Seinerzeit hatte es einen kleinen Bericht in der Lokalzeitung in Vechta ("Staatsanwalt mit gutem Rotlichtkontakt") sowie einen in Hannover gegeben ("Eine Hand wäscht die andere: Staatsanwalt gewährt Bordellchefin ungewöhnlich viel Hafturlaub"). Doch jetzt stand alles im WESER-Kurier - die ganze Geschichte und die ganz ausführlich.
Wir haben Sie hier als Dossier 1 dokumentiert. Sie handelt vom Hanoveraner Staatsanwalt Uwe GÖRLICH, der noch heute im Dienst ist. Er wollte damals angeblich gegen "Boxer-Frank" ermitteln. "Boxer-Frank" ist der Spitzname Frank HANEBUTH's, der die mächtigen Hannoveraner "Hell's Angels" anführt und als "Kiez-König" der niedersächsischen Landeshauptstadt gilt. Görlichs wichtigste Informantin: eine Bordellchefin, die zu diesem Zeitpunkt im Gefängnis saß. Wegen Betrugs.
Die "Ermittlungen" nahmen nicht nur ausgesprochen ungewöhnliche und merkwürdige Formen an. Es kam auch nichts heraus dabei. Außer dass der Behördenleiter der Hannoveraner Staatsanwaltschaft intervenieren musste, weil so einiges aus dem Ruder gelaufen war. Doch anstatt eine objektive Überprüfung dieser merkwürdigen Ermittlungsarbeit z.B. durch eine externe Staatsanwaltschaft zu veranlassen, beauftragte der Leitende Oberstaatsanwalt Manfred WENDT ausgerechnet einen Staatsanwalt aus seiner eigenen Behörde, der teilweise zusammen mit GÖRLICH ermittelt hatte.
Dass dabei nicht viel herauskommen konnte, verwundert nicht. Wer hat schon Mumm, in einem System den Mund aufzumachen, das vor allem
- intern von Korpsgeist und bürokratischem Duckmäusertum
- und nach außen hin von totaler Intransparenz geprägt ist?
Auch als die Ermittlungen gegen Staatsanwalt GÖRLICH später an die Staatsanwaltschaft in Verden übergeben wurden, ergab sich kein anderes Ergebnis: "Das Ermittlungsverfahren gegen Staatsanwalt GÖRLICH ist eingestellt worden", so der Abschlussbericht.
Nun kann man über ungewöhnliche Methoden bei der Aufklärung lange diskutieren - schwierige Ermittlungen machen öfters 'unkonventionelle' Vorgehensweisen nötig. Doch bei dieser Geschichte geht es um mehr. Z.B. auch um einen abgeschalteten "V-Mann". Der nämlich hatte schon länger intern darauf aufmerksam gemacht, dass bei den fraglichen Ermittlungen so einiges schief liefe. Aber auch, dass hier und da Korruption bei Polizei und Staatsanwälten im Spiel sei.
Solche Hinweise oder Kritik mögen nach außen hin abgeschottete und intern von Wagenburgmentalität geprägte Systeme nicht. Sie ließen den V-Mann auflaufen, gefährdeten seine "Legende" im Milieu und damit ihn selbst an Leib und Leben, und hängten ihm auch noch ein Strafverfahren an - um ihn mit Hinweis darauf "abschalten" zu können.
Wie die Journalistin Christine KRÖGER ihre Geschichte 'gemacht' hat, hat sie selbst beschrieben: im Making-of ihrer Recherchen
Für diese Geschichte und die dazu notwendigen Recherchen wurde sie 2011 mit dem renommierten Henri-Nannen-Preis für die "beste investigative Leistung" ausgezeichnet.