Hessische/Niedersächsische Allgemeine, 06.01.2016

von Frank THONICKE

Nach drei Wochen am Ende

Hessische/Niedersächsische Allgemeine , 24.03.2004

Mit einem Eishockey-Spiel fing alles an. Hier die Chronologie des Falls Emig: Ende Februar 2004:

Die Huskies spielen gegen die Frankfurt Lions. Unter den Zuschauern: Dr. Jürgen Emig mit Ehefrau Atlanta Killinger. Im von Emig verantworteten Fernsehbericht über das Spiel taucht lange ein Kunde seiner Ehefrau auf: Hessenlotto. Wir berichten über mögliche Interessenkollisionen bei Emig.

Anfang März: Der HR stellt sich vor Emig: Es spiele keine Rolle, ob Atlanta Killinger für Hessenlotto arbeite oder nicht. Wir berichten über neue Vorwürfe. Schlagzeile: Der Emig/Killinger-Skandal. Das Management von Ruderweltmeister Hacker redet über Probleme mit dem Ehepaar Emig/Killinger. 

8. März: Neue Vorwürfe gegen den HR und Emig: Sportvereine mussten den Sender bezahlen, um längere Fernsehberichte zu gewährleisten. Die Melsunger Handballer zahlten 1999 mindestens 6960 Mark, das Spangenberger Reitturnier jährlich mindestens 15000 Euro. Verhandlungspartner immer wieder: Jürgen Emig.

Unsere Berichte lösen Empörung aus. Landessportbundpräsident und Rundfunkratsmitglied Dr. Rolf Müller ist sauer. Er will in den HR-Aufsichtsgremien auch über Köpfe reden.

Mitte März: Der Fernsehausschuss des HR berät über die Vorwürfe. Ein Ergebnis gibt es nicht. Die Vorwürfe, so heißt es, würden weiter sehr ernst geprüft. Dass für große Produktionen Geld genommen wird, hält HR-Intendant Dr. Reitze für normal. Auch andere Sender würden das tun. Im übrigen prüfe man weiter - über Emig werde man endgültig am 19. April entscheiden.

Ende März: Andere Zeitungen greifen unsere Berichte auf und behandeln die Affäre Emig. Neue Vorwürfe werden laut. Ein Sportveranstalter spricht von korrupten Methoden beim HR. Er zahlte 34500 Mark u.a. für Regie und Moderation. 

23. März. Jürgen Emig ist nicht mehr zu halten. Er nimmt als Sportchef seinen Hut. Lange vor der Sitzung am 19. April.

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