Die Fa. DESOWAG hatte bereits vor Fertigstellung des BGA-Abschlussberichts reagiert - offenbar wusste man, was da (nicht) drin stehen würde. In ganzseitigen Anzeigen in Tageszeitungen und Zeitschriften gab DESOWAG bekannt:
"Gesundheitsschäden durch Xyladecor und Xylamon nicht nachgewiesen" .
Und auch sonst war die DESOWAG nicht untätig geblieben: Im Zusammenhang mit den durchgeführten Befragungen von 8 betroffenen Haushalten
"wurden den Mitarbeitern des BGA Schriftstücke zur Kenntnis gegeben, in welchen Vereinbarungen zwischen Desowag Bayer und den Wohnungs- und Hausbesitzern niedergelegt waren. In diesen Vereinbarungen sollen von Desowag Bayer den Wohnungs- sowie Hausbesitzen ein Geldangebot gegen die Verpflichtung gemacht worden sein, keine Weiterungen zu unternehmen, falls die Bewohner irgendwelche gesundheitliche Beeinträchtigungen bemerkt zu haben glauben, wenn sie in mit Holzschutzmitteln behandelten Wohninnenräumen gewohnt haben" ,
heißt es in einer "vertraulichen" Gesprächsnotiz eines Mitarbeiters aus der „Zentrale Forschung und Entwicklung“ der BAYER AG, in der dieser ihm anvertraute "vertrauliche" Informationen aus dem BGA festhält.
Unabhängig davon: Das BGA erhöht zumindest die Anforderungen für die Erteilung eines DIN-Prüfzeichens für Holzschutzmittel. Ab sofort müssen auch
- biochemische
- medizinische
- und toxikologische
Untersuchungen durchgeführt werden. Und nicht nur die originäre Wirksamkeit des Holzschutzmittels, das eigentlich Insekten und Pilze etc. abtöten will.
Während das BGA ganz im Sinne der DESOWAG nichtssagend argumentiert, gehen bei der DESOWAG täglich ca. 40 Briefe bzw. Beschwerden von Verbrauchern ein, die inzwischen mit gesundheitlichen Problemen kämpfen. Briefe und Nachfragen kommen aber auch von Weiterverarbeitern der Holzschutzmittel, z.B. Fertighausherstellern.
Bis zum Ende des Jahres 1978 werden es rund 4.000 (in Worten: viertausend) Briefe sein, die bei der DESOWAG landen.
An das "Bundesgesundheitsamt" wenden sich etwa 1.500 Hilfesuchende aus ganz Deutschland.
Auch ein weiterer Fernsehbericht in der Sendung plusminus "Gift in Holzschutzmitteln - Nein danke!" (Angang September) macht Furore. Alle Journalisten, die sich mit der Thematik befassen, müssen ihre Informationen mühsam recherchieren - offiziell gelten die Produkte immer noch als ungefährlich.
Dass die Wissenschaftler Prof. Dr. Dr. Harun PARLAR und Dr. Istvan GEBEFÜGI im Februar bereits eine erste wissenschaftliche Dokumentation "Zur Risikoabschätzung von Pentachlorphenol in der Umwelt - Verhalten, Vorkommen und Konsequenzen" vorgelegt und veröffentlicht hatten, darauf geht eine Veröffentlichung des BGA vom September nur am Rande ein: Die BGA-Mitarbeiter M. KUNDE und C. BÖHME listen in ihrer Publikation "Zur Toxikologie des Pentachlorphenos: Eine Übersicht" (veröffentlicht im Bundesgesundheitsblatt ) zwar die arbeitsmedizinischen Erkenntnisse dazu auf, gehen aber auf die Veröffentlichung von PARLAR und GEBEFÜGI nur mit dem lapidaren Satz ein:
"Gebefügi und Parlar haben Verhalten und Vorkommen von PCP in der Umwelt zusammengefasst."
Der darin geäußerte Verdacht und die Dimension der entdeckten Gefahren von PCP in Wohnräumen wird von den BGA-Angestellten rundweg verschwiegen