"Fieberkurve" des Stalking

Über mehrere Jahre hinweg ging die Bank Julius Bär mit Methoden gegen Rudolf Elmer vor, die in der Summe den Tatbestand der „Nachstellung“ (§ 238 StGB) erfüllen, also das darstellen, was landläufig unter „Stalking“ bezeichnet wird. Die Methoden wurden mit der Zeit immer „ausgefeilter“. Somit kann man sagen, dass sich die „Härte“ des Stalkings gegenüber Rudolf ELMER mit der Zeit erhöhte.

Das Konzept der "Fieberkurve":

Eine solche Entwicklung der „Härte von Stalking" zu objektivieren, ist schwierig. Um auch grafisch anschaulich zu machen, wie sich der Druck gegenüber Rudolf Elmer beständig erhöht haben muss, wurde eine Stalking-Fieberkurve erstellt, der folgende Überlegung zugrunde liegt:

Je seltener ein Stalking-Ereignis bzw. eine spezifische Stalking-Methode angewandt wird, desto intensiver (härter, drastischer) ist sie.

Oder anders formuliert: Je mehr sich ein Stalker in seine Nachstellung hineinsteigert, desto „ausgefeilter“ und drastischer werden seine Methoden. So ist z. B. das Inserieren der Todesanzeige einer lebenden Person zwar nicht gewalttätig, aber emotional in hohem Maße aufwühlend. Angelpunkt der hier vorgestellten Überlegungen ist also die emotionale Intensität nachstellender Handlungen – emotional sowohl aus der Perspektive des Nachstellenden als auch des Nachgestellten.

Die Reziprozität von (geringer) Häufigkeit und (hoher) Intensität der Stalking-Methoden korreliert mit der geringen Häufigkeit „drastischer“ Stalker, d.h. es gibt viele Stalker, die häufige bzw. wenig intensive Stalking-Methoden anwenden, und wenige, die intensive Methoden anwenden.

In einer Untersuchung des Rechtsanwalts Dr. Michael Markus AUL (2009, 194f.) findet sich das Ergebnis einer Befragung von 311 Stalkingopfern, nach welcher 19 Stalkingereignisse nach Häufigkeiten aufgezählt wurden (Mehrfachnennungen waren möglich). Hieraus ergibt sich also ein Anhaltspunkt für die „natürlichen“ Häufigkeiten von Stalkinghandlungen:

Die in dieser Tabelle aufgeführten Häufigkeiten wurden invertiert, d.h. „umgedreht“: Das wurde nötig, weil sich die Intensität des Stalkings ja gerade an die Seltenheit der Handlungen knüpft, die beiden Größen also umgekehrt korrelieren.

In der oben formulierten Hypothese ist diese „Umdrehung“ bereits angelegt („je seltener, desto intensiver“ – also „je weniger, desto mehr“)

Der so erzeugte Inverswert dient als Indexwert für die Intensität der gegenüber Rudolf Elmer begangenen Stalkinghandlungen.

Zur Bildung dieses invertierten Wertes wurden zunächst die Häufigkeiten (Spalte 3) einzeln durch die Grundgesamtheit (1796) dividiert (Spalte 4) und der Quotient hieraus mit -1 potenziert (Spalte 5).

Die Grafik "Fieberkurve":

Aufgrund der Überlegung, dass alle Stalkinghandlungen im Sinne des § 238 StGB als Tateinheit aufzufassen sind und es somit während eines noch andauernden Stalkingverlaufs keinen Rückgang in der Intensität geben kann, wurde eine kumulierte Häufigkeitstabelle erstellt, von der sich der folgende Graph ableitet:

Literatur: AUL, Michael Markus: Stalking – Phänomenologie und strafrechtliche Relevanz, Baden-Baden 2009.

 

 

 

"Fieberkurve": Daten und Fakten zum Stalking der Bank BÄR

1) Dies sind die Eskalationsstufen, die der Grafik zugrunde liegen:

Stufe 1: Drohungen, Beleidigungen, Mobbing, die indirekt ausgesprochen bzw. ausgeführt werden, bzw. erfolgen, allerdings zu keinen „schwerwiegenden“ Folgen führen

Stufe 2: Drohungen, Aktionen, die für den Nachgestellten spürbare Folgen haben, die allerdings noch „auszuhalten“ sind; sowie Drohungen, die sich wiederholen (und dadurch penetrant sind)

Stufe 3: Drohungen, Beleidigungen, „Unter-druck-Setzen“, die direkt ausgesprochen bzw. ausgeführt werden und zu „schwerwiegenden“ (psychologischen) Folgen, wie extreme Angst und/oder Paranoia führen (z.B.: Drohung der Familie zu schaden)

Stufe 4: Direktes Stalking (z.B.: Ansprechen, Verfolgung, Droh-Mails etc.), welches „schwerwiegende“ Folgen für den Nachgestellten mit sich zieht (z.B.: Einschränkungen im Alltag, psychische Folgen)

Stufe 5: Stalking, Verfolung, welche eine akute Gefahr für Leib und Leben darstellen

2) Und dies sind die Vorkommnisse seit 2002, dem Jahr der Kündigung von Rudolf ELM, in chronologischer und zugleich tabellarischer Form: als Synopse, aus denen die Eskalationsstufen hervorgehen (siehe aktive Grafik):

(WL / ACG)