Noel MARTIN: Chronologie aller Ereignisse in Mahlow

16.06.1996

Der “Gastarbeiter“ Noel MARTIN, der nach dem Mauerfall 1989 beim ‚Wiederaufbau’ in den Neuen Ländern hilft und als Bauarbeiter Häuser verputzt, wird in Mahlow von mehreren Jugendlichen am S-Bahnhof beschimpft, die dort seit längerer Zeit herumlungern. Es sind Halbwüchsige, die in der DDR aufgewachsen sind, keinen festen Arbeitsplatz haben und Ausländer als Menschen betrachten, die den Deutschen Arbeitsplätze wegnehmen. MARTIN, der diese Mahlower Szene kennt, hat sich trotzdem in die Telefonzelle am S-Bahnhof gewagt, weil die andere in der Nähe der Post besetzt war. Er hat gerade mit seiner Frau in England telefoniert, weil er zusammen mit seinen Arbeitskollegen, die ebenfalls aus Jamaika stammen und wie er einen britischen Pass besitzen, in die Nähe von Halle umziehen will. Dort gibt es neue Arbeit. Die Maurer- und Putzarbeiten in Mahlow sind beendet.

Noel MARTIN wird als „Nigger“ beschimpft - leere Bierflaschen fliegen durch die Luft. Er steigt in sein Auto zu den beiden Arbeitskollegen. Der 36-jährige lässt sich nichts anmerken, startet und fährt los. Zwei der Jugendlichen nehmen die Verfolgung auf. Auf einer übersichtlichen Straße überholen sie den silbergrauen Jaguar der drei Arbeiter. Einer der beiden wirft einen Stein in die Fensterscheibe des Jaguars.

Noel MARTIN verliert die Kontrolle über das Auto, der Wagen überschlägt sich mehrmals und knallt gegen einen Baum. Noel MARTIN ist im Auto eingequetscht, er ist bewusstlos. Seine beiden Arbeitkollegen sind nur leicht verletzt. Der Golf, in dem die Jugendlichen sitzen, ist längst weitergefahren.Als die Polizei erscheint, findet sie keine Augenzeugen – niemand will etwas gesehen haben. Arthur, einer der drei Briten, muss auf Anweisung der Polizei den Stein aus dem Wagen herausfingern. 
In einer ersten Polizeimeldung dazu wird es heißen, die Briten hätten die beiden Jugendlichen verfolgt. Offiziell ermittelt die Polizei wegen „gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr“.


17.06.1996

In der ersten Pressemitteilung des Polizeipräsidiums Potsdam steht folgende Mitteilung:

„Drei britische Staatsangehörige, die gegen 21.40 Uhr in einem Mahlower Hotelrestaurant zu Abend aßen, sind von unbekannten Deutschen beleidigt und belästigt worden. Nachdem die unbekannten Täter das Hotel wieder verlassen hatten und mit ihrem PKW VW weggefahren waren, folgten die Beleidigten ihnen in ihrem Pkw Jaguar durch die Mahlower Ortslage Richtung Glasow. In Höhe des Glasower Damms wurde die Frontscheibe des Pkw Jaguar von einem Feldstein(20x15x5) getroffen, den ein Insasse aus dem vorausfahrenden VW geworfen hatte. Der 36 Jährige Fahrer des Jaguars kam mit seinem Fahrzeug von der Fahrbahn ab und überschlug sich mehrmals. Der Fahrer wurde dabei eingeklemmt und musste mit schwersten Verletzungen ins Krankenhaus gebracht werden. Die beiden mitfahrenden Freunde wurden nur leicht verletzt. Der Wagen erlitt Totalschaden. Die Kriminalpolizei ermittelt.“


01.07.1996

Die taz-Autorin Babara BOLLWAHN aus Berlin erfährt durch einen Freund – zufällig - von dem Vorfall in Mahlow und beginnt mit ihrer Recherchearbeit. Sie trifft sich mit einem Augenzeuge, der gesehen hat wie die Deutschen die Briten verfolgt haben. Wenige Stunden später nach seiner Zeugenaussage ist sein Auto kaputt und die Katze tot. Babara BOLWAHN trifft auf ein Dorf „des Schweigens“, in dem es eine Clique gibt, die Autos klaut, das Dorf drangsaliert und Ausländer hasst. Die Recherchen gestalten sich nicht einfach, weil keiner reden will.


17.07.1996

Die taz, die tageszeitung, ist das erste Blatt, das nach vier Wochen über den Unfall bzw. den eigentlichen Vorgang berichtet: „Dangerouszone am S-Bahnhof“ lautet die Überschrift des ganzseitigen Artikels, in dem die Autorin Barbara BOLLWAHN, ihre Recherchen zusammenfasst. Sie erhält für diese Recherche und Reportage den Wächterpreis der Tagespresse 1996.

Noel MARTIN liegt immer noch im Krankenhaus. Seine Lebensgefährtin Jackie SHIELDS ist bereits am Tag nach dem Unfall aus Birmingham gekommen. MARTIN kann praktisch nicht sprechen, ist von oben bis unten gelähmt. Sein Zustand ist so kritisch, dass er nicht nach England ausgeflogen werden kann.

Die Polizei ist mit ihren Ermittlungen nicht wirklich weiter. Sie ermittelt immer noch wegen „gefährlichen Eingriffs“ in den Straßenverkehr.


21.07.1996

Die englische Wochenzeitung Observer greift den Vorgang aus Mahlow auf. Titel auf Seite 1: „Germans paralyse Briton“. Der Artikel stützt sich auf die Recherchen der taz, die wenige Tage zuvor erstmals berichtet hat. 
Die Staatsanwaltschaft in Potsdam betont, die Ermittlungen liefen auf Hochtouren. Der Observerkonstatiert, dass es noch keinerlei Aktionen gegen die Jugend-Gang vor dem S-Bahnhof gegeben habe („dangerous zone“, wie die britischen Bauarbeiter diese Ecke dort bezeichnet haben).


23.07.1996

Die taz, die tageszeitung greift den Fall erneut auf: „Nach fünf Wochen, zwei Zeitungsartikeln und einem Fernsehbericht kam die Potsdamer Polizei auf die Idee, bei einer rechten Jugendgruppe die Papiere zu überprüfen“, heißt es im Untertitel. 
Die Staatsanwaltschaft Potsdam erlässt einen zweiten Haftbefehl, der 24-jährige Mario P. aus Blankenfelde wird als Täter festgenommen, wegen Verdachts des gemeinschaftlich begangenen, gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr, der schweren Körperverletzung, Sachbeschädigung und Beleidigung.


24.07.1996

Es wird ein weiterer Täter festgenommen, Sandro R. aus Mahlow. Der 17 jährige gibt bei der Vernehmung zu, den 15 mal 20 Zentimeter großen Stein in das Auto der Bauarbeiter geschleudert zu haben. Der 21jährige Heiko H., der am 22.07.1996 zunächst festgenommen wurde, ist wieder frei – es gab ein Verwechslung mit dem gerade eben Verhafteten


Ende Juli 1996

Der Generalsekretär der britischen Bauarbeitergewerkschaft, George HENDERSON, schreibt einen Brief an den Minister des Inneren des Landes Brandenburg und stellvertretenden Ministerpräsidenten, Alwin ZIEL (SPD). Darin bittet die Bauarbeitergewerkschaft um rasche Aufklärung des Falls und dass die Täter schnell zur Verantwortung gezogen werden. 
Noel MARIN wird von Berlin in eine Spezialklinik nach Liverpool verlegt.


August 1996

Die Bahnhofs Clique, die aus 30 Jugendlichen im Alter von 16-24 Jahren besteht, trifft sich weiterhin am Bahnhof. Sie trinken Bier und hören rechte Musik. Der versehentlich verhaftete Heiko H. hat sich von der Gruppe distanziert.

Private Sponsoren haben ein Volleyball-Feld organisiert, verlangen aber für die Benutzung Geld. Aus diesen Gründen wird diese Maßnahme nicht von den Jugendlichen genutzt. Ansonsten zeigt die Gang keinerlei Mitgefühl für Noel MARTIN.


September 1996

Ein Jugendclub „Oase“ mit ausgebildeten Sozialarbeitern wird eröffnet.


25.11.1996

Der 18 jährige Sandro R. aus Mahlow und der 24 jährige Mario P. aus Blankenfelde werden vor dem Landgericht in Potsdam angeklagt. Ihnen wird schwere Körperverletzung, gefährlicher Eingriff in den Straßenverkehr sowie Beleidigung vorgeworfen. Die Beschuldigten geben den Steinwurf zu, sagen aber, dass die Briten nach dem Steinwurf die Jugendlichen verfolgt hätten und dadurch von der Fahrbahn abgekommen seien. 
Noel MARTIN ist endgültig querschnittsgelähmt

Verhandlung beim Potsdamer Landgericht: Sandro R. gesteht, den Stein in das Seitenfenster der Briten geworfen zu haben. Er stellt sich als politisch „neutral“ dar, gibt aber zu, Hitlers Geburtstag gefeiert zu haben

Einer der drei betroffenen Briten ist als Zeuge geladen. Washington G. BLACKWOOD bestreitet die Darstellung von Sandro R.: „Der Steinwurf ist die Ursache gewesen, dass der Fahrer MARTIN die Kontrolle über den Wagen verloren hat und gegen einen Baum gefahren ist.“ Washington G. BLACKWOOD arbeitet weiterhin in Deutschland.


02.12.1996

Das Landgericht Potsdam verkündet das Urteil: Fünf Jahre Jugendstrafe für den 18-jährigen Sandro R. wegen schwerer Körperverletzung und gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr. Acht Jahre für den 24-jährigen Montageschlosser Mario P., der zusätzlich wegen Beleidigung verurteilt wird. Der Anklagevorwurf des „versuchten Mordes“ ließ sich juristisch nicht erhärten. Der Wurf des sechs Kilogramm schweren Feldsteins wird als Ursache für den Unfall gewertet.
Mario P. war während der Gerichtsverhandlung auch dadurch aufgefallen, dass er Parolen wie „Juden und Nigger an die Wand“ oder „Fuck you Nigger“ an die Wände des Warteraumes im Gericht geschrieben hatte.


04.12.1996

Der Mahlower Bürgermeister Werner LA HAINE will sich nicht zu weiter zu diesen Vorgängen und zu weiteren Vorgehensweisen seitens der Gemeinde äußern.

Im neu gegründeten Jugendclub Oase wird kein Bier und Schnaps ausgegeben, die Zahl der Jugendlichen hat sich dadurch verringert. Die Jugendlichen vom Bahnhof nehmen dieses Angebot an, gehen am Abend dann wieder zum Bahnhof. Die Sozialarbeiter fühlen sich mit den Jugendlichen vom Bahnhof überfordert, sie üben einen schlechten Einfluss auf die anderen Jugendlichen aus.


08.12.1996

Noel MARTIN wird aus der Klinik entlassen, seine Frau Jackie gibt ihren Job an der Börse auf und pflegt Noel MARTIN. Der brandenburgische Journalist Boris HERMEL besucht MARTIN in seinem Haus in Birmingham zum ersten Mal.


16.06.1997

Zum ersten ‚Jahrestag’ der Hetzjagd schreibt der für den RBB tätige, aber auch für andere Medien arbeitende freischaffende Journalist Boris HERMEL in der Berliner Zeitung eine kleine Reportage über seinen Besuch bei Noel MARTIN in Birmingham. Dabei werden erstmals auch die vollen Namen der beiden verurteilten Täter genannt: der inzwischen 18jährige Sandro RISTAU aus Mahlow und der 25jährige Mario PÖTTER aus Blankenfelde, der sich am uneinsichtigsten zeigt.
Noel MARTIN: „Ich kann sie nicht hassen.“ Obwohl von oben bis untern gelähmt will er in seinem Leben noch einmal zurück an den Tatort. Er erhält inzwischen eine monatliche Rente des Landes Brandenburg: knapp 2.000 Euro. Das Geld reicht kaum, um die Pflegekosten, Spezialumbauten in seinem Haus (z.B. Fahrstuhl) daraus zu finanzieren. Von seiner privaten (britischen) Krankenversicherung erhält NOEL keinen Pfennig.


21.03.1998

Der SPD- Ortsverein ruft zu einem Gedenkzug gegen rechte Gewalt auf. Der Bürgermeister Werner La HAINE sowie die SPD sind über die geringe Beteiligung enttäuscht. Auf die Demonstration wird verzichtet, es werden Reden auf dem Bahnhofsvorplatz gehalten.
Die Gemeinde Mahlow gibt eine Studie in Auftrag zum Thema: „Was bewegt Jugendliche, sich in der Nähe der braunen Unheilstifter zu bringen?“ 
Die Lage in Mahlow hat sich entspannt, u.a. durch die mobile Polizeiwache vor dem Bahnhof. Die Skins treffen sich jetzt an einer Tankstelle.


07./08.08.1998

Das Arbeitsamt Potsdam entzieht dem Verein des Jugendclubs „Oase“ in Mahlow die Trägerschaft - aufgrund diverser Unregelmäßigkeiten. Drei ABM-Kräfte der „Oase“ sind arbeitslos. Die festangestellte Leiterin des Jugendclubs macht allein weiter


Frühjahr 2000

Noel MARTINS Lebensgefährtin Jackie SHIELDS ist an Krebs erkrankt und wird sterben. Beide heiraten am 10.04.2000 im Krankenhaus, Jackie SHIELDS steht unter Morphium.


12.04.2000

Jackie MARTIN stirbt im Krankenhaus.


Sommer 2000

Es stellt sich heraus das, dass Auto der Täter gestohlen war. Das Landgericht Potsdam entscheidet, dass die Kfz-Versicherung des gestohlenen Autos zur Zahlung von Schadenersatz verpflichtet ist. Die Versicherung geht in Berufung.


01.08.2000

Noel MARTIN fordert eine Schadenersatzklage, er verlangt 500.000 DM Schmerzensgeld, 250.000 DM für Arbeitsausfall und 350.000 DM für Pflegeaufwendungen. Er benötigt insgesamt 8 Pfleger.


16.06.2001 bis 26.06.2001

MARTIN setzt seine Ankündigung um, Mahlow zu besuchen. Er ist 10 Tage vor Ort. 2.500 Menschen begleiten ihn auf dem „Sternmarsch“ gegen Rassismus.
Der Täter Sandro RISTAU schickt einen Brief über den Ostdeutschen Rundfunk Brandenburg (ORB) an Noel MARTIN. Er schreibt „dass er das Geschehene ungeschehen machen würde, wenn es ginge“.
MARTIN empfindet keinen Hass den Tätern gegenüber. Nach der Demonstration nehmen die rechten Jugendlichen den Platz am Bahnhof wieder ‚in Besitz’.


Juni 2001

Sandro RISTAU fragt in seinem Brief nach einem Treffen mit MARTIN, er lehnt ab. 
Noel MARTIN ruft den „Noel MARTIN Fonds“ ins Leben, Jugendliche Brandenburger soll die Reise nach Birmingham ermöglicht werden, um das multikulturelle Leben der Stadt kennen zulernen. Dies wird jetzt zu seinem neuen Lebensinhalt.

Reinold BECKMANN dreht eine Reportage über MARTIN am Tatort in Mahlow: „Rückkehr im Rollstuhl“. Sie wird am 22. Juni im ARD-Programm ab 21:40 Uhr ausgestrahlt.


Juli 2001

Ministerpräsident Manfred STOLPE (SPD) spendet 50.0000 DM für den eingerichteten Noel MARTIN Fonds, das Geld stammt aus Lottomitteln.


08.08.2001

Das brandenburgische Oberlandsgericht weist die Berufungsklage der Autoversicherung zurück. Die Versicherung legt Revision vor dem Bundesgerichtshof ein, es geht um eine Summe von 400.000 DM. Das Potsdamer Landgericht regt die Versicherung zu einer Rücknahme der Berufung an.


September 2001

Das Brandenburger Bildungsministerium hat einen Konzeptentwurf für den Jugendaustausch zwischen Mahlow und Birmingham ausgearbeitet. Es sind auch Schulpatenschaften geplant.


04.04.2002

Erstmals fahren 12 Jugendliche im Alter von 14 und 16 Jahren nach Birmingham, sie lernen die Großstadt Birmingham kennen, nehmen an einen Musik-Workshop teil, verbringen Nachmittage in englischen Familien, treffen Gleichaltrige und nehmen an Gesprächsgruppen teil. Noel MARTIN wünscht sich, dass nächstes mal ausdrücklich rechtsorientierte Jugendliche an dem Austausch teilnehmen.


23.12.2002

Das Oberlandesgericht in Brandenburg verwirft die Revision des Autoversicherers. Das Landgericht Brandenburg setzt die genaue Höhe des Schadenersatzes fest

Die Täter werden gerichtlich verpflichtet, Schmerzensgeld in Höhe von 500.000 DM zu zahlen sowie einer Rente von 1.000 Mark monatlich, rückwirkend ab dem 01.07.1996. Marion P. später gegenüber dem Journalisten Boris HERMEL: „Ich geh doch für den Nigger nicht arbeiten!“


Mai 2006

Noel MARTIN erfüllt sich einen Jugendtraum und kauft ein Rennpferd, er nennt es „Baddam“.


16.06.2006

Noel MARTIN kündigt für den 23.07.2007 seinen Freitod an. Er möchte an seinem 48 jährigen Geburtstag mit Hilfe einer Sterbehilfeorganisation (Dignitas) in der Schweiz in Würde sterben.


16.06.2006

Zum zehnjährigen Jahrestag nehmen 100 Menschen an einem Gedenkmarsch in Mahlow teil. Noel MARTIN bringt nicht die Kraft auf, sich daran zu beteiligen.


Juni 2006

Noel MARTIN will vor seinem Tod noch einmal Mahlow besuchen und vor Ort das Gespräch mit den Mahlowern zu suchen.


21.06.2006

Noel MARTINS Rennpferd gewinnt das Rennen von Ascot. Er ist der erste schwarze Pferdebesitzer.


10.08.2006

Das Politmagazin panorama bringt einen Bericht über die Vorgänge, die 10 Jahre zurückliegen: „Zum Krüppel geschlagen – ein Naziopfer will nicht mehr weiterleben“ 
Hier der Link zur Sendung: Panorama
Panorama: 10.08.2006, Bericht von B.v.d. Heide, M. Rudolph, H.Hartung


23.04.2007

Brandenburgs Ministerpräsident Matthias PLATZECK (SPD) dankt MARTIN für sein Engagement gegen Rassismus. Er stellt die Biografie von Noel MARTIN vor, der selbst zu schwach ist, um nach Deutschland zu kommen. Titel des Buches: „Nenn es: mein Leben.“


23.07.2007

MARTIN feiert seinen 48. jährigen Geburtstag in Birmingham, er bleibt vorerst am Leben. Er muss noch finanzielle Angelegenheiten regeln, z.B. eine bessere Verwaltung des Noel- und Jaqueline- MARTIN Stiftung erreichen. Er hat zu seinem Sohn Negus, der jetzt auch in Birmingham lebt, engeren Kontakt.


Oktober 2007

Die Schweizer Sterbehilfe Organisation „Dignitas“ möchte in Deutschland einen Präzedenzfall erreichen, um eine eventuelle Gesetzesänderung herbeizuführen. 
Der Chef der Sterbehilfeorganisation Ludwig MINELLI möchte Noel MARTIN für diesen Fall gewinnen und sucht dafür einen pensionieren Arzt, der eine Strafverfolgung auf sich nimmt.


30.10.2007

Zum ersten Mal wird der Berliner Journalistenpreis „der lange Atem" verliehen. Er wird vom Verein Berliner Journalisten im Deutschen Journalistenverband vergeben und ist nicht dotiert.
Der zweite Preis geht an Boris HERMEL und Heike HARTUNG für ihre gemeinsame Langzeitbegleitung des Neonazi-Opfers Noel MARTIN, beide arbeiten für den RBB Radio Berlin Brandenburg. Heike HARTUNG ist dort festangestellt, Boris HERMEL arbeitet als Freelancer.

Hier hören Sie die Kleine Reportage als mp3.


18.12.2007

Noel MARTIN will nicht in Deutschland sterben, er möchte nicht Teil einer Kampagne sein. Er äußert sich positiv über Sterbehilfsorganisationen und möchte seinen Tod weiterhin selbst bestimmen.


Dezember 2007

Noel MARTIN verschiebt seinen Freitod auf unbestimmte Zeit.
Er gründet eine zweite Stiftung für benachteiligte junge Schwarze.


22.12.2007

Das Rennpferd von Noel MARTIN nimmt an einem Rennen in Ascot teil. Sein Sohn Negus kommt zu Besuch mit seiner Familie.
Noel MARTIN sieht seinen Enkelsohn Nathaniel zum ersten Mal. Er hat einen Fahrstuh,l der zwischen Erdgeschoss und Keller verkehrt, im Keller befindet sich sein Schlafraum.


Sommer 2009

Jugendliche aus einer deutsch-englischen Jugendbegegnung treffen auf Gleichaltrige aus Polen und Israel. Höhepunkt dieses Treffens ist eine gemeinsame Fahrt in die Gedenkstätte Ausschwitz.


Juni 2010

Vier Jungen im Alter von 13 und 14 Jahren sowie zwei Begleiter vom Fußballverein "Continental Star FM Birmingham" besuchen Mahlow. Fester Bestandteil der Reise sind ein intensives Programm einschließlich Schulbesuch, Fußballturnier sowie Berlin-Besichtigung.


seither

Noel MARTIN wird 2012 zuhause in Birmingham Opfer eines Raubüberfalls, bei der seine beiden Pflegerinnen gefesselt und seine wenigen Habseligkeiten gestohlen werden.

Der Jugendaustausch zwischen Mahlow und Noel MARTIN's Heimatstadt funktioniert und wird zum festen Bestandteil der Kommunalpolitik in Mahlow.

Jetzt gibt es sogar einen weiteren Prominenten, der diese Arbeit mit unterstützt: den Fußballtrainer Lincoln MOSES. Der leitet in Birmingham den Sportclub "Continental Star", für den er 20 Jahr lang um ein Gebäude gekämpft hat - erfolgreich. Die Einweihung nahm Prinz William vor. Jetzt steht der Club allen offen - egal welcher Hautfarbe oder Geschlecht und 15 Ehrenamtliche betreuen dort 600 Kinder und Jugendliche.

Königin Elisabeth II hatte ihm 2009 den "Most excellent Order of the British Empire" verliehen, einen Orden, mit dem sie auch seinzeit die Beatles geehrt hatte. Und als sich Noel MARTIN und Lincoln MOSES bei einer Wohltätigkeitsveranstaltung erstmals getroffen hatten, entstand daraus eine Freundschaft.

Von der jetzt auch die beiden Städte profitieren: Jugendliche reisen jeweils in die andere Stadt und lernen dort andere Menschen kennen und verstehen.

Am 20. Juni 2016 jährt sich der tragische Vorfall zum 20. Male. Die Gemeinde veranstaltet eine kleine Gedenkfeier. Jugendliche aus Birmingham rappen (Klick auf das Bild öffnet den vollständigen Text):


15. Juni 2017

Einen Tag, bevor sich das Drama zum 21. Male jährt, veröffentlicht der Tagesspiegel ein Interview mit Noel MARTIN - per Telefon. MARTIN geht es gesundheitlich immer schlechter und sein Lebenswille nimmt zusehends ab. Was ihn (derzeit) am Leben hält: Dass sich junge Menschen gegen Extremismus engagieren. Dazu wurde in Blankenfelde-Mahlow eine Initiative gegründet: Bündnis für Demokratie und Toleranz. Gegen Extremismus und Gewalt


(MW / JL)