Das Transparenzbarometer - eine aktuelle Chronik

Intransparenz wird täglich durch unzählige Recherchen und Berichte in den verschiedensten Medien, Blogs und Websites durchbrochen. Dies ist auch die Aufgabe eines freien Mediensystems: Transparenz für das demokratische Zusammenleben herzustellen, in dem sich jeder informieren, eine Meinung bilden und danach handeln kann. 

In der hiesigen aktuellen chronologischen Liste sollen vor allem strukturelle Transparenz-Entwicklungen dargestellt werden: Vorgänge, die seitens der Politik, der Zivilgesellschaft, der Wirtschaft, aber auch durch Medien angestoßen werden, die nachhaltige(re) Folgen für mehr Transparenz haben. Direkt aufrufen oder verlinken lässt sich diese Site unter www.transparenzbarometer.de.

Hier geht es zurück zur Übersicht der gesamten Transparenz-Site von ansTageslicht.de, zu der auch dieses Transparenzbarometer gehört. 

14. Juli 2016

Correctiv deckt geheime Zahlungen der Pharmaindustrie an Ärzte auf

Dies findet sich in einer Datenbank mit 20.000 Namen. Allerdings sind dies nicht alle: über 50.000 weitere haben einer Veröffentlichung nicht zugestimmt. Dies ist die Verlautbarung von Correctiv:

"Es war eine schwierige Recherchearbeit: Die 54 größten Pharmafirmen, die im Verein „Freiwillige Selbstkontrolle Arzneimittelindustrie" (FSA) zusammen geschlossen sind, haben diese Daten zwar Ende Juni zum ersten Mal auf ihren jeweiligen Websites veröffentlicht. Aber die Daten wurden in einer Weise präsentiert, die klar macht, dass sie möglichst keiner lesen soll: Jedes Unternehmen hat die Zahlungen an Ärzte in PDFs versteckt, die in vielen Fällen nicht computerlesbar sind. Die Ärzte sind in diesen Dokumenten häufig nur nach Vornamen sortiert, die Orte tragen keine Postleitzahlen. Manche Firmen wie Grünenthal verbieten es sogar ausdrücklich, die Daten zu nutzen.

Wir haben uns davon nicht abschrecken lassen. Gemeinsam mit Kollegen von „SpiegelOnline" haben wir die Daten ausgewertet, extrahiert und in eine eigene CORRECTIV-Datenbank übertragen.

In dieser Datenbank kann seit heute morgen 11.30 Uhr jeder Internetnutzer unter 20.000 Namen nach seinem Arzt suchen und überprüfen, ob und wie viel Geld er im vergangenen Jahr von welchem Pharmakonzern bekommen hat.

Dass ein Arzt nicht in der Datenbank auftaucht bedeutet übrigens nicht, dass er nichts bekommen hat. Mehr als 71.000 Ärzte haben nach unseren Berechnungen im vergangenen Jahr Zuwendungen aus der Pharmaindustrie erhalten, aber nur 20.459 Ärzte haben der Veröffentlichung ihres Namens zugestimmt.

Klaus Lieb, ordentliches Mitglied der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft, nennt es enttäuschend, dass nur 29 Prozent der Ärzte dieser Veröffentlichung zugestimmt haben. „Wir Ärzte haben bezüglich Interessenskonflikten einen blinden Fleck”, kritisiert der Mediziner. „Wir lassen uns von der Pharmaindustrie einladen und glauben dennoch, wir seien unabhängig.”

Wir freuen uns dagegen, auch als kleines Recherchebüro der großen Pharmaindustrie helfen zu können auf ihrem Weg zu mehr Transparenz."

Zur Datenbank Euros für Ärzte
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