So begann die Geschichte mit dem Abrechnungsbetrug

 Der erste panorama-Beitrag enstand durch einen Zufall: Die Co-Autorin dieses Beitrags Andrea RÖDER, zu dieser Zeit Praktikantin beim ORB in Potsdam, erfuhr von einem Bekannten bei der AOK Brandenburg von der Existenz einer “Ermittlungsgruppe Abrechnungsbetrug”. 

Die zweite Information bestand darin, dass es Betrug sogar mit bereits verstorbenen Patienten gab. Neben der regionalen Berichterstattung im ORB wurde für die bundesweite Berichterstattung panorama(in Person von Ilka BRECHT) mit ins Boot geholt. Neben den Vertretern der Krankenkasse sprach man auch mit den von der Krankenkasse genannten beschuldigten Ärzten und machte für den Beitrag über eine schlichte Recherche im Telefonbuch Angehörige der Toten ausfindig.

In der panorama-Redaktion sind Themenfelder nicht immer nur bestimmten Redakteuren zugeordnet, außer dass die meisten ihre jeweiligen Spezialgebiete mit viel Know-how und entsprechenden Kontakten und Netzwerken haben. Dieses Themengebiet fiel nicht unter das Spezialinteresse eines Redakteurs. Deshalb blieb es auch ersteinmal über zwei Jahre nach der ersten Sendung unberücksichtigt.

Erst im Januar 2003 kam es zum nächsten Beitrag. Diesmal war es Thomas BERNDT, der durch ein Routine-Gespräch mit Vertretern der AOK Niedersachsen mehr oder weniger zufällig auf das Thema stieß.

Derartige Gespräche sind nichts außergewöhnliches. Regelmäßig melden sich Redakteure verschiedener Medien bei der AOK in Niedersachsen, und erkundigen sich nach interessanten Neuigkeiten. Im konkreten Fall hatte die AOK bei internen Ermittlungen ihrer “Task Force Abrechnungsbetrug" Versicherten- und Abrechnungsdaten verglichen und dabei – wie ihre Brandenburger Kollegen – Fälle von Abrechnungsbetrug mit Toten entdeckt.

panorama prüfte die Zahlen und fragte auch die Staatsanwaltschaft. Für den zweiten Bericht wurden maßgebliche Akteure angesprochen. Die AOK, Angehörige von Toten sowie ein Software-Unternehmer kamen zu Wort. Einer der beschuldigten Ärzte, “Dr. M.” aus Wilhelmshaven, war nicht bereit, vor der Kamera zu reden – er zeigte sich eher kampfbereit. Seine Reaktion auf den Interview-Versuch in seiner Praxis (“Wir hätten gerne Dr. M... gesprochen”) lautete schlicht “Raus!” – diesem Wunsch verlieh er auch physischen Nachdruck.

Nachdem Ärzteschaft und Kassenärztliche Vereinigungen hochgradig empört reagierten und von aufgebauschten Einzelfällen sprachen, startete panorama eine Umfrage unter allen 305 deutschen gesetzlichen Krankenkassen und bat um Auskunft über die dort aufgetauchten Fallzahlen. Etwa die Hälfte der Kassen meldeten sich mit Zahlen zurück, und so konnte die Redaktion im dritten Beitrag die vermuteten Zahlen bestätigen. Wie schwerwiegend bzw. flächendeckend das Problem ist, ist auch eine Frage der Lesart; mehr zur Problematik der Zahlen finden Sie unter So ging die Geschichte weiter.

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