Hessische/Niedersächsische Allgemeine, 06.01.2016

von Frank THONICKE

„Sollte Beweismittel vernichten“

Hessische/Niedersächsische Allgemeine , 02.07.2005

KASSEL/Frankfurt. Im Skandal um den ehemaligen HR-Sportchef Jürgen Emig, der wegen des Verdachts des Betruges, der Bestechlichkeit und Vorteilsnahme in Untersuchungshaft sitzt, gibt es ein erstes Geständnis. Harald Frahm, Freund und Geschäftspartner von Emig, hat gestanden, an krummen Geschäften des HR-Mannes beteiligt gewesen zu sein.

Frahm, Präsident des deutschen Tanzsportverbandes, belastet mit seinem Angaben Jürgen Emig schwer. So habe Emig ihn noch zuletzt aufgefordert, alle Beweismittel zu vernichten. Diese Angaben bestätigte gestern die Frankfurter Staatsanwaltschaft gegenüber unserer Zeitung. Das Geständnis von Harald Frahm trug auch dazu bei, dass der Tanzfunktionär anders als Emig nicht in Untersuchungshaft sitzen muss. Auch Jürgen Emig machte gegenüber der Staatsanwaltschaft zunächst Angaben. Dann schwieg er aber. Nähere Einzelheiten dazu wollte die Staatsanwaltschaft nicht machen.

Die Anklagebehörde wirft dem Sportreporter vor, über Jahre die Organisatoren von Sportveranstaltungen genötigt zu haben, Geld zu zahlen, um ins Fernsehen zu kommen. Diese dann vom HR übertragegen Veranstalungen wurden außerdem von der Agentur von Emigs Ehefrau Atlanta Killinger vermarktet. Auch die Agentur von Harald Frahm war an den Geschäften beteiligt. Es wurde auch Schleichwerbung von Firmen, die Kunden der Killinger-Agentur waren, im Fernsehen platziert.

Nach Angaben der Staatsanwaltschaft richtet sich auch ein Verdacht gegen Atlanta Killinger, an den Geschäften direkt beteiligt gewesen zu sein. Sie soll damit einen Gewinn von mindestens einer sechsstelligen Euro-Summe gemacht haben, heißt es. Auch ihr Büro war neben der Emig-Villa, den Redaktionsräumen des HR und anderen Büros von der Polizei durchsucht worden. Man stellte kistenweise Akten und Computer sicher. Gegen eine weitere Person werde ebenfalls noch ermittelt, so die Anklagebehörde. Weitere Haftbefehle gab es aber bisher nicht.

Nach Zeitungsberichten beurteilt der Verteidiger von Jürgen Emig, Eberhard Kempf, den Fall seines Mandanten so wie die DrittmittelDiskussion an Krankenhäusern. Auch dort gebe es Verflechtungen von Pharma- und Geräte-Industrie mit Klinikmanagern und Ärzten. So habe im Herzklappenskandal mancher Mediziner Zuwendungen der Industrie in die Klinik gesteckt, andere strichen das Geld privat ein.

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