So generalsstabmäßig die Großrazzia in ganz Berlin geplant war, die heute unter dem Begriff "Fabrikation" in die Annalen eingegangen ist, so konnten sich doch rund viertausend jüdische Deutsche den Häschern entziehen. Viele wurden gewarnt, manche hatten unterwegs zu ihrem Arbeitsplatz mitbekommen, was im Gange ist, und in den meisten Köpfen dieser rund viertausend Menschen schwirrten schon lange Überlegungen hin und her, wie das wohl zu bewerkstelligen wäre.
Wo findet man ein Dach über dem Kopf? Wo und wie wird man nicht gesehen? Was, wenn es klirrend kalt wird? Woher bekommt man Essen, wenn man sich keine Lebensmittelkarten mehr abholen kann? Wie kann man mit anderen überhaupt noch Kontakt halten? Hält man das den restlichen Winter durch? Oder gar ein ganzes Jahr? Wie lange werden der Krieg und die Verfolgungen andauern? Ist es realistisch, darauf zu setzen, dass es ein Deutschland ohne HITLER und die ganzen Mitläufer geben wird? Oder gibt es eine Chance, irgendwie über eine Grenze zu gelangen, wo man sich eingermaßen sicher fühlen kann? Welche Länder kommen dafür überhaupt in Frage? Und wie dahingelangen?
Fragen über Fragen, aber praktisch keine Antworten. Wer in die Illegalität abtauchen will, muss mutig sein und den vielen Gefahren ins Auge sehen (können).
Heute wissen wir, es gab Menschen, die anderen geholfen haben. NIcht sehr viele, aber einige. Viertausend davon sind inzwischen namentlich bekannt. Immerhin. Und ähnlich so viele Juden konnten abgetaucht bis zum Kriegsende überleben. Die Zahl, die es versucht hatten, war größer: geschätzt zwischen 10 und 15.000 Menschen.
Geholfen hatte beispielsweise Otto WEIDT in und mit seiner Blindenwerkstatt, in der Rosenthalerstrasse. Oder Paula WENDT. Sie hatte als Buchbinderin in einer Druckerei in Berlin-Kreuzberg gearbeitet. Und dort - nach Feierabend - zusammen mit dem Besitzer heimlich Werksausweise hergestellt. Der Ausweis eines Arbeitsplatzes, den man auf der Strasse der Polizei vorzeigen konnte, war mehr als hilfreich, er konnte das eigene Leben retten. Paula WENDT, ihre Schwester und der Druckereibesitzer hatten vielen helfen können, unterzutauchen. Bis sie aufflogen und in ein "Arbeitserziehungslager" in Fehrbellin verfrachtet wurden. Mehr dazu gibt es demnächst auf der Site www.lausitzerplatz.berlin (NOCH NICHT ONLINE).
Peter NACHER und seine Schwester konnten hatten es auf andere Weise geschafft: mittels Bestechung. Wenn es ums Überleben geht, kann man in der Wahl der MIttel nicht zimperlich sein. Es gibt meist keine Alternative.