Der Fall Wilfried MOHREN beim MDR

Ähnlich wie Jürgen EMIG beim Hessischen Rundfunk (hr) so agierte beim Mitteldeutschen Rundfunk Wilfried MOHREN. Seines Zeichens ebenfalls Sportchef wie Jürgen EMIG. EMIG ist/war also keine Ausnahme. 

03.02.2000

Der Verwaltungsdirektor des Mitteldeutschen Rundfunks (MDR) äußert den Verdacht, dass im Umfeld von Sportchef Wilfried MOHREN unsaubere Geschäfte laufen. Ihm fallen verdächtige Rechnungen von Killi Production auf, der Firma von Jürgen EMIGs Ehefrau Atlanta KILLINGER.


2003 bis 2004

Die Agentur SMP von Harald FRAHM soll zwei Aufträge vom MDR erhalten haben: 2003 sind für die Radsportveranstaltung "Friedensfahrt" 360. 000 Euro, 2004 für das Tanzturnier „ ARD -Masters“ 54.000 Euro gezahlt worden. Der MDR erklärt dazu, es handele sich um "geprüfte, handelsübliche und saubere Geschäfte".


02.03.2004

Die in Kassel erscheinende Tageszeitung HNA bzw. deren Chefreporter Frank THONICKE, veröffentlicht seinen ersten Bericht in Sachen "Dr. Jürgen EMIG", den Sportchef des hr : "Lucky Shot macht viele glücklich" . Vier Tage später dann bereits die nächste Enthüllung: „Erst zahlen, dann senden“ .
In Frankfurt/Main beginnt damit die Affäre EMIG.


09.08.2004

Das Nachrichtenmagazin Focus berichtet, dass die Staatsanwaltschaft Leipzig gegen Wilfried MOHREN aufgrund einer anonymen Anzeige ermittelt. MOHREN wird vorgeworfen, in die eigene Tasche gewirtschaftet zu haben. Die Untersuchungen werden sechs Monate später wieder eingestellt.


04.07.2005

Die Leipziger Staatsanwaltschaft lässt Büros des MDR in Leipzig und private Räume MOHRENs durchsuchen. Aus den Ermittlungen gegen den früheren Sportchef des Hessischen Rundfunks (hr) , Jürgen EMIG, hat sich ein Anfangsverdacht wegen Bestechlichkeit gegen MOHREN ergeben. Er steht im Verdacht, Geschäfte nach einem ähnlichen Modell wie EMIG, organisiert zu haben. Der MDR vereinbart am Abend gemeinsam mit MOHREN dessen Suspendierung.


06.07.2005

Die Staatsanwaltschaft Leipzig gibt das Verfahren gegen MOHREN ab. Jetzt ermittelt die sächsische Antikorruptionseinheit „INES“, die der Staatsanwaltschaft Dresden untersteht.


14.07.2005

Mehrere Kriminalbeamte und zwei Staatsanwälte durchsuchen das Anwesen von Wilfried MOHREN in der Nähe von Leipzig. Sie beschlagnahmen Aktenordner und Computer. MOHREN wird Bestechlichkeit in mehreren Fällen vorgeworfen. Er wird in Untersuchungshaft genommen.


21.07.2005

Der MDR entlässt MOHREN fristlos. Intendant Udo REITER sagt, dass die Beweise gegen MOHREN so erdrückend seien, dass er für die Rundfunkanstalt nicht mehr tragbar sei.


25.07.2005

Externe Wirtschaftprüfer beginnen im MDR mit der Aufklärung der Korruptionsvorwürfe.


26.07.2005

Sonderermittler der Staatsanwaltschaft Dresden lassen Büros der Stiftung Deutsche Sporthilfe durchsuchen. Ihr damaliger Vorsitzender ist Hans-Ludwig GRÜSCHOW:

  • Auf Veranlassung GRÜSCHOWs soll die Sporthilfe MOHREN für seine Dienste als „Medienbotschafter“ seit 2003 rund 45.000 Euro gezahlt haben
  • Zudem war GRÜSCHOW bis März 1999 Vorstandschef und bis 2003 Aufsichtsratsvorsitzender der Techem AG. Zwischen 1997 und 2005 hat MOHREN etwa 100. 000 Euro aus – vom MDR nicht genehmigten Verträgen - von Techem erhalten

29.07.2005

Hans Ludwig GRÜSCHOW tritt von seinem Amt als Vorsitzender der Stiftung Deutsche Sporthilfe zurück.


01.09.2005

MOHREN wird aus der Untersuchungshaft entlassen.


05.12.2005

Nach Abschluss der Untersuchungen der externen Wirtschaftsprüfer legt der MDR einen Bericht zur Korruption vor. Intendant REITER verkündet, dass es sich bei MOHREN um einen Einzelfall gehandelt hat.


Januar 2006

Der MDR beruft die Fernsehjournalistin Anette REISS zur ARD -weit ersten Antikorruptionsbeauftragten.


Sommer 2009

Nach fast vier Jahren wird es für MOHREN ernst: sein Fall geht vor Gericht. Und: Der MDR will Geld zurück, rund 170.000 Euro als Schadensersatz sowie die Herausgabe der Schmiergelder. Kassiert hatte MOHREN mehr: rund 330.000 Euro.


29.09.2009

Das Landgericht Leipzig verurteilt MOHREN wegen Vorteilsnahme, Betrug und Steuerhinterziehung zu 2 Jahren Haft auf Bewährung. Und eine Geldstrafe: 8.250 Euro.
Mit dem MDR hatten sich MOHREN und seine Frau Gemahlin Christina bereits außergerichtlich geeinigt: beide zahlen 380.718,30 Euro an den Sender zurück.


Februar 2010

MOHREN hat einen neuen Job. Er ist jetzt freiberuflicher Pressesprecher beim Drittliga-Fußballverein "Rot-Weiß Erfurt". Der Berliner Tagesspiegel hat dazu einen netten Bericht veröffentlicht: "Das zweite Leben".

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