffentlichen.

Die BILD-Zeitung interviewt inzwischen HOMM, der erneut betont, dass die interne Vereinbarung, die SZ und kicker zu haben meinen, eine Fälschung ist – der regionale Chefredakteur von BILD steht immer noch hinter NIEBAUM.

Am Abend des 13.10.2004 veröffentlichen die SZ und der kicker in Vorab-Meldungen, was am Donnerstag in den beiden Zeitungen über die BVB-Krise stehen wird


12.10.2004

Zwischen NIEBAUM und RAUBALL findet derweil ein erstes Gespräch über ein mögliches erneutes Engagement RAUBALLs als BVB-Präsident statt. RAUBALL zögert zunächst, gerät aber aufgrund der sich zuspitzenden Lage unter Entscheidungsdruck


Im Oktober 2004

Die Dokumente der "Fax-Affäre"

Quelle: FLIGGE - Die Akte Schwarzgelb

14.10.2004

Und wieder platzt eine Bombe: SZ und kicker belegen in ihren Ausgaben die Existenz der sogenannten „Drei-Punkte-Erklärung“. In der SZ wird die von NIEBAUM in ihrer Existenz bestrittene Vereinbarung als Kopie abgedruckt. Unübersehbar: sie wurde von HOMM und NIEBAUM sogar persönlich unterschrieben.
Es ist nahezu offensichtlich, dass HOMM durch seine bewusste Fehlinformation Präsident NIEBAUM in eine Falle hat laufen lassen. Vermutlich, um NIEBAUM zeitnah „loszuwerden“


15.10.2004

Jetzt kann auch die BILD-Zeitung und dessen Chefredakteur vor Ort nicht mehr anders: Die BILD muss ihre Berichterstattung und bisherige einseitige Parteinahme zugunsten NIEBAUMs ändern. Sie veröffentlicht ein Foto von NIEBAUM mit Pinocchio-Nase und tituliert ihn als „Dr. Lügenbaum“


15.10.2004

In NIEBAUMS Kanzlei findet ein weiteres Gespräch um die Zukunft der Vereinsspitze statt. Neben NIEBAUM, MEIER und RAUBALL sind auch MATERNA, WATZKE und PULLER, sowie einige weitere Personen aus der Clubspitze anwesend. Ergebnis dieses Treffens ist die am 17.10.2004 bekannt gegebene Neuordnung der BVB-Spitze

15.10.2004

Ebenfalls an diesem Tag veröffentlichen die Ruhr Nachrichten einen Ergebnis-Brief der Politikerrunde vom 22.09.2004 an NIEBAUM, in dem die Beauftragung einer unabhängigen Unternehmens- und Wirtschaftsberatungsgesellschaft angekündigt wird. Grund sei die „aus hiesiger Sicht nicht hinlänglich transparente finanzielle und strukturelle Gesamtsituation“ des BVB. Dieser Brief kommt einem Misstrauensvotum gleich


16.10.2004

Die „Tagungsrunde“ in NIEBAUMs Kanzlei trifft sich erneut und legt den endgültigen Fahrplan für den morgigen Sonntag und die geplante Krisensitzung fest.
Ein Gremiumsmitglied sagt hinterher, dass es schwierig war, NIEBAUM zum Rücktritt zu bewegen. Nur durch den Rücktritt von MATERNA, den NIEBAUM als Medien-Informant in Verdacht hat, lässt er sich überzeugen. Sein Rücktritt als Präsident hätte aber noch andere Folgen: NIEBAUM könnte dann nicht die Kontrolle über den Präsidialauschuss erlangen, mit der er weiterhin entscheiden könnte, wer in der KGaA das Sagen hat. Eine Folge seines Macht-Netzwerkes


17.10.2004

Im vereinseigenen „Hotellenhof“ treffen sich an diesem Sonntag der Wirtschaftsrat und der Ältestenrat, um über die Vereinszukunft, die auf dem Spiel steht, zu entscheiden. Ergebnis dieser dreistündigen Sitzung ist der Rücktritt von NIEBAUM als BVB-Präsident, sowie von MATERNA als Aufsichtsratsvorsitzender der KGaA. Nachfolger von NIEBAUM wird Reinhard RAUBALL. 
In kurzen Stellungnahmen verkünden NIEBAUM, RAUBALL und die anderen die Ergebnisse der Sitzung. NIEBAUM erklärt, dass er zum 14.11.2004 das Präsidentenamt abgeben wird. Gleichzeitig spricht er von einem „schönen Tag im Interesse des Vereins“. RAUBALL erwähnt die ablehnende Haltung seines privaten Umfelds gegenüber einer erneuten Präsidentschaft und mahnt, dass der gesamte Verein auf Messers Schneide steht.
Später wird dieser Sonntag als „denkwürdig“ bezeichnet werden, da er die mögliche Trendwende zur Besserung einleitete


12.11.2004

Die Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA präsentiert in Zusammenarbeit mit dem Münchener Unternehmen „Metrum Managementberatung GmbH“ ein Sanierungskonzept mit einer Laufzeit bis zur Saison 2007/08


14.11.2004

An diesem Sonntag findet in der Westfalenhalle 1 die Jahreshauptversammlung des BV Borussia 09 Dortmund e.V. statt. NIEBAUM und MEIER müssen sich vor den treuesten Fans wegen ihrer fatalen Wirtschaftsbilanz verantworten. Für NIEBAUM und MEIER werden es harte Stunden. NIEBAUM hält seine Abschiedsrede, die er nach einem Tränenausbruch abbrechen muss. MEIER heult bereits vor der ersten Rede des Tages.
Der erste Redner des Tages ist NIEBAUM. Er versucht in seiner Rede wieder einmal, sich und sein Handeln zu verteidigen. Den Verbleib in der Geschäftsführung rechtfertigt er als Übernahme von Verantwortung in einer schwierigen Zeit. Seinen Rücktritt als Präsident versucht er als Verzicht zu verkaufen, um Ruhe in den Verein zu bekommen. Die Ära NIEBAUM endet schließlich unter Tränen. Tatsächlich spenden die Mitglieder ihrem langjährigen Präsidenten bei dessen Abschied Applaus und stehen auf. Doch eines bleibt offensichtlich: 18 Jahre hat NIEBAUM an der Spitze des BVB gestanden und in dieser Zeit etliche Titel gewonnen. Gemessen an diesen Erfolgen erscheint sein Abschiedsapplaus allerdings sehr mager. 
MEIER tritt ebenfalls ans Rednerpult. Allerdings schlägt ihm bei seinem Versuch des Schönredens die Wut der Mitglieder ins Gesicht. Mehrmals wird er durch Zwischenrufe mit nicht zitierfähigem Inhalt unterbrochen. Er mahnt die Mitglieder zu mehr Sachlichkeit in der Diskussion, doch davon möchte zu dieser Stunde niemand mehr etwas wissen. MEIER verlässt schließlich unter erneuten Tränen das Rednerpult.
Ihm folgt als Redner der ehemalige Arbeitsminister Nordrhein-Westfalens HEINEMANN, jenes Mitglied des „Tresen-Dreiers“ von 1989. Doch heute stößt er nicht mit NIEBAUM an. Im Gegenteil: scharf sind die Töne in dessen Richtung, für die er viel Beifall erhält.
Werner WIRSING (Unternehmer und Ex-BVB-Schatzmeister) prangert vor allem die Art und Weise an, wie die Geschäftsführung mit Kritik umging – später unterstellt er MEIER, er hätte zu „Bilanztricks“ gegriffen. Zudem hält er es für nicht möglich, dass MEIER der richtige Mann für die nötige Sanierung des BVB ist.
Nach vielen weiteren Rednerrinnen und Rednern aus den Reihen der Fans, von denen viele ihr Herz ausschütten, kommt es zur Vertrauensabstimmung. Mit 823 zu 442 Stimmen werden NIEBAUM und MEIER entlastet.
Kurze Zeit später wird RAUBALL zum neuen Präsidenten des BVB gewählt. Es ist seine dritte Amtszeit und wieder einmal soll er die Rolle des Retters übernehmen


16.11.2004

Zwei Tage nach der Jahreshauptversammlung steht an gleicher Stelle die Aktionärsversammlung an. Nicht weniger brisant, zumal der neue Hauptaktionär HOMM eine Rede angekündigt hat, die mit Spannung erwartet wird. Im Vorfeld der Versammlung gehen auf der Website des Clubs zahlreiche Anträge ein, die den Ernst der Lage erkennen lassen.
Zunächst schreitet der neue Aufsichtsratsvorsitzende Gerd PIEPER ans Mikrofon und vermeldet, dass es in Zukunft mehr Transparenz, Offenheit und Fairness von Seiten des BVB gegenüber seinen Aktionären geben wird.
Danach NIEBAUM. Er meldet ein „katastrophales Jahresergebnis“, gesteht Fehler ein und erntet massive Pfiffe und böse Zwischenrufe, als er erklärt, dass er auch weiterhin als Geschäftsführer tätig sein möchte.
MEIER liefert im Anschluss einmal mehr das desaströse Zahlenwerk und darüber hinaus noch die Ankündigung, dass es vielleicht eine weitere Kapitalerhöhung (für Aktionäre ein GAU) geben wird.
Gegen Mittag betreten zwei Neulinge, Othmar Freiherr VON DIEMAR (Unesco-Botschafter und Vizepräsident des Automobilclubs von Deutschland) und Ruedi BAER (schweizer Unternehmer und ehemaliger Präsident des schweizer Erstligisten Young Boys Bern) die BVB-Bühne. Beide sind Kandidaten HOMMS für die freien Plätze im Aufsichtsrat. BAER nimmt in seiner Rede kein Blatt vor den Mund und spricht von „Übermut und Unverschämtheit“ im Umgang mit fremdem Geld.
Die Rede BAERS eröffnet den Reigen der „Abrechner“. Da sind u. a. der Sprecher der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz e.V. Carsten HEISE und Stefan TEN DOORKAAT von der Schutzgemeinschaft der Kapitalanleger. Sie alle greifen NIEBAUM und MEIER scharf an und wünschen sich deren Rücktritt.

Dann folgt die Rede von HOMM. Bisher hat er sich dezent zurück gehalten, aber in seiner Rede schießt er zunächst gegen alle Anwesenden und straft dann die beiden Geschäftsführer regelrecht ab. Was keiner für möglich hält: Kurze Zeit später stärkt er NIEBAUM und MEIER den Rücken und hält eine Weiterarbeit beider für möglich und nötig. Das Plenum traut seinen Ohren nicht. Der gewiefte Taktiker HOMM belässt es dabei und das mit Kalkül: Mit einer Geschäftsführung NIEBAUM/MEIER hat HOMM großen Einfluss auf zukünftige Club-Entscheidungen.

Das Ergebnis nach langer Sitzung: Die Geschäftsführung wird mit 90% entlastet


22.12.2004

Die BVB-Aktie – im Oktober vor 4 Jahren (2000) zu 11 Euro ausgegeben – sackt auf einen historischen Tiefststand von 1,82 € ab


01.02.2005

Der am 12.11.2004 präsentierte Sanierungsplan ist Geschichte. MEIER erklärt, dass der BVB auf die Zusammenarbeit mit der Firma „Metrum Managementberatung GmbH“ verzichtet. Man wolle jetzt alleine weiterarbeiten und „Punkt für Punkt des Metrum-Gutachtens abarbeiten“. Der Grund ist freilich ein anderer: Metrum soll Informationen aus der Clubführung an einzelne Medienvertreter weitergeleitet haben


02.02.2005

Nur einen Tag später, es ist Karnevalszeit, kommt für die BVB-Fans eine weitere Hiobsbotschaft ans Tageslicht: Im Spätsommer 2000, also vor dem Börsengang, benötigte der Club dringend frisches Kapital. Die Idee der Geschäftsführung damals: Die Markenrechte am Vereinslogo und am Vereinsnamen an ein Unternehmen zu übertragen und dafür die Summe X kassieren. Konkret in diesem Fall: Der Kölner Versicherungskonzern Gerling AG bezahlt für die Rechte 20 Mio. €.
Gerling erwarb für das Geld die Sportbekleidungstochter goool.de. Die KGaA behielt aber in einem „Sale-and-lease-back-Verfahren“ (wie bei dem AMOROSO-Deal) die weitere Nutzung, musste dafür aber 1,4 Mio. € jährlich an Gerling zahlen. Der Vertrag enthielt jedoch keinerlei Tilgungssummen. Daher besteht der Verdacht, dass es sich um ein verdecktes Kreditgeschäft handelte.
Der Gerling-Deal war ein überaus brisantes Geschäft. So brisant, dass auch der neue Präsident RAUBALL und die anderen Vereins-Gremien erst im Januar 2005 über Details informiert wurden. 
RÖCKENHAUS von der SZ liegt eine Kopie des Gerling-Vertrags exklusiv vor. Ein weiterer Beweis für seine hervorragenden Informanten-Quellen auch außerhalb des BVB


03.02.2005

RAUBALL gerät nach gut drei Monaten im Amt zum ersten Mal mit negativen Schlagzeilen in die Presse. Die Sport-Bild, pikanter Weise pro NIEBAUM orientiert, veröffentlicht das Gehalt RAUBALLS, das 480.000 € betragen soll. Sie schreibt u.a.: „...dass ein Monatsgehalt von 40.000 Euro wohl schlecht den Borussia-Mitarbeitern erläutert werden kann, die auf der Kündigungsliste stehen.". 
Offenbar eine gezielte Breitseite gegen RAUBALL


03.02.2005

MEIERS Trumpf in der Hinterhand, der Finanzmakler SCHECHTER, bricht den ohnehin nur losen Kontakt zum BVB ab, nachdem er über den Gerling-Deal nicht informiert wurde


03.02.2005

Durch die Nicht-Veröffentlichung des Gerling-Deals ist auch das Aktien-Geschäft des BVB betroffen. Die für die Einhaltung der Aktiengesetze zuständige Zulassungsstelle der Frankfurter Wertpapierbörse untersucht, ob der BVB gegen §44 Aktiengesetz verstoßen hat


03.02.2005

Der goool.de Geschäftsführer Willi KÜHNE wird entlassen. Er ist das erste „hohe Tier“ (Jahresgehalt: über 300.000 €), das den Rationalisierungsmaßnahmen zum Opfer fällt. KÜHNE zieht nach der Kündigung jedoch vor Gericht und erstreitet mehr als ein Jahresgehalt


03.02.2005

Die Fans reagieren nun auch auf den Gerling-Deal. In den bekannten BVB-Internet-Foren entlädt sich der aufgestaute Frust der letzten Jahre. Häufigster Vorwurf ist das Verheimlichen der Finanzkrise über einen Zeitrahmen von fünf Jahren und die Tatsache, dass der BVB schon vor dem Börsengang finanziell angeschlagen war


03.02.2005

RAUBALL wickelt alle BVB-Dinge von seiner privaten Anwaltskanzlei aus ab, nachdem er erfährt, dass Interna ausgeplaudert wurden


04.02.2005

Die Aufregung der Fans veranlasst die Geschäftsführer NIEBAUM und MEIER, den Gerling-Deal noch einmal zu erläutern. Der Markenrechtler Dr. Peter KSOLL übernimmt diese Aufgabe, seine Erläuterungen verfehlen aber ihren Zweck und NIEBAUM und MEIER schießen „ein Eigentor“, das die Wut der Fans noch vergrößert


05.02.2005

Die kleine „RAUBALL-Gehaltskrise“ endet mit einer persönlichen Erklärung des Präsidenten zu seinem Gehaltsverzicht. Die Ruhr Nachrichten drucken den Wortlaut: 

„Ich habe heute der Geschäftsführung der Borussia Dortmund GmbH & Co. KGaA erklärt, dass ich auf meine Bezahlung für meine Tätigkeit als ’Sportlicher Leiter’ des BVB verzichte. Die mir übertragene Verantwortung für den sportlichen Bereich werde ich gleichwohl mit großem Engagement unentgeltlich weiter ausüben, weil ich die Mannschaft und den BVB in keinem Fall im Stich lassen werde. Dass die Unentgeltlichkeit auch für das Amt des Präsidenten und die damit verbundenen Funktionen als Vorsitzender des Beirates sowie des Präsidialausschusses des BVB gilt, war und ist eine Selbstverständlichkeit. Den Verzicht habe ich auch erklärt, weil ich es unerträglich finde, dass in der Öffentlichkeit eine Verbindung hergestellt worden ist zwischen den erfolgten betriebsbedingten Kündigungen auf der einen und der mir angebotenen Entlohnung auf der anderen Seite. Ich stelle noch einmal klar: Es hat an mich keinerlei Entlohnung gegeben; ich habe auch keinen Ersatz meiner Aufwendungen für den BVB verlangt oder bekommen. Der Vollständigkeit halber möchte ich nicht unerwähnt lassen, dass ich zu keinem Zeitpunkt ein Honorar gefordert habe, sondern mir dies von der Geschäftsführung angetragen worden ist im Hinblick auf die hohe zeitliche Beanspruchung als ’Sportlicher Leiter’ des BVB unter Einschluss der Regionalligamannschaft und aller Jugendmannschaften.“


05.02.2005

Auswärtsspiel des BVB in Hannover. Fußball ist an diesem Samstag jedoch Nebensache. Neben „NIEBAUM, MEIER, PLEITEGEIER“-Sprechchören präsentieren die Fans ein Plakat mit der Aufschrift: „NOT FOR SALE“
Foto: BVB-Fangruppierung "The Unity"


09.02.2005

NIEBAUM tritt ab! Nach über 20 Jahren in BVB-Gremien endet an diesem Tag eine Ära, als NIEBAUM nun, nach dem massiven Druck aus dem Fan-Lager, auch sein Amt als Geschäftsführer der KGaA aufgibt. Nur eine kurze Presseerklärung mit wenigen persönlichen Worten NIEBAUMS wird herausgegeben. Persönlich erscheint er nicht.

Die Reaktionen auf den Rücktritt NIEBAUMS u.a. durch RAUBALL, HOMM und HEISE (DSW) fallen im Grundtenor ähnlich aus: Lob für erfolgreiche Jahre, jedoch massive Schelte für das Versagen in den letzten Jahren.

Nach dem Rücktritt NIEBAUMS gerät auch MEIER stark unter Druck. Viele fordern, er solle NIEBAUM folgen. Unerwartet springt ihm RAUBALL zur Seite und erklärt, MEIER bleibe im Amt, um den Sanierungsprozess nicht zu gefährden. Interessant ist in diesem Zusammenhang ein offensichtlich fingiertes Rücktrittsangebot MEIERS, das von RAUBALL ins Spiel gebracht wird. Grund könnte sein, dass allein MEIER den Überblick über das Finanz-Chaos hat und so im kommenden Konsolidierungsprogramm unverzichtbar ist.

Die Weiterbeschäftigung MEIERS ist den Fans allerdings nicht plausibel zu machen. Für den nächsten Spieltag am 12.02.2005 planen Fangruppen eine Demonstration, um MEIER zum Rücktritt zu bewegen. Es kommt zu Verhandlungen zwischen der BVB-Fanabteilung und Fan-Vertretern. Es wird ein Kompromiss ausgehandelt. Danach könnte MEIER als Geschäftsführer der KGaA im Amt bleiben, müsste aber seinen Job als geschäftsführendes Vorstandsmitglied des e.V. behalten. In diesem Fall würde die Demonstration abgesagt


10.02.2005

MEIER verkündet, dass er nicht die Absicht habe, von einem der beiden Ämter zurückzutreten. RAUBALL ist ausmanövriert und die Demonstration wird stattfinden


12.02.2005

Die angekündigte Demonstration sieht 1500 Fans auf dem Weg vom Marktplatz zum Stadion. Sie wiederholen u.a. die Parolen von der Partie in Hannover. MEIER nimmt die Proteste persönlich, da sie sich seiner Meinung nach gegen die Kommerzialisierung des Fußballs richtet und seine Person für die Kommerzialisierung steht. Fanvertreter weisen diese Interpretation umgehend zurück


15.02.2005

WATZKE wird als neuer Geschäftsführer der KGaA präsentiert. Der bisherige Schatzmeister gilt als langjähriger NIEBAUM-Kritiker


17.02.2005

Auf einer weiteren Pressekonferenz stellt WATZKE den Wirtschaftsberater Jochen RÖLFS (Wirtschaftsprüfer und Chef einer Unternehmensberatung in Düsseldorf) als neuen „Sanierer“ vor. An diesem Tag, mit mehr als 100 Journalisten und Kamerateams als Kulisse, erfährt die Öffentlichkeit, dass der BVB nahezu insolvent ist. RÖLFS, der von MEIER zu einer Erklärung genötigt wird, da dieser zu stammeln beginnt, sagt: „Lehnen die Gläubiger den Sanierungsplan ab, war’s das. Dann ist Schluss.“ Quasi als „Zugabe“ werden die aktuellen Zahlen bekannt gegeben, die sich weitaus schlimmer darstellen als erwartet:

  • vorläufiger operativer Verlust für die Zeit vom 01.07. bis 31.12.2004 in Höhe von 27,2 Mio. € 
  • im laufenden Geschäftsjahr ein zusätzlich zu berücksichtigendes Markenwertrisiko in Höhe von 24 Mio. € 
  • rund 79 % des eingezahlten Kapitals der Aktionäre (EUR 179,5 Mio.) sind durch Verluste aufgezehrt 
  • Bedienung teilweise bereits fälliger Verpflichtungen und zur Abdeckung notwendiger Investitionen im Zeitraum vom 01.01. bis 30.06.2005 in Höhe von EUR 29,7 Mio

18.02.2005

Ein erster Erfolg für RÖLFS: Auf einer Gläubiger-Versammlung erreicht er die Aufschiebung der Rückzahlung von Altkrediten bis zum Geschäftsjahr 2006/07. Gleichzeitig bekommt der BVB sogar neue Liquiditätsmittel an die Hand, die das ordentliche Beenden der laufenden Spielzeit garantieren


18.02.2005

Im Zuge der Einigung mit weiteren Gläubigern auf eine Stundung der Schulden kommt heraus, dass NIEBAUM und MEIER dem Unternehmer Albert SAHLE die Transferrechte von den BVB-Spielern ROSICKY, METZELDER und EWERTHON als Sicherheit übertragen haben. Als Gegenleistung erhielt der BVB 15 Mio. €. Der Spieler EWERTHON wechselte im Sommer 2005 dann für eine Ablösesumme von 3 Mio. € nach Spanien. Das Geld geht an SAHLES, der BVB geht leer aus.

Für die Absegnung des Sanierungskonzepts von RÖLFS müssen „nur“ noch die knapp 5800 Molsiris-Anleger zustimmen. Diese, für die Zukunft des BVB entscheidende, Gesellschafter-Versammlung wird am 14.03.2005 stattfinden


07. - 11.03.2005

Der BVB richtet für die Molsiris-Anleger eine E-Mail-Hotline ein, auf der Fragen zum Sanierungskonzept gestellt werden können, die von Experten, darunter auch WATZKE und MEIER, beantwortet werden


14.03.2005

Zustimmung zum Sanierungskonzept oder das Ende des BVB? Diese beiden Möglichkeiten gibt es, als RAUBALL, WATZKE und RÖLFS an diesem Morgen eine Halle am Düsseldorfer Flughafen betreten, wo sich genau 444 der 5780 Gesellschafter des Molsiris- Stadionfonds eingefunden haben. Die drei BVB-Bosse haben im Vorfeld alles Menschen-Mögliche getan, um die Anleger von dem Sanierungskonzept zu überzeugen. Die wiederum stecken in einem Dilemma: stimmen sie zu, läuft das Sanierungskonzept mit all seinen Gefahren an – allerdings mit ungewissem Ausgang. Lehnen sie ab, geht der BVB in die Insolvenz und sie werden höchstwahrscheinlich so gut wie nichts von ihrem angelegten Geld wiedersehen.
Denn, geht der BVB in die Insolvenz, ist der Molsiris-Stadionfonds ebenfalls am Ende: der BVB ist der einzige Molsiris-Partner.

Der Plan von RÖLFS sieht vor, dass der BVB einen Teil der am 30.12.2002 an Molsiris verkauften 75% Stadion-Beteiligung zurückkauft und gleichzeitig die Mietzahlungen für die Jahre 2005 und 2006 aussetzt.

Die Ruhr Nachrichten berichten ausführlich über die entscheidende Sitzung und nennen Details des Plans: „Mit Hilfe des gestern von den Anlegern freigegebenen Depots in Höhe von 51,9 Mio. Euro, das ursprünglich für den Rückerwerb des Stadions im Jahr 2017 festgelegt war, will das BVB-Management 42,8 Prozent der Stadionanteile für 42,85 Mio. Euro zurückkaufen und damit die jährlichen Mietzahlungen deutlich reduzieren. Die verbleibenden neun Mio. Euro sollen zur Sicherung der Liquidität eingesetzt werden. Der Aktienkurs des schwarz-gelben Wertpapiers stieg kurz nach der Entscheidung um 6,5 Prozent auf 2,62 Euro. Die Zustimmung wurde auch deshalb dringend benötigt, um fristgerecht bis zum heutigen Dienstag die Unterlagen zur Erteilung der Lizenz für die nächste Saison bei der Deutschen Fußball-Liga einzureichen.“

Ohne MEIER, der gerne in Düsseldorf dabei gewesen wäre, aber aus „taktischen Gründen“ zu Hause bleiben muss, startet die Sitzung. RÖLFS präsentiert das Konzept und appelliert an die Anleger. Nach über sechs Stunden steht dann das Abstimmungsergebnis der Anwesenden fest: 94,4% Zustimmung für das Sanierungskonzept. Der BVB überlebt! Alle drei sind erleichtert. RAUBALL spricht von den schwersten Stunden seiner Laufbahn.

RÖLFS und seine Mitarbeiter lassen sich ihren Job mit 780.000 € bezahlen. Eine durchaus richtige Investition, so die überwiegende Meinung


22.03.2005

Der letzte Akt der Geschichte: Der Verein gibt im Laufe des Tages bekannt, dass der Vertrag mit dem Geschäftsführer der KGaA MEIER nicht verlängert wird. Somit wird am 30.06.2005 auch diese Ära beim BVB enden. MEIER war über 15 Jahre in verantwortungsvoller Position tätig. Auch seinen Job als geschäftsführendes Vorstandsmitglied des e.V. gibt er auf.
Mit neu aufgestellter Führungsmannschaft geht die Borussia in die Saison 2005/06


20.05.2005

RÖCKENHAUS und HENNECKE werden in Hamburg mit dem Henri Nannen Preis für die beste investigative journalistische Leistung ausgezeichnet


Saison 2005/06

Foto: Peter FUCHS

Sportlich kann sich der BVB in den folgenden drei Spielzeiten zwar im Mittelfeld der Bundesliga etablieren (Endplatzierungen 7. - 13.), doch zu einer Qualifikation für einen europäischen Wettbewerb reicht es bei weitem nicht. Ein Grund dafür sind die Abgänge wichtiger Spieler wie z. Bsp. ROSICKY, KOLLER und METZELDER. Das ändert sich mit dem überraschenden Erfolg im DFB-Pokal und dem Erreichen des Endspiels 2008 in Berlin, das unglücklich mit 1:2 n. V. gegen den FC Bayern München verloren geht. Trotz der Niederlage spielt der BVB mit neuem sportlichem Führungsteam – u. a. Trainer Jürgen KLOPP – damit in der laufenden Saison 2008/09 im UEFA-Pokal und bisher ambitioniert in der Bundesliga.
 
Ein nicht zu unterschätzender Erfolg der neuen Führung – namentlich WATZKE und Wirtschaftsprüfer, Steuerberater und Diplomkaufmann Thomas TRESS als Geschäftsführer sowie Präsident RAUBALL – ist es, dass keine wirtschaftlichen Horrorzahlen in den Medien zu lesen sind und sich der Ballspielverein Borussia 09 Dortmund scheinbar in sicherem Fahrwasser befindet: 

  • Die Jahreshauptversammlung am 25. November 2008 nutzt Geschäftsführer WATZKE, um die versammelten Anleger mit erfreulichen Zahlen zu beruhigen. Neben dem in den letzten vier Jahren erfolgreich durchgeführten Schuldenabbau, konnte im Sommer der Vertrag mit dem Hauptsponsor „Evonik AG“ verlängert werden. 
  • Ein weiteres Erfolgspaket war der Verkauf der Namensrechte des Westfalenstadions an den Versicherungskonzern „SIGNAL IDUNA“ bis zum Jahr 2016. Auf den Vertragsabschluss mit dem Sportrechte-Vermarkter „Sportfive“ für weitere zehn Jahre war BVB-Geschäftsführer WATZKE besonders stolz, wie Börse-Online der ARD zitiert: „Ob vor dem Hintergrund des aktuellen Szenarios [aktuelle Finanzkrise] „Sportfive“ diesen Vertrag mit uns gemacht hätte, bin ich nicht sicher, aber Glück hat auch ab und zu mal der Tüchtige“.

Auch die wirtschaftliche Bilanz der vergangenen vier Jahre sieht gut aus:
„122 Millionen Verbindlichkeiten habe man in den letzten vier Jahren abgebaut. Auch wenn das unglückliche Ausscheiden des BVB aus dem UEFA-Cup schon in der ersten Runde vermutlich 3 bis 4 Millionen Einnahmen koste – man sei finanziell und sportlich auf dem richtigen Weg“, so WATZKE weiter auf der Jahreshauptversammlung


Saison 2007/08

Jürgen KLOPP wird als neuer Trainer verpflichtet. Unter seiner Trainerhand verjüngt sich die Mannschaft, so dass mit wenigen Ausnahmen alle Stammspieler Anfang zwanzig sind. Dafür holt Sportdirektor Michael ZORC vielversprechende Talente aus internationalen Erst- und Zeitligen. Mit dieser jungen, dynamischen Mannschaft sichert sich der Club in der Saison 2010/2011 vorzeitig die Herbstmeisterschaft. 
Auch finanziell kommt der BVB wieder in sichere Fahrwasser: Anfang 2011 berechnet Geschäftsführer WATZKE die Schulden des Clubs auf (nur noch) 56 Millionen Euro


Saison 2010/11

Krönender Abschluss der Bundesligasaison ist die Deutsche Meisterschaft und ein Rekord bei den verkauften Saisontickets. Jürgen DAHLKAMP vom SPIEGEL widmet dem BVB einen ausführlichen Report über den Neuaufstieg:


Saison 2011/12

Borussia Dortmund kröhnt seine fortwährende Entwicklung mit der zweiten Meisterschaft in Folge und macht am 32. Spieltag nach einem 2:0-Sieg gegen die Borussia aus Mönchengladbach alles amtlich.
Mit 81 Punkten wird zudem ein Neuer Punkterekord verzeichnet, es ist die bis dahin  höchste jemals erreichte Punktzahl in der Bundesligageschichte. Mit 25 Saisonsiegen wird nebenbei, der bisherige Allzeitrekord des FC Bayern München (aus der Saison 1972/73) von den Borussen eingestellt. Dortmund blieb mit 28 Spielen in Serie am längsten innerhalb einer Spielzeit ungeschlagen. Mit durchschnittlich 80.522 Zuschauern im Signal Iduna Park wurde ein neuer Besucherrekord in der Bundesligageschichte aufgestellt, der gleichzeitig für die Saison 2011/12 auch europaweiten Bestwert bedeutet.


Saison 2012/13

Nach zwei Jahren ohne Titel dominierte in dieser Saison der FC Bayern und wird Meister. Borussia Dortmund startete unter Jürgen Klopp stark in die Saison, war aber nicht in der Lage den Bayern auf Augenhöhe zu begegnen. Vor allem die schwächelnde Defensive mit 42 Gegentoren – im Vorjahr waren es nur 25 – verhinderte eine souveränere Saison, in der sich die Mannschaft einige überraschende Niederlagen wie z.B gegen den HSV leistete. Am zwanzigsten Spieltag übernahm der BVB Platz zwei und hielt ihn bis Saisonende und qualifizierte sich damit erneut für die UEFA Champions League.


21. August 2014

Das Handelsblatt wartet mit Informationen auf: Der BVB startet zum Grossangriff gegen den Konkurrenten Bayern München. Eine Kapitalerhöhung soll rd. 110 Millionen Euro in die Kasse bringen. Mit von der Partie: der Sportaisrüster Puma und der Versicherer Iduna. Beide wollen mit bis zu 5% mit einsteigen. Bereits Anfang Juli war der Essener Chemiekonzern Evonik, Hauptsponsor des BVB, mit fast 10% eingestiegen. 
Die Dortmunder wollen sich in Zukunft besser aufstellen. U.a. verhindern, dass weitere Spieler nach München wechseln. Dortmund gibt jährlich 75 Mill. für Spieler aus, die Bayern das Doppelte: 144 Millionen. Das soll sich nun ändern: Die Dortmunder wollen die Münchner ent-thronen.
Egal wie das klappt: In jedem Fall würde die Bundesliga interessanter. Und dann wird nicht jedes Mal von vorneherein feststehen, wer zum Schluss als Sieger dastehen wird


2015

Die Saison läuft nicht gut - Borussia droht fast auf den Absteigerplätzen zu landen, kann sich aber gerade noch berappeln. Grund genug für den beliebten Trainer Jürgen KLOPP, sich und sein Konzept in Frage zu stellen. KLOPP gibt auf, weil er einen Wechsel für notwendig hält - eine Entscheidung von fachlicher und menschlicher Größe.

Damit endet eine ganze Ära



(cs/rb/vs/mw)