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ABC der Zeitzeugen in der SPIEGEL-Affäre - anstageslicht.de

ABC der Zeitzeugen in der SPIEGEL-Affäre

Zeitzeugen und deren Aussagen sind wichtige Quellen für die Geschichtsschreibung. Man nennt dies inzwischen Oral History. Wir haben im Zusammenhang mit unseren Rekonstruktions- und Dokumentationsarbeiten ebenfalls Menschen gesucht und gefunden, die uns aufschlussreiche Fakten und Zusammenhänge nennen konnten. Hier sind einige biografische Informationen zusammengestellt, soweit sie in diesem Kontext von Bedeutung sind:

EGLEDER, Heinz

war 1962 Schüler und 15 Jahre jung. Wurde 1979 Leiter der Hausdokumentation des SPIEGEL und blieb es bis 2012. EGLEDER sammelte und archivierte alles, was mit dem Verlagsunternehmen, dem Magazin und Rudolf AUGSTEIN zu tun hatte


GARßEN, Gunnar von

wurde als 21jähriger Kameraassistent für den NDR zu dem studentischen Auflauf am 31. Oktober 1962 vor dem Untersuchungsgefängnis beordert, in dem Rudolf AUGSTEIN einsaß. Konnte für dieTagesschau am selben Abend festhalten, weshalb die Menschen demonstriert hatten.
Von GARßEN wurde danach fester Mitarbeiter beim NDR, ging als Korrespondenten-Kameramann der ARD nach London, Washington und New York. Später wieder zurück in Hamburg zum NDR, führte die Kamera bei Dokumentar- und Spielfilmen, z.B. bei der Krimiserie "Stahlnetz"


HERBERS, Rudolf

war 1962 als 27jähriger Redakteur bei der damals führenden Frauenzeitschrift Constanze, die der Verleger John JAHR herausgegeben hatte, der auch Miteigentümer des SPIEGEL war. Hatte ebenfalls einen SPIEGEL-Redakteur in seinem Büro vorübergehend 'beheimatet'. 
Ging später als Chefredakteur zum Bonnier-Verlag in Stockholm, arbeitete danach als Ressortleiter bei der Zeitschrift Schöner Wohnen im inzwischen entstandenen Gruner + Jahr-Verlag. Die journalistische Mitbestimmung war ihm stets ein Anliegen, wurde von seinen Kollegen 20 Jahre lang als deren Vertreter in den Aufsichtsrat des Verlages Gruner + Jahr gewählt. Inzwischen pensioniert


JÄGER, Peter

war damals 22 Jahre alt und Drucker von Beruf, als er am 31. Oktober gegen die SPIEGEL-Besetzung demonstrierte. Sah - wie seine Freunde - aber auch die Zusammenhänge dieser Ereignisse mit den im Bonner Bundestag debattierten "Notstandsgesetzen": Angriffe auf die Pressefreiheit und auf individuelle Freiheitsrechte. 
Wechselte beruflich später ins Journalistische. Verfasser der Stadtteilchronik "Auf den Spuren der Eidelstedter Geschichte". Veröffentlichte 2007 einen Hamburg-Roman mit dem Titel "Kalte Wasser", in dem er historische Recherchen und eigene Erlebnisse verarbeitet hat. Schreibt regelmäßig für dasPinneberger Tagblatt.
Mehr über ihn gibt es auf seiner Homepage Peter Jäger Quickborn zu lesen 


LUDZ, Herbert

war 29 Jahre alt, als die Staatsmacht, unterstützt von Polizei, abends in das Hamburger Pressehaus einmarschierte. Hatte anschließend ebenfalls einen Redakteur des SPIEGEL in seinem Büro aufgenommen.
LUDZ hatte ein Jahr zuvor als Redakteur beim stern angefangen und saß in dieser Eigenschaft auch auf dem Podium einer Diskussionsveranstaltung in Lüneburg.
Zu dieser Zeit bereits als freier Dozent für die "Neue Gesellschaft" in Hamburg tätig, die am 31.Oktober und am 1. November 1962 die Diskussionsveranstaltungen in der Universität organisiert hatte (vgl. Protest in Hamburg: der 31. Oktober 1962). 50 Jahre später, 2012, ist Herbert LUDZ ehrenamtlicher Vorsitzender der "Neuen Gesellschaft" 


SCHARNHORST, Gerd

war schon immer Spezialist für Militärisches und Verteidigungsfragen. Schrieb zunächst für die Welt am Sonntag, bevor er 1961 als 33jähriger zum stern ging. Veröffentlichte dort die Geschichte Wie stark sind wir?, und zwar genau 1 Tag vor dem "Fallex 62"-Artikel des SPIEGEL, nämlich am 7.Oktober 1962.
Arbeitete später für die Illustrierte Quick in München, danach wurde er Regisseur und Produktionsleiter bei der Deutschen Wochenschau. Produzierte dort eine spezielle Ausgabe jede Woche für die Bundeswehr. Danach ging er zurück zur Welt am Sonntag, schrieb zuletzt über Politik.
Ist ein mehrfacher Urgroßneffe des preußischen Generals Gerhard von SCHARNHORST (1755-1813), der das Heer reformierte und die allgemeine Wehrpflicht einführte 


SCHMIDT, Helmut

gehört zu den bekanntesten, beliebtesten und anerkanntesten Politikern in Deutschland. Bevor er 1961 in Hamburg "Polizeisenator" (später umbenannt in "Senator für Inneres") wurde, saß er für die SPD im Bonner Bundestag und u.a. auch im Verteidigungsausschuss. War Spezialist für Militär- und Strategiefragen, hatte 1961 das Buch Verteidigung oder Vergeltung veröffentlicht.
Aufgrund seiner Kenntnisse und seiner Bekanntschaft mit seinem ehemaligen Studienkollegen Conrad AHLERS, der den Artikel "Bedingt abwehrbereit" maßgeblich geschrieben hatte, gab er dem SPIEGEL-Mann einige Hinweise, die ein oder andere Passage bzw. Information nochmals auf Geheimhaltungsvorschriften zu überprüfen. Am 31. Oktober konnte er die aufgebrachten Studenten beruhigen, die AUGSTEIN u.U. aus dem Gefängnis befreien wollten. SCHMIDT genoß hohes Ansehen - er hatte im Februar desselben Jahres die Hamburger Flutkatastrophe gemanagt.
Wurde später Verteidigungsminister, dann Wirstchafts- und Finanzminister, zuletzt Bundeskanzler (bis 1982). Fungiert u.a. auch als Herausgeber der Wochenzeitung DIE ZEIT


SCHULZ, Peter

erlebte als junger Rechtsanwalt die SPIEGEL-Affäre mit 32 Jahren, war mit Helmut SCHMIDT befreundet und begleitete diesen - u.a. in seiner Eigenschaft als Mitglied der Hamburger Bürgerschaft (Landesparlament) am 31. Oktober auf der Fahrt zum Untersuchungsgefängnis, vor dem aufgebrachte Studenten forderten: "Wir wolln jetzt alle schrein: Augstein raus und Strauss hinein!".
SCHULZ machte in Hamburg als SPD-Mitglied Karriere: erst Justizminister, dann Zweiter Bürgermeister und Schulsenator, später Erster Bürgermeister und Präsident des Senats. Danach wieder als Rechtsanwalt tätig in seiner Kanzlei SCHULZ-NOACK-BÄRWINKEL. Veröffentlichte 2009 das Buch "Rostock, Hamburg und Shanghai - Erinnerungen eines Hamburger Bürgermeisters" (edition Temmen, Bremen)


SOMMER, Theo, Dr.

war 32 Jahre alt, als er als damals politischer Redakteur hautnah alles mitbekam, was passierte: DIE ZEIT, für die er schrieb, hatte ihre Redaktionsräume ebenfalls im Hamburger Pressehaus, ein Stockwerk unterhalb der drei Etagen des SPIEGEL. SOMMER schrieb damals schon viel über Politik, Internationales und Militärisches, insbesondere auch über Fragen der Verteidigung und Strategien.
Wurde 1973 Chefredakteur der ZEIT bis 1992, danach deren Herausgeber (bis 2000). Seither als "Editor-at-Large" bei der Wochenzeitung tätig. Mehr unter www.theosommer.de


VOGEL, Peter

musste als 19jähriger Polizist zusammen mit einem weiteren Kollegen die Dokumentation des SPIEGEL bewachen, damit nichts hinausgetragen werden konnte und niemand hineinkam. Wurde über die Hintergründe nicht informiert. Die konnte er nur aus der Zeitung erfahren. Blieb bis zu seiner Pensionierung bei der Hamburger Polizei, war zuletzt Polizeioberkommissar 


WILD, Dieter

studierte Jura und Geschichte, schloß mit einer Promotion ab und ging in den Journalismus. Landete beim SPIEGEL im Deutschland-Ressort und war 31 Jahre alt, als alles begann. Die Vorkommnisse haben ihn damals sehr geprägt, wie er in den diversen Interview-Takes schildert. 
WILD arbeitete später u.a. auch als Korrespondent in Paris, wurde dann Ressortleiter Ausland und führte an die 200 SPIEGEL-Gespräche. Zeitweise stellvertretendr Chefredakteur und u.a. mit vielen Spezialaufgaben im Verlag betraut (z.B. "Jahrhundertchronik"). Veröffentlichte 1991 das Lehrbuch "Das Interview: ein Handbuch für Journalisten" (Ölschläger Verlag, München). Ist im Beirat der Internationalen Zeitschrift für Journalismus message vertreten


(JL)