"Die Arche"

Ein nicht-staatliches Selbsthilfeprojekt: "Wir holen die Kinder von der Strasse"

Kinderarmut in Deutschland:

Rund 2,5 Mio. Kinder in Deutschland leben unterhalb der Armutsgrenze. Es ist nicht nur die finanzielle Armut, sondern auch die emotionale Armut. Die Harz IV Empfänger erhalten wenig staatliche Zuwendungen. Hilfsinitiativen ermöglichen Lebensmittelspenden, individuelle Kinderbetreuung und Kleider für Bedürftige.

1995 gründet der Pastor Bernd SIGGELKOW sein Jugend-Hilfsprojekt „Arche“ in Berlin-Hellersdorf. In keinem anderen Stadtteil gibt es mehr Schulabbrecher. Und jedes zweite Kind lebt hier von Hartz IV. Inzwischen gibt es in Berlin 2 der „Archen“, seit 2005 auch eine „Arche“ in Hamburg-Jenfeld, einem der drei Problem-Kieze in der reichen Hansestadt. Die neueste Arche befindet sich in Düsseldorf. Weitere sind in Planung, denn Hartz IV wird es vermutlich noch lange Jahre, vielleicht Jahrzehnte geben.
Vor allem drei Dinge sind es, die die „Archen“ zum Anlaufpunkt vieler Kinder und Jugendlicher machen:

  • kostenloses Mittagessen
  • Möglichkeiten, um Schulaufgaben zu machen, unter Umständen mit Hilfen
  • Freizeitmöglichkeiten

Viele Kinder kommen ohne das Wissen ihrer Eltern. In der Arche erhalten sie, woran es neben Geld sonst noch mangelt: Zuwendung, Aufmerksamkeit und Förderung. In Hamburg bekommen etwa 50 bis 70 Kinder täglich ab 13 Uhr kostenloses Essen, für viele ist das die erste Mahlzeit des Tages. Die Kinder haben die Möglichkeit vor Ort ihre Hausaufgaben zu erledigen. Sie bleiben gerne, denn sie bekommen Hilfe, was zu Hause meistens fehlt. Anschließend darf in diversen Spiel -und Turnräumen getobt werden.

Viele verschiedene Kurse, wie Gitarre, Theater, Tanz, Musik oder Aerobic, sowie Nachhilfe in allen Fächern und eine monatliche Kindergeburtstagsparty locken die Kinder von der Straße direkt in die Arche. Das ist auch gut so, denn auch die Arche ist der Meinung, dass Kinder einen Anlaufpunkt brauchen, wo sie hingehen können und sich wohl fühlen dürfen.„Viele Kinder kommen aus sozialschwachen Familien, wo aus unterschiedlichen Gründen kein Geld da ist“ erzählt uns die Erzieherin Maria SASS aus der Arche Hamburg. „Sie können ihren Kindern nicht viel bieten. Sie haben andere Sorgen.“

Auf 208€ beläuft sich der Monatsregelsatz für ein Kind zuzüglich der Miete. Kinderarmut ist überwiegend ein Großstadtphänomen. Offiziell gilt als arm, wer weniger als 50% des durchschnittlichen Einkommens, sprich 938 € Netto im Monat zur Verfügung hat. Der Regelsatz beinhaltet auch die Kosten für Bekleidung, doch „ohne die Kleiderkammer der Arche kämen einige Kinder nicht aus“, erzählt die Erzieherin SASS, die seit 2005 in der Arche Hamburg tätig ist.

Das „Christliche Kinder und Jugendzentrum“ finanziert sich zu 100% aus Spendengeldern und ist unabhängig vom Staat und der Kirche. Die regelmäßigen Hauptspender sind unter anderem das Unternehmen "Unilever“, die "stern-Stiftung" und die „BILD-Zeitung“.

Als Hilfsprojekt ist die Arche umstritten. Einige stören sich an der christlichen Ausrichtung des Projektes. Angesichts großer Spendenerlöse werden Zuwendungen vom Staat gestrichen, doch der Pastor Bernd SIGGELKOW versteht es gut, große Aufmerksamkeit für seine Arche zu schaffen. Rund 900.000 Euro benötigt der Verein jährlich. Er ist über jede Spende glücklich und konnte über die Jahre viele Arbeitskräfte einstellen, deren Lohn er ebenfalls nur durch Spenden zahlen ermöglicht. „Ohne die Ehrenamtlichen Mitarbeiter wäre die Arbeit in der Arche zwar um einiges schwieriger, aber wir sind für jede Hilfe dankbar und freuen uns auch darüber, dass wir Praktikantenstellen anbieten können, die von uns lernen möchten“ berichtet eine Erzieherin.

Letzten Endes zählt nur eines: „Wir sind glücklich, wenn unsere Kinder glücklich sind“ sagt sie. Auf der monatlichen Kinderparty berücksichtigen die Erzieher alle sozialen Belange. „Der wichtigste Faktor ist Spaß und Erfolgserlebnisse“ erklärt Frau SASS.

Seit Ende Januar 2008 bietet die Arche in Hamburg Jugendlichen bis 17 Jahre eine entspannte Betreuung, wo sie„abhängen“ können. Ein Hilfsprojekt mit Erfolg, das hoffentlich weiter wachsen wird.

In einem Interview mit dem Tagesspiegel, Berlin, äußert sich Arche-Gründer SIGGELKOW am 23. Dezember 2013 zum generellen Problem vernachlässigter Kinder und überforderter Eltern, das von vielen Menschen völlig verkannt wird. Er begründet auch, weshalb er für die Abschaffung der Jugendämter plädiert: "Man sollte die heutige Form des Jugendamtes abschaffen."

 

Adressen:

Die Arche in Hamburg-Jenfeld:
Görlitzerstraße 10
22045 Hamburg
Tel.: +49 (0) 40/50 63 50 -0
http://kinderprojekt-arche.eu/standorte/hamburg-jenfeld


Die Archen in Berlin:
Arche Berlin Mitte
Ebertystraße 13-14
10249 Berlin
Tel.: +49 (0) 30/42 02 17 38
Arche Berlin-Hellersdorf
Tangermünderstraße 7
12627 Berlin
Tel.: +49 (0) 30/ 99 35 97 3
http://kinderprojekt-arche.eu/standorte/berlin-hellersdorf


Die Arche in München:
Briegerstraße 50
80997 München
Tel.: +49 (0) 89/14 34 23 04
http://kinderprojekt-arche.eu/standorte/m%C3%BCnchen-moosach


Spendenkonto:

Die Arche
Bank für Sozialwirtschaft
Kontonummer: 30 30 100
Bankleitzahl: 100 205 00


(AB, eö)