Hessische/Niedersächsische Allgemeine, 06.01.2016

von Frank THONICKE

HR-Fernsehen kassiert bei Sportvereinen ab

Hessische/Niedersächsische Allgemeine , 09.03.2004

KASSEL/FRANKFURT. Der Hessische Rundfunk (HR) finanziert seine Fernsehsendungen nicht nur über seinen Anteil an den Rundfunkgebühren - im Falle von Sportübertragungen können sich Sport-Veranstalter Sendezeiten regelrecht erkaufen.

Nach Informationen unserer Zeitung lehnt die HR-Sportredaktion die Übertragung so genannter Randsportarten, zu denen beim HR auch Handball oder das Spangenberger Reitturnier zählen, zwar ab, lässt Veranstaltern aber die Chance, sich und ihre Sponsoren gegen Beteiligung an den Produktionskosten doch noch ins Programm zu rücken. Medienrechtler halten dieses Verfahren für verboten. Prof. Dr. Christoph Degenhardt von der Universität Leipzig: Das ist nicht erlaubt. Fernsehgebühren werden ja auch damit gerechtfertigt, dass Sportarten zu sehen sind, an denen die privaten Sender kein Interesse haben.

Auch in der Region hat der HR kassiert - und tut es immer noch. Nach Informationen unserer Zeitung gab es im Vorfeld des Handball-Pokalspiels 1999 zwischen Melsungen und Lemgo Gespräche zwischen der Agentur R&K Promotion und dem HR-Sportchef Jürgen Emig. Forderung des HR: 20000 Mark. Gezahlt wurden mindestens 6960 DM (inklusive Mehrwertsteuer) - und der HR übertrug. Die Agentur-Chefin Traudl Mertens: Damals hieß es: Wenn ihr zahlt, übertragen wir.

Auch die Veranstalter des Spangenberger Reitturniers bestätigen, ans Hessische Fernsehen zu zahlen. Eine genaue Summe nennt Turnierleiter Michael Pfanzelt nicht. Was der HR kassiere, sei aber mehr als jene 15000 Euro, die der Reitverein jährlich aus dem ARD-Werbetopf erhält. Der HR bestätigt unsere Recherchen, sieht aber keine rechtlichen Probleme, da die Programmhoheit trotz der Zahlungen beim Sender liege.

Beim NDR verfährt man anders: Für die Übertragung des Reitturniers in Braunschweig floss kein Geld ans Fernsehen, sagt Sportchef Walter Johannsen.

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