Krank durch Arbeit. Oder: das Schattenreich von Arbeitsmedizin und Gesetzlicher Unfallversicherung

Ein Menschenleben besteht hierzulande vor allem aus dem Arbeitsleben. Wer etwa das stolze Alter von 80 Jahren erreicht, hat ein Viertel seiner Lebenszeit, manchmal auch etwas mehr, für das Heranwachsen und eine Berufsausbildung benötigt, bevor dann der Einstieg in das Berufsleben möglich ist. Das muss man dann im Regelfall bis über 40 Jahre lang durchhalten, bis der volle Rentenanspruch erreicht ist. Bedeutet: Mindestens die Hälfte eines acht Jahrzehnte langen Lebens macht das Arbeitsleben aus.

Es kann dabei Situationen geben, in denen das Berufsleben jäh unterbrochen wird. Etwa durch Arbeitsunfähigkeit. Die kann sich aufgrund eines schweren Arbeitsunfalles ergeben oder durch eine sogenannte Berufskrankheit. Solche Einschnitte können schwerwiegende Folgen zeitigen: mentale, soziale und vor allem finanzielle.

In Deutschland gibt es für diese Fälle das System der gesetzlichen Unfallversicherung, kurz GUV. Das stammt aus dem vorvorigen Jahrhundert und wurde vom "Eisernen Kanzler", Otto von BISMARCK,  etabliert.

Dieses System funktioniert bei sogenannten "Arbeitsunfällen" mehr oder weniger ohne Probleme. Die Gründe sind einfach: Der Gesetzgeber hat es so gewollt und der kausale Zusammenhang zwischen einem Unfall am Arbeitsplatz und/oder durch den Beruf bedingt, ist eindeutig. Und zwar im zeitlichen und örtlichen Kontext, aber auch, was die Kausalität anbelangt. Gleiches gilt für die sogenannten Wegeunfälle.

Ganz anders indes, wenn es um Vorgänge geht, deren zeitlicher wie kausaler Zusammenhang nicht so ganz eindeutig ist. Bzw. einfach bestritten wird. Und zwar von jenen, die - wie beim Arbeitsunfall - dafür bezahlen müss(t)en, egal ob Heilbehandlung, Schadensausgleich oder Witwenrente: nämlich wiederum das System der "Gesetzlichen Unfallversicherung" (GUV). Das nämlich wird - im Gegensatz zur Gesetzlichen Krankenversicherung - ausschließlich von den Arbeitgebern finanziert. Die sind im Gegenzug von jeglicher Haftung freigestellt, können damit alle Probleme auf das GUV-System verlagern.

Und da liegt - ganz offensichtlich - einiges im Argen. So beträgt beispielsweise die Anerkennungsquote bei berufsbedingten Krankheiten - über alle Krankheitsbilder gesehen - bei ganzen 27%. 2017 waren das knapp 80.000 Anträge bzw. Menschenschicksale. Rund 22.000 davon wurden anerkannt. Finanziell entschädigt waren es weniger: ganze 5.054. Entspricht 6% aller Anträge auf Verdacht einer Berufskrankheit.

Dass diese Quoten so gering ausfallen, konkret dass so wenig (bisher) arbeitende Menschen leer ausgehen und oft in einen finanziellen Abgrund stürzen, hat Gründe. Und darum geht es hier bei diesem Thema.

Dies haben wir aufbereitet:

  • Auf der Site, auf der Sie hier gelandet sind und die Sie auch direkt aufrufen können unter www.ansTageslicht.de/krankdurcharbeit geht es ganz grundsätzlich um dieses Problem und die Hintergründe. Deshalb sollten Sie sich hier auch zunächst den Text bzw. das Kapitel „Lesen Sie diesen Text zuerst“ anschauen. Da wird erklärt, was Sie auf dieser Site dazu finden.
  • Das Problem, das sich für viele Piloten und Flugbegleiter stellt, wenn sie in ein sogenanntes Fume Event geraten sind, haben wir dargestellt unter www.ansTageslicht.de/Kabinenluft. Dieses Problem ist seit Jahrzehnten bekannt. Und wird einfach nicht angegangen, sondern ausgesessen.
  • Genauso hatten es die Unternehmen und die Politik auch bei Asbest gemacht, jahrzehntelang. Bis es nicht mehr ging. Um die Parallelen in den Strategien aufzeigen zu können, nämlich alles zu leugnen oder kleinzureden, haben wir detailliert aufbereitet, warum es so lange (rund 90 Jahre) gedauert hat, bis Asbest verboten wurde: unter www.ansTageslicht.de/Asbestkrimi.
    Dort findet sich auch eine Problemanalyse zum System der Gesetzlichen Unfallversicherung (GUV) und gleichzeitig Hinweise, was auf politischer Ebene geändert werden müsste – es heißt ja schließlich „Gesetzliche“ Unfallversicherung.
  • Was man selbst tun kann, dies ist zusammengefasst unter www.ansTageslicht.de/wkmt.

Wenn Sie der Meinung sind, dass Sie uns mit weiteren Informationen helfen könnten, dann würden wir Sie bitten, dies zu tun. Hinweise, wenn man es anonym machen möchte, gibt es unter Wie sie sicher mit uns kommunizieren können.


Lesen Sie diesen Text zuerst!

Er gibt einen knappen Überblick über das, was sich in den anderen 15 Texten findet. Und wie alles zusammenhängt: das potenzielle Problem der kontaminierten Luft in Flugzeugen, Fume Events und die Branche der "Arbeitsmedizin". Es geht aber auch um Berufskrankheiten ganz allgemein. Und wie die Arbeitsmedizin als Bestandteil der Gesetzlichen Unfallversicherung als "Schutzschild" fungiert.

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Online am: 15.02.2018
Aktualisiert am: 13.05.2019


Inhalt:

Krank durch Arbeit. Oder: das Schattenreich von Arbeitsmedizin und Gesetzlicher Unfallversicherung


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Andere zu diesem Problem

Auch das Portal BuzzFeed.News hat sich mit diesem Thema im März 2019 beschäftigt: Krank durch Arbeit - und keiner zahlt