Auf1Blick: Bestechung im Hessischen Rundfunk

Oder wie die Informationen darüber immer konkreter wurden

Insgesamt waren bei dieser Bestechungs- bzw. Korruptionsaffäre 4 Anläufe notwendig, bevor die zunächst vagen Informationen und Vermutungen so konkret wurden, dass die Staatsanwaltschaft mit ersten Ermittlungen beginnen konnte:

 

CC-BY-SA: www.ansTageslicht.de/Emig

1. Anlauf: Im März 2003 berichtet die Frankfurter Regionalausgabe der BILD-Zeitung davon, dass der Football-Club Frankfurt Galaxy 100.000 Euro an den Hessischen Rundfunk (hr) bzw. eine externe Firma für die weitere Ausstrahlung der Sendung "Magic Galaxy" zahlen sollte. Dies hat der Sportveranstalter abgelehnt, die Sendung wird eingestellt.

2. Anlauf: Zwei Monate später berichtet Die Welt von potenziellen Interessenskonflikten zwischen dem journalistischen Sportchef des Hessischen Rundfunks (hr), Jürgen EMIG, und der Firma seiner Ehefrau, einer Produktions- und Vermarktungsagentur, die in geschäftlichem Kontakt mit dem hr steht: Ohne Moos nix los. EMIG's Ehefrau wehrt sich, Die Welt muss eine Gegendarstellung abdrucken.

Beide Zeitungsberichte bewirken nichts. Sie lösen auch beim hr keine Reaktionen aus.

3. Anlauf: Im September 2003 beschwert sich der Veranstalter des Frankfurter Ironman Triathlons in einem Brief an den hessischen Ministerpräsidenten Roland KOCH, dass er für die Fernsehübertragung 95.000 € zahlen solle. KOCH gibt den Brief an den Intendanten des hr weiter, der ihn seinerseits an die hr-interne Controlling-Abteilung weiterreicht. Die findet nichts. Auch dieser 'Anlauf' endet deshalb im Nichts.

4. Anlauf: Ein Jahr nach dem allerersten Bericht in der Frankfurter BILD-Zeitung macht der Chefreporter der Regionalzeitung HNA eine merkwürdige Beobachtung und berichtet darüber. Er kann nicht nur den potenziellen Interessenskonflikt zwischen EMIG und den Geschäftsinteressen seiner Gattin beschreiben, sondern auch das konkrete Ergebnis: Lucky Shot macht viele glücklich.

Tags darauf erhält der Journalist Post. Im Umschlag: eine Rechnung, die sofort abgedruckt wird. Jetzt melden sich immer mehr Informanten mit Informationen und/oder Belegen. Und jetzt wird auch die Staatsanwaltschaft stutzig und beginnt mit ersten Ermittlungen... (mehr in der ausführlichen Chronologie)

Denn das ist das Problem bei Korruption und Bestechung: beides ist unsichtbar.

Bei einem 'normalen' Verbrechen gibt es Täter und Opfer. Das Opfer hat Interesse an Aufklärung und Schadensersatz und geht zur Polizei, die dann ermittelt. Bei Korruption gibt es vor allem 2 Täter: Bestecher und Bestochener. Das Interesse an Aufklärung bei beiden ist Null. Von außen kann man - wenn überhaupt - manchmal nur Merkwürdigkeiten oder Ungereimtheiten beobachten und solche Informationen sind unspezifisch. Polizei und Staatsanwaltschaft brauchen aber konkretere Informationen.

Medien und ihre Nutzer können das leisten: Wachsame Journalisten und aufmerksame Menschen, die relevante Informationen weitergeben.

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