Die Wächterpreisträger 2020 und ihre "ausgezeichneten" Geschichten

Dieses Jahr gab es knapp 63 Bewerbungen. Drei davon erhielten Preise. Eigentlich sollten (fast) alle Geschichte mit einem Preis gekrönt werden - für relevanten Journalismus, den unsere demokratische Gesellschaft dringend braucht. In den verschiedenen Redaktionen, heute "Newsroom" genannt, wird auch unter teils schwierigen Bedingungen weiterhin hartnäckig und fleißig recherchiert, Sie decken Missstände, Probleme und Skandale aus und stoßen öffentliche Diskussionen an. Oft löst dies dann auch Veränderungen - und nicht selten Verbesserungen aus.

Die Artikelserie der Rhein-Neckar-Zeitung zu einem unausgereiften Bluttest erhält den ersten Preis

Der Preis geht an Sebastian Riemer und Dr. Klaus Welzel von der „Rhein-Neckar-Zeitung“ in Heidelberg. Sie haben durch ihre investigative Berichterstattung über einen unausgereiften Bluttest zur Früherkennung von Brustkrebs am Heidelberger Universitätsklinikum das fragwürdige Vorgehen von Professoren, Investoren und PR-Machern in der Grauzone von Wissenschaft und wirtschaftlichen Interessen an Tageslicht gebracht. Die Folge waren personelle Konsequenzen im Vorstand des Klinikums und ein erheblicher Imageschaden für die Universität Heidelberg.


Die datenjournalistische Darstellung des Dauerthemas Unterrichtsausfall in der Stuttgarter Zeitung wird mit Platz 2 belohnt

Ein Team aus Redakteure und Mitarbeiter rund um Jan-Georg Plavec hat in „Stuttgarter Zeitung/Stuttgarter Nachrichten“ eine zwölfteilige Serie über das Thema des Unterrichtsausfall veröffentlicht. Herzstück sind umfangreiche Datenrecherchen eines neunköpfigen Teams. Sie haben zudem eine Umfrage an den weiterführenden Schulen in Stuttgart aufbereitet. In ihrer Folge von Artikeln, Interviews und Berichten wurde ein Problem von allen Seiten beleuchtet, das Politik und Verwaltung bis dahin eher stiefmütterlich behandelt hatten. Durch diese Aufberreitung rückte das Thema in den Brennpunkt öffentlicher Aufmerksamkeit.

 


Die Recherche der Nürnberger Nachrichten zu maniipulierten Abrechnungen beim bayerischen Arbeiter-Samariter-Bund erhält den dritten Preis

Michael Kasperowitsch deckte auf, dass in der Leitung des bayerischen Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) durch Buchungstricks jahrelang Abrechnungen im Rettungsdienst manipuliert hat. Über die Jahre hinweg wurden dadurch Millionen Euro den Krankenkassen zu Unrecht in Rechnung gestellt. Die Artikel haben zu Ankündigungen geführt, neue wirksame Kontrollverfahren in der ASB einzuführen


Die Wächterpreis-Verleihung wird infolge der Corona-Pandemie auf 2021 verschoben. Voraussichtlich ist sie wieder im Kaisersaal im Frankfurter Römer.