Ignatz NACHER hatte sich 1933 Rechtsanwalt Albrecht ASCHOFF selbst ausgesucht, als er sich gegen die juristischen Sticheleien der neuen Hauptverwaltung seiner eigenen Brauerei erwehren und sich im Strafprozess gegen ihn wegen "Beihilfe zur aktienrechtlicher Untreue" anwaltlich vertreten lassen musste. ASCHOFF war mit dem von Adolf HITLER und Joseph GOEBBELS unmittelbar nach der sogenannten Machtergreifung eingesetzten "Staatskommissar für Berlin" Julius LIPPERT bekannt. Und LIPPERT wollte Ignatz NACHER die Mehrheit seiner Engelhardt-Brauerei-Aktien abzwingen. NACHER hatte offenbar die Hoffnung, dass es mit diesem Anwalt nicht ganz so schlimm kommen würde.
Doch es war Rechtsanwalt Albrecht ASCHOFF, der am 31. August 1934 in der Gefängniszelle dem dort einsitzenden Ignatz NACHER bedeutete, dass er "nur fünf Minuten von der Gefängnisleitung" bekommen habe, um NACHER dazu zu bringen, die längst vorbereitete Vollmacht zu akzeptieren. "Wenn Sie die vorbereitete Vollmacht nicht unterschreiben, können wir Ihnen nicht mehr helfen", so seine überlieferten Worte.
Mit der unterschriebenen fünfseitigen Vollmacht in der Tasche tauchte ASCHOFF dann tags drauf zunächst bei der "Borussia AG für Brauereibeteiligungen" auf, deren Mehrheitsaktionär Ignatz NACHER war und über die er wiederum eine maßgebliche Beteiligung an der Engelhardt-Brauerei hielt. ASCHOFF konnte als Alleinbevollmächtigter auf die Schnelle eine "außerordentliche Generalversammlung" einberufen.
Mit der Vollmacht befanden sich auch alle Aktien in der Verfügungsgewalt von Albrecht ASCHOFF, der dem mitgebrachten Notar die Anteilsscheine im Wert von 1 Million Reichsmark auf den Tisch blätterte, um zu belegen, dass das gesamte Aktienkapital vertreten sei. Dann der einzige Tagesordnungspunkt: Wahl eines neuen Aufsichtsratsvorsitzenden. Der hieß nun Albrecht ASCHOFF und nicht mehr Ignatz NACHER.
In dieser Funktion tauchte Albrecht ASCHOFF dann wenige Tage später bei der Dresdner Bank auf: "Mein Auftraggeber verpflichtet sich", alle Engelhardt-Aktion "an die Dresdner Bank zu verkaufen."
Damit war Ignatz NACHER alle seine Aktien los, die er direkt und indirekt über die "Borussia AG" an der Engelhardt-Brauerei besessen hatte. Der gesamte Ablauf ist detailliert rekonstruiert unter www.ansTageslicht.de/Engelhardtbrauerei.
Wehrmacht: Ausplünderung anderer Länder
Mit dieser Aktion verabschiedete sich RA Dr. Albrecht ASCHOFF vorerst aus dem Juristenleben, nicht ohne vorher seine "Kostennote" in Höhe von 58.750 RM auch gleich vom NACHER'schen Privatkonto liquidiert zu haben. ASCHOFF meldete sich bei der Wehrmacht, stieg in die Offizierslaufbahn ein und kam schnell voran. Bis zum Oberstleutnant wird er es bringen. Der Zweite Weltkrieg bescherte ihm ein abwechslungsreiches Betätigungsfeld: geographisch und inhaltlich.
Mit der Panzerarmee unter dem Generalleutnant Hans-Jürgen von ARNIM nahm er an der Unterwerfung sowjetischer Territorien teil, übernahm danach wehrwirtschaftliche Funktionen, ließ in diesem Zusammenhang riesige Phosphatvorkommen in Tunesien beschlagnahmen, um sie für die kriegswirtschaftliche Produktion in Deutschland einzusetzen, wurde dann Chef des Stabes "Rüstung und Kriegsproduktion"(RuK) der Militärverwaltung beim Militär-Oberbefehlshaber Oberitalien. Mit Italien bzw. Benito MUSSOLINI war Deutschland verbündet, weshalb man bei der Ausbeutung der Ressourcen eleganter vorgehen musste, wie ASCHOFF in einem Schreiben die Notwendigkeit der Gründung der Tarnfirma "Safta Roma" erklärte:
"Die Arbeit im Gebiet des O.B. Süd stand militärisch und wirtschaftlich unter dem Gesichtspunkt der Ausräumung, d.h.nicht des Aufbaues, sondern des Ausbaues der Wirtschaft. Dasselbe gilt für den Ausbau und Abtransport wichtiger Maschinen und Anlagen, die im Reich eingesetzt werden sollen.
Daneben gibt es - wie die zwischenzeitlichen Erfahrungen bestätigt haben - eine grosse Menge interessanter Waren aller Art, die dem behördlichen Zugriff entzogen sind oder werden, die aber für die deutsche Kriegswirtschaft von Bedeutung sind. Diese Waren können nicht durch Beschlagnahme, sondern nur auf privatwirtshaftlichem Wege, d.h. Kauf - möglichst über eine Tarnfirm herausgelockt werden."
1945 wird ASCHOFF von sowjetischen Truppen festgenommen und in die Sowjetunion verbracht, wo er wegen "Kriegsverbrechen" bis 1955 in Haft gehalten wird.