Julya und Vitaly STEPANOV: Wie das russische Staatsdoping enttarnt wurde

Das Thema Doping ist ein ungern offen angesprochenes Problem. Im Spitzensport herrscht das Grunddenken, dass es nur auf das Leistungsergebnis ankäme, egal wie es entsteht. Es gilt der Siegescode, Doping ist dabei zweckmäßiges Mittel. Der Schuldige dafür ist aber nicht (nur) der dopende Athlet, sondern die Triebfedern liegen in der Struktur des Spitzensports. Das gestaltet auch den Anti-Doping-Kampf so schwierig und bringt Verbände in eine Zwickmühle, was Whistleblowern das Alarm schlagen noch verkompliziert.

Dass sich von einem System getragene Regelverstöße nur ganz schwer an die Öffentlichkeit bringen lassen, zeigt das Fallbeispiel Julya und Vitaly STEPANOV. Sie haben massive Doping-Machenschaften in der russischen Leichtathletik enthüllt – dabei ihr geregeltes Leben aufgegeben und enorme Risiken in Kauf genommen. Aber damit die seit Jahren schwelende, staatlich geförderte Korruption aufgebrochen. Dadurch sind Maßnahmen eingeleitet worden, die hoffentlich für eine Änderung sorgen.

Eine Chronologie der Whistleblowing-Geschichte, begonnen im Jahr 2009 bis zum aktuellsten Stand des Geschehens im Jahr 2017.

Diese Rekonstruktion können Sie direkt aufrufen und verlinken unter www.ansTageslicht.de/Julia-Stepanova. Eine Portrait von ihr finden Sie hier auf der rechten Navigationsleiste (smartphone: ganz unten am Ende), eine Kurzfassung ihres Whisteblowings unter www.ansTageslicht.de/Stepanov.

Die Chronologie:

Jahr 2009

So begann alles

Bei den Russischen Meisterschaften (23. bis 26. Juli) in Cheboksary (Westrussland) lernen sich Vitaly STEPANOV und die russische Mittelstrecklerin Julya RUSANOVA kennen. Vitaly arbeitet seit einem Jahr bei der Russischen Anti-Doping Agentur RUSADA. Nach Cheboksary lotst ihn das Outreach: ein von RUSADA und WADA (World Anti-Doping Agency) entwickeltes Anti-Doping-Aufklärungsprogramm, mit dem Athleten und ihre Betreuer informiert und zum Say NO! to Doping message bestärkt werden sollen. Julya wird Fünfte über 800 Meter in 2:01,31 Minuten, nimmt danach am Anti-Doping-Quiz teil und gewinnt ein kleines Geschenk.

Julia und Vitaly 2009 zusammen in Sotschi

Ein paar Monate später heiraten Vitaly und Julya. Sie heißt nun STEPANOVA, rennt immer schneller (800 Meter in 1:58,99 Minuten, 1500 Meter in 4:06,08 Minuten), wird immer erfolgreicher. Und erzählt Vitaly die Wahrheit. Dass der Grund für diese beachtlichen Zeiten im Doping liegt: „In Russland sind alle gedopt. Das ist ein Muss, sonst kannst du nicht so schnell laufen. Mit natürlichen Voraussetzungen kannst du nur so und so weit kommen, sagen die Trainer. Um Medaillen zu bekommen, brauchst du Hilfe.“

Und im September 2011 in den USA am Grand Canyon

Vitaly ist nicht überrascht. Es war lange sein Traum, bei der RUSADA zu arbeiten. Dort leitet er ein Ausbildungsprogramm, arbeitet als Kontrolleur und Berater des Generaldirektors der RUSADA. Also bekommt er mit, was im Inneren passiert: „This is not how it works,” hat er dem Leiter erzählt – but it was how it worked. Vitaly lernt, dass Doping ein Teil des russischen Sportsystems ist und von der Anti-Doping Agentur wird erwartet, dazu beizutragen.


2010-2014

Zunächst verheimlicht Vitaly die Doping-Mogelei seiner Frau und das, was er bei der Arbeit in der Anti-Doping Agentur erfährt. Bald möchte und kann er das aber nicht mehr für sich behalten und beginnt, mit E-Mails an die WADA auf die Missstände der RUSADA hinzuweisen.

„Hunderte von E-Mails“ (vgl. Eintrag vom Mai 2016) schreibt Vitaly über fast vier Jahre an die WADA und berichtet darin über die Doping-Machenschaften der Russen während der Olympischen Winterspiele 2010 in Vancouver. Er erzählt, dass die RUSADA eine Liste von involvierten Athleten hat und dass das Doping vom Staat unterstützt wurde und wird. Seine E-Mails basieren auf dem, was er durch seine Arbeit bei der RUSADA mitbekommt, und Julyas eigenen Erfahrungen. Es ist ein langer E-Mail-Verkehr, aber keine Ermittlungen beginnen. Vitaly: „And they asked, ‘So what do we do?’ And I said, ‘I don’t know.’  [...] I often wondered what I was to WADA. I didn’t know if I was an informant or just a pain in the butt.”

Anfang 2011 organisiert sich die RUSADA um. Vitaly findet eine Mitteilung auf seinem Schreibtisch: In der umstrukturierten RUSADA gibt es keine Arbeitsmöglichkeiten mehr für jemanden mit seinen speziellen Fähigkeiten. Vitaly weiß: RUSADA bosses were looking for a way to fire me since March 2010. So, finally they got rid of me during the restructure of RUSADA in the end of February 2011.“


Anfang 2013

Das Umdenken setzt ein - der Klick-Moment fürs Whistleblowing

Ihr Trainer KAZARIN und der Cheftrainer der russischen Leichtathleten MELNIKOW informieren Julya, dass der Welt-Leichtathletikverband (IAAF) die gesamtrussische Leichtathletik-Föderation (ARAF) auf auffällige Blutwerte in ihrem Biologischen Pass* hinwies. Julya unterschreibt Papiere, stimmt damit einer Sperre zu und ist ab dem 26. Februar 2013 zwei Jahre von jeglichen Wettkämpfen verbannt. Ihre Bronzemedaille von der Hallen-EM in Paris 2011 wird ihr aberkannt.

Vitaly erklärt: „A few days before that Julya started fully to cooperate with WADA, but we did not tell about it to ARAF and IAAF, as at that time we were already aware that there are corrupt officials in both organizations.“

Winter 2007 – Julyas freier Tag während ihres Trainingslagers in Kislovodsk (Nordkaukasus). Wie Vitaly sagt: "A popular place for Russian athletes to train and to dope."

Dann wird Julya schwanger und entscheidet zusammen mit Vitaly, der WADA die Doping-Machenschaften ihrer Trainer zu melden: „When I was disqualified I saw a second chance. I could either go back to the same system even though by then I knew it was wrong, so I could go back and think ok they’re lying never mind they’ll take me back into the national team and pay me money or else I could try to take the right path, which my husband had been trying to get me to take fort he last three years.“

Julya schreibt einen Brief, ein zehnseitiges Geständnis, an die WADA, in dem sie über die Vorgänge in Russland berichtet. „To try to change the situation. I did not want to be banned again. After my ban was over, I wanted to compete clean against other clean athletes.“ 

Übersetzte Auszüge des Briefs: 

„Meine Blutwerte bei einer Probe im März 2011 in Frankreich waren abnormal, ich hätte damals schon bestraft werden können oder müssen. Heute verstehe ich, dass Herr Portugalow [J. S.: Chefmediziner der russischen Leichtathletik] und Herr Melnikow und andere das Prinzip des Blutpasses nicht verstanden haben und die Sportler weiterhin wie üblich vorbereitet haben. Ihr Ziel war es, dass Proben zu einem bestimmten Zeitpunkt sauber waren. 

[...] Nun erzähle ich Ihnen ein wenig über die Vorbereitung der Sportler in Russland. Normalerweise entscheiden Herr Maslakow [J. S.: Leichtathletik-Nationaltrainer] und Herr Melnikow vor jeder Saison, wer für die großen Meisterschaften vorbereitet wird und diese Sportler dürfen gedopt bei den Landesmeisterschaften starten. Normalerweise sind das fünf oder sechs Sportler. Herr Melnikow sagte allerdings, dass es wohl nur noch drei sein würden, weil es schwieriger würde, nicht geschnappt zu werden.

[...] Einige russische Sportler sagen, in Doping-Fällen von Olympiasiegern und Weltmeistern würde Geld direkt an den IAAF-Präsidenten gezahlt. So wie ich es verstehe, ist es ein großes Geschäft mit politischen Bezügen.“


Hinweis:

* Biologischer Pass, auch „Blutpass“: individuelles elektronisches Dokument, in dem alle Ergebnisse von Urin- und Blutproben bei Trainings- und Wettkampfkontrollen zu einem biologischen Profil des Sportlers zusammengeführt werden. Dient als Grundlage für indirekte Nachweisverfahren von Doping


Erstes Halbjahr 2014

Die WADA hat Julya nie gebeten, belastendes Material auszuhändigen. Und weil es keinerlei Reaktionen auf dieses Angebot gibt, entscheiden Julya und Vitaly, dass sie Beweise brauchen.

Julya fädelt ein Treffen mit Arzt und Übungsleiter ein, lässt dabei ihr Handy mit angeschalteter Video-Funktion mitlaufen, das in einer Außentasche ihres Rucksackes steckt. So ertappt sie die Spitzenfunktionäre der russischen Leichtathletik, wie sie über den Gebrauch von verbotenen leistungssteigernden Mitteln diskutieren. Auch beim Training nimmt Julya auf, wie Laufkollegen sich über Dopingmittel austauschen. Vitaly berichtet:

„It is very hard to show evidence to your words. Often there are no documents or any other types of evidence. That is why we felt that it is necessary for us to have recordings of Russian athletes, coaches, doctors and officials admitting systematic doping in Russia. [...] We decided to start recording Yuliya's conversations with sports officials, coaches and athletes on Feb 8th, 2013.“ 

Die WADA als angebliches Kompetenzzentrum für Dopingbekämpfung kann also nichts mit den Hinweisen anfangen. Aber ein Kontaktmann weiß ebenfalls von den Doping-Vergehen, ist unzufrieden damit und vermittelt Vitaly und Julya weiter. Vitaly: „In March 2014 we received an email from WADA. WADA was offering to us to meet with Hajo Seppelt“, der in Deutschland für seine investigativen Geschichten über Doping bekannt ist.

Julya mit ihren Trainingskameraden und Coach MOCHNEV

Kurz darauf erhält SEPPELT eine E-Mail von Vitaly, der bereit ist, Insiderwissen über Doping in Russland zu liefern. Er reist im April nach Moskau, trifft Vitaly in einem abgetrenntem Raum einer Gaststätte am Rande der Stadt. Vitaly erzählt, was er übers russische Staatsdoping weiß. Beim zweiten Treffen, bei den STEPANOVS zu Hause, erfährt SEPPELT mehr: 

Julyas Trainer besorgten EPO, ein verbotenes, ausdauersteigerndes Mittel, manchmal bestellte sie auch selbst. Die RUSADA führt zwar Dopingtests durch, aber nur wenige Athleten werden überführt, weil Verbandsleute Kontrolleuren Bargeld oder Essen anbieten. In Trainingslagern nehmen russische Athleten 15-Tage-Tabletten-Kuren, wohnen unter falschem Namen und füllen im Voraus sauberen Urin ab, falls Kontrolleure auftauchen. Vitaly erzählt:

„We met with Hajo Seppelt in April 2014 and that was the time when we agreed to be interviewed for his documentary. Before the meeting with Hajo, we could not even imagine that our story will become public. We were hoping to make changes in Russian sports but we did not know that it is impossible to start an investigation.”

Der Kontaktmann vermittelt weitere Personen aus dem russischen Sportsystem, die mit SEPPELT reden wollen. SEPPELT fliegt quer durch Russland, spricht mit Athleten und Trainern, die gesperrt sind, sich betrogen fühlen und alle Aussagen eidesstattlich versichern. Beispiele:

  • Diskuswerferin Yevgeniya PECHERINA: „99 % aller Leichtathleten sind gedopt. Man bekommt alles. Je teurer, desto kürzer ist es nachzuweisen.“
  • Oleg POPOV (Wurf-Trainer): „Der Sportler hat keine Wahl. Entweder machst du eine Vorbereitung mit Mitteln, oder, wenn du nicht einverstanden bist, bist du raus.“ Er nennt Drahtzieher-Namen: Sergej PORTUGALOW, Chefmediziner der Leichtathleten, den auch Julya in ihrem WADA-Brief schon erwähnte.

Mitte 2014

Zurück in Berlin nach seiner Russland-Reise führt SEPPELT seine Recherchen fort. Neues Material, das ihm zugeschickt wird, beweist: Die RUSADA ist Teil des Betrugssystems. Wenn es einen positiven Test bei bekannten Sportlern oder Medaillenhoffnungen gibt, wird der zum Fehltest und nicht weiterverfolgt. Alles wird mit dem Sportministerium abgesprochen und der Staat finanziert. Russlands Sportminister Vitali MUTKO hat einen freundschaftlichen Draht zu Präsident Vladimir PUTIN. Es gibt einen Regierungserlass, dass der Staat ausländische Doping-Kontrolleure überprüft und Proben sogar öffnen darf. Vor internationalen Wettkämpfen werden Athleten auf illegale Substanzen getestet. Wer durchfällt, kommt einfach nicht mit – das heißt aber nicht, dass er gesperrt wird.

Julya 2007 – das Jahr, in dem sie mit dem Doping begann

Auch Julya schickt einen weiteren aufgenommenen Video-Beweis, in dem PORTUGALOW (wird „PORTUGA“ genannt) sie darüber berät, wann welche Mittel am besten zu nehmen sind. MELNIKOW ist ebenfalls dabei. PORTUGA erzählt, dass er auch Athleten anderer Sportarten vorbereitet, wie Schwimmer und Biathleten, viele davon sind Gewinner von Europa- oder Weltmeisterschaften. Julya erklärt dazu:

„Ich bekam Präparate von ihm. Er erklärte mir, dass die ganze Welt sich so vorbereitet. Ich war erschrocken. Dazu sagte er: ,Wenn du auf mich hörst, wird alles gut. Keine Bange, du wirst bei den Meisterschaften kontrolliert werden, weil du Platz 1-3 belegen wirst. Gehe dann einfach ruhig mit, mache deine Kontrolle, dann bekommst du ein rosa Formular. Schicke mir die Proben-Nummer per sms.’ [...] Ich musste ihm meine Medaille (Hallen-EM-Bronze 2011) bezahlen, 15 Prozent von dem gewonnenen Geld verlangte er, und dann noch das Geld für die ganzen Präparate.“

Jetzt kommen Vitaly und Julya nach Deutschland. Gemeinsam mit SEPPELT eruieren sie, was und wie sie weitermachen. Klar ist, dass sie Russland verlassen müssen, wenn das, was sie berichten, auch öffentlich wird. Im Juli 2014 geben sie in Moskau das Interview für die SEPPELTs Enthüllungs-Dokumentation, mit dem Versprechen, dass es nicht ausgestrahlt wird, bevor sie raus aus Russland sind.


3.12.2014

Die Enthüllung wird öffentlich

Die ARD strahlt das Feature Geheimsache Doping – Wie Russland seine Sieger macht aus. (Unter dem Link der ARD-Mediathek sind alle Filme, Kurzberichte, weitere Links und Informationen gesammelt). Es zeigt den Doping- und Korruptions-Skandal der russischen Leichtathletik, beweist (unter anderem mit Julyas heimlichen Video- und Tonaufnahmen) flächendeckendes Doping und ein von Trainern und Verbandsfunktionären getragenes Betrugssystem. Der Film belastet auch die IAAF mit Präsident Lamine DIACK und Walentin BALACHNITSCHEW, der zum einen IAAF-Schatzmeister und zum anderen Präsident des russischen Leichtathletikverbands RUSAF ist.

Die kleine Familie STEPANOV lebt nun äußerst riskant. Kurz vor Veröffentlichung der Dokumentation fliehen Vitaly und Julya mit ihrem einjährigen Sohnemann Robert – möglicherweise für immer – aus Russland. SEPPELT nennt Julya und Vitaly „die bedeutendsten Whistleblower in der Geschichte der Doping-Bekämpfung.“

Julya selbst weiß: „Dass ich das alles sage, dafür werde ich für Russland wahrscheinlich zum Staatsfeind Nummer eins. Ich verrate das System, Russland wird das nicht verzeihen.“

Januar 2009 in Jaroslawl bei regionalen Meisteschaften. Julya ist "pacemaker" für Kristina UGAROVA (geb. KHALEYEVA), die zurzeit wegen Dopings gesperrt ist

Die WADA schreibt den STEPANOVS, dass sie als Whistleblower einen wertvollen Beitrag lieferten. In Russland sieht man das anders: Die beiden gelten als Verräter, PUTIN nennt Julya „Judas“, sie wird als Lügnerin, Betrügerin und Vaterlandsverräterin beschimpft, Zeitungen bezeichnen sie als „money-grabber“, es gibt Online-Aufrufe zu ihrer „Liqudation“. Lyuba, Julyas Mama, arbeitet in einem Krankenhaus und muss sich dort anhören, dass sie „solch eine unpatriotische Tochter“ habe.

Die kleine Familie STEPANOV kommt in Berlin unter. Die Leichtathletik-Szene vor Ort unterstützt die Familie finanziell, stellt eine Wohnung. Zum Jahresbeginn 2015 wird Julya Mitglied im Verein LAC Olympia 88 Berlin und bekommt Trainingspläne vom ehemaligen Geher André HÖHNE für ihre zweite, saubere Karriere. Hilfe von Verbandsseite erhalten sie nicht. Julya:

„Ich glaube, solange die WADA nicht offiziell feststellt, dass wir wirklich die Wahrheit gesagt haben – in Russland sagen die Leute zum Beispiel, dass wir bezahlt worden sind für die Doku, was natürlich nicht stimmt – werden sich die Organisationen von uns fernhalten."


Nach der Veröffentlichung des 1. Films

Die Enthüllungs-Dokumentation sorgt für weitere Konsequenzen:

  • Die WADA leitet eine unabhängige Untersuchungs-Kommission ein
  • RUSADA-Chef Nikita KAMAJEW sagt zu den Anschuldigungen: „Solange es kein offizielles Gesuch der WADA in dieser Sache gibt, sind dies für uns nichts anderes als schamlose Spekulationen.“
  • Walentin MASLAKOW tritt als Russlands Leichtathletik-Nationaltrainer zurück

Die IAAF gibt Julya nach Ablauf ihrer Doping-Sperre im Januar 2015 die Freigabe für Wettkampf-Starts. Weil die WADA bestätigte, dass Julyas Aussagen substantiell sind, wirkt eine Sonderregel und sie muss die Preisgelder, die sie zu gedopten Zeiten gewann, nicht zurückzahlen. Bei den Norddeutschen Hallen-Meisterschaften in Berlin läuft sie den ersten Wettkampf ihres „neuen Lebens“, wird Zweite über 1500 Meter in 4:26,30 Minuten, am Folgetag gewinnt sie die 800 Meter in 2:07,04 Minuten. 

Sie ist wieder zurück im sportlichen Leben. Ohne Doping.


1.8.2015

Und es kommt immer mehr ans Tageslicht

Mit Geheimsache Doping – Im Schattenreich der Leichtathletik folgt eine weitere ARD-Dokumentation von SEPPELT. Darin gibt es neue Belege gegen Russland und auch Kenia steht im Doping-Fokus. Nach der ersten Dokumentation wurde SEPPELT beleidigt, aber auch ermutigt und erhielt neue Hinweise. Nahe Wien trifft er die STEPANOVS erneut. Vitaly ist ohne Arbeit und unzufrieden:

„Die meisten Reaktionen sind negativ, es scheint als wolle niemand das Problem angehen, so macht man uns verantwortlich. Ich habe kein Problem damit, wenn man mich als Verräter bezeichnet. Es ist okay für mich, wenn ich das russische Doping-System verraten habe.“

Andere Informanten aus Russland wollten für den zweiten Film nicht mehr offen reden, weil man ihnen gedroht habe. Trotzdem erreichen SEPPELT weitere Belege, die zeigen, wie eigentlich suspendierte Trainer bei der Hallen-EM (März 2015) Athleten betreuen. Weitere Rapporte an SEPPELT belegen: Die Russen geben bei adams (adams ist das Management-System der WADA, in dem Athleten ihre Wohn- und Aufenthaltsorte angeben.) oft nicht ihre Aufenthaltsorte an, um Dopingkontrollen zu entgehen.

Und: Eine anonym geschickte Audio-Datei liefert einen Telefonmitschnitt, in dem eine RUSADA-Mitarbeiterin einer Sportlerin ein Zeitfenster für die Kontrolle anbietet – angekündigte Tests sind ein Verstoß gegen das Anti-Doping-Gesetz. Die RUSADA-Aufsichtsrätin Svetlana JUHUROVA rechtfertigt sich in einem Zeitschriften-Interview, das sie auch auf Twitter preisgibt, dass die Agentur auch staatliche Interessen berücksichtigen müsse:

„Die Mitglieder der Nationalteams werden informiert, bevor Dopingkontrollen stattfinden. Diese werden immer durchgeführt, bevor die Sportler zu internationalen Meisterschaften fahren. Wenn dann Doping nachgewiesen wird, können die Trainer die Athleten zu Hause behalten. Oder sie behandeln sie individuell, bis dann zum Zeitpunkt des Wettkampfes die verbotenen Substanzen neutralisiert sind.“

Gedopte Sportler werden also von der RUSADA gedeckt statt gesperrt. SEPPELT fragt bei der Agentur nach, ob die RUSADA ihre Aufgabe wirklich so versteht, erhält aber keine Antwort. JUHUROVA löscht den Twitter-Eintrag wieder.

Im dem zweiten ARD-Feature berichtet SEPPELT auch, wie er im Frühjahr 2015 per anonymen Brief einen Datenstick erhält. Darauf ist eine Datenbank der IAAF mit mehr als 500 Athletennamen und 120 000 Blutwerten aus den Jahren 2011-12. Er lässt sich zunächst die Echtheit der Daten bestätigen. Dann beginnt er sie zu analysieren.

Ergebnis: Die Werte jedes siebten Sportlers der Datenbank sind auffällig. Die australischen Experten PARISOTTO und ASHENDEN meinen, es sei grotesk, wie extrem die Werte seien. Das sei gesundheitsgefährdend und unfair für saubere Athleten.

Anders gesagt: Bei allen Weltmeisterschaften seit 2000 war mindestens ein Medaillengewinner jeder Disziplin gedopt. Zweidrittel der Athleten mit dopingverdächtigen Werten sind nie gesperrt worden.

Auch dieser Film der Reihe Geheimsache Doping hat seine Auswirkungen:

  • Thomas BACH (IOC-Präsident) fordert einen weltweiten Anti-Doping-Kampf und eine Neugestaltung der WADA, die den Hinweisen der STEPANOVS zu spät nachgegangen sei
  • WADA-Vorsitzender Craig REEDIE sagt: „Wir müssen den Prozess mit Whistleblowern verbessern.“
  • Laut Sportminister MUTKO seien die neuen Doping-Vorwürfe Quatsch
  • Russland wird keinen der unter Dopingverdacht stehenden Athleten zur Leichtathletik-WM in Peking (22. bis 30. August 2015) schicken
  • Familie STEPANOV verlässt Berlin Herbstanfang 2015 gen Nordamerika, weil sie sich in Deutschland nicht sicher genug fühlen

November 2015

Die WADA veröffentlicht den 1. Bericht der unabhängigen Untersuchungs-Kommission, fordert darin den Ausschluss der gesamtrussische Leichtathletik-Föderation ARAF aus der IAAF wegen Nicht-Einhaltung des Anti-Doping-Codes. Höchste Stellen der Moskauer Regierung sollen das systematische Doping-System gedeckt haben.

Dessen Inhalte zeigen, dass das systematische Doping-System von höchsten Stellen der Moskauer Regierung gedeckt wurde. Als Nachwirkungen des Berichts:

  • entzieht die WADA dem Doping-Kontrolllabor in Moskau die Akkreditierung. Damit darf es nicht mehr Urin- und Blutproben analysieren
  • suspendiert das IOC den IAAF-Präsidenten und -Ehrenmitglied Lamine DIACK. Er soll mehr als 1 Million Euro für die Vertuschung positiver Dopingproben kassiert haben
  • muss Gregori RODSCHENKOW (Leiter des Moskauer Anti-Doping-Labors) zurücktreten. Die Inhalte des Berichts werfen ihm vor, russischen Sportlern verbotene Substanzen verabreicht und 1417 Dopingproben zerstört zu haben, um Ermittlungen zu erschweren. RODSCHENKOW bestreitet alles
  • schließt das IAAF-Council das ARAF offiziell aus dem Weltverband aus. Moskau darf keine Sportler zu internationalen Veranstaltungen schicken. Die Hallen-WM in Portland (17. bis 20. März 2016) findet ohne russische Beteiligung statt
  • tritt die RUSADA-Führung geschlossen zurück. Alle vier Top-Funktionäre, auch der geschäftsführende Direktor Nikita KAMAJEW, geben ihre Ämter auf. Der Vorwurf: Sie taten und tun nichts gegen Doping
  • kündigt die WADA an, eine Plattform für Whistleblower einzurichten. Basierend auf den Erfahrungen der STEPANOVS sollen Kronzeugen geschützt und unterstützt werden. Julya und Vitaly bezweifeln das aufgrund ihrer bisherigen Erfahrungen mit der WADA. Sie glauben, dass denjenigen, die im internationalen Spitzensport Verantwortung tragen, Whistleblower egal sind
  • sperrt die IAAF-Ethikkommission den RUSAF-Präsidenten BALACHNITSCHEW und Ex-Cheftrainer MELNIKOW lebenslang. Sie haben offenbar systematisch positive Dopingproben russischer Athleten vertuscht und Schmiergelder kassiert
  • kündigen russische Sportler, die im Zuge des Leichtathletik-Skandals vor Doping-Sperren stehen, an, den WDR/ARD und die Whistleblower STEPANOV zu verklagen. Am 16. Dezember 2015 verurteilt ein Moskauer Gericht den WDR, Julya und Vitaly zur Zahlung von je 3000 Rubeln (etwa 50 Euro), weil deren Aussagen nicht der Wahrheit entsprächen. Die Strafsumme ist nicht besonders hoch, hat aber symbolische Bedeutung.
    BALACHNITSCHEW meint hierzu: „However, Russian law can now let us say that all the information in this film is a lie. This is a big step forward in defending our interests and our rights."

WDR/ARD reagieren mit einem Schreiben auf „the weird moscow court decision“, in dem sie betonen, dass die Dokumentations-Inhalte ihren Grund und ihre Richtigkeit haben und der WADA-Report das bestätige. Und sie weisen darauf hin, dass der Gerichtsprozess nicht ordnungsgemäß ablief.

Kurz darauf stellt die IAAF mit einem Fünf-Richtlinien-Papier Bedingungen auf, die die ARAF erfüllen muss, um wieder in die IAAF aufgenommen zu werden und somit die internationale Starterlaubnis für Athleten zurückzuerlangen. Die Kurzfassung der Bedingungen:

  1. Sofortige Bestrafung nicht nur der Athleten, sondern auch Trainer, Ärzte, Manager und andere, die in den Doping-Skandal verwickelt sind oder waren
  2. Keine Einschüchterung, sondern mehr Schutz für Whistleblower, Sportler sollen dem Athlete Support Personnel (ASP) frei berichten können
  3. Eindämmung des illegalen Handels der russischen Regierung mit verbotenen Substanzen
  4. Einführung eines transparenten, effizienten, fälschungssicheren Anti-Doping-Testverfahrens
  5. Die obigen vier Grundsätze sollen von der ARAF in einem „festgesetzten kurzen Zeitraum“ auf einer stabilen Basis nachhaltig und andauernd erfüllt werden. Noch ist aber kein genauer Zeitraum zu sagen, weil unklar ist, wie lange die Umsetzung dauert

Ein fünfköpfiges Kontroll-Gremium (mit Vorsitz Rune ANDERSEN) beobachtet die russischen Reformen. Russlands Sportminister MUTKO: „Ich kann ausschließen, dass russische Athleten in Rio nicht starten werden. [...] Wir sind bereit, schnell, effektiv und gewissenhaft mit der WADA zu kooperieren. Sind bereit, unser Anti-Doping-System neu aufzubauen.“


Dezember 2015

Die Leiden der Whistleblower

Ein Interview der ARD Sportschau „Stepanovs leben nach Dopingenthüllung in Angst“:

Die STEPANOVS leben in ständiger Ungewissheit, vom restlichen Gesparten, in wechselnden Hotels und Wohnungen, ziehen immer wieder um, isoliert ohne Job und Perspektive, aber in Familienglück. Bisher will kein Land sie offiziell aufnehmen. Auch Deutschland würde sie nur dulden, niemand sendet ein Willkommens-Zeichen.

Julya: „Wir haben noch nicht mal unseren eigenen Eltern gesagt, wo wir uns aufhalten. [...] Ich wünsche mir für die Zukunft, dass wir endlich einen festen Platz für uns finden, ein normales Leben haben. Dass unser Sohn in den Kindergarten gehen, ich trainieren kann und nicht mehr Angst haben muss vor irgendwelchen Leuten und ich mich nicht mehr verstecken muss. Und dass Vitaly einen Job hat, sodass wir als ganz normale Familie ein ruhiges Leben führen können [...]. Ich bereue nichts von dem, was ich getan habe. Ich bereue nur, dass ich nicht noch mehr Beweise herangeschafft habe. Nur das bereue ich. Wir sind im Sport neue Wege gegangen, als Pioniere im Whistleblowing. Das könnte andere motivieren, aber leider gibt es im Sport kein Zeugenschutzprogramm. Daher wird kein Athlet die Wahrheit erzählen wollen.“

Vitaly: „Russische Funktionäre wissen alle Bescheid, dass es einen riesen Anabolika-Missbrauch gibt.“

Wenn internationale Sportorganisationen es wollten, könnten und würden die STEPANOVS noch viel mehr zum Anti-Doping-Kampf beitragen. Aber IOC und IAAF sind bisher nicht mit den STEPANOVS in Kontakt getreten. Die erste Enthüllungs-Dokumentation ist schon über ein Jahr her. Vitaly wandte sich an den russischen Sportminister MUTKO und bot ihm und dem ARAF seine Hilfe für die Säuberung des russischen Sports an. Er erhielt keine Antwort. „Stattdessen lese ich immer wieder viele Lügen, die von Sportfunktionären und Politikern verbreitet werden, was unsere Motivation betrifft. Diese Leute bedrohen meine Frau öffentlich über die Medien. Ich wäre ein Idiot, wenn ich meine Familie vor solchen Leuten nicht schützen würde.“

In einem ARD-Sportschau-Interview kurz danach äußert sich SEPPELT:

„Die IAAF sagt grundsätzlich, dass sie einer der Weltverbände ist, die am aktivsten gegen Doping kämpfen. Das ist eine Mär. [...] Generell ist der Anti-Doping-Kampf von Sebastian Coe [J. S.: IAAF-Präsident] nicht glaubwürdig, wofür es mehrere Gründe gibt. [...] Vor allem aber hat er mit den russischen Whistleblowern Vitaly und Julya Stepanov, die mit ihren Aufzeichnungen über systemisches Doping in der russischen Leichtathletik den Stein ins Rollen gebracht haben, keinen Kontakt aufgenommen. Ihre Audio- und Videoaufzeichnungen konnten dazu beitragen, die Leichtathletik sauberer zu machen. Die beiden leben nun aus Furcht vor Repressalien versteckt, haben keine Perspektive, keine Jobs und kein Geld. Coe hat es noch nicht einmal für nötig befunden, sich bei ihnen zu bedanken oder sonst mit ihnen zu sprechen. Geschweige denn Ihnen zu helfen mit finanziellen Mitteln. Das Geld dafür dürfte für die IAAF aus der Portokasse zu bezahlen sein. Seine Ignoranz spricht aus meiner Sicht Bände. Dass Coe die Whistleblower im Regen steht lässt, ist ein Skandal."


Januar bis März 2016

Die WADA stellt den 2. Bericht der unabhängigen Untersuchungs-Kommission vor. Und wirft der IAAF darin „komplettes Versagen im Kampf gegen Doping und Korruption“ vor.

Ein Monat später stirbt Nikita KAMAJEW eines unerwarteten Todes. Er wurde nur 52 Jahre, war bis Dezember 2015 RUSADA-Chef. Die Todesursache: unbekannt.

Anfangs bezeichnete KAMAJEW die Untersuchungen gegen die RUSADA noch als „unbegründet“. Doch er änderte offenbar seine Meinung. Enthüllungsjournalist David WALSH (bekannt durch Recherchen im Fall ARMSTRONG) erhielt eine E-Mail von KAMAJEW, in der er berichtet, ein Buch über die wahre Geschichte des Dopings in Russland veröffentlichen zu wollen. Und dafür hätte er gerne WALSH als Co-Autor gewonnen.

Die dritte ARD-Dokumentation über russisches Staatsdoping wird gesendet. In Geheimsache Doping – Russlands Täuschungsmanöver überprüft SEPPELT das Versprechen MUTKOS, alle Involvierten zu verbannen und in 60 Tagen eine neue Leichtathletik vorzuweisen.

Die Topics der Dokumentation:

  • Auf Anfrage bestätigt die russische Führung, dass belastete Trainer nicht mehr arbeiten. Aber nach Recherchen steht fest, dass zum Beispiel Läufer-Trainer MOCHNEV weiterhin Athleten betreut  bei den Russischen Hallen-Meisterschaften wird er sogar in den offiziellen Protokollen als Betreuer geführt.
  • Und Juri GORDEJEW ist nicht nur Nachwuchstrainer, sondern dealt nebenbei auch mit Dopingmitteln.
  • Nach der RUSADA-Suspendierung helfen britische Kontrolleure aus, aber bei den Gehern ist das nationale Kontrollsystem völlig zusammengebrochen. Es gibt fast keine Tests – ein Freifahrtschein für Betrüger.
  • IOC-Präsident BACH hingegen lobt Russlands Bemühungen. Er hat eine starke Verbundenheit zu Russlands Präsident PUTIN. Das IOC will die Rückkehr der Russen in die Leichtathletik.

Mai 2016

RODSCHENKOW, der frühere Leiter des russischen Anti-Doping-Labors, ist nach seinem Rücktritt nach Kalifornien in die USA gezogen. Aus dieser sicheren Entfernung belastet er sich und Russland: Er hat selbst Doping-Cocktails gemischt, während Olympia in Sotschi 2014 Urinproben ausgetauscht und zwar auf direkte Anweisung des Sportministeriums unter Aufsicht des Geheimdienstes. Und 15 der russischen Medaillengewinner waren gedopt.

US-Justiz, IOC und WADA nehmen Ermittlungen auf. WALSH schreibt am 15. Mai einen Artikel in der Sunday Times über die Hintergründe der RODSCHENKOW-Geschichte und die langjährigen vergeblichen Bemühungen der STEPANOVS bei der WADA.

Drei Wochen später nimmt die Washington Post WALSH’ Artikel auf. Damit bekommen die vergeblichen Bemühungen von Vitaly weltweit in den Medien Aufmerksamkeit:

WADA heard of Russian doping in 2010, didn’t investigate until media reports

For four years after those first meetings, Stepanov exchanged hundreds of emails with WADA employees, but the rules-enforcing agency never opened an investigation into Russia’s alleged rule-breaking.

Währenddessen leben die STEPANOVS immer noch in Unsicherheit, an geheimen Orten, ohne dauerhafte Aufenthaltsgenehmigung und ohne berufliche Perspektive. Sie könnten nach Deutschland zurückkehren, weil sie ihre Genehmigungsdauer noch nicht ganz ausgeschöpft haben. Dafür wollen sie aber eine Botschaft, dass sie willkommen sind – aber die kam bisher nicht.

Vitaly wendet sich in seiner Not mit einem Brief an den IOC-Präsidenten BACH, COE (IAAF), REEDIE (WADA) und die Öffentlichkeit mit der Bitte um Unterstützung und eine Startgenehmigung für Julya bei den Olympischen Spielen in Rio de Janeiro im August 2016.


Juni 2016

Die ARD strahlt die vierte große Dokumentation über Russland aus: Geheimsache Doping – Showdown für Russland. Die Inhalte:

  • Seit Dezember 2014 gibt es offizielle Ermittlungen, nachträgliche Dopingkontrollen und -sperren.
  • Russland wittert eine Verschwörung des Westens und denkt, wegen des Erfolgs beneidet zu werden.
  • Entgegen den Vorschriften trainiert Dealer GORDEJEW weiterhin Leichtathleten.
  • Viele Athleten trainieren momentan in einer militärischen Sperrzone mit Zugangskontrollen, in die ausländische Doping-Kontrolleure nicht hineinkommen.

Die IAAF-Ethik-Kommission suspendiert vorläufig Nick DAVIES, der bis Dezember 2015 Bürohelfer des Präsidenten COE war, dann im IAAF-Headquarter in Monaco saß. DAVIES soll gegen Bargeld bewusst Doping-Ermittler getäuscht und vor der WM in Peking 2013 die Veröffentlichung der Namen russischer Dopingsünder verzögert haben.

Die IAAF bestätigt in Wien mit dem Taskforce-Bericht die Suspendierung des RUSAF auf unbestimmte Zeit und besiegelt damit praktisch das Aus der russischen Leichtathletik für die Olympischen Spiele in Rio.

Russland klagt dagegen vor dem Internationalen Sportgerichtshof CAS. Aber nicht alle bekommen ein Start-Verbot: Das IAAF-Gremium ermöglicht russischen Sportlern „ohne Verbindung zum System" bei Unschulds-Nachweis oder „verdienten Doping-Gegnern" (wie Whistleblowerin Julya) die Teilnahme an internationalen Wettkämpfen unter neutraler Flagge. Julya darf daher auch bei den Europameisterschaften in Amsterdam (6. bis 10. Juli) starten. Im 800-Meter-Vorlauf muss sie aber verletzt aufgeben. Dazu äußert sich ihr früherer Trainer MOCHNEV: „I didn't expect much - Yuliya is very weak psychologically and she can only run when she has been doping." Er fügt hinzu, dass wenn sie wirklich dopingfrei trainiert, „then she won't achieve anything and won't get to her former levels."

Aber dass sie überhaupt starten durfte, ist für Julya der Lohn für ihren Mut, massives Doping in ihrer Heimat anzuprangern: „Ich bin sehr froh, hier zu sein – dass mir erlaubt wurde, hier zu laufen. Alle Athletinnen sind vor dem Rennen zu mir gekommen und haben mir gedankt für das, was ich getan habe. Sie haben mich sehr unterstützt."


Sommer 2016

Das Hin und Her um den Rio-Start

Die WADA-Untersuchungs-Kommission präsentiert im Juli 2016 den MCLAREN-Bericht in Toronto: Die Ermittler sehen es als erwiesen an, dass im russischen Spitzensport von Moskau gedecktes Doping betrieben wird. Damit der RUSAF wieder als Mitglied eintreten darf, muss er ein paar Kriterien erfüllen. Zitat aus dem Bericht:

"WADA Independent Commission concluded there was a systemic and deeply- rooted culture of doping in Russian athletics. The Council decided that, in order to be reinstated to membership, RusAF must satisfy a number of specified 'Verification Criteria', and must demonstrate that the following Reinstatement Conditions "have been met, and can reasonably be expected to continue to be met moving forward":

1st, that RUSAF complies in full with the World Anti-Doping Code and IAAF Anti- Doping Rules;

2nd, that the IAAF and RUSADA (the Russian NADO) are able to conduct their anti- doping programmes in Russia (in particular, drug-testing) effectively and without interference; and

3rd, that as a result, the reintegration of Russian athletes into international competitions will not jeopardise the integrity of those competitions.

In short, RusAF must show that there is now a culture of zero tolerance towards doping in Russian athletics, and that RusAF, RUSADA, and the public authorities in Russia, working in cooperation, have created an anti-doping infrastructure that is effective in detecting and deterring cheats, and therefore provides reasonable assurance and protection to clean athletes both inside and outside of Russia"

Am 24. Juli erklärt das IOC, dass es auf einen Komplettausschluss für Rio verzichtet. Russische Sportler, die gegenüber ihren Verbänden nachweisen, nicht ins russische Staatsdoping-System involviert gewesen zu sein, dürfen starten.

Damit obliegt es den internationalen Sportverbänden, ihre Athleten für Olympia zu nominieren. Ein Dreiergremium des IOC hat dann die letztendliche Entscheidungsgewalt.

Russische Sportler, die bereits einmal wegen Dopings gesperrt waren, werden generell von den Spielen ausgeschlossen. Also auch Julya. Laut IOC erfüllt sie trotz ihrer Verdienste um Aufklärung mit ihrer Doping-Vergangenheit nicht die „ethischen Anforderungen". Aber die IOC-Ethikkommission begrüße ihren „Beitrag zum Anti-Doping-Kampf“, sei „dankbar für ihr Engagement, deshalb laden wir sie und ihren Ehemann ein, in Rio Gäste des IOC zu sein.“

Julya und Vitaly schreiben einen Brief ans IOC, in dem sie gegen Julyas Olympia-Ausschluss protestieren und dazu auffordern, die Entscheidung zu überdenken, weil sie unfair sei und auf falschen Fakten beruhe. Vitaly empört:

„Was das IOC sagt, ist: Wenn du betrügst, aber Sachen ändern möchtest, dann lass es besser sein. Betrüge weiter, ändere nichts, versuche es auch erst gar nicht. Ich denke nicht, dass dies die Botschaft ist, die eine ethische Organisation vermitteln will.“

Mitte August knackt eine unbekannte Person Julyas adams-Login-Daten. Vermutlich, um den Aufenthaltsort der Familie herauszufinden. Julya: „Wenn uns etwas passiert, sollten Sie alle wissen, dass es kein Unfall war.“ Kurz darauf suspendiert das Internationale Paralympische Komitee ihren Russischen Unterverband (RPC) wegen Verwicklung in ein staatlich gelenktes Doping-System – und zwar auf gleicher Faktenbasis wie das IOC. Damit sind alle russischen Sportler für die Paralympics in Rio ausgeschlossen.


Oktober bis November 2016

Dann gibt es doch Unterstützung vom IOC für die STEPANOVS. Ein Job-Angebot für Vitaly: „I will be providing a consultancy service to the IOC on all aspects of doping control and protection of clean athletes. [...] For the next 2 years Yuliya will receive Olympic Scholarship from the IOC. The scholarship will help to cover the costs of her training.“ Derzeit schreibt Alexander SEEGER, Trainer beim TSV Gomaringen, Julyas Trainingspläne.

Vitaly: „We have had the opportunity to meet the IOC President Bach. We are very happy that we are now in a position to further fight doping and bring in our experiences in Russia and as whistleblowers. And we are very thankful that the IOC is giving us this opportunity. […] We would like to show to other athletes that it is necessary to fight doping and international sports organizations will support athletes that want to make sports cleaner and fairer. We feel that the IOC and other sports organizations must show support to people that genuinely try to make sports better.“

Beim Foundation Board Meeting in Glasgow tagt die WADA. Das Foundation Board ist das oberste Entscheidungs-Gremium der WADA. Es besteht aus 38 Mitgliedern zu gleichen Teilen aus der Olympischen Bewegung und Regierungen. In der Zusammenfassung der Ergebnisse ist ein Punkt:

Whistleblowing Program and Policy

A comprehensive whistleblowing program and policy was approved.

The comprehensive program should ensure that wrongdoings are reported in total confidence with appropriate security mechanisms, and that it provides greater assurance for those that come forward with valuable information.

This Policy is a legal document which aims at clearly defining the process to be followed and the obligations and rights of both the Informant/Whistleblower and WADA. This document will be published in January 2017 when the proper supporting platforms (website and application) will have been completed.

Another document, shorter and more user-friendly, addressed to the general public and athletes in particular, will be prepared now that the Policy has been approved

Ausgelöst durch das erste ARD-Feature zum russischen Staatsdoping im Dezember 2014 gab es in Paris ein Ermittlungsverfahren. Die Schutzgeld-Erpresser (ausgestrahlt am 27. November 2016, zeigt die Recherche-Ergebnisse von ARD und der Zeitung Le Monde), ein weiterer Teil der Reihe Geheimsache Doping, beweist den Zuschauern: Das Ausmaß der Doping-Vertuschungen in Russland ist noch viel größer als bisher vermutet. Ein von Sportfunktionären installiertes Betrugs- und Bestechungs-System. Insgesamt 3,45 Millionen Dollar Schutzgeld, um positive Dopingproben zu vertuschen. Der russische Leichtathletikverband ARAF war involviert. Und so reagierte der damalige ARAF-Präsident BALACHNITSCHEW, als IAAF-Funktionäre 2014 auf eine Sperre russischer Sportler mit auffälligen Werten drängten:

„We strongly believe that the only way to avoid a huge scandal concerning covering up the numerous ADRV which also involved almost all responsible IAAF officers is continuing joint efforts to keep the situation ,under the table’ as it was happening all these years. Consequently, the official sanctioning including disqualification of results and medals is a direct way to destroy both – the ARAF and IAAF.“

In Nach-Tests von den Olympischen Spielen 2008 in Peking und 2012 in London findet das IOC mehr positive Tests, die Gesamtzahl liegt nun bei 101. Unter den bis 79 sanktionierten Athleten sind 27 Russen. Weitere Proben aus London werden analysiert und Richard BUDGETT, medizinischer Direktor des IOC, vermutet „many more positive tests to come in the coming weeks and months.“ Er freut sich über die angekündigte Zusammenarbeit von IOC, WADA, der MCLAREN-Kommission, Internationalen Verbänden und Anti-Doping Agenturen: „This is a good example of sporting authorities working together. [...] We have learnt from the past, and our retesting process is getting better and better."


Dezember 2016

WADA-Chefermittler MCLAREN stellt seinen zweiten Bericht vor (WADA Investigation of Sotchi Allegations), spricht darin von einer „institutionellen Verschwörung" sowohl im Sommer-, Winter- als auch im Behindertensport: Athleten, russische Offizielle aus dem Sportministerium und dessen Behörden wie die RUSADA, das Moskauer Kontrolllabor und der Inlands-Geheimdienst arbeite(te)n zusammen, um Dopingtests zu manipulieren. Nun droht der Komplettausschluss von den Olympischen Winterspielen 2018 in Pyeongchang. Für den MCLAREN-Report werteten Ermittler Zeugen-Interviews und Datensätze, E-Mails und über 4000 Excel-Dokumente aus. Trotzdem sagt MCLAREN:

„Das Bild ist noch nicht komplett. Wir hatten nur Zugriff auf einen kleinen Teil der Daten und des Beweismaterials, das möglicherweise existiert [...] Das russische Team hat die Spiele von London in einer Weise korrumpiert, die nie dagewesen ist. Das ganze Ausmaß dessen wird wohl nie bekannt werden.“

Das russische Sportministerium weist die Vorwürfe zurück: Es sei „immer sehr einfach, Schuldige und Unschuldige in einen Topf zu werfen", sagte die neue RUSADA-Aufsichtsratsvorsitzende (und zweimalige Olympiasiegerin, in 2016 ebenfalls von der Kollektivstrafe betroffene) Yelena ISINBAYEVA. „Ich bezweifle, dass uns konkrete Beweise für eine Schuld gezeigt werden können, wenn wir darum bitten."

Als Folge des MCLAREN-Berichts leitet das IOC ein Disziplinarverfahren gegen 28 russische Athleten der Olympischen Spiele in Sotschi 2014 wegen Dopingverdachts ein. Der Ski-Weltverband und der Biathlon-Weltverband sperren daraufhin einige russische Athleten vorläufig. Trotz all dieser Berichte, unterlegt mit Labortests, forensischen Berichten und Aussagen von Insidern, leugnen die Verantwortlichen. PUTIN sagt: „In Russland hat es nie ein staatliches Doping-System oder Doping-Unterstützung gegeben, das ist einfach unmöglich.“ Er meint, fremde Kräfte haben sich auf verschiedene Art und Weise auf sein Land gestürzt, „Mythen über russische Aggressionen“ verbreitet und „unsere Athleten beschmutzt.“ Svetlana ZHUROVA, frühere Eisschnellläuferin und jetzige Delegierte im Duma (Die erste Kammer des russischen Parlaments.), belächelt die Vorwürfe:

„We do have some athletes who break the law and coaches who supply drugs but what has the government got to do with it? Do you think that Vladimir Vladimirovich Putin controls each sportsperson and says, 'Take these tablets?' That is not happening and will never happen.“

Ende Dezember berichtet die New York Times über erste russische Geständnisse: Die Chefin der RUSADA, Anna ANZELIOWOTSCH, gibt ein systematisches Doping im Spitzensport Russlands zu: „It was an institutional conspiracy.“ In diese Verschwörung seien die obersten Regierungskreise um PUTIN aber nicht eingeweiht gewesen. Und über die Skandalaufdecker sagt sie: „So many were killed or sent to prison because of informants in the Stalin era. So we do not welcome whistleblowers – it is part of our mentality.“

Staatspräsident PUTIN hatte im Juli angeordnet, eine neue Anti-Doping-Kommission in Russland zu gründen. Deren Chef Witali SMIRNOW bekennt nun: „From my point of view, as a former minister of sport, president of Olympic committee – we made a lot of mistakes.“ Doch dieses Zugeständnis bleibt eine Ausnahme. Die Russen und besonders die Beteiligten bestreiten weiterhin die Existenz von Staatsdoping.


Januar 2017

Und die Zukunft?

WADA-Chefermittler YOUNGER erwartet, dass die Dopingproblematiken in Russland die Sportwelt noch lange beschäftigen. Im Anti-Doping-Kampf wird die WADA verstärkt auf Whistleblower setzen: „Die Athleten sind unsere Augen, sie wissen, was in den Systemen abläuft, ich weiß das in Montreal nicht." Dabei sollen die Informanten besser geschützt werden, nicht in den Medien auftauchen. „Wir wollen ihre Informationen bewerten, analysieren und sie dann wieder aus dem System entlassen.“

YOUNGER möchte außerdem ein Gleichgewicht zwischen den Ländern im Anti-Doping-Kampf herstellen. In Deutschland und Großbritannien sind die Ermittlungen beispielsweise sehr ausgeprägt, damit sind die Athleten gegenüber Konkurrenten aus Ländern mit weniger strengen Dopingauflagen benachteiligt.

Julya und Vitaly mit Sohn Robert im Mai 2016. Wie wird es für die kleine Familie weitergehen?

An Julya liegt es nun zu beweisen, dass sie als saubere Athletin erfolgreich ist. Sie trainiert hart und will sich für die WM 2017 in London (4. bis 13. August 2017) qualifizieren. Das wird nicht einfach, denn sie hat keinen Coach vor Ort. Eine Trainerin aus der Stadt, in der sie nun lebt, hat eine Anfrage abgelehnt. „Zu gefährlich.“ Eine Heimkehr nach Russland ist aber keine Alternative. Julya:

„I think it is impossible. It’s too dangerous. The way that we are portrayed there I am sure we will be killed. I am sure of that. Yes as soon as we land state security will take us off the plane then interrogate us. And then sooner or later we will be killed. [...] I don’t consider myself a traitor. I only told the truth about it all to put a stop to it. If they want to hate me that’s their problem. I don’t consider that I’ve done anything wrong, I told the truth, I tried to help and if they prefer to lie that’s their problem and their hatred stays with then.“

In Amerika trainiert Julya fleißig, um - dopingfrei - wieder richtig Leistung zu bringen

Zurzeit ist Julya gesund und ihre Form steigt an. Am 14. Januar startete sie beim Indoor Meeting in Albuquerque/USA, gewinnt die 800 Meter in 2:10,32 Minuten. Zwei Wochen später läuft sie beim Boston Indoor Grand Prix und wird Siebte in 2:05,14 Minuten. Die Gewinnerin des Laufs, Charlene LIPSEY (2:02,01 min) aus New York, gratuliert Julya nach dem Rennen und dankt ihr für die Aufdeckung des Doping-Skandals in der russischen Leichtathletik. 

Julya: „It's normal that some of the athletes, they like what I did, they come up to me and thank me. But some of the others, they hate me.” Beide Wettkämpfe läuft sie ohne Wohnort-, Nationen- oder Vereinsangabe. „I enjoy being a neutral athlete because I don't have any pressure and I don't have to deliver medals to anyone." Als Julya gefragt wird, ob sie wieder unter russischer Flagge laufen wollen würde, antwortet sie:

„If you asked me that question a year ago, 'Yes.' I would have loved to compete for Russia again. At this point, I've changed my mind – and they don't want me back, either. I thought the attitude in Russia would change and they would look at me as I was trying to help the sport and I was trying to help the athletes. But unfortunately this is still not the case."


März 2017

Die WADA richtet die digitale Plattform "Speak Up" ein, mit deren Hilfe Athleten Verstöße gegen die Anti-Doping-Regeln an die WADA berichten können. WADA-Generaldirektor Olivier NIGGLI sagt: "Wir hoffen, damit mehr Informanten und Whistleblower zu ermutigen, über suspekte Doping-Vergehen zu berichten." Die WADA-Untersuchungen, die den russischen Doping-Skandal aufgedeckt haben, basierten wesentlich auf Aussagen von Whistleblowern wie den STEPANOVS. "Dies unterstreicht, wie wichtig diese Informanten für die WADA und dem sauberen Sport insgesamt sind."


(JS)

Diese Rekonstruktion ist im Rahmen einer Bachelorarbeit von Jana SUSSMANN im Jahr 2017 entstanden: Running Whistleblowers - Recherchen, Gespräche und Analysen zu Problemen und Hindernissen bei der öffentlichen Enthüllung sportlicher Regelverstöße gegen Dopingauflagen am Beispiel Julya und Vitaly Stepanov.

Die wichtigsten Personen hinter dieser Geschichte:

Julya STEPANOVA

geboren am 3. Juli 1986 unter dem Namen RUSANOVA ist eine russische Mittelstrecken-Läuferin. Sie ist in Kursk im Südwesten Russlands aufgewachsen. Ihre Doping-Karriere begann 2007, als sie von ihrem Trainer Vladimir MOCHNEV Testosteron-Spritzen bekam. Julya wurde 2011 bei den Hallen-Europameisterschaften in Paris Dritte, bei den Weltmeisterschaften in Daegu (Südkorea) Achte. Die Erfolge wurden ihr jedoch aberkannt, als sie im Februar 2013 wegen Auffälligkeiten in ihrem Biologischen Pass eine zweijährige Doping-Sperre bekam. Nach ihrer Dopingsperre sieht sie ein, dass das System Leistungssport in Russland so nicht weiterlaufen kann und entscheidet sich, das anzuprangern. Dazu sammelt sie Beweise, macht heimliche Videoaufnahmen – und wird zur Whistleblowerin, die systematisches Doping in der russischen Leichtathletik aufdeckt.

Vitaly STEPANOV

geboren am 31. Mai 1982, ist ehemaliger Mitarbeiter der Russischen Anti-Doping Agentur RUSADA. Er studierte International Management an der Pace University in New York City (von 2000 bis 2002). Dann entschließt er, zusammen mit seiner Ehefrau Julya gegen das flächendeckende Doping in Russland anzukämpfen. Seitdem leben die beiden mit ihrem Sohn Robert (geb. 17. November 2013) versteckt und kämpfen weiter für den dopingfreien Sport.

Hajo SEPPELT

ist Journalist und Autor, geboren 1963. Er recherchiert seit 1997 für die Anstalten der ARD sportpolitische Themen, besonders über Korruption und Sportverbände im Kampf gegen Doping. SEPPELT ist journalistischer Experte für die Dopingproblematik im deutschen und internationalen Sport. Die erste Dokumentation der Reihe Geheimsache Doping strahlte die ARD kurz vor Beginn der Leichtathletik-Weltmeisterschaften 2009 in Berlin aus. Im Dezember 2013 dachte SEPPELT, dass es lohnenswert wäre, eine Recherche über das Land zu machen, das in zwei Monaten die Olympischen Spiele ausrichtet: Er begann, sich intensiv mit Russland zu beschäftigen und widmet sich dem Anliegen von Julya und Vitaly, fungiert als Sprachrohr für das Whistleblowing. Mit ihren Aussagen und Beweisen dreht er im Jahr 2014 die ARD-Dokumentation Geheimsache Doping – Wie Russland seine Sieger macht. Dieses Feature belegt den Doping-Skandal und sorgt für immer mehr Enthüllungen, die letztendlich zum Ausschluss Russlands aus dem internationalen Leichtathletikverband führen.

Abkürzungen und ABC aller anderen Akteure

Abkürzungen

ARAF: (All-Russia Athletic Federation) gesamtrussische Leichtathletik-Föderation

CAS: Court of Arbitration for Sport, Internationaler Sportgerichtshof

IAAF: Welt-Leichtathletikverband (International Association of Athletics Federations)

IOC: Internationales Olympisches Komitee (International Olympic Committee)

NADO: Nationale Anti-Doping Agentur

NOK: Nationales Olympisches Komitee (in Russland: ROK)

RUSADA: Russische Anti-Doping Agentur

RUSAF: (Russian Athletic Federation RusAF) Russischer Leichtathletikverband

WADA: Welt Anti-Doping Agentur

 

ABC der Akteure

Thomas BACH: Präsident des IOC. Er pflegt eine starke Verbundenheit zu Russlands Präsident PUTIN. Das IOC erschwert erst den Ausschluss Russlands aus der IAAF, ringt dann um deren Wiedereintritt

Walentin BALACHNITSCHEW: Präsident des russischen Leichtathletikverbands RUSAF. Alle Vorwürfe zu russischen Doping-System leugnet er, dazu handelt er korrupt und vertuscht er positive Dopingproben

Sebastian COE: von 2007-2015 Vizepräsident des IAAF, seit August 2015 deren Präsident. Tritt lange nicht in Kontakt mit den STEPANOVS, zeigt keinerlei Unterstützung

Nick DAVIES: Erst Kommunikationsdirektor und Vize-IAAF-Generalsekretär, bis Dezember 2015 Büroleiter von Coe, der ihn dann ins IAAF-Headquarter schickte

Lamine DIACK: bis 2015 Präsident der IAAF, dann wegen Korruptionsvorwürfen entlassen

Juri GORDEJEW: russischer Leichtathletik-Nachwuchstrainer, der zusätzlich Dopingmittel unter die Athleten bringt

Nikita KAMAJEW: RUSADA-Geschäftsführer von März 2011 bis November 2015. Anfangs bezeichnet er die Dopingvorwürfe an Russland als unbegründet, ändert dann aber seine Meinung und will den Skandal mit einem Buch enthüllen. Noch bevor es dazu kommt, stirb er

Walentin MASLAKOW: Bis Anfang 2015 russischer Leichtathletik-Nationaltrainer, invovliert in die Doping-Machenschaften

Richard MCLAREN: Mitglied des CAS und der WADA-Untersuchungs-Kommission

Alexej MELNIKOW: Cheftrainer der russischen Leichtathletik. Durch ihn kommt Julya an Dopingmittel, er überzeugt sie von der Einnahme. MELNIKOW vertuscht systematisch positive Dopingproben russischer Athleten und kassiert Schmiergelder dafür

Vitali MUTKO: Russlands Sportminister, hat eine freundschaftliche Beziehung zu Präsident PUTIN. Erst weist er alle Vorwürfe stets zurück. Als das unhaltbar wird, verspricht er immer wieder Besserung, aber nichts wird ändert sich

Sergej PORTUGALOW: Chefmediziner der russischen Leichtathletik. Er besorgt die Dopingmittel für die russischen Sportler. Und erzählt Julya, welche Substanzen sie wann am besten einnimmt

Richard POUND: früherer WADA-Präsident, dann Leiter unabhängige WADA-Kommission

Craig REEDIE: Vorsitzender WADA seit 2014

Gregori RODSCHENKOW: Leiter des Anti-Doping-Labors in Moskau. Nach Vorwürfen, Doping verabreicht und positive Proben zerstört zu haben, tritt er zurück. Später gesteht er und wird Kronzeuge für MCLAREN

legalporn4k.com