Die Wächterpreisträger 2019 und ihre "ausgezeichneten" Geschichten

Dieses Jahr gab es knapp 80 Bewerbungen, dazu aber nur drei Preise. Eigentlich sollten (fast) alle Geschichte mit einem Preis gekrönt werden. In den verschiedenen Redaktionen, heute "Newsroom" genannt, wird weiterhin hartnäckig und fleißig recherchiert, Probleme und Skandale werden aufgedeckt und öffentliche Diskussionen angestoßen. Meistens werden dadurch auch Veränderungen erzeugt. 

 

Die Artikelserie zur VW-Diesel-Affäre des Handelsblattes erhielt den ersten Preis

Der Preis geht an René Bender, Markus Fasse, Mona Fromm, Sönke Iwersen, Jan Keuchel, Alina Liertz, Stefan Menzel, Martin Murphy und Volker Votsmeier. Sie haben seit Ausbruch der Krise 2015 über den größten Skandal in der Geschichte von Volkswagen berichtet, der unter dem Begriff "Dieselgate" Geschichte macht. Die Recherchen im Jahr 2018 waren geprägt durch die Auswertung von mehr als 12.000 Seiten interner Dokumente, die erstaunliche Erkenntnisse auch darüber ans Tageslicht brachten, wie offenbar in diesem Konzern in der Führungsspitze gearbeitet wurde. 


Die Hintergrundrecherche der Welt zum Terroranschlag am Breitscheidplatz in Berlin wird mit Platz 2 ausgezeichnet

Florian Flade blieb beharrlich. Immer wieder hatten ihm Behörden mitgeteilt, es gäbe nichts Neues im Fall des Terroranschlags auf dem Berliner Breitscheidplatz im Dezember 2016. Der Journalist wurde hellhörig, waren doch noch so viele Fragen um Attentäter Anis Amri ungeklärt. Er hakte nach – und fand bei seiner Recherche auch Antworten im islamistischen Milieu.

 

 


Die Recherche der HNA zur Fast-Pleite der "documenta 14" erhält den dritten Preis

Die "documenta 14" in Kassel war am Rand des Ruins, doch in der Öffentlichkeit ahnte keiner etwas davon.  Das Journalistentrio Frank Thonicke, Horst Seidenfaden und Florian Hagemann von der Hessischen Allgemeinen (HNA) hat die Missstände aufgedeckt und öffentlich gemacht, wer hierfür verantwortlich ist. Damit haben sie einem Neuanfang für die weltbekannte Schau zeitgenössischer Kunst den Weg bereitet. Sie haben auch die Erfahrung gemacht: Wer sich in Kassel gegen die "documenta" stellt, braucht trotzdem ein dickes Fell. Doch professionell arbeitende Journalisten bringt Gegenwind nicht vom Weg ab.


Die Wächterpreis-Verleihung war am Montag, den 03. Juni 2019, im Kaisersaal im Frankfurter Römer.