Die zwei mutigen Journalisten aus Deutschland: Florian HASSEL und Tomas AVENARIUS

Wissenswertes über die beiden mutigen Korrespondenten in Moskau, die 1999 inkognito und verbotenermaßen heimlich nach Tschetschenien gefahren sind, haben wir in diesem Kapitel zusammen gestellt. Ihre Erinnerungen an die riskante Mission können Sie auch als Audiofile hören - wir haben mit beiden telefoniert: entweder über die linke Navigationsleiste oder auch gleich hier: 2 Interviews über die riskante Mission.

Florian HASSEL

Geboren wurde Florian HASSEL 1964 in einem kleinen Städtchen, Bergneustadt in Nordrhein-Westfalen. Und weil er schon immer Journalist werden wollte, studierte er ab 1986 Deutsche und Amerikanische Geschichte sowie Deutsche Literatur in Köln.

 

Dort sitzt auch der Kölner Stadtanzeiger und bei dem fing er nebenher auch gleich an zu schreiben: zuerst in der Regionalredaktion Gummersbach, später für die Wirtschafts-, Kultur- und Reportagenredaktion beim Stadtanzeiger.

 

1988 hospitierte HASSEL drei Monate bei der Hamburger Wochenzeitung DIE ZEIT und begann auch für dieses renommierte Blatt zu schreiben: Z.B. für das damalige ZEIT- Magazin sowie die ZEIT-Ressorts "Modernes Leben" und die "Wirtschaft". Den Kontakt zum Kölner Stadtanzeiger hielt Florian HASSEL nach wie vor aufrecht - mit Beiträgen auch für diese Zeitung.

 

Nach einem Ressortleiterwechsel bei der "Wirtschaft" wechselte seinen Auftraggeber: Von nun an schrieb er für die Illustrierte stern - sein neuer Ressortleiter von "D II" ("Deutschland II"), Thomas OSTERKORN, der heute als einer der beiden Chefredakteure amtiert, konnte ihm weitaus bessere finanzielle Arbeitsbedingungen anbieten und so wechselte HASSEL auch die Themenpalette: z.B. mit Reportagen über die Hintergründe des Kölner Karneval usw. - immer alles neben seinem Studium.

 

Das brachte er 1992 erfolgreich mit seinem Magisterexamen zu Ende und begann auch gleich, sich die nächste Stufe seines Traums zu erfüllen: er ging als Auslandskorrespondent nach New York. "Das lief so gut, dass ich danach als freier Mitarbeiter für die weiter arbeitete", erinnert er sich noch heute.

 

Beinahe wäre er als freier Journalist nach Hamburg zurückgezogen, wenn sich nicht das profilierte österreichische Nachrichtenmagazin Profil bei ihm gemeldet hätte: Jetzt war er wieder im Ausland unterwegs: "Es war eine Redakteursstelle in einem kleinen Auslandsressort mit 4 Redakteuren einschließlich Ressortleiter, wo man sehr viel machen konnte, also nicht nur redigieren und planen, sondern auch selber reisen."

 

Von Oktober 1993 bis Dezember 1995 schrieb HASSEL Reportagen aus den USA, El Salvador, Kolumbien, Somaliea, Ruanda, Indien, Georgien, Polen, Rumänien und anderswoher für Profil aus Wien.

 

Die größte Herausforderung stellte sich ein Jahr später: Florian HASSEL entschied sich 1996 nach Moskau zu gehen. Russisch sprach er nicht. Lernte er aber, und zwar ganz schnell.

 

Und ebenso schnell fand er Abnehmer für seine Texte: natürlich beim Kölner Stadtanzeiger, aber er schrieb auch für die Stuttgarter Zeitung, die Hannoversche Allgemeine, das Greenpeace Magazin, für den Rheinischen Merkur oder auch das Wirtschaftsmagazin Capital.

 

Als die Frankfurter Rundschau einen neuen Moskauer Korrespondenten suchte, bewarb er sich und bekam den Job - nicht als fest angestellter Journalist, sondern als "Korrespondent", der  in einem Korrespondenten-Pool arbeitet, zusammen mit anderen Kollegen in Moskau, die wiederum für andere Zeitungen schreiben - meist auf der Basis fixer Honorarpauschalen. Die Kosten für das gemeinsame Büro teilen sich dann alle Pool-Korrespondenten untereinander.

 

1999 stellte er sich der allergrößten journalistischen Herausforderung: Zusammen mit einem seiner Konkurrenten, Tomas AVENARIUS von der Süddeutschen Zeitung fuhr er - inkognito - ins verbotene Tschetschenien, um authentisch über den bei uns "vergessenen Krieg" berichten zu können.

 

(pr)

 

Tomas AVENARIUS

"Wenn die Tschetschenen keine Lust mehr haben in Russland zu leben, da kann man dieses Problem nicht nur mit brutalen Gewalt lösen, sondern man muss versuchen, miteinander zu reden. So schwierig das ist. Darüber zu berichten und zu sagen, dass es unfair und ungerecht ist, dass da Menschen sterben, die damit auch nicht viel zu tun haben, das finde ich ein Motiv für eine Berichterstattung."

 

Tomas AVENARIUS ist Jahrgang 1961 und wuchs in Heidelberg auf. Weil er Journalist werden wollte, studierte er Politologie in München. "Ich wollte vor allem Reporter werden, der in andere Länder fährt". Russland, einige Länder in Asien und im Nahen Osten und Nordafrika - das waren schon damals seine Ziele.

 

Sein journalistisches Handwerk lernte er an der Deutschen Journalistenschule in München. Schon während seiner Ausbildung arbeitete und übte sich auf allen Kanälen: Radio und Fernsehen, Print und im Magazinjournalismus.  "Mir war aber schnell klar, dass ich mich bei Print wohlfühlen würde." Und: "Die Aktualität bei einer Tageszeitung oder einer Nachrichtenagentur reizt mich. ... Ich bin schon sehr aktuell geprägt."

 

Seine eigentliche Berufstätigkeit startete er 1986 beim Bayerischen Rundfunk und der Nachrichtenagentur Deutscher Depeschen Dienst.

 

Bei der Süddeutschen Zeitung heuerte er 1991 an: zunächst als Redakteur. "Bei der SZ bedienen sie eigentlich alle journalistischen Formen und das macht diesen Job so reizvoll."

 

1999 dann eine große Wende: AVENARIUS ging als Auslandskorrespondent nach Moskau - bis 2004. In der russischen Hauptstadt regiert inzwischen PUTIN. Und PUTIN führt Krieg: gegen die Tschetschenen.

 

In Florian HASSEL, dem Kollegen von der deutschen Konkurrenzzeitung Frankfurter Rundschau findet er einen Mitstreiter, der da schon länger ist und ebenso denkt wie er: was da in Tschetschenien vor sich geht, darüber müsste man die Öffentlichkeit informieren - nicht aus Pressemeldungen der PUTIN-Administration, sondern mit eigenen Augen und eigenen Worten.

 

Sie fuhren noch im selben Jahr heimlich und unerkannt ins Kriegsgebiet. Im Kaukasus festigte sich ihre bis dahin flüchtige Freundschaft: "Wir kannten uns schon vorher, aber richtig zu Freunden und zu guten Kollegen - und so etwas passiert nur sehr selten - sind wir eigentlich erst während dieser 'Reise' geworden", erinnert sich AVENARIUS. Und über seinen Kollegen: "Wir ergänzen uns sehr gut. Er hat andere Talente als ich und das passte gut zusammen."

 

In Moskau blieb Tomas AVENARIUS bis 2004. Seither lebt er in Ägypten, von wo aus er für die Süddeutsche Zeitung aus dem gesamten Nahen Osten und aus Nordafrika berichtet.

 

(pr)

Auszeichnungen:

"Wächterpreis der Tagespresse" 2003

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