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Was aus den EIDENSCHINK-Konsorten wurde: Bankier Georg EIDENSCHINK, Dr. Adolf FISCHER und Konsul Dr. Wilhelm SCHMIDHUBER - anstageslicht.de

Was aus den EIDENSCHINK-Konsorten wurde: Bankier Georg EIDENSCHINK, Dr. Adolf FISCHER und Konsul Dr. Wilhelm SCHMIDHUBER

Eigentlich wollten Sie 1933/1934 beides: die Engelhardt-Brauerei in Berlin und die bayerischen Brauereien des jüdischen Eigentümers Ignatz NACHER. Schließlich kamen sie aus München, der Hauptstadt der NSDAP-Bewegung, und sie hatten viele einflussreiche Männer in ihrem Gefolge. Aber die Dresdner Bank in Berlin war schneller, hatte den kürzeren Draht zu den neuen Machthabern vor Ort. Und schnappte ihnen das Filetstück "Engelhardt" vor der Nase weg. Die EIDENSCHINK-Konsorten mussten sich mit dem Rest zufrieden geben.

Was aus den 3 Protagonisten wurde, vor und nach 1945, dokumentieren wir hier: Der Text ist aufrufbar direkt unter www.ansTageslicht.de/Eidenschink.


Georg EIDENSCHINK (NSDAP) - Eidenschink-Konsortium

Das "Bankgeschäft Georg Eidenschink" war "nicht bedeutend"; vielmehr hatte es "die Bedeutung einer Visitenkarte in der Geschäftswelt", hatten die Wirtschaftsprüfer im Jahr 1947 konstatiert, als sie von der staatlichen Berufungskammer nach dem "Gesetz zur Befreiung von Nationalsozialismus und Militarismus" den Auftrag hatten, die Geschäfte des "Bankhauses" auf die Arisierungspraktiken hin zu untersuchen.

23 Fälle mussten die Wirtschaftsprüfer untersuchen. Darunter - unter Nr. 3 - den "Engelhardt-Brauereikonzern". Vorausgegangen war die Arisierung der Münchner Export-Malzfabrik unmittelbar nach der Machtergreifung 1933. Das "Bankhaus Georg Eidenschink", gegründet 1931, hatte 1933 offiziell a) einen stillen Teilhaber (Dr. Adolf FISCHER, siehe dazu weiter unten) und b) informell weitere Mit- und Zuarbeiter, u.a.

  • Polizeimajor Hans RATTENHUBER, seit 10. März "Adjudant" des "Reichsführers SS", Heinrich HIMMLER, und später Leiter des "Kommando des Reichssicherheitsdienstes" und in den Kriegsjahren als solcher verantwortlich für den persönlichen Schutz von Adolf HITLER
  • der Industrie- und Grundstücksmakler Anton KARL, eng befreundet mit Sepp DIETRICH, dem Leiter der "Leibstandarte SS Adolf HITLER" bis zum Ausbruch des Krieges 1939. Anton KARL, vormals in der SA, nunmehr in der SS und als Informeller Mitarbeiter für die Gestapo aktiv
  • sowie ein agiler Rechtsanwalt namens Dr. Josef MÜLLER, der nach 1945 erster Bayerischer Justizminister werden wird und in dieser Funktion zurücktreten muss, wenn ihm Vorgänge aus dem Dritten Reich auf die Füße fallen werden (AUERBACH-Affäre).

Mit dem SS-Mann, genauer: inzwischen "SS-Standardenführer", Hans RATTENHUBER verbindet Georg EIDENSCHINK aber noch mehr: RATTENHUBER ist ein Vetter von EIDENSCHINK. Und familiäre Bande sind oft unzertrennlich, insbesondere wenn sie mafiöser Art sind.

Der Akt des EIDENSCHINK-Clans

Schriftl. Aussage Georg EIDENSCHINK 1946 vor dem US "Office of Military Government for Germany (OMGUS)" in Sachen Engelhardt-Brauerei. Anklicken öffnet ein besser lesbares PDF

Die Suche von Ignatz NACHER - und dies gegen seinen Willen - nach Käufern seiner Engelhardt-Brauerei-Aktien, mit der er seit Sommer 1933 in gerichtlichem Streit lag, weil dort bereits der neue Zeitgeist eingezogen war, sowie seine Verurteilung wegen "Beihilfe zu aktienrechtlicher Untreue" durch das Landgericht der Reichshauptstadt Berlin, hatte sich auch in München, der "Hauptstadt der Bewegung", herumgesprochen. Auch beim Eidenschink-Konsortium.

Die Herren nahmen Kontakt auf, schickten den stillen Teilhaber Dr. Adolf FISCHER vor. Der wollte, kaum in Berlin angekommen, von Ignatz NACHER ersteinmal Geld: 15.000 RM für "Reisen und Auslagen", die angefallen wären. NACHER lehnte ab. FISCHER trat ab.

Kam aber wieder, wurde krank in Berlin, musste sogar ins Krankenhaus, ließ NACHER mitteilen, dass "die Krankheit Kosten erfordere", er aber kein Geld habe. NACHER ließ sich erweichen, zahlte 1.000 RM.

FISCHER, kaum gesundet, traf sich erneut mit Ignatz NACHER und brachte einen der informellen Mitarbeiter des Eidenschink-Konsortiums mit: Anton KARL, ordentlich gekleidet und von Beruf Industrie- und Grundstücksmakler. Sowie im Geheimen: Mitarbeiter der Gestapo, was aber NACHER nicht wissen konnte. Anton KARL wollte sich für die ehemalige gewerkschaftseigene "Arbeiterbank" ("Bank der Deutschen Arbeit") verwenden, die am 2. Mai 1933 gleichgeschaltet worden war und nun der nationalsozialistischen "Deutschen Arbeitsfront" unterstand - der Absatz des Engelhardt-Bier sollte "einen enormen Mehrabsatz" erzielen. Doch noch galt das Engelhardt-Bier als "Judenbier".

Doch der Plan ging nicht auf, die Eidenschink-Bank kam selbst auf den Geschmack, schickte Adolf FISCHER erneut zu Ignatz NACHER, diesesmal auf das Gut Sauersberg. NACHER war mit seinen Nerven völlig am Ende, suchte ein wenig Ruhe und Entspannung da, wo er sich zu diesem Behufe immer hinbegab: auf sein bayerisches Landgut bei Bad Tölz.

Und so wenig, wie Ignatz NACHER von der Informellen Mitarbeiterschaft von Anton KARL wissen konnte, so wenig konnte er ahnen, was sich hinter den Kulissen zwischen den Eidenschink-Konsorten in München und der Dresdner Bank in Berlin abspielte: ein Kräftemessen zwischen zwei Akteuren:

  • Auf der einen Seite die Dresdner Bank, vertreten durch ihren "Industrieberater der Dresdner Bank" Hilar GIEBEL, der inzwischen bei Engelhardt sowohl im Aufsichtsrat als auch im Vorstand saß und gute Verbindungen zur NSDAP-Gauleitung in Berlin hatte. Die Großbank möchte vor allem die Engelhardt-Aktien.
  • Auf der anderen Seite: Das Eidenschink-Konsortium, das über beste Kontakte zum SS-Apparat und zur Gestapo in Berlin verfügte. Die Eidenschink-Bank wollte beides: die Engelhardt-Brauerei und die vielen Beteiligungen von Ignatz NACHER an seinen bayerischen Brauereien.

So entschied zunächst der Zeitfaktor, denn zwischenzeitlich war ein dritter Player im Spiel, aber auch der lief auf, denn NACHER wurde von den EIDENSCHINK-Konsorten nach München ins Hotel Vierjahreszeiten gebeten.

Dort wartete bereits ein Brief des Rechtsanwalts Dr. Josef MÜLLER auf ihn, in dem dieser unmissverständlich darstellte, dass er NACHER nur dringend empfehlen könne, auf das Angebot der EIDENSCHINK-Konsorten einzugehen. Die erklärten ihm das Gleiche anschließend: mündlich. Und während die EIDENSCHINK-Genossen um 12 Uhr zu Mittag speisten, brauchte NACHER frische Luft. Begleitet wurde er von Anton KARL, der - diesesmal in seiner SS-Uniform - bedeutete, dass NACHER "mit Schwierigkeiten" rechnen müsse, wenn er nicht unterschreibe.

NACHER's Verhaftung: die zweite

NACHER unterschrieb nicht. Stattdessen fuhr er zurück auf sein Landgut Sauersberg. Dort wurde er am nächsten Tag frühmorgens verhaftet, seine Korrepsondenz mit allen Interessenten beschlagnahmt, und direkt nach Berlin verfrachtet. Ebendort abends erst in einer Zelle in der Prinz-Albrecht-Strasse 8 gesteckt, der Zentrale des Reichssicherheitshauptamtes, wo Hans RATTENHUBER seinen Dienst verrichtete. Tags drauf wurde NACHER in eine Zelle des Polizeipräsidums am Alexanderplatz verlegt.

Hinter den Kulissen war es derweil zu einem Agreement gekommen. Als erster schritt die Dresdner Bank zur Tat, schickte NACHER's eigenen Anwalt Dr. Albrecht ASCHOFF vor, der NACHER eine Generalvollmacht abpresste, um damit die Engelhardt-Aktien für die Dresdner Bank zu sichern (siehe die Chronologie der Arisierung). NACHER kam nicht frei.

Zwei Wochen später öffnete sich die Gefängnistür ein weiteres Mal: Hans RATTENHUBER stand vor ihm und legte ihm drei Papiere zur Unterschrift vor:

  1. Eine verbindliche Erklärung zum Verkauf aller Brauereien, Engelhardt ausgenommen
  2. Eine Einverständniserklärung zum Schadensersatz folgenden Wortlauts:
NACHER's erzwungenes Einverständnis in der Gefängniszelle in Anwesenheit des SS-Standardenführers Hans RATTENHUBER
  1.  Und eine weitere Unterschrift für das Versprechen, 100.000 RM ohne Quittung und außerhalb aller geschäftlichen Verträge zu löhnen.

Von diesem informellen Lösegeld durfte Anton KARL die Hälfte kassieren, RATTENHUBER ein Viertel. Das letzte Viertel ging als großzügige Spende an die NSDAP.

Noch am Nachmittag dieses Tages konnten Adolf FISCHER, Anton KARL sowie der von der Dresdner Bank 'gekaufte' Rechtsanwalt Albrecht ASCHOFF den inhaftierten Ignatz NACHER aus der Gefängniszelle abholen. Sie setzen ihn ersteinmal zu Hause fest, bis der Geschäftsführer seiner Holdingfirmen Borussia AG und Bayerische Braubank AG, Ludwig KISLINGER, 100.000 Reichsmark in kleineren Scheinen beigebracht hatte: von NACHER's Privatkonto.

Das erfolgreiche Geschäft

Inzwischen war auch Konsul der dritte EIFENSCHINK-Konsorte, Konsul Dr. Wilhelm SCHMIDHUBER aus München, in Berlin eingetroffen, nachdem die beiden 'Kollegen' die 'Drecksarbeit' geleistet hatten. SCHMIDHUBER ist jener, der mehr im Hintergrund agiert, aber deutlich wird, wenn es nicht nach seinem Gusto läuft.

Denn jetzt ging es darum, Nägel mit Köpfen zu machen. NACHER stand noch immer unter Schock, musste auch körperlich ersteinmal zu Kräften kommen: Das Insulin, das er wegen seiner Zuckerkrankheit brauchte, hatte man ihm im Gefängnis regelmäßig verweigert. Für die EIDENSCHINK-Konsorten eine perfekte Ausgangssituation, auch juristisch alles sauber unter Dach und Fach zu bringen.

NACHER muss ein ein Schreiben unterzeichnen:

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Und schon war Ignatz NACHER seine letzten Brauereibeteiligungen los. Dass er jetzt seine drei Holdinggesellschaften, die Borussia AG, die Gesellschaft für Brauereiinteressen mbH und die Bayrische Braubank AG, über die er seine Beteiligungen hielt, anweisen musste, dem Folge zu leisten, war nur noch Formsache. Die Bayrische Braubank in Bamberg, an der auch sein Freund und Geschäftspartner Willi LESSING beteiligt ist, setzte ihr Schreiben nur eine Woche später auf und bot Konsul Wilhelm SCHMIDHUBER und dem Bankhaus Georg Eidenschink den "Aktienbesitz zum Kaufe an".

Der damalige Vorstandsvorsitzende der Bayrischen Braubank und guter Freund von Ignatz NACHER, Ludwig KISLINGER, wird 14 Jahre später, wenn das Dritte Reich in Schutt und Asche liegen wird, vor der Wiedergutmachungskammer des Landgerichts Bielefeld im Jahr 1948 erklären: Der Verkaufspreis war das, "was die Konsorten gutwillig geben wollten, nicht was NACHER haben wollte." Denn "die gezahlten Kurse im Verhältnis zum inneren Wert der Pakete waren sehr schlecht."

EIDENSCHINK nach 1945

"Bemerkenswert finden wir", so schreiben die Wirtschaftsprüfer 1947 über Georg EIDENSCHINK weiter, "daß sich sein Vermögen seit diesen Jahren (seit 1941/42, Anm. d. A.) nicht mehr weiter erhöht hat, wie uns Herr Eidenschink ja auch für diese Zeit keine wesentlichen Angaben über seine Geschäftstätigkeit mehr machte. Herr Eidenschink erklärte uns hierzu, daß er mehr darauf bedacht gewesen sei, seine Auslandsrei­sen zum Aufbau neuer Verbindungen für die Nachkriegszeit zu benut­zen, als weiterem Vermögenserwerb nachzujagen, der ihm wegen des damals bereits erkennbaren Kriegsausgangs sinnlos erschienen sei."

Dieser Vermögenserwerb war offenbar hinreichend genug, denn allein die Geschäftssparte "Arisierung", zu der die Wirtschaftsprüfer 23 Fälle untersuchen mussten, hatte viel Geld und Gewinn eingespielt. Um auch den letzten Heller zu optimieren, hatte EIDENSCHINK wohl auch seinen Vetter, SS-Gruppenführer Hans RATTENHUBER ins Spiel gebracht, dafür zu sorgen, dass das Finanzamt ein nachsichtiges Auge für seine teilweise "verhältnismäßig mühelos erworbenen Gewinne" habe. Die Anordnung, einen "Parteinutznießer (Bankgeschäftsinhaber Georg Eidenschink) durch Gewährung besonderer sachlich unberechtigter Steuervorteile zu begünstigen" kam von ganz oben, dem Staatssekretär im Reichsministerium der Finanzen, wie das Oberfinanzpräsidium München im Jahr 1949 konstatiert.

Und familiäre Bande sind von unschätzbarem Wert: "Ich habe sämtliche Machthaber im Laufe des dritten Reichs kennengelernt", gibt EIDENSCHINK offen zu.

Im gleichen Jahr muss Privatbankier EIDENSCHINK vor der sogenannten Spruchkammer in München seine Vergangenheit rechtfertigen. "Den Antisemitismus des Parteiprogramms haben wir nicht ernstge­nommen", erklärt Georg EIDENSCHINK, NSDAP-Mitglied seit Dezember 1931 (Mitgliedsnummer 787100) vor dem Gericht am 11. Oktober 1949.

"Der Betroffene ist Mitläufer", entscheidet die Spruchkammer des Gerichts am 21. Oktober 1949 um 14 Uhr in Sachen Georg EIDENSCHINK: "Es wird ihm eine Sühne von DM 2.000- auferlegt." Streitwert: DM 879.999.

Nur kurz darauf verkauft EIDENSCHINK im Alter von 49 Jahren sein Bankgeschäft an seinen stillen Teilhaber Dr. Adolf FISCHER. EIDENSCHINK genießt die neue "Bundesrepublik Deutschland" jetzt als Privatier.


Dr. Adolf FISCHER (NSDAP) - stiller Teilhaber am Bankgeschäft Georg EIDENSCHINK

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"Er war nie ein Freund gefühlvoller Worte, dafür aber ein Vollbringer ganzer Taten", bestätigt der Abt von Metten dem stillen EIDENSCHINK-Teilhaber Dr. Adolf FISCHER (NSDAP-Mitgliedsnummer 771621 seit Juli 1931) im Jahr 1949. Und: "Greueltaten waren ihm ein Greuel, mochten sie von wem auch immer begangen sein" (siehe das Faksimile). Die "Eidesstattliche Versicherung" ist eine von rund dreißig die Adolf FISCHER auf den Richtertisch blättert.

Auch Adolf FISCHER muss sich - so wie sein Parteigenosse Georg EIDENSCHINK - vor der Münchner Spruchkammer rechtfertigen: "Als Bankier fühlte ich mich zum NS nicht hingezogen ...  und habe zum Antisemitismus geäußert: das halte ich für einen ganz großen Unsinn, das muß ja abklingen!"

Das hinderte Adolf FISCHER nicht, zusammen mit seinem Kompagnon Georg EIDENSCHINK die Zwangslage von jüdischen Kaufleuten auszunutzen und deren Unternehmen zu 'arisieren', wie das schon damals genannt wurde: Unternehmen in "arische Hände" zu überführen. FISCHER konnte sogar einen Vorteil ausspielen, mit dem er schnell das Vertrauen vieler jüdischer Betroffener gewann. Er hatte das Bankgeschäft bei der vornehmen jüdischen Privatbank "Bankhaus Klopfer" in München erlernt, bevor er sich 1931 als stiller Teilhaber mit einem zukunftsträchtigeren Partner zusammengetan hatte - schließlich sollte das "Dritte Reich" ein "Tausendjähriges Reich" werden, wie es der neue Zeitgeist versprach.

Bayern: Auch hier wird Bier immer und zu allen Zeiten getrunken

Und die Zeiten waren gut. In Berlin stand unmittelbar nach der "Machtergreifung" Ignatz NACHER unter Druck (Details: Die Enteignung des Ignatz NACHER und seiner Engelhardt-Brauerei) - eine erste große Gelegenheit, die es zu nutzen galt. Praktischerweise hatte der Brauereibesitzer ein Anwesen vor den Toren von Bad Tölz, das Gut Sauersberg, auf dem er sich auch des öfteren aufhielt, und so konnten die ersten "Verhandlungen" unweit von München aufgenommen werden. FISCHER 'verhandelte' nicht allein. Mal war der Industriemakler Anton KARL mit von der Partie, der gleichzeitig für die Gestapo arbeitete und das eine Mal mit, ein ander Mal ohne SS-Uniform auftrat, manchmal war es "Konsul Dr. Wilhelm SCHMIDHUBER", der sich aber zivil gab und von seinem Rang als SS-Unterscharführer kein Aufhebens machte. Die Abläufe sind weiter oben unter "Georg EIDENSCHINK" beschrieben. Adolf FISCHER's Rolle dabei im Detail hat Adolf FISCHER selbst zu Protokoll gegeben - als Zeuge vor der Wiedergutmachungskammer Bielefeld im Jahr 1951: Er selbst war zum Gestapochef HEYDRICH gegangen, um die ungerechte Behandlung von Ignatz NACHER durch die Dresdner Bank zu beklagen, habe NACHER im Gefängnis besucht und ihm Insulin mitgebracht und ihn letztlich - mit Hilfe von Herrn RATTENHUBER - "aus rein menschlichen Gründen" dort auch wieder herausgeholt; so vermerkt es das Gerichtsprotokoll vom 29.9.1951 auf Seite 6 (PDF-Zählung: Seite 1).

Die "rein menschlichen Gründe" begannen sich auszuzahlen. Die Brauereien, die sich nun im Besitz der EIDENSCHINK-Konsorten befanden, hatte man ausgesprochen günstig 'geschossen'. Für die Aktien aller 8 Brauereien im Nominalwert von 4.947.000 Millionen hatte man nur 3.100.000 Reichsmark auf den Tisch legen müssen. Gleichzeitig hat sich FISCHER damit einen weiteren Nebenerwerb gesichert: Als Mitglied des Aufsichtsrats der Henninger Reifbräu und der Bürgerbräu Lichtenfels sowie als Vorsitzender des Aufsichtsrats der Hofbräu AG Bamberg und Erlangen klingelten nun Aufsichtsratstantiemen in seiner Haushaltskasse.

Und das "Tausendjährige Reich" erwies sich weiterhin als Goldgrube. Selbst der Krieg kannte keinen Halt beim Gelderwerb. So übernahm Adolf FISCHER z.B. in Brüx (ehemals Tschechoslowakei, seit dem "Münchner Abkommen" 1938: "Reichsgau Sudetenland") die "Brüxer Verbandsstoffwerke" - Verbandsstoff hat im Krieg Hochkonjunktur. 

Nach 1945

Im Zusammenhang mit dem Spruchkammerverfahren, das für ihn am 14. Oktober 1949 mit der Einstufung als "Mitläufer" endet, kommen die Wirtschaftsprüfer in ihrem Gutachten (S. 36 bzw. PDF: S 39), die die Geschäfte des EIDENSCHINK-Konsortiums unter die Lupe genommen hatten, beim stillen Teilhaber Adolf FISCHER zu diesem Ergebnis: Nach ihren Zahlen "betrug das Vermögen des Herrn Dr. Fischer zur Zeit des Zusammenbruchs vor Berücksichtigung der mit dem Zusammenbruch verbundenen Verluste das siebenundzwanzigfache seines Vermögens vom Jahr 1933."

Weil Kompagnon Georg EIDENSCHINK sein Leben als Privatier weiterführen möchte, kauft ihm Adolf FISCHER 1950 alle Firmenanteile ab. Jetzt: "Dr. Fischer & Co - Bankgeschäft", kurz "Fischerbank".


Konsul Dr. Wilhelm SCHMIDHUBER (SS-Unterscharführer)

"Von 1924 bis 1932 war Schmidhuber Honorarkonsul von Portugal sowie von Mexiko und Nicaragua in München. Er war promovierter Außenhandelskaufmann, Delegierter der Münchner Handelskammer und Berater beim Reichsverband der Deutschen Industrie und Vorstandsmitglied der Hofbräu AG in Bamberg. Er besaß mehrere Brauereien und war in Geschäfte aller Art verwickelt." So beginnt der Eintrag bei WIKIPEDIA (Stand Februar 2021): 3 Sätze. Die folgenden 25 Sätze, die sich mit seiner Vergangenheit im Dritten Reich befassen, stellen auf seine Rolle quasi im Widerstand ab: Wie er beispielsweise dem Pfarrer der "Bekennenden Kirche", Dietrich BONHOEFFER, "Reisefreiheiten verschaffen" oder "Geldüberweisungen an Juden in Südfranzösischen Lagern" organisieren konnte.

"Nie in der Partei." Aber in der SS

So in etwa hatte Konsul Wilhelm SCHMIDHUBER dies auch in mehreren "Eidesstattlichen Versicherungen" beschrieben, z.B. in jener, die er 1951 der Wiedergutmachungskammer beim Landgericht Bielefeld vorgelegt hatte, als diese über die Rückgängigmachung der arisierten Brauereien von Ignatz NACHER zu befinden hatten. "Ich stand bereits in der ganzen Vorentwicklung des Nazismus und zwar seit dessen frühen Anfängen in Gegnerschaft zu dessen Programm und Methoden", heißt es da. Und etwas weiter: "Ich bin nie der Partei oder einer ihrer Gliederungen beigetreten und habe auch alle diesbezüglichen Ansinnen prinzipiell abgelehnt."

Abgelehnt, ein Angebot von Georg EIDENSCHINK und Adolf FISCHER, beim Kauf des zweitgrößten Brauereikonzerns in Berlin mit von der Partie zu sein, hatte SCHMIDHUBER nicht. Im Gegenteil: Neben Adolf FISCHER, der das "Bankgeschäft Georg Eidenschink" als stiller Teilhaber ganz offiziell vertrat, gesellte sich nun der "Konsul" hinzu, dem die Aufnahme in das politische Netzwerk der beiden jungen Bankiers nicht ungelegen kam. EIDENSCHINK war 32, FISCHER 36 Jahre jung, SCHMIDHUBER 35 und der neue Zeitgeist, der sich schnell überall einnistete, versprach eine güldene Zukunft. Auch die anderen jungen informellen Mitarbeiter der beiden Bankiers, Rechtsanwalt Dr. Josef MÜLLER, 35, und der Münchner Polizeimajor Hans RATTENHUBER, 36, der gerade eben vom "Reichsführer SS", Heinrich HIMMLER, als Adjudant nach Berlin berufen worden war, um das "Kommando zur besonderen Verwendung für den Führer und Reichskanzler" aufzustellen, gaben sich agil und zukunftsorientiert.

Die "Verhandlungen"

Und so fand sich "Konsul SCHMIDHUBER" schnell in die neue Rolle hinein. Bei den "Verhandlungen" war er nun stets dabei, egal ob mit NACHER auf dessen Gut Sauersberg bei Bad Tölz oder in Berlin oder im noblen Münchner "Hotel Vierjahreszeiten". Letztere Location war für ihn besonders praktisch, denn seine große Wohnung "Am Kosttor 1", einem gepflegten und großzügig angelegten Altbau, an dem er Miteigentümer war, befand sich visavis des bekannten Hotels.

Und wie es seinem Naturell entsprach überließ er das "Verhandeln" vorzugsweise dem Jungbankier Adolf FISCHER, der sich "als Draufgänger" besser dazu eignete. So wird sich der ehemalige Weggefährte und Vorstandsvorsitzende von Ignatz NACHER's Holdingsfirmen, Ludwig KISLINGER erinnern: "Dr. Schmidhuber verstand es, sich mehr im Hintergrund zu halten. Wenn es manchmal aber hart auf hart ging merkte man, dass dieser mindestens ebenso gefährlich war wie die anderen."

Der EIDENSCHINK-Clan wusste im Sommer 1934, wie man NACHER beeindrucken konnte. Zunächst hatte es gereicht, dezent auf die vielfältigen Verbindungen hinzuweisen: zur Gestapo in Berlin (RATTENHUBER), zu Robert LEY, dem Führer der "Deutschen Arbeitsfront", in der die ehemaligen Gewerkschaften gleichgeschaltet worden waren (Gestapoagent Anton KARL) oder zu Franz Xaver SCHWARZ, dem Reichsschatzmeister der NSDAP (EIDENSCHINK).

Da NACHER vom Berliner Staatskommissar Dr. Julius LIPPERT bereits ein Jahr zuvor gezwungen worden war, seine Brauereien an eine "wirtschaftlich einwandfrei arische Unternehmensgruppe" zu veräußern (Details siehe Die Enteignung des Ignatz NACHER), NACHER bereits ein erstes Mal verhaftet und in einem Strafprozess wegen "Beihilfe zu aktienrechtlicher Untreue" verurteilt worden war, wussten sie, wie das auf den 64jährigen NACHER wirken würde - gerade jetzt, wo NACHER nach seiner zweiten Verhaftung im Gefängnis seine Engelhardt-Brauerei verloren hatte: Wenn er den Rest, u.a. seine bayerischen Brauereien, nicht verkaufen wolle, "müsse er damit rechnen, dass er dort wieder hinkomme, wo er bereits einmal gewesen sei," so SCHMIDHUBER laut einer eidesstattlichen Zeugenaussage des Gestapoagenten Anton KARL nach 1945.

Und so nehmen die "Verhandlungen" ihren Gang, wie es vorgezeichnet war. NACHER's Manager KISLINGER in Berlin und dessen Stellvertreter in Bamberg, wo NACHER über die Bayrische Braubank AG mehrere Brauereibeteiligungen, u.a. an der "Hofbräu Bamberg-Erlangen" hält, versuchen über die dortige Industrie- und Handelskammer den Totalausverkauf zum Spottpreis zu verhindern. SCHMIDHUBER und FISCHER wurden von der IHK auch vorgeladen. "Sie hatten aber wahrscheinlich die stärkeren Trümpfe in der Unterstützung  eines grösseren Parteinmannes", wird sich KISLINGER's Stellvertreter 1948 erinnern.

Und so tritt ein, was abzusehen war und unter Dr. Adolf FISCHER weiter oben bereits beschrieben wurde: Die Anteile an NACHER's 8 Brauereien, darunter die Anteile an dert Dortmunder Stiftsbrauerei, das gesamte Paket an der Groterjan Malzbierbrauerei in Berlin sowie die Hofbräu AG in Bamberg und Erlnagen gehen zu einem durchschnittlichen Wert von 63% des nominalen Aktienwertes an den EIDENSCHINK-Clan. SCHMIDHUBER und FISCHER bestätigen den Deal am 7. Oktober 1935 in einem förmlichen Schreiben an Ignatz NACHER's Holdingfirmen.

Hofbräu AG Bamberg und Erlangen

Konsul Dr. Wilhelm SCHMIDHUBER war nun Aktionär an der bekannten Hofbräu, die Braustätten in Bamberg und Erlangen unterhält, und gleichzeitig im Vorstand der Aktiengesellschaft. Er galt fortan auch als "Brauereibesitzer", eine Funktion, die ihm sehr schmeichelte. Dass immer noch der Jude Wiily LESSING, ein enger Freund von Ignatz NACHER an der Hofbräu beteiligt war, störte SCHMIDHUBER wenig, er wusste, dass dessen Stündlein bald schlagen würde. LESSING musste seine Anteile 1936 abgeben. Zwei Jahre später wurde er in der sogenannten Reichspogromnacht brutal erschlagen.

Als 1939 der Krieg begann und SCHMIDHUBER den größten Teil seiner Verbindlichkeiten loswerden wollte, verkaufte er sein Aktienpaket, das er mittels Bankkredit finanziert hatte, an seinen neuen Teilhaber, blieb aber nach wie vor im Vorstand. Eine neue Ära begann für ihn, als er im Zusammenhang mit einer Reserveübung zur Abwehrstelle der Deutschen Wehrmacht in München gelangte - ein guter Bekannter hatte dort das Sagen: Rechtsanwalt Dr. Josef MÜLLER, der agile Anwalt des EIDENSCHINK-Clans. Die "Abwehr" war die Auslands-Spionageabteilung des Militärs, die Gestapo sah sie als Konkurrenz.

Als "Konsul" bei der "Abwehr"

SCHMIDHUBER als "Konsul" war schon wegen seiner Kontakte ins Ausland gefragt, konnte reisen und diverse Devisengeschäfte tätigen, wurde aber Opfer einer Panne, in deren Gefolge er inhaftiert wurde. Weil sein guter Bekannter Josef MÜLLER, Erzkatholik vom Glauben, im Rahmen der Freiheiten einer militärischen Spionageabwehr auf eigene Rechnung Friedensgespräche über den Vatikan anleiern wollte und die geheimen Aktivitäten der Abwehr der Gestapo ein Dorn im Auge waren, ging alles schief: SCHMIDHUBER, der galant zu plaudern verstand, gab im Verhör durch die Gestapo mehr zu als er vermutlich wollte. Die kleine geheime Gruppe, die bei der Abwehr den Krieg beenden wollte und dazu auch ein Attentat auf Adolf HITLER im Kopf hatte, wurde enttarnt: die wichtigsten Köpfe (Dietrich BONHOEFFER, Hans von DOHNANYI, Hans OSTER und der Chef der Abwehr, Wilhelm CANARIS) wurden hingerichtet.

Josef MÜLLER und Wilhelm SCHMIDHUBER wurden eingesperrt, aber überlebten. Sie waren gute Bekannte von Hans RATTENHUBER.

Nach 1945

Als der Krieg vorbei ist und die Allierten, insbesondere die Amerikaner von den Alpen her Bayern 'aufräumen', folgen in zweiter Reihe Soldaten mit einer besonderen Aufgabe: Dokumente und Informationen zu sichern, um zu erfahren, wer für was im gerade untergegangenen "Tausenjährigen Reich" verantwortlich war: Männer vom US-"Office of Military Government for Germany (OMGUS)" verhören alles, was Rang, Funktion und Namen hatte. Auch Konsul SCHMIDHUBER muss aussagen:

Aussage Dr. Wilhelm SCHMIDHUBER 1946 vor dem US "Office of Military Government for Germany (OMGUS)" in Sachen Engelhardt-Brauerei. Anklicken öffnet das vollständige Dokument

"Ich erklärte mich damals einverstanden, hier mitzuwirken", nämlich "den Aktienbesitz bestmöglichst zu verwerten, oder wenn möglich, unter einer Minderheitsbeteiligung des Herrn Nacher selbst aufzunehmen..." gibt SCHMIDHUBER zu Protokoll. Und SCHMIDHUBER holt aus: gegen die Dresdner Bank, auch deswegen, weil sie "die Firma Eidenschink geschäftlich sabotiert und ignoriert hat", heißt es z.B. auf Seite IV. Und: "Mir war damals ganz klar und auch heute noch, dass es sich um eine reine Erpresser-Aktion der Dresdner Bank, sowohl gegenüber Herr Nacher wie gegenüber dem Konsortium, gehandelt hat und dabei Rechtsfragen von vorneherein mit poli. Druck augeschaltet wurden" (ebenfalls S. IV).

Von den Transaktionen der anderen Brauereien, beispielsweise der Hofbräu AG, spricht SCHMIDHUBER nicht.

Die Aussage steht in Kontrast zu dem, was SCHMIDHUBER in seinen diversen "Eidesstattlichen Erklärungen" fünf Jahre später behaupten wird, nämlich dass "von einer politischen Verfolgung des Nachers damals überhaupt keine Rede" sein konnte (S. 7). Aber zu diesem Zeitpunkt waren die gesamten OMGUS-Akten längst in die USA verschifft. Und SCHMIDHUBER konnte darauf setzen, dass es für die Nachfahren und Überlebenden der NACHER-Familie schwer sein würde, die ganzen Vorgänge für die Wiedergutmachungsgerichte im Detail zu belegen (mehr unter dem Kapitel Die Restitution - NOCH NICHT ONLINE).

SCHMIDHUBER jedenfalls hat das Dritte Reich überlebt, ebenso wie seine beiden anderen EIDENSCHINK-Konsorten, wird Schatzmeister der Bayern-Partei und geht seinen "Geschäften aller Art" nach, in der er "seinen höheren Lebenszweck sah", wie DER SPIEGEL 1976 süffisant bemerken wird.

"Konsul Dr. Wilhelm SCHMIDHUBER", im Range eines (ehemaligen) SS-Unterscharführers, stirbt 1965 im Alter von 67 Jahren.


Hinweis:

Was aus den Zuträgern und informellen Mitarbeitern des EIDENSCHINK-Konsortium nach 1945 wurde, aus Hans RATTENHUBER, Josef MÜLLER und Anton KARL, wird in der nächsten Folge dieses "ABC der Ariseure und Profiteure, Mitmacher und Mörder" dokumentiert. Alle Texte lassen sich direkt aufrufen und verlinken unter www.ansTageslicht.de/wasausihnenwurde. Für den hiesigen Text gilt der Link www.ansTageslicht.de/Eidenschink.

(JL)