Dreh ohne Ende? Wie der WDR jetzt Tim van BEVEREN in die Zange nimmt

Nachdem die WDR-Doku "Nervengift im Flugzeug" am 7. Juli 2014 gesendet wurde (siehe den Text Tim van BEVEREN und die WDR-Dokumentation - Chronik eines Dreh's, aus dem 2 (verschiedene) Filme wurden) hatten einige Medien die Auseinandersetzungen aufgegriffen. Zum Beispiel das Medienmagazin DWDL: Vergiftete Atmosphäre: Ärger um eine WDR-Doku. Insbesondere nachdem die Programmbeschwerde des schottischen Anwalts Frank CANNON auf dem Tisch der Rundfunkräte lag. Denn darin ist mehrfach die Rede von "Täuschung des Zuschauers". 

Der DWDL hatte beim WDR nachgefragt. Zum Beispiel, "ob es übliche Redaktionspraxis ist, nachträglich einen anderen Fragesteller in ein Gespräch zu schneiden, der streng genommen sogar eine andere Zwischenfrage stellt als dies ursprünglich der Fall gewesen ist?" Dies betraf die Interviewpassage mit dem US-amerikanischen Pharmakologen und Biochemiker Prof. Mohamed ABOU-DONIAl, die wir dokumentiert hatten. 

Eine Antwort auf diese Frage bekam DWDL nicht. Stattdessen ließ der WDR verlautbaren: "Unabhängig von der eingereichten Programmbeschwerde weist der WDR die derzeit in der Öffentlichkeit verbreiteten Vorwürfe gegen den Mitautoren des Films, Roman Stumpf, entschieden zurück."

Und weil der WDR der Meinung war, die Berichterstattung des DWDL sei "einseitig, irreführend, teils polemisch und somit unsachlich", wollte der WDR "mit Fakten für Klarheit" sorgen. "Damit jede und jeder sich auf Grundlage ausführlicher Informationen ein eigenes Bild machen kann. Ganz im Sinne eines ausgewogenen öffentlich-rechtlichen Journalismus."

"Faktencheck: WDR-Doku 'Nervengift'" ist die Gegenrede übertitelt.

Anklicken öffnet den originalen Text auf der Website des WDR

Auf (nur) 5 der vorgebrachten Kritikpunkte geht der WDR hier ein - noch bevor der Rundfunkrat sich mit der Programmneschwerde befassen wird. Üblich ist das nicht. Aber es könnte den Damen und Herren des Rundfunkrats das Lesen (und Verstehen) der Programmbeschwerde erleichtern, wenn die jetzt nur einen knappen Text in Form eines "Faktenchecks" lesen (müssen. Zum Problem von Rundfunkräten als "Kontrolleure" siehe den Text Rundfunkräte als  "Medienwächter"? Oder: Kontrolle ohne Kontrolleure).

So geht der WDR auch auf die von uns ebenfalls dokumentierte Interviewpassage mit Prof. ABOU-DONIA ein, die wir gerade oben nochmals angesprochen hatten. Das Medienmagazin DWDL wollte ja wissen, ob dies übliche Praxis sei. Jetzt argumentiert der WDR, dass der Film ja die Produktion zweier Autoren sei. Und deshalb auch beide den Wissenschaftler interviewt hätten. Und dass der zweite "Co-Autor" Roman STUMPF ja seine eigene Blutanalyse hatte bewerten lassen wollen.

Was der WDR nicht sagt (bzw. verschweigt): Roman STUMPF hat die fragliche Interviewpassage, in die er seine inhaltlich ganz andere Frage auf deutsch hineingeschnitten hatte, in seinem kurzen Interview, das er danach mit ABOU-DONIA geführt hatte, nicht selbst noch einmal angesprochen. Das ausgestrahlte Interview war ausschließlich die Fassung mit Tim van BEVEREN als Interviewführer, in die Roman STUMPF seine eigene Zwischenfrage hineingeschnitten hatte, auf die ABOU-DONIA garnicht geantwortet hatte. Also gängige Praxis beim WDR? Wir haben ebenfalls nachgefragt. 

Doch der WDR sah sich nicht bemüßigt, auf unsere Fragen überhaupt einzugehen - er hat auf unsere Fragen einfach nicht reagiert.

Natürlich muss sich der WDR in seinem "Faktencheck" jetzt auch zur "Autorenschaft" äußern, zu der wir bereits einiges dokumentiert haben. Dass der WDR der Lufthansa per Email signalisierte, dass Tim van BEVEREN, von dem die Idee, die initialen Recherchen, das Expose, das Treatment und viele Kamera- und Interviewdrehs stammen, nur noch "sachkundiger Co-Autor" wäre, habe damit zu tun, dass der WDR "Schadensbegrenzung nach einem journalistischen Fehlverhalten von Tim van BEVEREN" habe praktizieren müssen, so laut "Faktencheck".

Dieses habe darin bestanden, dass van BEVEREN "heimlich auf einem Lufthansa-Flug aufgenommene Fotos und Karikaturen, die die Luftfahrtindustrie ins Lächerliche zogen, auf seiner Facebook-Seite veröffentlicht."

Nun ist es das Wesen von Karikaturen, dass sie Dinge überspitzt darstellen. Aber die inkriminierte Karikatur hatte van BEVEREN gar nicht selbst gepostet, sondern das war ein bildhafter Kommentar eines anderen facebook-Users. 

Was der WDR aber völlig falsch in seinen "Fakten" darstellt, ist das Wort "heimlich". Die beiden Fotos aus einer Lufthansa-Maschine wurden eben nicht "heimlich", sondern in Absprache mit der Crew aufgenommen. Deswegen fragen wir den WDR auch hier, wieso er den Lesern des "Faktenchecks" diesen Bären aufbinden will? Bemerkenswerterweise hat nicht einmal die Lufthansa die "Heimlichkeit" geltend gemacht, ihr hatte das (natürlich) nur missfallen.

Dies ist die Antwort des WDR dazu: keine.

Arbeitet der WDR neuerdings etwa mit 'alternativen Fakten'?

Jedenfalls will Tim van BEVEREN die Gegenrede des WDR, die großenteils nicht stimmt oder mit verkürzten Argumenten einen irreführenden Eindruck erweckt, nicht auf sich sitzen lassen. Er fühlt sich nicht nur in seiner journalistischen Ehre getroffen, sondern auch in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt. Der WDR hatte auch keine Stellungnahme von ihm vor Veröffentlichung des "Faktenchecks" eingeholt, was - eigentlich - journalistische Praxis ist.

Tim van BEVEREN unternimmt zwei Dinge:

  • Zum einen setzt er sich mit dem Faktencheck des WDR auf seiner eigenen Website auseinander: WDR Faktencheck - eine Gegendarstellung. Hier lässt sich alles en Detail nachlesen.
  • Zum anderen zieht Tim van BEVEREN vor Gericht. Dort unterliegt er in allen Punkten. Die Richter am Landgericht Mainz können keine Persönlichkeitsverletzungen erkennen, wie in dem Urteil vom 27.11.2014 (Az: 1 O 343/14) niedergelegt. Es handele sich hier nur um "wertneutrale Falschdarstellungen" (S. 9, S. 10), die van BEVEREN "hinzunehmen" habe.

Wer vor Gericht verliert, muss zahlen. Der WDR will nun sein investiertes Geld zurück, konkret die Kosten für seinen eigenen Rechtsanwalt.

Für Tim van BEVEREN, der seit der missglückten WDR-Doku von einem auf den anderen Tag nach knapp 30 Jahren keine Aufträge mehr vom WDR oder der ARD erhält, aber viel Geld in seine Kinoproduktion Ungefiltert eingeatmet investiert hat, ist das ein Problem. Auf Ratenzahlungen will sich der WDR nicht einlassen. Ebensowenig auf eine Verrechnung, denn der WDR schuldet ihm noch Entgelte für die von van BEVEREN zur Verfügung gestellte Kameraausrüstung. Der WDR weiß: Eine gerichtlich durchsetzbare Forderung in Gestalt einer Aufeinmalzahlung schmerzt einen freien Journalisten am meisten. 

Deswegen haben wir den WDR auch danach gefragt, nachzulesen im Aerotoxischen Logbuch am 22. Oktober 2018:

  1. Ist es beim WDR der Normalfall, dass Sie Journalisten, mit denen Sie eine inhaltliche Auseinandersetzung führen, finanziell mundtot machen wollen?
  2. Wenn dies nicht der Normalfall sein sollte, warum machen Sie es dann hier?
  3. Haben Sie sich schon mal über eine andere Lösung Gedanken gemacht?
  4. Und was – ganz genau – die Gründe dafür sind, dass Sie einen ehemaligen Mitarbeiter derart finanziell in die Zange nehmen?

Und dies war die (erste) Antwort:

"Aufgrund des noch laufenden Verfahrens können wir Ihnen derzeit dazu keine Auskunft geben."

Deshalb haben wir am 25. Oktober erneut nachgehakt:

1. Ich verstehe Sie richtig, dass Sie damit zum Ausdruck bringen können (wollen, sollen, müssen), dass Sie - mit dem Hinweis darauf, dass es ein Verfahren gibt - nicht sagen könen (wollen, sollen, dürfen), ob solche Verfahren beim WDR üblich sind? Ungeachtet dieses einzelnen Falles?

2. Kann man daraus schließen, dass dies - ganz offenbar - beim WDR den Normalfall darstellt, was

a) das fragliche Verfahren betrifft?

b) den Umstand, dass Sie dazu nichts sagen können (wollen, sollen, dürfen)?

3. Und können (wollen, sollen, dürfen) Sie - ggfs. - nach Abschluss des Verfahrens unsere Fragen überhaupt beantworten?"

Wie es weitergeht, dokumentieren wir unter www.ansTageslicht.de/ATLB (Aerotoxisches Logbuch), dort am einfachsten zu finden unter dem Stichwort bzw. Tag "WDR"


Die beiden anderen dazugehörigen Texte sind hier verlinkt:

Wer sich für die Thematik der potenziell kontaminierten Luft in Flugzeugen interessiert, kann dies in zwei größeren Zusammenhängen tun:

(JL)

Online am: 18.11.2018
Aktualisiert am: 30.11.2018


Inhalt:

Tim van BEVEREN und die WDR-Dokumentation "Nervengift im Flugzeug"


Tags:

Aerotoxisches Syndrom | BG Verkehr | BFU | bleed air technology | Fume Event | Gesundheit | investigativ | WDR | Zapfluft