HRO: die "Humanisten" in Königs Wusterhausen

"Parteipolitik bleibt bei uns draußen vor"

sagt David DRIESE, Vorstandsvorsitzender des „HRO“ – ein Kürzel, das für „Humanistischer Regionalverband Ostbrandenburg“ steht. DRIESE sagt das nicht nur, dass "Parteipolitik bei uns" außen vor bleibt. Vermutlich glaubt DRIESE das auch selbst. 

Der HRO ist angesiedelt und aktiv in der kleinen Stadt Königs Wusterhausen (ca. 34.000 Einwohner) und sieht sich laut seiner eigenen  Beschreibung auf der Homepage als „eine überparteiliche, demokratische Organisation, der die Interessen nichtkonfessionell gebundener Menschen vertritt…“. 

Konkret erklärt David DRIESE dies in einem Interview mit der Märkischen Allgemeinen Zeitung (MAZ) am 22.4.2013 so:

„Eine Interessenvertretung für konfessionslose Menschen, die an keinen Gott glauben. Wir wollen erstens eine klare Trennung von Weltanschauung und Staat, wie sie auch in der Verfassung steht. Und unsere zweite Forderung ist, dass der Staat alle Weltanschauungen gleich behandelt. Wir haben keine Bibel, wir haben keinen Koran. Wir haben unsere Grundwerte. Kirche ist nicht unsere Sache. Wobei wir natürlich wissen, dass wir in Deutschland eine von christlichen Werten geprägte Gesellschaft haben.“

Die Arbeit in einer der beiden Institutionen, die der HRO betreibt, der Kita „Knirpsenstadt“, die es schon zu DDR-Zeiten gab und die der HRO nach der Wende übernommen hatte, ist für Königs Wusterhausen unverzichtbar. Dass Kinder ohne direkte oder indirekte Prägung auf irgendwelche Religionen und/oder Ideologien aufwachsen (können), ist eine der herausragenden Merkmale dieser Kita, die mit ihren 200 Plätzen seit Jahren immer voll ausgelastet ist. Nicht zuletzt ein Verdienst der dortig engagierten Mitarbeiter und Mitarbeiterinnen, über 20 an der Zahl. 

Die andere Institution bzw. der andere Schwerpunkt der Arbeit: das Jugendfreizeithaus in der Scheederstrasse. Das wird von Günter DAVID geleitet, der bis zum 15. Mai 2014 auch als ehrenamtlicher Geschäftsführer des HRO fungierte, aber aus der politischen Schusslinie gezogen werden musste.


Die sozialpädagogische Arbeit fusst auf konkreten Angeboten für Jugendliche:

· Keramikwerkstatt

· Medienwerkstatt

· Tanzkurse

· Offene Treffs für Jugendliche

· Jugendfeiern

· die bekannte „Namensfeier“ für ungetaufte junge Erdenbürger (analog zur christlichen Taufe) 

· Kooperationen mit der Erich-Kästner-Grundschule

· aber auch Beratung von Erwachsenen in vielen Fragen, um die sich sonst niemand kümmert, am wenigsten die „Politik“ (z.B. Patientenverfügungen, Vorsorgevollmachten usw)

Also alles Dinge, die für das Hinweinwachsen in das soziale Leben mit anderen Menschen elementar sind. Das ist die absolut positive Seite dieses Vereins.

 

Rein formal betrachtet ist der HRO folgendermaßen organisiert und so arbeitet er – das Organigramm stammt vom HRO selbst:

David DRIESE, Jahrgang 1984, erklärte im Jahr 2013 im oben genannten Interview mit der MAZ, dass sein HRO-Kollege, Günter DAVID , als ehrenamtlicher Geschäftsführer des Verbandes einen Dienstwagen gestellt bekommt. Den brauche er, denn schließlich habe er „32 Mitarbeiter und einen Jahresumsatz von mehr als einer Million Euro zu bewirtschaften,“ so DRIESE. Der größte Teil dieser Million seien die Personalkosten der Kita-Knirpsenstadt, die der HRO als Träger unterhält.

Zum Zeitpunkt des Interviews ahnte niemand, dass DAVID im Mai 2014 von seinem Posten zurücktreten würde, weil wenig später gegen den HRO eine Anzeige wegen Betrugs läuft: unter DAVID’s Ägide als Geschäftsführer hat der HRO jahrelang falsche Kita-Abrechnungen erstellt und Unterlagen nicht offen gelegt. Als der im Rathaus zuständige Fachgebietsleiter Swen ENNULLAT dies bemerkt und auf konkreten Nachweisen und Zahlen besteht und Bürgermeister Lutz FRANZKE, ebenfalls SPD, erst reagiert, als das lokale Fernsehen davon erfährt, ist es im SPD-regierten Königs Wusterhausen der Überbringer der schlechten Nachricht, der gehen muss. Nicht DRIESE oder DAVID, die Verursacher der 'schlechten Nachricht'. 

DAVID muss nur auf sein ehrenamtliches Aushängeschild „Geschäftsführer“ verzichten. Und weil seit Ende 2014 feststeht, dass der HRO erhebliche Geldbeträge nachzahlen muss, die er aufgrund gefälschter Abrechnungen zu viel von der Stadt KW (SPD-regiert) und dem Landkreis Dahme-Spreewald (SPD-regiert) erhalten hat, geht er – wie das auch viele betrügerische Unternehmen in der freien Wirtschaft machen – gezielt in die Insolvenz. Das ist die absolut negative Seite dieses Trägers.

Laut David DRIESE, dem ehrenamtlichen Vorsitzenden, sind „Toleranz und Akzeptanz“ (Interview MAZ) die „beiden Grundwerte“ des HRO. Dies scheint allerdings nur solange zu gelten, solange niemand bestimmte Arbeitsweisen und Abrechnungspraktiken hinterfragt und Ungereimtheiten aufdeckt.

Und noch ein ‚Glaubensbekenntnis‘ will DRIESE im Interview ja vermitteln: „Parteipolitik bleibt bei uns im Verband draußen vor.“ Schaut man sich die vielfachen Funktionen und Verquickungen der SPD im Landkreis Dahme-Spreewald und in Königs Wusterhausen an, fällt einem das (ziemlich) schwer zu glauben:

CC-BY-SA: www.ansTageslicht.de/KW

Nicht nur diese Grafik spricht dagegen. Auch der Vorgang der ganzen Geschichte: ausführlich dargestellt in der Chronologie eines Whistleblowers

(DeHo)