3 Wochen Undercover im Untergrund

Ein (nachträgliches) Protokoll von Frank BRENDEL

Es ist Mai im Jahre 1992, zweieinhalb Jahre nach der Wende. Ich befinde mich in Dresden, um als Rechercheur im Auftrag von Greenpeace nachzuforschen,

  • von wo aus
  • wie
  • und von wem

teilweise hochgiftige und eigentlich in Deutschland entsorgungspflichtige Pestizide nach Rumänien verschoben bzw. zu Lasten der dortigen Umwelt kostengünstig entsorgt werden. Das Risiko, bei der Recherche enttarnt zu werden, ist groß. Betrüger und Kriminelle sind offenbar in die Branche eingestiegen. Selber körperlich Schaden zu nehmen, ist nur ein Aspekt. Der andere: die Recherche wäre geplatzt und viele bisherigen Vorarbeiten von Greenpeace obsolet geworden.

Mein Einstieg

Um ein Minimum an Sicherheit und an nachträglicher Kontrolle über von vorneherein nicht kalkulierbare Ereignisse zu haben, ist ein Kriminalbeamter des LKA über das Vorhaben eingeweiht, den ich über einzelne Schritte, Termine, Orte und Verabredungen informiere. Kleine und unauffällige Handys, auf denen man in der Hosentasche unbemerkt eine vorprogrammierte Telefonnummer als Alarmruf auslösen könnte, gab es damals nicht. Mobilfunktelefone hatten den Umfang kleinerer Koffer, in denen das Telefon und vor allem die Akkus untergebracht waren. Das einzige neuzeitliche Hilfsmittel ist eine neuer angemieteter Mittelklassewagen, mit dem man schnell fahren kann, dessen Funktion bei dieser Recherche aber mehr im Repräsentieren liegt, denn ich versuche in das Giftmüllschieber-Milieu unter Vorspiegelung falscher Tatsachen einzusteigen. 

Müllschieber A.

hier abgebildete Personen stehen nicht in Zusammenhang mit den im Text geschilderten Ereignissen Foto: Greenpeace

Der Spediteur Thomas A., den ich gleich unangemeldet in seinem Büro aufsuche, steht bei Greenpeace unter dem Verdacht, auf mittlerer Ebene eine der wichtigen Figuren der Giftmüllexporte nach Rumänien zu sein. Zweimal schon habe ich telefonisch bei ihm um ein Gespräch über Möglichkeiten und Erfahrungen junger Unternehmer aus der ehemaligen DDR im Speditionsgewerbe gebeten. Ich hatte mich zwar unter anderem Namen gemeldet, aber journalistische Recherchen als Grund für den Gesprächswunsch angegeben. Beide Male war ich auf unbestimmte Zeit vertröstet worden. 

Verschiedene Informanten hatten mir neben Einblicken in das Geschäftsgebaren von A. auch viele Details aus dessen privatem Bereich und über seine berufliche Karriere in der untergegangenen DDR mit auf den Weg gegeben. A. war in der DDR zumindest nebenberuflich für die dortige Staatssicherheit tätig, hatte aber auch offizielle Funktionen bei Jugendorganisationen der DDR. Mittlerweile hatte ich auch Artikel aus der lokalen Presse über A. und seine Spedition gesichtet. Mir ging es darum zu erfahren, ob die Transporte des Giftmülls noch andauerten, in welches Land sie gingen und ob für den Abtransport der Chemikalien ein Zwischenlager genutzt wurde und wenn ja, wo es sich befände. 

A. hat sein Büro in einem großen Plattenbau, in dem offenbar eine Vielzahl von kleinen und mittleren Unternehmen Büros betreiben. Auf den Fluren herrscht reger Verkehr von Angestellten. In dem Gebäude fühle ich mich relativ sicher. Selbst wenn A. hinter meine tatsächliche Identität käme, könnte er mir kaum mehr anhaben, als mich aus seinem Büro rauszuschmeißen. Gefährdet wäre allerdings das erfolgreiche Fortführen der Recherche. Also werde ich mir alle Mühe geben, bei A. kein Misstrauen zu wecken. Ich werde höflich mit meiner alten Geschichte um ein sofortiges Gespräch bitten und auch wieder gehen, wenn A. aus irgendwelchen Gründen auch heute mal wieder gerade keine Zeit hat. 

Hinter der Zwischentür vernehme ich eine Stimme, klopfe und trete ein. A. sitzt lässig hinter seinem Schreibtisch, hält in der einen Hand den Telefonhörer, winkt mich mit der anderen herein und bedeutet mir, mich zu setzen, während er - mich freundlich dabei anstrahlend - weitertelefoniert. 

Nachdem A. aufgelegt hat, steht er auf und kommt auf mich zu. "Schön das Sie gekommen sind. Obwohl Ihr Artikel letztes Mal nicht gerade nett war. Na ja, Schwamm drüber!" Verdutzt entgegne ich, dass wir uns nicht kennen. A. besteht aber darauf, dass ich Mitarbeiter der lokalen Redaktion einer Boulevard-Zeitung sei und wir uns sehr wohl kennen würden. Dabei zwinkert und blinzelt er und macht Ansätze, mich zu knuffen. Entweder gibt es hier jemanden, der mir sehr ähnlich sieht oder A. macht viele Bekanntschaften im Alkoholrausch. Oder auch beides. Da A. mich als denjenigen, für den er mich offensichtlich hält, zu mögen scheint, beschließe ich, den Irrtum nicht weiter aufzuklären. Hier kommt mir also der Zufall zu Hilfe. 

A. ist in Plauderstimmung und wirkt aufgeräumt. Ich frage ihn nach seinen neuesten Projekten. A. will ein Zwischen- oder vielleicht auch Endlager für radioaktiven Abfall in Bulgarien bauen. Zusammen mit der Nukem, einer Firma aus Hanau. Auf Nachfrage legt er Briefverkehr, Pläne und technische Zeichnungen vor. Doch der Briefwechsel ist nichtssagend und die Bauzeichnungen könnten auch für den Bau einer überdimensionierten Lagerhalle taugen. Ich zeige mich sehr interessiert, bringe ein paar Fachbegriffe aus der Endlagerungsproblematik für abgebrannte Brennstäbe ein und bin mit A. auf einmal auf einer Wellenlänge. Der erste Schritt ist geschafft. 

Wir reden über A.´s Karriere in der DDR: Freie Deutsche Jugend, dort irgendwie voran gekommen, Arbeit als DJ der Partei, Parties und natürlich Kontakte sonst wo hin. Wir sind soweit, dass ich ihn einfach frage - zu der Abfuhr von Agrochemikalien durch seine Spedition, über die ich erfahren habe. Ohne es weiter zu begründen, frage ich, ob er denn günstige Entsorgungsmöglichkeiten kenne, dafür würde ich mich auch interessieren. A. winkt ab. "Nur die normalen Kanäle". 

Freundlich bringe ich Detailwissen über Entsorgungsgeschäfte ins Gespräch, von denen ich weiß, das A. involviert war. Der ist zwar ein wenig geschmeichelt, wird aber auch vorsichtig. In der Entsorgung sei er nie direkt tätig gewesen. Er habe zu dem Thema lediglich einige westdeutsche Geschäftsleute beraten. Dann wird er scheinbar leutselig: die ihm bekannten Geschäftspartner aus der Entsorgungsbranche seien unzuverlässig, die einheimischen Behörden andererseits legten bürokratische Stolpersteine für jede Art von Exportgeschäften in den Weg. Er zählt akribisch Details aus dem Innenleben ostdeutscher Behörden auf. Ich interessiere mich für seine Erfahrungen und das Gespräch wird langsam wieder entspannter. Doch, wie komme ich auf meine eigentlichen Fragen zurück? A. hat in wesentlichen Punkten das genaue Gegenteil von dem behauptet, was mir bekannt ist. Da ich entscheidende Dinge noch nicht weiß, kann ich ihn mit meinem Wissen nicht konfrontieren. Er stünde dann nicht nur als Lügner da, sondern würde mich auch als Gegner wahrnehmen. Also beteilige ich mich weiter an seinem Spiel, über die Behörden zu lamentieren. 

Auf einmal ist das Gespräch so entspannt, dass A. mich fragt, ob er noch irgendetwas für mich tun könne? 

Die wichtigen Zwischenlager - wie fast alle anderen Punkte, die mich eigentlich interessieren - habe ich schon bei der Aufzählung meines Detailwissens angesprochen, ohne dass A. näher darauf eingegangen ist. Ich spreche daher nochmals das von A. am Anfang erwähnte Lager für nuklearen Abfall an. Er möge sich doch in der Redaktion melden, wenn die Pläne für das Lager für Nuklearmüll weiter vorangeschritten seien. Dann bedanke ich mich für das Gespräch und verabschiede mich. 

Draußen ärgere ich mich über den Gesprächsverlauf. Eigentlich habe ich nichts Neues von A. gehört. Einige meiner Vermutungen scheinen sich zu bestätigen, das ist aber auch schon alles und hilft mir nicht weiter. Inhaltlich war ich zwar auf das Gespräch gut vorbereitet, hatte mir aber keine geeignete Strategie zurechtgelegt, um im Gespräch meine Fragen so plausibel zu stellen, dass A. Lust gehabt hätte, sie zu beantworten. Ich hoffe jetzt, das A. meinen Besuch schnell wieder vergisst. 

Ich beschließe, ab sofort nicht mehr als Journalist auftreten. Allenfalls will ich behaupten, früher "auch schon mal als Journalist gearbeitet" zu haben. Ab jetzt bin ich "Geschäftsmann" bzw. "dynamischer Jungunternehmer" und auf der Suche nach "Marktlücken", die es klug zu besetzen gilt. 

Foto: Greenpeace

Meine Legende dabei: Meine Freundin arbeitet bei der Treuhand in Berlin und ist in der Abteilung tätig, welche die ehemaligen Landwirtschaftlichen Produktionsgenossenschaften (LPG) der DDR abwickelt. Dadurch habe ich Kenntnis von den Problemen und hohen Kosten, die bei der Entsorgung der Agrochemikalien dieser LPGs entstehen. Und ich weiß daher natürlich auch, wo noch größere Bestände zur Entsorgung vorhanden sind und auch, welche Barmittel dafür vorgesehen sind. 

Dieses Wissen will ich jetzt nutzen, um mich an der Entsorgung der Chemikalien zu beteiligen und damit gutes Geld zu verdienen. Dabei lasse ich als kreativer Geschäftsmann auch mal fünfe gerade sein. Nach Südosteuropa habe ich "aus früheren Zeiten" noch gute und vielfältige Kontakte und dort solide "Entsorgungs- bzw. Verwertungsmöglichkeiten" für die Agrochemikalien. Motto: "Wieso die Stoffe hier für teures Geld entsorgen, wenn es in anderen Ländern Märkte dafür gibt?"

Müllschieber B.

Das Gespräch mit A. ist doch noch zu etwas gut. Ich nutze nun seine Sicht der Dinge und seine Umschreibungen des Entsorgungsgeschäftes für meine künftige Geschäftsanbahnung und für die Gesprächsführung als Müllhändler. 

In der sächsischen Kleinstadt Oberlungwitz, in der ich mich befinde, soll sich das Zwischenlager für den Giftmüll befinden. Und von hier aus führen die LKW direkt zum Bestimmungsort in Rumänien. 

Einen ganzen halben Tag bin ich durch den Ort spaziert oder gefahren, um mögliche Lager für Giftmüll zu identifizieren. Als ich mich beim Pförtner einer Textilfabrik melde, ist es schon später Nachmittag. Ich lasse mich als "Geschäftsmann" anmelden, der für Exportgeschäfte im sächsischen Grenzgebiet zu Tschechien Lagerkapazitäten anmieten wolle. Nach kurzem Warten werde ich hereingebeten und von einem Henning B. in seinem Büro empfangen. 

Laut Visitenkarte ist B. technischer Geschäftsführer und Mitglied im Vorstand der Firma. Ansonsten weiß ich über B. nichts. Umgekehrt gilt natürlich das Gleiche. B. kann einfach aus zeitlichen und technischen Gründen noch nichts über mich recherchiert haben, was ihn misstrauisch machen könnte. Bis gerade eben kannte er mich ja noch gar nicht und bei A. war ich mit anderem Namen und anderer Legende aufgetreten. Solange ich meine Rolle durchhalte, sollte mir hier keine Gefahr drohen. 

B.s Büro hat sich seit der Wende offenbar noch nicht geändert. Nur am modernen Telefon erkennt man, dass es die DDR nicht mehr gibt. Ich stelle mich als selbständig arbeitender Berater im Entsorgungsgeschäft vor, erzähle ein bisschen von mir und meiner Freundin und sage direkt, dass ich ein Zwischenlager für Agrochemikalien suche. Kurzfristig. Ich hätte einen Tipp aus dem Umfeld von A. bekommen. 

B. springt sofort auf meine Nachfrage an. Grundsätzlich könnten die Chemikalien unproblematisch in einer Halle des Werkes eingelagert werden. Diese würde alle Voraussetzungen zur Einlagerung von Gefahrgütern dieser Art erfüllen. Zur Zeit sei die Halle aber noch vermietet. In sechs, nein vielleicht schon in drei Wochen könne er mir die Halle zur Nutzung anbieten. 

Lamentierend berichte ich von den unendlichen Schwierigkeiten mit den Behörden. Kurzfristig wollten die Mietverträge sehen, da müsse man auch kurzfristige Handlungsfähigkeit beweisen. Dabei benutze ich verschiedene Fachbegriffe aus der Entsorgungsbranche und Fachbezeichnungen für Formulare und Verwaltungsakte. Ich sage, dass ich mich gerne mit dem jetzigen Mieter in Verbindung setzen würde, um mit ihm über einen gemeinsamen Betrieb der Lagerhalle zu verhandeln. 

Foto: Greenpeace

B. will den Namen nicht nennen. Dies sei Gegenstand des Vertrages. Wenn es A. sei, entgegne ich, könne B. dies ruhig sagen. Ich würde mich zwar als Konkurrent von A. betrachten, würde mich aber schon mit ihm arrangieren können. Aber A. ist es nicht, fügt B. unvermittelt hinzu. "Was bekommen sie jetzt pro Quadratmeter als Miete?", frage ich. B. antwortet sofort: 8,50 DM. Ich biete 10,50 DM. Die Halle muss ich aber inspizieren, um sie als Lager einplanen zu können. B. windet sich. Er habe zur Zeit noch nicht einmal einen Schlüssel. Wie lange ich denn die Halle mieten würde? Ohne darauf einzugehen erkundige ich mich nach Rampen, Hebebühnen und Gabelstaplern, gebe also vor, Großes im Sinne zu haben. 

B. verspricht mir, einen Kontakt zwischen mir und dem jetzigen Mieter der Halle herzustellen. Innerhalb von zwei Tagen. 

Am dritten Tag rufe ich bei B. an, und frage wegen dem ausbleibenden Anruf nach. B. meldet unvermittelt Ansprüche an. Er sieht nicht, welche Vorteile er aus dem Kontakt zwischen mir und dem jetzigen Mieter hätte. Ich könne die Halle im Anschluss an den derzeitigen Mietvertrag haben. 

Natürlich solle der Kontakt auch für ihn von Vorteil sein, wende ich ein. Pro gemeinsamem Mietmonat würde B. von mir 1,50 DM pro Quadratmeter Halle bekommen, zusätzlich und ganz privat. Bei rund 1.200 Quadratmeter Lagerfläche Anreiz genug, um mir Namen und Telefonnummer des momentanen Mieters durchzugeben.

Müllschieber C.

Mit dem jetzigen Mieter der Halle, nennen wir ihn C., bin ich an seiner Büroadresse verabredet, die offenbar gleichzeitig ein Teil seines Wohnhauses ist. Wir befinden uns in einem kleinen Dorf im sächsischen Vogtland. C. hat eine kleine Spedition mit sechs Fernlastzügen, ist schon zu DDR-Zeiten wegen Straftaten wie Betrug und Körperverletzung aufgefallen und entspricht vom Äußeren dem Typus des Schlägers. 

Ich habe mich bei ihm telefonisch mit derselben Legende wie schon bei B. vorgestellt und dringend um ein Treffen zwecks einer Besprechung zur gemeinsamen Nutzung der Lagerhalle gebeten. C. empfängt mich in der Eingangstür und bittet mich gleich zu seinem Auto, einem aufgemotzten Mittelklassewagen: Meinen Wagen könne ich hier stehen lassen. Wir kämen auf der Rückfahrt sowieso wieder hier vorbei. Er hätte wenig Zeit und während der rund halbstündigen Fahrt zur Halle könnten wir schon viel besprechen. 

Für einen Moment bin ich stark verunsichert, ob ich auf sein Angebot einer gemeinsamen Fahrt und dies in seinem PKW eingehen soll. Wenn C. weiß, wer ich bin, gebe ich ihm Gelegenheit, mich direkt in eine Falle zu chauffieren. Andererseits will ich bei C. jetzt nicht Misstrauen generieren, in dem ich zu sehr auf Distanz zu ihm gehe. Sein Vorschlag klingt plausibel und mir fällt im Moment kein plausibles Gegenargument ein. Ich entscheide mich für das abschätzbare Risiko. Wenn ich im eigenen PKW C. hinterher führe, könnte er mich ebenfalls in eine Falle lotsen. Ein eigenes Auto würde mir, wenn die Falle geschickt geplant wäre, auch nicht viel helfen.

Bevor ich C. auf die gemeinsame Hallennutzung anspreche, stelle ich ihm während der Fahrt ein paar Fragen zu seinem Fahrzeug und was diverse Extras denn so gekostet hätten. Das gefällt ihm und da ich mich mit Autos gut auskenne, kommen wir schnell in ein reges Gespräch. Dann befragt mich C. zu meiner Person und meinen Geschäftsabsichten. Ich erzähle von meinem Vorleben als Journalist und meinen jetzigen privaten Kontakten zur Treuhand. Dabei mache ich Journalisten ein bißchen madig und die Treuhand richtig schlecht. Das gefällt C. und er lässt sich nun von mir befragen: seit wann er denn schon die Spedition habe, wie er überhaupt aufs Speditionsgewerbe gekommen sei und was er früher in der DDR so alles gemacht habe. 

C. stellt sich als eine Art Widerstandskämpfer dar, der zweimal ins Gefängnis musste quasi als politischer Gefangener. Nach der Wende habe er seine Chance als selbständiger Unternehmer gesehen und sei ins boomende Speditionsgewerbe eingestiegen. Leider gingen die Geschäfte aber seit kurzer Zeit immer schlechter, es würde immer schwieriger, die LKW auszulasten. 

Da ich die Frachtraten für Deutschland und Europa inzwischen gut kenne, stelle ich C. Aufträge zu allgemein üblichen Tarifen durch mich in Aussicht. Als C. einwendet, dies sei nicht mehr als er auch jetzt schon bekomme, entgegne ich, dass ich Geschäftsmann sei, es genug Speditionen gebe und C. ja schon an der Untervermietung des Lagers verdiene. Das scheint C. in gewissem Sinne zu beeindrucken. 

Die hier abgebildeten Personen stehen nicht in Zusammenhang mit den im Text geschilderten Ereignissen. Foto: Greenpeace

In der Halle stehen wir vor rund 40 Paletten beladen mit den verschiedensten Agrochemikalien. Die Etiketten sind teilweise nicht mehr lesbar, an einigen Gebinden scheint sich der Inhalt langsam nach Außen zu fressen. Es stinkt fürchterlich. 

Das ist Ware von A. sage ich unvermittelt. C. nickt. Wir kommen auf A. zu sprechen. Für den fährt er die Ware als Subunternehmer. C. mietet von A. LKWs, um mit diesen Agrochemikalien nach Rumänien zu fahren, die A. ihm vorher in die Halle gestellt hat. C. erhält angeblich nur ganz normale Frachtraten. Dabei sei oft schon die Verladung der Paletten auf die LKW nicht einfach. Die Gebinde seien oft instabil. Auch die Bezahlung der Fahrer geht auf C.´s Konto. 

Ich rede immer schlechter über A. Er zerstöre den Ruf der seriösen Entsorgungsbranche, der ich mich zurechne. Mit dem Abfall in der Halle will ich nichts zu tun haben und will wissen, wann das Zeug rausgeht. Montag oder spätestens Dienstag antwortet C. Ab Mittwoch könne ich Mieter der Halle werden. Heute ist Donnerstag. Wir reden über den Preis und ich bemühe mich wieder, C. in seinen Vorstellungen vom westlichen Geschäftsmann nicht zu enttäuschen. C. ist etwas frustriert, weil ich nicht mehr als die Hälfte des Mietzinses übernehmen will, den mir B. pro Quadratmeter genannt hat. Mein Angebot, bis Montag verbindlich die Untermiete nach meinen Konditionen zu verabreden, will er sich überlegen. Während der Rückfahrt reden wir wieder über Autos. 

Am Montag geht C. am Telefon auf mein Angebot ein und erklärt, dass die Halle ab Dienstag 15.00 Uhr geräumt sei.

Wieder draußen

Am Mittwoch lese ich morgens in einer Dresdner Boulevardzeitung eine Aufmachergeschichte über die von Greenpeace an der Grenze gestoppten Giftmülltransporte. Ein Greenpeace- Mitarbeiter hat den Reportern gegenüber erklärt, dass Greenpeace durch Einwohner von Oberlungwitz auf das Giftmülllager hingewiesen worden sei. Diese wiederum seien durch den Gestank der in der Halle gelagerten Chemikalien misstrauisch geworden. 

Mittwoch mittags rufe ich bei C. an und schimpfe heftig: wie es dazu kommen könne, dass seine Transporte von Greenpeace gestoppt worden seien, was da denn los sei, dass ich ab sofort auf jede weitere Geschäftsverbindung zu ihm verzichten wolle und C. meinen Namen am besten sofort vergessen solle. C. ist hörbar verstört und kleinlaut. Wir haben uns danach nie wieder gesehen oder gesprochen. 

Es ist dies mein "Ausstieg" aus der verdeckten Recherche.

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