Das Transparenzbarometer - eine aktuelle Chronik

Intransparenz wird täglich durch unzählige Recherchen und Berichte in den verschiedensten Medien, Blogs und Websites durchbrochen. Dies ist auch die Aufgabe eines freien Mediensystems: Transparenz für das demokratische Zusammenleben herzustellen, in dem sich jeder informieren, eine Meinung bilden und danach handeln kann. 

In der hiesigen aktuellen chronologischen Liste sollen vor allem strukturelle Transparenz-Entwicklungen dargestellt werden: Vorgänge, die seitens der Politik, der Zivilgesellschaft, der Wirtschaft, aber auch durch Medien angestoßen werden, die nachhaltige(re) Folgen für mehr Transparenz haben. Direkt aufrufen oder verlinken lässt sich diese Site unter www.transparenzbarometer.de.

Hier geht es zurück zur Übersicht der gesamten Transparenz-Site von ansTageslicht.de, zu der auch dieses Transparenzbarometer gehört. 

2. Januar 2017

Jan BÖHMERMANN's Klage gegen Bundesregierung erfolgreich

Als "bewusst verletztend" hatte die Bundeskanzlerin Angela MERKEL BÖHMERMANN's "Schmähkritik" über den türkischen Staatspräsidenten ERDOGAN bezeichnet und damit - zumindest öffentlich und mental - die Voraussetzungen geschaffen, dass Staatsanwälte wegen "Beleidigung eines ausländischen Staatsoberhaupts " (§ 103 StGB) gegen den Satiriker ermitteln konnten bzw. durften. Die Staatsanwaltschaft hatte die Ermittlungen allerdings inzwischen eingestellt.

Nun wollte der Berliner Tagesspiegel, aber auch BÖHMERMANN, wissen, auf welcher Grundlage bzw. mit welchen Argumenten die Bundesregierung, konkret das Auswärtige Amt und das Bundesjustizministerium zu der Einschätzung kamen, die fragliche Satire könne im Sinne des § 103 StGB strafrechtlich relevant sein und würde die Beziehungen zur Türkei nachhaltig aus dem Lot bringen. 

Die Bundesregierung verweigerte zunächst die Auskunft. Argument: Man wolle mit der Herausgabe dieser Information die "Unschuldsvermutung" beeinträchtigen. Außerdem würde eine Auskunftserteilung "die Freiheit und Offenheit der Willensbildung innerhalb der Bundesregierung gefährden."

Der Berliner Tagesspiegel zog vors Verwaltungsgericht. Und obsiegte. Die Bundesregierung ging in Berufung. Nun hat das Oberverwaltungsgericht Berlin-Brandenburg die Entscheidung der Vorinstanz ausdrücklich und rechtskräftig bestätigt:

  • Die Antragsteller haben einen Auskunftsanspruch auf Informationen aus einem "Vorbereitungsvermerk". Damit wird nicht in die Entscheidungsfreiheit bzw. dem "innersten Bereich der Willensbildung der Regierung" eingegriffen
  • Die vorgebrachten Argumente einer möglichen Beeinträchtigung der diplomatischen Beziehungen sind "nicht tragfähig" belegt
  • Dass das Verfahren im Rahmen eines schutzbedürftigen Eilantrags abgewickelt werde, sei rechtens, da das Thema nach wie vor in der Öffentlichkeit, insbesondere in den Medien diskutiert wird.

Az: VG: 6 S 29.16

1. Januar 2017

Die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) wirbt mit neuer Whistleblower-Hotline

Mit Beginn des Neuen Jahres 2017 ist die im Sommer 2016 angekündigte anonyme Hotline beim BaFin in Betrieb, die auf deren Website so beworben wird, dass

  • "mutmaßliche Verstöße gegen Aufsichtsrechts", so gemeldet werden können, dass
  • "einerseits die absolute Anonymität des Hinweisgebers" gewährleistet ist,
  • andererseits die Behörde trotzdem mit dem Hinweisgeber "in Kontakt treten" kann.

Dies trifft allerdings nur eingeschränkt zu. Dass die Behörde Hinweisgeber gerne anonym halten möchte, ist nachvollziehbar. Und wird vermutlich seitens der Behörde auch so (gerne) praktiziert werden.

Allerdings: Wenn es zu strafrechtlichen Ermittlungen kommen sollte, egal von welcher Seite die ausgehen, kann die Gegenseite Akteneinsicht nehmen. Dann ist auch die Anonymität eines Whistleblowers nicht mehr garantiert, sondern für den Arbeitgeber des Hinweisgebers erkennbar - mit den bekannten Folgen.

Besser ist es für Whistleblower, Missstände über einschlägige Medien bekannt zu machen. Vorteile:

  • Der Whistleblower ist jetzt "Informant" und ist über das Zeugnisverweigerungsrecht der Journalisten (auch Redaktionsgeheimnis genannt oder als Informantenschutz bezeichnet) geschützt.
  • Durch die Bekanntgabe in der Öffentlichkeit wird der Druck auf die Behörde stärker, auch wirklich etwas gegen einen Misstand zu tun.

Mehr dazu auf der Website von FONDS professionell in einem Interview der Juliausgabe mit dem Whistleblower-Netzwerk: Whistleblower aufgepasst: Was Informanten aus Banken wissen sollten.