Der Kurort Bad Reichenhall möchte mit anderen Kurstädten mithalten und plant eine Eislauf- und Schwimmhalle
Der Stadtrat von Bad Reichenhall hat sich nach vielen Diskussionen entschieden: Die Kurstadt wird eine Eislaufhalle bauen. Der Auftrag wird für knapp 11 Millionen an ein Baugeschäft aus Bad Reichenhall vergeben. Für Ausführung bzw. Überwachung ist das Architekturbüro Rolf R. zuständig, das auch den Entwurf und die Planung entwickelt hat
Das örtliche Bauunternehmen schaltet für den Bau der Holzkonstruktion des Daches ein Subunternehmen aus Augsburg ein, das auch die Statikberechnung übernimmt: die Fa. Deuter Industriewerke AG.
Für die Herstellung der Hauptträger aus Holz beauftragt die Fa. Deuter Industriewerke wiederum eine Holzbaufirma aus Weilheim.
Die Verleimung der Träger und Hölzer wird der Zimmermeister Johann G. übernehmen
Nach Abschluss der Bauarbeiten ist die Stadt Bad Reichenhall stolze Besitzerin der Halle und in dieser Eigenschaft auch zuständig für die Wartung.
Die Eishalle wird Anfang Oktober feierlich eröffnet
Die nächsten Fehler:
Es kommt zu einem Briefwechsel zwischen dem Ingenieurbüro, das die Statik der Betonbauteile der Halle berechnet hatte, und der Augsburger Fa. Deuter Industriewerke, die für das Dach zustäündig war. Bei dieser Gelegenheit wird nochmals klar, dass für die benutzte Sonderkonstruktion
vorhanden ist.
Weder eines der beiden beteiligten Unternehmen noch das Bauamt reagieren. Auch anonym gibt niemand Hinweise z.B. an die übergeordnete Oberste Baubehörde, an den Bürgermeister oder an die Presse. Statt dessen geschieht nichts
Und wieder ein Fehler:
Die Eishalle ist vorne und hinten offen. Da es den Eisläufern oft zu windig und den Anwohnern zu laut ist, wird die Halle rundum verglast. Zuständig: der Architekt Hans-Jürgen Sch.-Sch..
Auch dafür wird keine Baugenehmigung eingeholt. Der Architekt holt auch keine Erfahrungswerte bei anderen Objekten ein, ob sich durch die Totalverglasung möglicherweise Feuchtigkeitsprobleme ergeben bzw. verstärken könnten. Er kommt auch nicht auf die Idee, dies die nächsten Monate oder Jahre zu untersuchen. Allerdings wird man später der Ansicht sein, dass die Verglasung keinen Einfluss auf das spätere Unglück hatte
Ein tonnenschwerer Lüfter wird auf dem Hallendach eingebaut, um die Feuchtigkeit zu mindern
Die Eishalle ist beliebt und wird gut genutzt. Gewartet wird sie weniger gut. Nach und nach sucht sich das Wasser auf dem Dach seinen Weg nach unten - unter anderem durch die Holzkonstruktion, die falsch berechnet und deren Spannbreite viel zu hoch und deswegen auch nicht genehmigt ist. Nach und nach wird es mit dem Wasser immer mehr. Man behilft sich, z.B. indem man auf dem Boden Töpfe aufstellt, wenn nötig, undsoweiter. Niemand macht sich Gedanken und macht diese Gedanken auch öffentlich. Es ist ja eine städtische Einrichtung und da wird man sich schon drum kümmern. Zumindest hätte man einen, der 'verantwortlich' ist
Das Ingenieurbüro Rüdiger S. , das u.a. für die Prüfung der Statik zuständig war, wird von der Stadt beauftragt, eine Olympiabewerbung Bad Reichenhalls zu prüfen - u.a. durch eine wesentliche Erweiterung der Eissporthalle
Erneutes Fehlverhalten
Der seinerseit als "Prüfingenieur" beauftragte Ingenieur Rüdiger S. erhält erneut einen Auftrag. Da sich die Klagen seit Jahren gemehrt haben, dass es regelmäßig zu Wassereinbrüchen durch das Dach kommt und dies auch in der Öffentlichkeit diskutiert wird, soll Rüdiger S. die Halle, insbesondere das Dach untersuchen.
Ingenieur Rüdiger S. begutachtet nur 1 (einzigen) Hauptträger des Daches aus der Nähe. Alle anderen Hauptlastträger kontrolliert er vom Boden aus: durch das 300-Millimeter-Objektiv seiner Kamera.
Er stellt dem Bauwerk eine passable Note aus und regt keine weitere vertiefende Untersuchung an:
"Die Tragkonstruktionen befinden sich in einem allgemein als gut zu bezeichnenden Zustand". ... Und die sichtbaren Wasserflecken hätten "weder auf die Qualität noch die Tragfähigkeit des Tragwerks Einfluss."
Das Honorar für diesen Auftrag beträgt 3.000 €
In der Eishalle findet ein "Flohmarkt" statt. Es regnet.
Franz ZAUNER, ein Bürger von Bad Reichenhall, stattet dem Ereignis einen Besuch ab. Dazu muss er eine etwa 10 qm große Pfütze überwinden, die fast 10 cm tief ist. Und überall stehen Wannen, Eimer und Bottiche, mit denen man das vom Dach heruntertropfende Wasser aufzufangen versucht. Norbert WUTH, der Veranstalter des Schnäppchenmarkts, meldet dem Hausmeister, dass allein in der Nacht etwa 750 Liter Wasser heruntergekommen sind.
In der Stadt streitet man sich darüber, ob die Eishalle saniert werden soll oder muss. Oder ob man sie lieber abreißt und gleich eine neue baut. Oberbürgermeister Wolfgang HEITMEIER ist gegen eine Sanierung und will lieber neu bauen
Es ist tiefer Winter und ganz Bad Reichenhall ist im Schnee versunken. Geschneit hat es schon seit Wochen.
Unter den Trümmern sterben 15 Menschen: 12 Kinder und Jugendliche, 3 Mütter.
Die Chronologie der Ereignisse danach unter Nach dem Einsturz
(MiMo / JL)