Die Berichte der Frankfurter Rundschau, 29.11.2007

von Jörg SCHINDLER

Unicef-Affäre, die nächste

Im Deutschen Komitee für Unicef ist offenbar noch mehr Geld auf seltsamen Wegen geflossen als bislang bekannt. Nach FR-Informationen soll das Kinderhilfswerk seit Mitte 2005 etliche Aufträge an eine Unternehmensberatung vergeben haben, ohne dass der Vorstand davon im Einzelnen informiert wurde. Allein bis Mai 2007 floss für die diversen Aufträge ein Honorar in Höhe von 1,3 Millionen Euro.

Nutznießer dieser Aufträge ist die Dastani Consulting GmbH in Gießen-Wettenberg. Diese "unterstütze" Unicef "in verschiedenen Projekten der Bereiche Mittelbeschaffung und Grußkarten", heißt es in Unterlagen, die der FR vorliegen. Zu den Leistungen von Dastani gehört "allgemeine Beratung" und die "Analyse von Aktionen". Nach Angaben aus Vorstandskreisen soll es für diese Projekte keine Ausschreibung gegeben haben. "Wir haben jedenfalls nie eine gesehen – es heißt immer: Das geht alles direkt an Dastani."

So schloss Unicef am 23. Februar 2006 mit der Dastani Consulting GmbH einen Vertrag über die "Konzeption und Erstellung eines Marketing-Informationssystems" und vereinbarte einen Pauschalpreis von 460 780 Euro. Eine Summe, die von Unicef-Mitarbeitern als "deutlich überzogen" betrachtet wird. Gezeichnet hatte die Leiterin des Bereichs Mittelbeschaffung. Diesen Posten hatte bis 2005 Ulrich Z. inne, der als "freier Mitarbeiter" seit August 2005 fast 300 000 Euro Honorar erhielt. Nach Angaben der Unicef-Vorsitzenden Heide Simonis ist unklar, aus welchem Topf diese und andere üppige Honorare bezahlt und wo sie verbucht wurden.

Unicef-Geschäftsführer Dietrich Garlichs wies in einer schriftlichen Erklärung alle Vorwürfe zurück. Simonis betonte auf Anfrage, dass es sich nicht um eine gemeinsame Stellungnahme von ihr und Garlichs handele.
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