Zwischen Zahnschmerzen und Justiz: ein Problemaufriss

Das kann schnell gehen. Dann, wenn man – mehr oder weniger hilflos - auf dem Liegestuhl beim Zahnarzt ist, und ein erster Fehler passiert, der nicht schmerzt. Aus einer Panne kann schnell eine weitere werden. Und dann beginnt sich alles zu häufen, weil vieles miteinander ursächlich verkettet ist.

Und selbst wenn man höllisch aufpasst (so gut das geht): Nur der Zahnarzt sieht, was er gerade macht. Und weiß im Zweifel auch mehr. Bzw. alles genauer. Man ist auf das fachliche Know-how des Medizinexperten angewiesen. Es sei denn, man weiß es selber besser, was aber die Ausnahme sein dürfte.

CC-BY-SA: www.ansTageslicht.de/Zahnschmerz

Manchmal ist es auch Unkenntnis im dentistischen Gewerbe. Konkret: Nicht-Wissen über den neuesten Stand der Medizintechnik. Ein andermal kann es um unterschiedliche zahnärztliche Philosophien gehen: Optik versus Funktionalität. Oder Optik versus Nachhaltigkeit. Oder aktuelle Funktionalität versus Längerfristigkeit der Zahnreparatur(en). Oder unterschiedliche Einschätzungen von angesagten Notwendigkeiten.

Dass bei diesem speziellen Handwerk auch manuelles Geschick und totale Präzision bei den Millimeterarbeiten notwendig sind, weiß auch jeder, der den zahnärztlichen Liegestuhl aus eigener Erfahrung kennt.

Und so gesehen können diese (vielen) Faktoren (schnell) dazu führen, dass aus einem Normalfall einer zahnärztlichen Behandlung eine langjährige (Leidens)Geschichte wird. Die nach und nach – am Anfang fast unmerklich – in eine solche übergeht.

So wie im vorliegenden Fall, den wir hier dokumentieren. Jemand der ganz normal intakte Zähne hatte, hat nach mehreren Jahren zwölf Zähne weniger. Und ständig Schmerzen.  

Und danach beginnt dann der nächste (Leidens)Weg: der Gang durch die Instanzen, wenn es um Schadensersatz wegen fachlicher Fehler geht. Bzw. um ‚Wiedergutmachung‘ (sofern das überhaupt möglich ist).   

Die Instanz „Justiz“ ist ein eigener, konkret ebenfalls nach speziellen Regeln funktionierender Apparat, den oft nur die Juristen verstehen. Das Gutachterwesen, auf das sich Richter stützen (müssen), um Kausalitäten zu bewerten, wieder ein ganz anderer. Wenn dann ein Richter auch noch jemanden, der später klagt, und zwar gegen mehrere Zahnärzte, die hintereinander Fehler auf Fehler gehäuft haben, auf die „Prozessfähigkeit“ hin überprüfen lässt, sprich daraufhin, ob der Kläger noch bei klarem Verstand (oder ‚verrückt‘) ist, dann ist sozusagen der GAU, der größte anzunehmende Unfall einer zahnärztlichen Behandlung(sgeschichte) perfekt. Da wieder herauszukommen, ist nicht einfach.

In der „Universitätsstadt Göttingen“, wie es so verheißungsvoll auf dem Bahnhof heißt, ist das ganz offenbar geschehen. Und in der zahnärztlichen Uni-Klinik dort hatte auch alles angefangen. Und dort ist auch alles weitergegangen: vor Gericht. Bis heute: die Geschichte von Lisa HASE.

Was und in welcher Reihenfolge was geschehen ist, haben wir unter Odyssee einer Leidensgeschichte rekonstruiert. Es ist vor die medizinische Leidensgeschichte. Wie man sich fühlt, wenn man sich vor und fürs Gericht auf seinen Geisteszustand hin überprüfen lassen muss, und welch ein "Unrecht" dies ist, nur weil man mehrere Prozesse gegen mehrere Beklagte führt, das hat der Zivilrechtler Prof. Dr. Martin SCHWAB von der Universität Bielefeld (vormals: Freie Universität Berlin) beschrieben: in einem neunseitigen Gutachten "Geistesgestört? Unfähig einen Prozess zu führen? Niemals im Leben!"

Den für die "Prozessfähigkeits"-Untersuchung vorgesehenen Experten haben wir gleich zwei Male portraitiert. Einmal unter Ein Gutachter namens RUTETZKI. Und einen anderen offenbar typischen Fall skizziert: Die Richter und ihr Gutachter namens RUTETZKI.

Das ganze juristische Hin & Her sowie das jahrelange Warten, bis es weitergeht und das alles in inzwischen fast 12 Jahren haben wir beschrieben unter Lisa HASE's Odyssee vor dem Göttinger Landgericht - Einblicke in die Arbeit der 9. Zivilkammer am Landgericht Göttingen.

Die Betroffene, Lisa HASE, meldet sich auch selbst zu Wort. Mit mehreren Aspekten:

Inzwischen haben auch andere Medien diesen Fall aufgegriffen. U.a. der NDR. Und Report Mainz im Juli 2016. Die wichtigsten Berichte finden Sie rechts unter Die Berichte der Medien seit 2015.

(JL)