Die Lohnlüge und was wirklich hinter ihr steckt

Zu oft hört man die Menschen in Deutschland darüber sprechen. In großen oder auch in kleinen Städten. Das Feilschen um jeden Cent, das Ausbeuten zu schlimmsten Bedingungen. Die Rede ist vom Mindestlohn.

Das Mindestlohngesetz MiLoG, welches am 1. Januar 2015 in Kraft getreten ist, schreibt eine untere Lohngrenze für 8,50 Euro in der Stunde für die meisten Branchen vor. Der Lohn und der Arbeitseinsatz sollen laut Gesetz ein gerechtes Verhältnis bilden. Es gibt aber auch Ausnahmen, die unter anderem Arbeitnehmer unter 18 Jahren und Langzeitarbeitslose von diesem Gesetz ausschließen. Wenn Sie mehr über das Mindestlohngesetz erfahren möchten, dann lesen Sie hier mehr.

Doch nicht jeder Arbeitnehmer und schon gar nicht jeder Arbeitgeber ist mit der Einführung des Mindestlohngesetzes zufrieden. Oftmals nutzen Arbeitgeber auf hinterhältige Weise die abweichenden Regelungen von Tarifverträgen, um die Auszahlung des Mindestlohns zu umgehen. Manche Angestellte arbeiten in der Woche 40 Stunden, um dann trotzdem immer wieder den Gang zum Arbeitsamt antreten zu müssen, nur damit sie „Leistung zur Sicherung des Lebensunterhalts“, das sogenannte Hartz IV, bekommen.

Oft werden Fälle aufgedeckt, bei denen Unternehmen alles versuchen, um ihren Mitarbeitern nicht das zu zahlen, was das Gesetz vorschreibt. So auch die Deutsche Post. Wie die ZEIT-Redakteurin Bettina Malter berichtete beauftragt die Deutsche Post schon seit mehr als zehn Jahren Fremdfirmen, um Arbeiten wie beispielsweise das Leeren von Briefkästen, zu übernehmen. Zwar streitet das Unternehmen ab, sich an Arbeitern von Subunternehmern zu bedienen, allerdings sieht die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di das ganz anders. In der ZEIT sagt ein Ver.di-Sprecher, dass die Fremdvergabe keine Ausnahme bei der Deutschen Post, sondern die Regel sei.

Das Berliner Luxushotel Adlon ist eines der gehobensten Hotels in Deutschland. In ihrer  Reportage zum Thema Mindestlohn in der ZEIT berichten auch hier die Angestellten von schlechter Bezahlung, miesen Arbeitsbedingungen und vor allem von viel Arbeit für wenig Geld. Betroffene sagten aus, dass Zehn- oder Zwölf-Stundentage nicht die Seltenheit wären. Mit Tabletten und Energiedrinks hielt sich ein Mitarbeiter, der offen über die Verhältnisse im Adlon Hotel gesprochen hat, tagsüber fit. Nachts konnte er nicht schlafen. Mittlerweile hat er gekündigt.

Volker ter Haseborg und Hanna-Lotte Mikuteit vom HAMBURGER ABENDBLATT berichteten unter anderem, dass auch große Städte, wie Hamburg versuchten, das Gesetz des Mindestlohns zu umgehen. Nach dem gleichen Prinzip, wie es auch in der Privatwirtschaft gemacht wird, lieh sich die Stadt Angestellte aus, um nicht den vollen Lohn zahlen zu müssen. Gleiche Arbeit, für weniger Geld. Inzwischen haben städtische Betriebe viele Mitarbeiter in Tochtergesellschaften ausgelagert – diese zahlen geringere Löhne. Dass die Arbeitsbedingungen in diesen Subunternehmen oftmals miserabel sind, wie Betroffene berichten, stört die Stadt anscheinend nicht.

Es ist also wichtig, dass Betroffene Menschen, die mehr unter dem Mindestlohngesetz leiden, als dass es ihnen was nützt, offen darüber sprechen und so zu einer positiven Entwicklung des Gesetzes beitragen.

Hier lesen Sie über die sieben Fälle, bei denen sich die Landesarbeitsgerichte mit dem Mindestlohn auseinandergesetzt haben. Das Making of zeigt, was wirklich hinter dem Mindestlohngesetz steckt und wie tatsächlich hinter den Türen der Unternehmen damit umgegangen wird. In unserer Chronologie „Die unteren Zehntausend“  - eine Geschichte des Hamburger Abendblatts geht es um die prekären Arbeitsbedingungen in Hamburg und die Einführung des Mindestlohns. Hier finden Sie die Berichte des ABENDBLATTS. Wie Arbeitgeber versuchen, den Mindestlohn um jeden Preis zu umgehen und welche Methoden sie dafür anwenden lesen Sie im Das ABC der Trickserei.

Wenn Sie dieses Thema bzw. diese Geschichte direkt aufrufen oder verlinken möchten, so können Sie das unter dem nachfolgenden Permalink tun: www.ansTageslicht.de/Lohnluege.

 

Hinweis: Wir werden das Thema weiter verfolgen, die eine oder andere Geschichte erscheint dann im Juli 2016.