Der Parteispenden-Skandal und Klaus FÖRSTER: ein Überblick

Begriffe wie "Parteispendenaffäre", "FLICK-Skandal", "Pflege der Parteienlandschaft", "Die gekaufte Republik" oder einfach nur "wg." sind vielen immer noch irgendwie geläufig. Sie stehen für

  • Geldwäsche
  • Steuerhinterziehung
  • illegale Parteienfinanzierung.

Sie stehen gleichzeitig aber auch für die großen "Bürgerlichen Parteien"

  • CDU/CSU
  • FDP
  • SPD.

Sie alle haben bis in den Anfang der 80er Jahre hinein Geld, sprich "Spenden" kassiert, die illegal generiert wurden. Zum Beispiel über das Kloster der Steyler Missionare in St. Augustin, in der Nähe der damaligen Bundeshauptstadt Bonn:

Einer der wichtigsten Geldgeber dieses Systems: das Unternehmen Flick, sprich der Flick-Konzern und dessen Chef, Friedrich Karl FLICK, der sich selbst gern auch mit "FKF" abkürzen ließ.

Das Geldwäschesystem mit dem Kloster der Steyler Missionare (www.steyler.de) bzw. mit dem damaligen Prokurator, Pater Josef SCHRÖDER, flog 1980 - im Rahmen einer Durchsuchung durch die Steuerfahndung in St. Augustin, auf.

Sinnigerweise hatten die ihre Büros visavis. Doch keiner der Steuerbeamten wäre je auf die Idee gekommen, dass die frommen Gottesleute von gegenüber überhöhte Spendenbescheinigungen ausstellen und Kick-backs (heimliche Rückzahlungen) zahlen oder Bilanzen fälschen würden.

Auch der damalige Leiter der Steuerfahndungsstelle in St. Augustin Klaus FÖRSTER nicht. Der war aufgrund seiner sehr guten dienstlichen Beurteilungen ganz schnell vom Regierungsassessor zum Regierungsdirektor aufgestiegen und bekam 1974 - im Alter von 41 Jahren - die Leitung der Steuerfahndung in St. Augustin übertragen.

Eineinhalb Jahre später, am 20. November 1975 bzw. fünf Jahre vor der Entdeckung der klösterlichen Geldwäscheanstalt im Jahre 1980, begann dann alles, was wir heute mit den oben skizzierten Begriffen verbinden: mit einer gerichtlich genehmigten Durchsuchung in einer Firma namens "Union-Betriebs-GmbH", einem Tochterunternehmen der Christlich Demokratischen Union, CDU. Konkret wollten die Steuerfahnder Widersprüche klären, die der Geschäftsführer der Union-Betriebs GmbH der Staatsanwaltschaft aufgegeben hatte, als er eine Anzeige wegen Betruges erstattet hatte: der Anlageberater, dem er 110.000 DM anvertraut hatte, hatte sich aus dem Staub gemacht. Der Staatsanwalt hatte die Akten der Steuerfahndung übergeben und die war bei der Durchsuchung auf einen merkwürdigen Fund gestoßen: auf einen Aktenordner mit der Aufschrift "EU".

Hinter den Initialen "EU" verbarg sich eine Geldwäsche-Anstalt mit dem hehren Namen "Europäische Unternehmensberatungsanstalt". Sitz des Unternehmens: das fürstliche Vaduz in Liechtenstein. Also dort, wo auch Klaus ZUMWINKEL, der ehemalige Post-Chef sein Geld vor allen anderen, insbesondere auch vor dem Finanzamt, versteckt hatte.

Der "EU" - Aktenordner indes stand in Bonn bei der Fa. Union-Betriebs GmbH. Und der Ordner enthielt interessante Dokumente. Aus denen ging eindeutig hervor: die "EU" war eine Geldwäsche-Anstalt der Bundes - CDU: 

Einziger Zweck: Schwarzes Geld für die Parteikasse zu generieren.

Was jetzt folgte, wurde zum Politthriller der 70er und 80er Jahre. Bekannt wurde alles allerdings erst Ende 1981, nachdem die Steuerfahnder auch den Flick-Konzern durchsucht hatten. Zunächst gab es einen kleinen Bericht in der Neuen Ruhr Zeitung. Anfang 1982 stand dann schon sehr viel mehr im SPIEGEL und dann auch in der Illustrierten stern.

Dass es dazu gekommen war und dass die Ermittlungen überhaupt immer weiter ausgedehnt wurden, geht auf Klaus FÖRSTER, den Leiter der Steuerfahndungsstelle in St. Augustin zurück. Kaum war nämlich die "EU" aufgeflogen, setzten sich die Schatzmeister der großen Parteien zusammen, um die weiteren Ermittlungen ins Leere laufen zu lassen und zu stoppen. Insbesondere vor der Bundestagswahl 1976. Die SPD-Regierung in Nordrhein-Westfalen befürchtete, dass die CDU/CSU auf Bundesebene zwischen 5 und 10% der Wählerstimmen verlieren könnte. Dass ausgerechnet SPD-Minister sich solche Sorgen machten, hing damit zusammen, dass eben auch die SPD Leichen im Keller hatte - man zog also gemeinsam an einem Strang.

Und der sah so aus, dass man den 'kleinen' Steuerfahnder aus St. Augustin, der unpassenderweise ein Beamter mit einem "aufrechten Gang" war, weil er sich an Recht und Gesetz und seinen Amtseid halten wollte, irgendwie stoppen musste: mit allen subtilen Mitteln, die das deutsche Beamtenrecht zu bieten hatte. Ein typischer "Edeka"-Fall. "Edeka" entstammt dem internen Beamtendeutsch: "Ende der Karriere".

Der Polit-Thriller, den wir hier ausführlich rekonstruieren, besteht daher aus zwei parallelen Ebenen:

  • auf der einen Ebene die Machenschaften des FLICK-Konzerns und wie dieser sich die (damals) Bonner Parteienlandschaft mit (viel) Geld gefügig hält
  • auf der anderen Ebene Klaus FÖRSTER, der sich aufgrund seiner Gradlinigkeit mit dem Rest der Welt anlegen muss.

Unter Alles auf 1 Blick haben wir die wichtigsten Ereignisse und Vorgänge aus 12 Jahren auf 1 (einzige) Seite verdichtet. Diese Site geht erst in Kürze online.

Unter der Chronologie über Geldwäscher, Ministerialbürokraten, Parteibonzen und einen Steuerfahnder haben wir die ganzen Geschehnisse ausführlich rekonstruiert. Allerdings nur in einem 1. Teil bis zu jenem Zeitpunkt, als Klaus FÖRSTER zum "O" nach Köln einbestellt wird. "O" ist der Oberfinanzpräsident, zu dieser Zeit Dr. Hermann MERSMANN. Der will FÖRSTER kleinkochen. Auf Weisung von ganz oben natürlich, dem damaligen SPD-Finanzminister Friedrich HALSTENBERG.

Im 2. Teil der Chronologie Von FÖRSTER's "EU"-Ermittlungen zum FLICK-Parteispendenskandal - eine unendliche Chronologie geht es dann weiter - bis ins Jahr 1987, als in einem der (ganz) wenigen Gerichtsverfahren der damalige Bundeswirtschaftsminister Otto Graf LAMBSDORFF, FDP, vom Bonner Landgericht wegen "fortgesetzter Beihilfe zur Steuerhinterziehung" verurteilt wird: zu einer kleinen Geldbuße und 15 Monate Freiheitsentzug - "zur Bewährung", versteht sich.

Im ABC der Akteure, Geldwäscher und Parteibonzen haben wir alle relevanten Personen aufgeführt. Gleichzeitig repräsentiert dieses "Who is Who" die Totengräber des demokratischen Gemeinwesens.
Unter Die Steuertricks der Geldwäscher + Parteibonzen haben wir uns die Techniken etwas genauer angesehen und die obigen Schaubilder etwas genauer erläutert.

Klaus FÖRSTER ist im Februar 2009 im Alter von 76 Jahren gestorben. Zu spät für uns, ihn persönlich für diese Rekonstruktion zu interviewen. Wir haben deshalb Stimmen über Klaus FÖRSTER gesammelt, in denen seine Ehefrau, ein ehemaliger Arbeitskollege aus Hessen sowie ein Journalist zu Wort kommen.

Weitere Infos finden Sie rechts oben auf der Navigationsleiste.

Sie können diese Geschichte direkt aufrufen oder verlinken unter  www.ansTageslicht.de/klausfoerster.

(JL)

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