Bank Julius Bär: Kunden auf Cayman Islands

Nur eine sehr kleine Übersicht

Ein mexikanischer Brigadegeneral, der mit Drogen in großem Stil schmuggelt und verantwortlich für den Tod für über 100 Menschen ist; ein Reederei-Clan aus Griechenland, wo Schiffsbetreiber laut Verfassung keine Einkommensteuer zahlen müssen; ein mehr als seltsames Brüderpaar aus Mexiko, bei dem der eine Präsident des Landes war; die "Rote Fini", die das Geld der untergegangenen DDR verwahrte sowie ein Großbetrüger in feinem Tuch aus Großbritannien.

Es handelt sich um eine begrenzte Auswahl älteren Datums. 2015 und 2016 wird klar, dass Julius Bär auch in die FIFA-Affäre verstrickt ist. Ein Großteil der weltweit verschobenen Korruptionsgelder floss über das noble Bankhaus. Ein erster Bär Banker, Jorge ARZUAGA aus Argentinien, sitzt - wie viele andere FIFA-Bosse - inzwischen in den USA in Haft. Im Juni 2017 war es soweit: Er bekannte sich schuldig, Korruptionsgelder an kriminelle FIFA-Funktionäre und teilweise deren Erben mit Wissen der BÄR-Geschäftsleitung weitergeleitet zu haben. Hier ist die Anklageschrift USA against Jorge ARZUAGA vom 15.6.2017


1) Mario Arturo ACOSTA Chaparro Escápite (1942-2012), mexikanischer Brigadegeneral

ACOSTA Chaparro trat im Alter von 21 Jahren in die mexikanische Armee ein und wurde in der Truppengattung der Fallschirmjäger ausgebildet. Schnell machte er Karriere und wurde im Laufe der Zeit bis zum General befördert.

Während seiner Laufbahn in der mexikanischen Armee wurde er immer wieder für Aufgaben herangezogen, die sich im Randbereich der Legalität bewegten bzw. diese teilweise deutlich überschritten. So wurde er Mitglied der Brigada Blanca, die mit Methoden des Guerrillakrieges auf brutale Weise „Staatsfeinde“ jagte.

 Acosta Chaparro spielte eine entscheidende Rolle im sogenannten „Schmutzigen Krieg“ (span. „guerra sucia“) der mexikanischen Regierung gegen linksradikale Aufständische in den Jahren 1976 bis 1981 während der Präsidentschaft von José López Portillo. Zunächst war ACOSTA Mitglied einer miltärischen Einheit, die Aufstände von Studenten unterdrücken sollte. Darüber hinaus war er Leiter eines Gefängnisses in Guerrero, wo Folter an Aufständischen an der Tagesordnung war.

Noch um einiges brutaler gestalteten sich die sogenannten „Leichenflüge“ (engl. „flights of death“), die ebenfalls im Zusammenhang mit dem „Schmutzigen Krieg“ stattfanden. Hierbei wurden unliebsame Personen, z.B. auch Männer und Frauen aus der Landbevölkerung, kurzerhand als Guerilleros („Desaparecidos“) deklariert und ohne Gerichtsverfahren verhaftet. Ihre Angehörigen wurden über ihren Verbleib in Unkenntnis gelassen – sie „verschwanden“ einfach. Die Verhafteten wurden getötet, die Leichen von Hubschraubern aus in den Atlantik geworfen. Man vermutet, dass vereinzelt sogar Menschen bei lebendigem Leibe auf diese Weise zu Tode gekommen sind. Insgesamt sollen über 140 Menschen Opfer solcher „flights of death“ geworden sein.

In den 1970-er Jahren betrieb ACOSTA Chaparro ein Luftfrachtunternehmen, das seinen Umsatz durch nichts anderes als Schmuggelware erwirtschaftete.

Der Name ACOSTA Chaparro ist verknüpft mit dem „Symac Trust“, deren Treuhänder die Bank Julius Bär war. Bei einem Trust handelt es sich um ein Sondervermögen, das auch über den Tod seines Gründers hinaus bestehen bleibt. Solche Trusts werden gerne zwecks Geldwäsche oder Steuerhinterziehung eingerichtet. Bei den Einlagen dieses Trusts handelte es sich vermutlich um die Einnahmen aus dem Drogenhandel, in den ACOSTA Chaparro in großem Stil involviert war. Über den genauen Wert des Symac Trust können bis heute keine genauen Angaben gemacht werden. Unterlagen belegen, dass ACOSTA Chaparro bis 1998 monatlich 12.000 $ Ertrag aus diesem Trust erhielt – was eine ungefähre Vorstellung über seine Höhe vermitteln kann. 

Weil ein bekannter Kollege von ACOSTA Chaparro inzwischen zu einem Informanten des FBI geworden war, konnten die Verbindungen zwischen ACOSTAs Einnahmen aus dem Drogenhandel und dem Vermögen des Symac Trust ans Tageslicht gefördert werden, sodass ACOSTA Chaparro im Jahre 2000 festgenommen werden konnte. Es gibt Hinweise darüber, dass mehrere Beschäftigte von Julius Bär von den Geschäften ACOSTA Chaparros Kenntnis hatten. Zwei Jahre später wurde er in Mexiko zu 15 Jahren Haft wegen Drogenhandels verurteilt. Es haben sich Verbindungen zum Juárez-Kartell ergeben, das in den Drogenschmuggel von Mexiko nach den USA involviert ist. Nach dem Gang durch mehrere Instanzen wurde er schließlich 2007 auf freien Fuß gesetzt.

ACOSTA Chaparro wurde 2012 erschossen, nachdem bereits zwei Jahre zuvor ein Mordversuch an ihm verübt wurde. Die Hintergründe für die beiden Taten wurden nie aufgeklärt, allerdings liegt der Verdacht nahe, dass seine Attentäter im Bereich des Drogenhandels zu verorten sind. Auf einem bei YouTube hochgeladenen Überwachungsvideo ist seine Erschießung zu sehen:

2)  Der KANELLAKIS-Clan: Reeder aus Griechenland

Die Beteiligten:

Giannis Angelikusis (Γιάννης Αγγελικούσης), Anna Kanellaki (Άννα Κανελλάκη), Christos Kanellakis (Χρίστος Κανελλάκης)

Die Andreas-Syngros-Straße in Athen ist in den letzten Jahren zur Straße der Neureichen geworden. Einer der millionenschwersten Bewohner dieser Straße ist Giannis Angelikusis, Inhaber der Reedereigesellschaft „ASGL“ (Angelicoussis Shipping Group Limited), die 1947 von seinem Vater Antonis gegründet wurde und heute – nach mehreren Umstrukturierungen und Firmenübernahmen – laut eigenen Angaben über ca. 100 Schiffe und ca. 4000 Mitarbeiter verfügt. Damit ist Angelikusis’ Flotte die größte in Griechenland und eine der größten Privatfirmen der Welt.

Die Familie Angelikusis stammt ursprünglich von der Insel Chios, deren Bewohnern man von alters her ein Händchen für die Schifffahrt nachsagt.

In jener Andreas-Syngros-Straße befindet sich die Firmenzentrale der Reederei ASGL, die sich über 6.000 Quadratmeter erstreckt. Wie erst lange Zeit später durch Wikileaks bekannt wurde, zahlte Angelikussis für das Gebäude jahrelang keine Steuern. Bis 2012 hatte sich dadurch ein Schuldenberg von stolzen 6,2 Millionen Euro angehäuft.

Im Zuge der Schuldenkrise begann die griechische Regierung die Reichen – und das sind in Griechenland seit je vor allem auch die Reeder, die laut Verfassung keine Einkommensteuer zahlen müssen – ein wenig an die Kandare zu nehmen.

So einigte sich eine Kommission des griechischen Wirtschaftsministeriums mit den Anwälten von Angelikusis auf folgenden Deal: Der Reeder zahlt seine regulären Steuern (die ohnehin nicht sehr hoch ausfallen wegen der Einkommensteuerbefreiung) und erhält dafür einen Rabatt (!) von einer Million Euro.

Seine Schwester Anna Kanellaki und ihr Ehemann Christos Kanellakis sind Inhaber der Firma „Alpha Tankers and Freighters“, die über eine Flotte von etwa 30 Schiffen verfügt. Auf den Namen von Anna Kanellaki läuft ein von Julius Bär auf den Cayman Islands verwaltetes Sondervermögen, genannt „Frantmar Trust,“ in welchen jährlich etwa 15 Millionen US-Dollar verschoben werden. WikiLeaks z.B. vermutet als Hauptmotiv für die Einrichtung dieses Trusts Steuerbetrug. Hierfür spricht auch die Weigerung von Frau KANELLAKI, ein persönliches Konto in der Schweiz einzurichten, wie man den Wikileaks-Dateien entnehmen kann:

Die Firma Alpha Tankers aus dem Kannelakis-Verbund versuchte bei US-amerikanischen Gerichten per einstweiliger Verfügung (sog. ex parte injunction) die Löschung der auf Wikileaks veröffentlichten Dokumente zu erwirken. Dies wurde von den Gerichten mit Hinweis auf den ersten Verfassungszusatz (freie Meinungsäußerung) abgelehnt. Im Folgenden kam es nur zu einem weiteren Beispiel für den „Barbra-Streisand-Effekt“: Die veröffentlichten Dateien wurden durch die gerichtliche Auseinandersetzung überhaupt erst einer breiten Öffentlichkeit bekannt.

Quellen

https://wikileaks.org/wiki/BJB_-_Greek_shipowners_Anna_Kanellakis_Alpha_Tankers_-_USD_30_mil_per_year// http://www.epikaira.gr/article/ellinas-efoplistis-petyxe-ekptosi-1-ekat-apo-tin-eforia //http://www.shippingandmarine.co.uk/article-page.php?contentid=15431&issueid=446 //http://www.marangas.com/about-us.php // http://www.spiegel.de/wirtschaft/soziales/steuern-griechenland-schont-seine-reichen-a-864248.html // http://www.tradewindsnews.com/weekly/197673/lady-owners-cayman-trust-divulged-on-web // http://www.nytimes.com/2010/01/19/business/19whistle.html?pagewanted=all&_r=0
 
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3) Zwei Brüder aus Mexiko:

  • Raúl SALINAS de Gortari, Bauingenieur

  • Carlos SALINAS de Gortari, Ökonom, Politiker und Präsident von Mexiko (1988-1994)


Die Karriere der beiden mexikanischen Brüder, der eine in der freien Wirtschaft, der andere Staatspräsident von Mexiko, wurde durch ein politisches System begünstigt, in dem Korruption und Filz an der Tagesordnung waren.

Der jüngere der beiden, Carlos, wurde Mitglied im „Partido Revolucionario Institucional“ (PRI). Die Partei war von 1929 bis 2000 die dominierende politische Gruppierung  in Mexiko und stellte in diesem Zeitraum sämtliche Staatspräsidenten. Carlos SALINAS ist studierter Wirtschaftswissenschaftler und erhielt seine Ausbildung u.a. auch in den Vereinigten Staaten. 
Carlos’ Bruder Raúl war in seinem früheren Leben Kommunist, „konvertierte“ allerdings bald zum Kapitalismus. Er wurde Bauingenieur und übte – etwas flapsig formuliert – dieses korruptionsanfällige Gewerbe durchaus dem Klischee entsprechend aus.

Entsprechend ambitioniert verlief die Amtszeit von Carlos SALINAS 1988. Es gelang ihm, Mexikos Wirtschaft zu reformieren, indem er Handelsbeschränkungen aufhob und staatliche Beteiligungen veräußerte. Als größten Erfolg seiner Amtszeit konnte er das Freihandelsabkommen mit den USA (NAFTA) verbuchen, das am 1.1.1994 in Kraft trat.

Allerdings: Am selben Tage brachen Aufstände im Bundesstaat Chiapas los. Chiapas war seit je her eine Unruheregion gewesen. Angezettelt wurden die Aufstände vom „Ejército Zapatista de la Liberación Nacional“ („Zapatistische Befreiungsarmee“, EZLN). Es folgte ein jahrelanger Bürgerkrieg in dieser Region, der sich vor allem gegen die negativen Konsequenzen der Globalisierung richtete. Das Freihandelsabkommen hatte eine Überschwemmung Mexikos mit US-amerikanischen Waren zur Folge, was wiederum mit einer massiven Abwertung des mexikanischen Peso verbunden war. 
Am 28. September 1994, zwei Monate vor dem Ende der Präsidentschaft von Carlos SALINAS, wurde dessen enger Vertrauter, José Francisco RUIZ Massieu, erschossen. RUIZ Massieu, genannt „Pepe“, war zudem der ehemalige Schwager von Carlos und Raúl – bzw. der Ehemann ihrer Schwester. CarlosSALINAS setzte als Sonderermittler dessen Bruder (!) Mario RUIZ Massieu ein. Dieser stellte nach einiger Zeit Verbindungen zur SALINAS-Familie bzw. in erster Linie zu Raúl her, der den Mord in Auftrag gegeben haben soll.

Der Mord an RUIZ Massieu war nicht der einzige aus dem Dunstkreis  der SALINAS – bzw. des BruderRaúls. Bereits 1993 war der von Carlos SALINAS persönlich ausgewählte Präsidentschaftskandidat – also sein potentieller Nachfolger – Luis Donaldo COLOSIO ermordet worden. Dies war der erste Mord an einem mexikanischen Präsidentschaftskandidaten seit 1928. Kurz darauf traf den Polizeichef von Tijuana, José Federico BENITEZ, das gleiche  Schicksal. Zudem war ebenfalls im Jahr 1993 der Bankenmilliardär Alfredo HARP Helú, ein enger Freund von Carlos SALINAS, von Zapatisten entführt worden.
Bereits etwa einen Monat nach dem Mord an seinem Bruder verkündete Mario RUIZ Massieu im Fernsehen seinen Rücktritt als Sonderermittler und behauptete, von der SALINAS-Familie in seinen Ermittlungen behindert worden zu sein. Kurz darauf floh Mario in die USA und wurde dort mit 7 Mio. US-Dollar im Handgepäck festgenommen. Woher diese Summe stammte, ist bis heute unklar. Man vermutet allerdings auch bei ihm Verbindungen zum Drogenmilieu. Kurz nachdem 1999 in den USA gegen ihn ein Prozess wegen Geldwäsche eröffnet worden war, beging er Selbstmord.

Carlos SALINAS zog sich nach der Übergabe des Präsidentenamts an seinen Nachfolger Ernesto ZEDILLO Ponce de León zunächst ins Privatleben zurück. Überraschenderweise brach ZEDILLO – ebenfalls ein politischer Vertrauter von Carlos SALINAS – kurz nach Übernahme seines Amtes mit dem ungeschriebenen Gesetz, dass ein Nachfolger im Amt des mexikanischen Präsidenten seinen Vorgängern nicht in den Rücken fällt: Ein Vertrauter von ZEDILLO präsentierte einen Aktenordner mit Beweismitteln über die Verwicklung von Raúl SALINAS in den Mord an seinem Ex-Schwager Pepe.

Carlos SALINAS sah sich daraufhin zu einem Fernsehauftritt veranlasst, in dem er sich energisch über das Vorgehen seines Nachfolgers empörte und einen Zusammenhang zwischen dem Mord und seiner Familie vehement bestritt. Carlos SALINAS verstieß damit ebenfalls gegen ein ungeschriebenes Gesetz: Es besagt, dass der mexikanische Präsident sich nach Ende seiner regulär sechsjährigen Amtszeit (nach der es keine Möglichkeit zur Wiederwahl gibt) ins Privatleben zurückzieht und sich öffentlicher Äußerungen enthält.

Um die letzten Monate seiner Präsidentschaft nicht noch mehr als durch die erwähnten Kriminalfälle zu beschädigen, hatte  sich Carlos SALINAS geweigert, den mexikanischen Peso aufgrund der Veränderung der wirtschaftlichen Situation Mexikos durch das NAFTA-Abkommen noch mehr und damit ‚kontrolliert‘ abzuwerten. Die Folge: eine unkontrollierte Inflation des Peso kurz nach der Amtsübernahme durch ZEDILLO.

Später wurde bekannt, dass auf einem Treffen der Familie SALINAS im März 1993 so etwas wie ein „kollektiver“ Mordplan für Pepe RUIZ Massieu getroffen worden war. Der Grund für den Mord lag wohl darin, dass er mit ehrgeizigen Reformplänen im Falle der Übernahme hoher politischer Ämter dem Bestreben der Familie SALINAS im Wege stand, auch nach dem Ende von Carlos’ Präsidentschaft Einfluss auf Politik und Wirtschaft auszuüben.

Raúl SALINAS wurde schließlich 1999 für die Mittäterschaft am Mord verurteilt. Er musste allerdings nur ein halbes Jahr absitzen und wurde gegen Kaution freigelassen. Es blieb indes nicht bei der einen Missetat: So kassierte Raúl – als studierter Bauingenieur – über 100 Mio. US-Dollar an Schmiergeldern für Bauprojekte und wurde deswegen ebenfalls verurteilt. Soweit bekannt, hatte er die Schmiergelder bei Julius Bär auf den Caymaninseln angelegt.

Interessant ist in diesem Zusammenhang, dass im Jahre 1995 Raúls Ehefrau Paulina CASTAÑON und Schwager Antonio CASTAÑON in der Schweiz beim Versuch, 84 Millionen US-Dollar aus den SALINAS-Konten abzuheben, festgenommen werden. Im Zuge dessen wurde überhaupt erst bekannt, dass Raúl im Ausland zahlreiche Konten besaß (neben der Schweiz u.a. auch in den USA, dem Vereinigten Königreich und Deutschland). Das Ehepaar CASTAÑON wurde wegen Urkundenfälschung angeklagt: Zum Zwecke der Auflösung der Konten von Raúl SALINAS mussten sie sich übrigens gefälschter Dokumente bedienen, da Raúl die Konten unter falschem Namen angelegt hatte – wie sich das für ausgefuchste Ganoven gehört.

P.S. 
Mexiko gehört übrigens weltweit zu jenen Ländern, in denen die Pressefreiheit mit Füßen getreten wird (Rang 152 von insgesamt 180)  und in denen mit die meisten Journalisten ums Leben kommen. Dies sind die traurigen Statistiken von Reporter ohne Grenzen und des Committee to Protect Journalists. 

Mehr über die Familie auf den Websites des US-Public Broadcasting Senders Frontline.

Quellen: 

Elmer, Rudolf: Bankenterror. Die Schweiz und die Cayman Islands als Handlanger des weltweiten Finanzterrorismus, Norderstedt 2010. // Oppenheimer, Andres: Bordering on chaos. Guerrillas, stockbrokers, politicians, and Mexico’s road to prosperity, Boston (u.a.) 1996 // http://www.nytimes.com/1995/11/25/world/mexican-plot-salinas-family-swiss-bank-and-84-million.html //http://news.bbc.co.uk/2/hi/americas/4079372.stm // www.swissinfo.ch/eng/Salinas-funds-finally-head-back-to-mexico/6740256 //  http://en.wikipedia.org/Raúl_Salinas_de_Gortari // http://www.cpj.org/killed/americas/mexico/
 
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4) Rudolfine STEINDLING, genannt „Rote Fini“ (1934-2012)


Die Quellen über den Lebenslauf der „Roten Fini“ sprudeln nicht sehr üppig, insbesondere über ihr Leben vor dem Engagement für den Devisenhandel der DDR ist wenig bekannt. Es ist wahrscheinlich, dass sie viele Informationen, an denen die Öffentlichkeit ein berechtigtes Interesse gehabt hatte, mit ins Grab nahm.

Die „Rote Fini“ war mit dem Wiener Adolf („Dolly“) STEINDLING (1918-1983) verheiratet. Dolly STEINDLING machte zunächst eine Lehre als „Hutstumpenerzeuger“ und schloss sich der sozialdemokratischen Jugendbewegung an. Nach dem „Anschluss“ Österreichs an Deutschland wurde er aufgrund seiner jüdischen Abstammung verfolgt und wurde nach einem erfolglosen Fluchtversuch u.a. auch in Frankreich inhaftiert. Dort floh er aus der Gefangenschaft und schloss sich dem Widerstand an. Nach dem Zweiten Weltkriege kehrte er in sein Heimatland zurück und war zunächst im Außenhandel eines Unternehmens der chemischen Industrie tätig. Währenddessen holte er eine höhere Schulbildung nach und wurde ab 1956 für die „Central Wechsel und Creditbank“ (CWC AG) – der damaligen Tochtergesellschaft der Ungarischen Nationalbank – in Wien tätig, deren Geschäftsführer er 1962 wurde. 1974 wurde er in den Vorstand berufen und zum Generaldirektor ernannt.

Seine Frau Gemahlin Rudolfine, gebürtige Österreicherin war von 1959 bis 1969 Mitglied der Kommunistischen Partei Österreichs. Bereits vor ihrer Mitgliedschaft in der Partei, 1951, wurde das Regime der DDR auf sie  aufmerksam. Es benötigte eine ausländische Kontaktperson für den Devisenhandel. Im Zuge dessen  wurde sie Geschäftsführerin der für diesen Zweck gegründeten Firma „Novum Handelsgesellschaft mbH“ mit Sitz in Berlin (Ost). Seit 1983 war sie – als Erbin ihres Ehemannes – Alleingesellschafterin der Firma. Novum vertrat namhafte deutsche und österreichische Unternehmen (Bosch, Ciba-Geigy, Steyr-Daimler-Puch u.a.) in der DDR.

Die „Rote Fini“ verfügte trotz ihrer zeitweiligen Mitgliedschaft in der KPÖ über ein nicht geringes kapitalistisches Gespür, wovon ihre Kunden, allen voran die DDR, aber auch ihre Privatschatulle profitierte. Zudem pflegte sie gute Kontakte zu namhaften Politikern aus beiden deutschen Staaten und aus Österreich. Mit dem ehemaligen österreichischen Bundeskanzler Franz Vranitzky (SPÖ) beispielsweise war sie per du.

Die Bundesrepublik Deutschland erhob als Rechtsnachfolgerin der 1990 aufgelösten DDR Anspruch auf einen Teil dessen, was in den Folgejahren als „SED-Vermögen“ bekannt wurde. Das Vermögen der ehemaligen DDR-Staatspartei SED belief sich zum Zeitpunkt ihrer Auflösung auf über eine Milliarde Euro. Hierzu zählt auch das Kapital der Firma Novum, das sich laut einem noch nicht rechtskräftigen Urteil des Obergerichts Zürich vom 25. März 2010 auf über 100 Millionen Euro beläuft (je nach Quelle zwischen 128 und 130 Millionen Euro). Diese Summe ist seit 1992 verschwunden.

Es steht der Vorwurf im Raum, dass Rudolfine STEINDLING das Vermögen der Novum mithilfe der österreichischen Bank Cantrade hat verschwinden lassen. Zu dieser Bank hatte Frau STEINDLING bereits in den 1960-er Jahren Kontakte geknüpft. Rechtsnachfolger der Cantrade ist seit ihrer Übernahme 2005 die Bank Julius Bär. Am 21. August 2014 reichte die Bundesanstalt für vereinigungsbedingte Sonderaufgaben (BvS, die Nachfolgerin der Treuhand) Klage beim Bezirksgericht Zürich gegen Julius Bär auf Schadenersatz für das Vermögen der Novum ein, für dessen Verschwinden Rudolfine STEINDLING verantwortlich sein soll.

Rudolfine STEINDLING starb 2012 in Tel Aviv, wo sie ihre letzten Lebensjahre verbracht und sich um wohltätige Zwecke gekümmert hatte.


Quellen:

Steindling, Adolf: Meine Jugend. Ein Bericht, Wien 1990 // Handbuch österreichischer Autorinnen und Autoren jüdischer Herkunft 18. bis 20. Jahrhundert / hrsg. von der Österreichischen Nationalbibliothek. Red. Susanne Blumesberger; Michael Doppelhofer; Gabriele Mauthe, Bd. 3 // Wikipedia: Rudolphine Steindling, Fa. Novum,http://de.wikipedia.org/wiki/Sozialistische_Einheitspartei_Deutschlands#Vermögen_und_Infrastruktur_der_SED   // Handelsblatt vom 25.8.2014 // Der Spiegel vom 13.5.1991, 1.3.1993, 26.11.2001, 15.7.2002
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5) Ken RICHARDSON, Millionär und Geschäftsmann aus Großbritannien

Ken RICHARDSON wurde in Douglas, Isle of Man, geboren. In seiner Heimat in North Yorkshire schaffte er es mit seinem 1968 gegründeten Unternehmen East Riding Sacks ein Imperium aufzubauen. Er war zu jener Zeit Millionär und ein tüchtiger Geschäftsmann. Doch hinter dieser schönen Fassade, steckt ein skrupelloser Mann, der nicht davor zurückschreckt, sich dem Gesetz zu widersetzen, wenn es ums Geldverdienen geht.

 Die „Flockton Grey Affäre“

Seit den 1960er Jahren galt RICHARDSON als ein begeisteter Spieler und Pferdebesitzer, der einst selbst behauptete 90.000 Pfund im Jahr durch seine Pferderennwetten zu erwirtschaften. Seine große Leidenschaft für diesen Sport wurde im Anfang der Achziger Jahre zum Verhängnis, als er 1982 in eines der größten britischen Pferderennwetten-Skandale verwickelt war.

Ursprung des Skandals war RICHARDSOS Kauf eines Wallachs namens Flockton Grey (geb. 05 Juni 1980) Anfang der Achziger Jahre. Damals schickte er sein bis dahin untrainiertes Pferd ins Training zu Stephen WILES nach Yorkshire. Am 29. März 1982 nahm Flockton Grey erstmals an einem Pferderennen am Leicester Racecourse teil. Als Debütant aus einem bisher eher unauffälligem Hof wurde auf Flockton Grey eine Quote von 10-1 gesetzt.  Ken RICHARDSON und Stephen WILES sahen in dieser Quote die Gelegenheit, um einen schnellen Gewinn daraus zu ziehen. Sie entschieden sich dazu ihr Pferd mit 20.000 Pfund zu unterstützen. Dies sollte dazu führen, dass es in den Wettbüros zu Fehlmessungen kommen würde. Da Flockton Grey zu dem Zeitpunkt allerdings ein eher mittelmäßiges Pferd war, arrangierten sie parallel dazu ein weitaus besseres Pferd, welches an der Stelle von Flockton Grey als „ringer“ (= vertauschtes Rennpferd) eingesetzt werden sollte.  Zum Einsatz kam dann letztendlich ein Pferd namens Good Hand, welches einst im Besitz von RICHARDSON war. Das dreijährige Pferd war durch den Altersunterschied weitaus stärker als die Konkurrenz und konnte somit das Rennen um 20 Pferdelängen(= 50 m; im Pferderennsport beschreibt die Pferdelänge den Abstand zwischen Pferden in einem Rennen,1 Pferdelänge = ca. 2,5 m; gewinnen.

Die Höhe des Vorsprungs verursachte allerdings sofort Verdacht, woraufhin sich die Buchmacher weigerten zu zahlen. Es folgte eine polizeiliche Untersuchung. Anhand von Fotografien des Pferderennens konnte der Verdacht schnell bestätigt werden. So wurde sichtbar, dass die Zähne des Gewinnerpferdes für ein angeblich erst zweijähriges Pferd zu weit entwickelt waren. Zu dem zeigten die Aufzeichnungen des Rennbahn-Tierarztes, dass das Gewinnerpferd eine auffällige Narbe auf seinem Vorderbein hat. Die Ermittler des Falls spürten das wirkliche Pferd Flockton Grey auf und bestimmten die wahre Identität des Pferdes durch Blutuntersuchungen – auch die Narbe konnte demnach nicht aufgewiesen werden.  Somit war der Fall klar: Das Pferd lief unter einem falschen Namen, was im Pferderennsport zu einem der schwersten Verstöße gegen geltende Spielregeln gehört.

Dieser Skandal ging damals unter dem Namen „Flockton Grey Affäre“ in die Geschichte des Pferderennsports ein.

Im Juni 1984 wurde Ken RICHARDSON für schuldig befunden.  Ihm wurde daraufhin 25 Jahre lang das Verbot auferlegt, sich an Pferderennen zu beteiligen. Zu dem wurde er zu einer neunmonatigen Bewährungsstrafe und einer Geldstrafe von 20.000 Pfund für seine Rolle in diesem Skandal verurteilt.

Verurteilung wegen Brandstiftung

Nach diesem herben Schlag, widmete sich der Geschäftsmann einige Jahre später seiner anderen Leidenschaft: dem Fußball. Anfang der Neunziger Jahre wurde RICHARDSON Präsident des Bridlington Town Football Club, dem er von da an zum stetigem Fortschritt und Erfolg verhalf. So wurden neben einem neuen Standort für die Austragung der Spiele, ein Clubhaus, neue Drehkreuze und Flutlicht für den Club eingerichtet – alles von RICHARDSON finanziert. Von dem Augenblick an spielte der Club erfolgreich in der Northern Premier League Division One und gewann 1993 sogar den FA Vase im Wembley-Stadion. Es war die bis heute erfolgreichste Saison des „Bridlington Town Football Clubs“.

Der Erfolg war allerdings nicht von Dauer. Auf Grund von Rechtsstreitigkeiten war das Team kurz darauf gezwungendie  Heimspiele an einem anderen Ort auszutragen – komischerweise wurde dafür dasDoncaster Rovers Stadion Belle Vue vereinbart. Auf Grund dieser Vorfälle entschied der Club vorerst aus der Fußballliga auszusteigen und setzten in der darauf folgenden Saison 1993/94 komplett aus.

Ken RICHARDSON übernahm 1993 daraufhin die Mehrheit an dem Verein Doncaster Rovers, die seit 1988 dauerhaft eher viertklassig agierten. Später wurde er Alleineigentümer des Clubs.  Für die Finanzierung des Clubs mobilisierte RICHARDSON seine Freunde und Gefolgsleute, darunter ein ehemaliger Club Shop Manager. Es wurden von ihm eine Reihe qualitativ guter Spieler gekauft, die jedoch für den Club zu keiner nennenswerten sportlichen Verbesserung führten.  Nach einer passablen ersten Saison gerieten die Dinge dann komplett aus den Fugen. Ken RICHARDSON geriet in eine Auseinandersetzung mit der Gemeindeverwaltung, da diese herausgefunden hatten, dass RICHARDSON in einer überregionalen Zeitung das besagte Sadion zum Verkauf angeboten hatte. Es stellte sich heraus, dass er das Belle Vue Stadion bereits landesweit zum Verkauf angeboten hatte, obwohl sich dieses im Eigentum der Stadt Doncaster auf Basis eines 99 Jahre laufenden Leasingvertrags befand. Seine Verkaufspläne wurden demnach gekreuzt und so entschied RICHARDSON sich zu einem neuen, skrupellosen Schachzug. Und der sah so aus:

Am  29. Januar 1996 steht das Belle Vue Stadion  in Flammen. Am Tatort finden die Ermittler ein Mobiltelefon. Der Besitzer konnte schnell ausfindig gemacht werden: Alan KRISTIANSEN, ein ehemaliger SAS-Soldat aus Newcastle. Der damals 41-Jährige wurde verhaftet und bekannte sich in einer Anhörung zu den Vorwürfen der Brandstiftung. Doch der Grund für diese Straftat war war kein geringerer als Ken RICHARDSON. Der wohlhabende Geschäftsmann soll KRISTIANSEN 10.000 Pfund geboten haben, um das Feuer im Belle Vue Stadion zu legen. Er plante das Grundstück danach an Bauträger für einen riesigen Gewinn zu verkaufen. Doch sein Plan wurde durchkreuzt.

Am Abend nach der Tat soll KRISTIANSEN seinem Auftraggeber eine Nachricht auf dessen Anrufbeantworter hinterlassen haben: „Der Job ist erledigt.“ Die Beweise häuften sich und zu dem stellte sich heraus, dass RICHARDSON zwei weitere Männer angeheuert hatte, um das Stadion in Brand zu setzen: der aus Gateshead stammende Ian HAY (damals 54 Jahre alt) und der aus Newcastle stammende Alan CRACKNALL (damals 32 Jahre alt). Auch sie bekannten sich der Brandstiftungschuldig. Der Schaden des Brandes soll sich auf rund 100.000 Pfund berufen haben.

Im März 1996 wurde Ken RICHARDSON  verhaftet. Am 05. März 1999 verurteilte ihn ein Gericht wegen Anstiftung zur Brandstiftung zu vier Jahren Haft. Der damals 61-Jährige sagte damals vor Gericht aus, er hätte nur das beste für den Fußballverein gewollt – seine Absicht wäre lediglich gewesen den Club dazu zu drängen in ein neues, besseres Stadion zu ziehen. Dies bestätigte auch sein Anwalt Gilbert GRAY mit seiner Behauptung: „War das ein gieriger Mann, der durch einen Versicherungsbetrug versucht hat einen Mordsgewinn zu machen? Die Antwort ist nein. Was er aber hätte erreichen können, war ein Schritt nach vorne für den Verein.“

RICHARDSONS Zeugenaussage wurde später von der Staatsanwaltschaft als „das schlechteste Lügenmärchen aus Geschwafel, Unsinn und Gesäusel“, das sie je gehört hätten, bezeichnet. Sie nannten den 61-Jährigen zu dem einen „hinterhältigen Mann“.  Auch die Ermittler fanden kein gutes Wort für den Verurteilten und bezeichneten ihn als „der Typ Mann, der ein zweijähriges Kind mit Füßen treten würde, wenn dabei Geld herausspringe“. Der damals zuständige Richter Peter BAKER erwog zu dem RICHARDSON die Kosten von 75.000 Pfund tragen zu lassen, beließ es dann aber bei der vierjährigen Haftstrafe. Auch die Brandstifter wurden im Rahmen des Gerichtsverfahrens verurteilt: Alan KRISTIANSEN wurden 12 Monate Haft auferlegt, während die beiden Mittäter Ian HAY und Alan CRACKNALL jeweils zu neun Monaten Haft verurteilt wurden.

Nur fünf Monate nach RICHARDSONS Haft ließ sein Rechtsanwalt Gilbert GRAY verkünden, dass die Gefängnisstrafe für seinen Mandanten schwerwiegende Auswirkungen auf seine geistige und körperliche Gesundheit hätten. „Er ist nur noch ein Schatten seiner selbst“, behauptete GRAY.

RICHARDSONS Skrupellosigkeit brachte ihm eine lange Gefängnisstrafe ein und hinterließ einen gebrochenen Fußballverein. 1998 stiegen die Doncaster Rovers mit einer Tordifferenz von „-83“ von der Liga ab und mussten sich danach sogar vom Fußballverein Sheffield United Ausrüstung leihen, um sich noch einigermaßen über Wasser zu halten.

Zusammenhang mit der Julius Bär Bank

Ken RICHARDSON unterhielt mehrere Trusts mit der Julius Bär-Gruppe, u.a. die "Dinard Trading Ltd." mit Sitz in Douglas/Isle of Man oder die "Shelter Trust Anstalt" in Vaduz im Fürstentum Liechtenstein. Einige Aufzeichnungen über den Kunden RICHARDSON lesen sich als Paradebeispiel für die (Hilfs)Bereitschaft von Bankern, Steuerbehörden in die Irre zu führen und Betrug zu konspirieren. Eine Mitarbeiterin der Bank Bär hatte beispielsweise eine Notiz hinterlassen, in der sie vermerkte, Ken RICHARDSON keine Nachricht auf seinem Anrufbeantworter hinterlassen zu haben: „Für den Fall, dass die Tonbänder von den Behörden beschlagnahmt würden". Zu diesem Zeitpunkt war RICHARDSON gerade erst wegen Anstiftung zur Brandstiftung verhaftet worden.

 

Quellen:

Elmer, Rudolf: Bankenterror. Die Schweiz und die Cayman Islands als Handlanger des weltweiten Finanzterrorismus, Norderstedt 2010. // http://de.wikipedia.org/wiki/Generalausgleich (Pferdelänge) // http://sportwette.de/pferdewetten/ (Quoten im Pferderennsport) // http://en.wikipedia.org/wiki/Flockton_Grey // http://www.bridtownafc.com/clubhistory.htm(Bridlington Town A.F.C.) // http://en.wikipedia.org/wiki/Bridlington_Town_A.F.C. //http://www.independent.co.uk/news/exowner-of-doncaster-rovers-jailed-for-arson-plot-1078635.html //http://www.donny.co.uk/Doncaster/news/index.php3?ID=1400 // http://de.wikipedia.org/wiki/Doncaster_Rovers//http://news.bbc.co.uk/2/hi/uk_news /263947.stm // http://www.wsc.co.uk/the-archive/30-Clubs/6265-the-enemy-within
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