Die zwei Irak-Kriege der USA

Kleine Chronik einer Krisenregion

1980 – 1988

Erster Golfkrieg: Grenzkrieg zwischen Iran und Irak


September 1988

Feldzug Saddam Husseins gegen Kurden, die den Iran unterstützt hatten - unter Einsatz chemischer Waffen (Giftgas), das aus amerikanischen Quellen stammt, sterben zehntausende Soldaten und Zivilisten


August 1990

Irak annektiert Kuweit


1991

Zweiter Golfkrieg – "Operation Wüstensturm":
Koalition aus 28 Ländern führt zur Befreiung Kuwaits - Anführer: US-Präsident George H.W. BUSH, der Vater des späteren US-Präsidenten George W. BUSH


03.04.1991

UN-Resolution Nr. 687:
Irak akzeptiert den Beschluss der Vereinten Nationen seine biologischen und chemischen Waffen zu vernichten. Kontrolliert werden soll dies durch UN-Inspektoren


1996

Putschversuch: irakische Oppositionelle unternehmen Putschversuch - mit Hilfe der USA


Juni 1997

UN-Inspektionen im Irak
Der Weltsicherheitsrat plant eine Verschärfung der wirtschaftlichen Sanktionen, solange keine UN-Inspektionen irakischer Militäranlagen möglich sind


29.10.1997

UNSCOM-Mitarbeiter verlassen den Irak. Nachdem US-Mitglieder der UN-Inspektoren wegen Spionageaktivität der UNSCOM des Landes verwiesen werden, verlassen alle UNSCOM Mitarbeiter den Irak


04.11.1997

Einlenken Iraks nachAndrohung von UN-Militäraktionen


21.11.1997

Rückkehr der UN-Inspekteure in den Irak


31.10.1998

Zuspitzung der Situation: Die UNSCOM Ativitäten werden vom Irak beendet. UN-Mitarbeiter verlassen das Land. Verstärkung der US-Truppen in der Golfregion


14.11.1998

Einlenken Husseins - die UN-Inspektoren setzen ihre Kontrollen fort


16.12.1998

„Operation Wüstensturm“: Amerikanische und britische Luftanschläge auf Bagdad und Waffenlager im ganzen Land. Einspruch Chinas, Russland und Frankreichs


16.12.1999

UN-Resolutionen Nr. 1284: Die UN beschließt neue Inspektionen. Ohne Erfolg


11.09.2001

Anschläge auf das World Trade Center


29.01.2002

„Achse des Bösen“: Präsident George W. BUSH erklärt den Irak zum Feind er USA


26.08.2002

US-Vizepräsident Dick Cheney spricht sich für einen möglichst baldige
Entmachtung von Saddam Hussein aus


12.09.2002

USA drohen mit Offensive – Irak weist Vorwurf zurück.
Vor der Vollversammlung der Vereinten Nationen droht BUSH der irakischen Regierung mit einer Offensive, falls sie sich nicht zu umfassender Abrüstung entschließt. Irak weist den Vorwurf, Massenvernichtungswaffen zu besitzen, als Lüge zurück


10.10.2002

BUSH fordert von der UN ein Ultimatum. BUSH erhält Handlungsfreiheit.
Das Repräsentantenhaus in Washington verabschiedet mit großer Mehrheit eine Entschließung, die BUSH freie Hand für ein militärisches Vorgehen gegen Irak gibt


8.11.2002

UN-Resolution Nr. 1441:
Sicherheitsrat verabschiedet die Resolution 1441, als Grundlage für neue Waffeninspektionen in Irak. Der irakische Staatschef Saddam Hussein wird eindringlich zur Abrüstung aufgefordert und bei Verstößen gegen die Resolution mit "ernsten Konsequenzen" bedroht


13.11.2002

Irak akzeptiert die Resolution 1441


7.12.2002

Die irakische Regierung legt fristgerecht einen 12.000 Seiten starken Bericht zu ihrem Rüstungspotenzial vor, wie es in der UN-Resolution 1441 verlangt wurde


19.12.2002

Bericht zum Verlauf der Inspektionen:
Die UN-Chefinspekteure Hans BLIX und Mohamed El BARADEI geben im Sicherheitsrat einen ersten Bericht zum bisherigen Verlauf der Inspektionen ab


22.01.2003

„Das alte Europa“ ("Old Europe"):
US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld kritisiert in scharfer Form die Haltung Deutschlands und Frankreichs im Irak-Konflikt


27.01.2003

Keine Hinweise auf Verstöße im Irak:
Blix und ElBaradei legen dem Sicherheitsrat einen weiteren Bericht über die Inspektionen vor und erklären, dass sie keine Hinweise auf schwer wiegende Verstöße entdeckt hätten


30.01.2003

Stellungnahme weitere europäischer Länder. Die Staats- und Regierungschefs von acht europäischen Ländern - darunter Großbritannien, Spanien und Italien - rufen zur Unterstützung der USA auf und stellen sich damit demonstrativ gegen Deutschland und Frankreich


10.02.2003

Veto vor dem NATO-Rat: Deutschland, Frankreich und Belgien legen im NATO-Rat ihr Veto gegen Maßnahmen zum militärischen Schutz der Türkei im Fall eines Irak-Kriegs ein


Februar 2003

UN fordert die Zerstörung von Raketen im Irak.
UN-Chefinspektor Hans BLIX fordert den Irak ultimativ auf, bis zum 1. März mit der Zerstörung von Raketen zu begonnen, die eine größere Reichweite haben als die zugelassenen 150 Kilometer


5.03.2003

Widerspruch von Deutschland, Frankreich und Russland: Die Außenminister Deutschlands, Frankreichs und Russlands erklären in Paris, dass sie keiner UN-Resolution zustimmen werden, die einen Krieg gegen Irak legitimiert


7.03.2003

Abrüstung im Irak: BLIX bescheinigt Irak in einem weiteren Bericht vor dem UN-Sicherheitsrat "wesentliche Schritte der Abrüstung". - Die USA und Großbritannien setzen im Entwurf ihrer zweiten Irak-Resolution eine Frist bis 17. März


10.03.2003

Veto von Russland und Frankreich: Russland und Frankreich kündigen ihr Veto gegen den britisch-amerikanischen Resolutionsentwurf an


17.03.2003

Ultimatum der USA: BUSH fordert Saddam HUSSEIN auf, sein Land binnen 48 Stunden zu verlassen.
Uno zieht sämtliche Mitarbeiter aus Irak ab: Alle Mitarbeiter der Vereinten Nationen werden aus dem Irak abgezogen


18.03.2003

Saddam HUSSEIN lehnt Ultimatum ab.
Britisches Unterhaus unterstützt Tony BLAIR's Kriegskurs: Das britische Parlament spricht Premierminister Tony BLAIR seine Unterstützung für eine Beteiligung an einem Krieg gegen Irak aus.
Schröder sieht keinen Grund für einen Krieg:
Bundeskanzler SCHRÖDER kritisiert das Verhalten der US-Regierung im Irak-Konflikt scharf


19.03.2003

Vorbereitungen des Krieges.
BUSH unterrichtet den Kongress formell von den Vorbereitungen auf den bevorstehenden Krieg. - In Kuwait werden 16.000 Infanteriesoldaten und 10.000 Panzer unmittelbar an die Grenze zu Irak verlegt


20.03.2003

Beginn des Irak Krieges – Ablauf des Ultimatums.
US-Luftwaffe greift den Irak an. Britische und amerikanische Truppen beginnen mit der Invasion


01.05.2003

Präsident George W. BUSH erklärt die Kriegshandlungen im Irak für beendet: "mission accomplished"


14.12.2003

Saddam HUSSEIN wird in einer Erdgrube entdeckt und gefangen genommen


22.05.2003

Besatzungsmächte im Irak.
Der UN-Sicherheitsrat überträgt den Koalitionstruppen mit Resolution 1483 die Rechte und Pflichten von Besatzungsmächten


28.06.2004

Besetzung des Iraks - offiziell - beendet. Die Regierungsgeschäfte werden von einer Übergangsregierung übernommen. Trotzdem bleiben die US-Truppen im Land, denn die Kampfhandlungen im Land selbst haben sich seit 2004 ausgeweitet. Die Truppen werden sogar von 130.000 auf 170.000 aufgestockt


30.01.2005

Ersten freien Wahlen im Irak:
Im Irak finden die Wahlen zur Übergangsnationalversammlung statt. Es sind die ersten freien Parlamentswahlen seit über 50 Jahren


06.04.2005

Die Nationalversammlung wählt den Kurden Dschalal TALABANI zum Staatspräsidenten (Bestätigung im Amt durch das Parlament am 22.04.2006)


19.10.2005

Beginn des Gerichtsprozesses gegen Saddam HUSSEIN und sieben weitere Mitangeklagte (Anklage wegen Völkermord und Verbrechen gegen die Menschlichkeit)


30.12.2006

Vollstreckung des Urteils:
Das Todesurteil gegen Saddam HUSSEIN (verhängt am 05.11., bestätigt am 26.12.2006) wird vollstreckt. Sein Leichnam wird in seinem Geburtsort al-Audscha nahe Tikrit beigesetzt


2007

Jetzt erst wird es im Irak ein wenig 'ruhiger' - der US-Regierung gelingt es, die sunnitischen Stämme, die in der Minderheit sind, aber unter Saddam HUSSEIN politisch den Ton angaben - zu überreden, den Widerstand gegen die nunmehr dominierenden schiitischen Gruppen aufzugeben und stattdessen ihre Interessen nicht mit Waffengewalt, sondern im Parlament durchzusetzen versuchen. Außerdem beginnen die USA, ganze Stämme mit so genannter Aufbauhilfe politisch zu 'kaufen'


März 2009

Der neue US-Präsident Barack OBAMA kündigt den Abzug der US-Kampftruppen bis Ende August 2010 an


Ende August 2010

OBAMA macht mit seiner Ankündigung ernst: von den 170.000 US-Soldaten bleiben nur noch 50.000 im Irak - zur Sicherung der Situation bzw. zwecks Mithilfe beim weiteren Aufbau irakischer Sicherheitskräfte. Aber auch die letzten US-Soldaten sollen bis Ende 2011 den Irak Land verlassen haben


Die Opfer des letzten Irak-Krieges - eine Zusammenstellung des Berliner Tagesspiegel im August 2010: 


Die genaue Ziffer kennt niemand. Die Initiative „Iraq Body Count“ zählt alle zivilen Getöteten, deren Schicksal in den Medien erwähnt oder dokumentiert wurde. Die Experten der Initiative "Iraq Body Count" gehen momentan von einer Zahl zwischen 97 000 und 106 000 Toten aus.

 

  • Dagegen veröffentlichte das britische Statistikunternehmen „Opinion Research Business“ 2008 eine repräsentative Umfrage unter 2414 irakischen Erwachsenen. 20 Prozent von ihnen gab an, in ihrem Haushalt sei mindestens ein Mensch gewaltsam zu Tode gekommen. Hochgerechnet auf die Gesamtbevölkerung bedeutet das nach Angaben der Forscher eine Opferzahl von etwa einer Million.
  • Im Oktober 2006 veröffentlichten amerikanische und irakische Forscher der „Johns Hopkins Bloomberg School of Public Health“ in Baltimore und der „Al-Mustansiriya-Universität“ in Bagdad eine gemeinsame Untersuchung, nach der in den ersten drei Jahren nach der Invasion mindestens 600 000 Iraker durch Gewalt ihr Leben verloren haben. Allerdings unterschieden die Daten hier nicht zwischen zivilen Opfern, Militär, Aufständischen und Sicherheitskräften. Zusätzlich starben nach diesen Forschungen 54 000 Menschen, weil sie nicht rechtzeitig medizinisch versorgt oder in ein Krankenhaus gebracht werden konnten. Für den gleichen Zeitraum von 2003 bis 2006 hatten die irakische Regierung und die Weltgesundheitsorganisation die Zahl der Opfer auf etwa 150 000 geschätzt.
  • Das amerikanische Militär verlor in den sieben Jahren Krieg im Irak nach Angaben von „Iraqi Coalition Casulties Count“ 4414, die Briten 179 und die übrigen Koalitionstruppen 139 Soldaten.

M.G.

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