Boris HERMEL

„Ich interessierte mich schon früh für Politik und Themen mit rechtextremistischer Problematik, ich schloss mich auch damals aus Überzeugung einer Antifa Gruppe an“ – Boris HERMEL schrieb deshalb bereits für die Schülerzeitung zum Thema „Rechtsradikalismus an Berliner Schulen“.

Nach dem Abitur 1989 geht Boris HERMEL nach London – er studiert Communication Studies and Sociology am Goldsmiths College an der University of London. Dort schreibt er für das Collegeblatt Smith über die British National Party und die National Front. Beides sind rechtsextreme britische Parteien. Nach drei Jahren Studium schließt er mit dem Bachelor ab und kehrt nach Deutschland zurück: an die Berliner Journalisten Schule. Damit sind auch zwei Praktika verbunden: bei der Berliner Zeitung und dem damaligen ORB Ostdeutscher Rundfunk (heute Rundfunk Berlin-Brandenburg RBB).

Nach seiner erfolgreichen Ausbildung arbeitet Boris HERMEL als freier Mitarbeiter dort, wo er auch seine Praktika gemacht hatte. Heute ist er beim RBB für die „Tagesaktuellen Nachrichten“ zuständig, sowie für Themen aus dem Bereich „Landespolitik Berlin“, weiterhin als freier Mitarbeiter.

Am 31.10.2007 erhält Boris HERMEL zusammen mit Heike HARTUNG den Journalistenpreis „Der lange Atem“ für ihre Langzeitbegleitung des Neo-Nazi-Opfers Noel MARTIN. Dieser Preis wird vom Berliner Journalistenverein e.V. verliehen, 2007 zum ersten Mal. Eine Auszeichnung, mit der „Journalistinnen und Journalisten geehrt werden, die sich mit Mut, Sorgfalt und Beharrlichkeit einem gesellschaftlich relevanten Thema widmen und es engagiert in die Öffentlichkeit tragen“, so die Jury 2007.

Wie kam es zu dieser Langzeitbegleitung und was hat Boris HERMEL bewogen, an diesem Fall zehn Jahre lang dran zu bleiben?

„Ich beobachtete Ende der 90er Jahre eine ‚rechte Welle’, die durch Deutschland schwappte. Die Anschläge in Brandenburg häuften sich, wurden jedoch von der Bevölkerung und den Medien nicht ernst genommen“. Als Boris HERMEL vom Fall „Noel MARTIN“ hört, nimmt er erst Kontakt  zu den Kollegen von Noel MARTIN auf, die beim Anschlag mit im Auto saßen.

„Am Anfang wurde Noel MARTIN von der Presse fern gehalten, aus diesem Grund wendeten wir uns erstmal seinen Kollegen zu“ - aus journalistischer Sicht oft ein wichtiger taktischer Zug, um an bestimmte Personen  besser herantreten zu können.

Der „Fall Noel MARTIN“ weckt starkes Interesse bei Boris HERMEL, der seinen Lebensmittelpunkt inzwischen wieder in Birmingham (England) hat. „Bei meinen Londonaufenthalt während meines Studiums habe ich die Probleme von Einwanderern life miterlebt und so konnte ich mir auch ein Bild von Noel MARTINS Lebensumstände machen“, sagt HERMEL. Auch der ‚Tatort’, die Gemeinde Mahlow direkt vor den Toren Berlins im Süden ist Boris HERMEL bekannt:  „Mein Vater ging mit dem Bürgermeister von Mahlow zur Schule“. Dies alles macht HERMEL eine genauere und persönlichere Berichterstattung möglich. Kontakt zu Noel MARTIN nahm Boris HERMEL zum ersten Mal im Jahr 1997 auf, es folgten mehrere Reisen nach BIRMINGHAM

Bereits beim ersten Treffen merkt Boris HERMEL, dass dies kein gewöhnlicher Fall war. „Bei meiner ersten Begegnung mit Noel MARTIN war ich durch diese Person in den Bann gezogen, MARTIN  ist  kein einfacher Bauarbeiter, eher ein Unternehmer.“  Noel MARTIN zeichnet sich durch seine  besondere  Art aus, z.B. wie er mit seinem Schicksal umgeht. Dies veranlasst den Berliner  Journalisten auch, am „Ball zu bleiben“ und durch seine journalistische Arbeit die verschiedenen Facetten des Schicksals von Noel MARTIN zu vermitteln.

Auch durch bestimmte Schwierigkeiten in Mahlow lässt sich Boris HERMEL nicht abbringen: er trifft auf „Ablehnung“ und „Ohnmacht“. Und die Mahlower, allen voran der  damalige Bürgermeister fühlt sich in  die „braune Ecke“ gedrängt. Die Folge: Trotzreaktionen. Das Problem ‚Rechtsextremismus’ wird geleugnet. „Bei unseren Recherchen in Mahlow merkten wir auch, dass der Gruppendruck sehr hoch ist“.

Sehr eindrucksvoll schildert Boris HERMEL über ein Gespräch mit einem der verurteilten Täter, der Schmerzensgeld an Noel MARTIN zahlen muss, sobald er dazu in der Lage ist. Dessen Standpunkt: „Ich geh doch für den Nigger nicht arbeiten!“

Auch beim Aufsuchen des anderen Mittäter stößt HERMEL auf Ablehnung - keine Spur von Reue oder Mitgefühl, er weigert sich an einem Gespräch teilzunehmen. „Es wurden viele Aktionen in Mahlow gestartet, um das ‚Rechte Problem’ in den Griff zu bekommen, aber auch bei unserer Recherche Jahre nach dem Vorfall sind wir immer noch auf  rechte Strukturen gestoßen“.

Boris HERMEL bleibt weiter dran am „Fall Noel MARTIN“. Heike HARTUNG und Boris HERMEL sind froh, dass sie im rbb immer wieder Gelegenheit haben, auch in langen 30-Minuten-Formaten über das Schicksal von Noel MARTIN zu berichten. Beide wünschen sich für die Zukunft allerdings Sendezeiten, die nicht unbedingt immer an einem Samstag um 18.02 Uhr liegen, sondern vielleicht auch mal auf einem etwas quotenträchtigeren Platz.

 

(MW)

Wo die Person ebenfalls eine Rolle spielt: