Image ist alles
Nach der Jahrtausendwende rollte Roche als eines von 39 Pharmaunternehmen einen Prozess gegen die Republik Südafrika an. Das Schwellenland, vor allem durch AIDS und Tuberkulose drangsaliert, wollte als Reaktion auf hohe Arznei-Preise billigere Kopien zulassen. Die Konzerne pochten auf ihr Patentrecht und klagten. Dafür hagelte es weltweit Kritik und die Klage wurde zurückgezogen. Zu einem Imageschaden kam es trotzdem, der Deutschland-Chef von Roche erklärte später einmal, dass man die Klage bedauere. Möglicherweise auch um das Image wieder aufzupolieren, spendete das Schweizer Unternehmen 2005 und im Folgejahr große Mengen Tamiflu an die World Health Organisation, die bei der Bekämpfung der "Vogelgrippe" als Notvorrat dienen sollten.
Im Zusammenhang mit AIDS sorgte 2003 dass revolutionäre Präparat Fuzeon für Schlagzeilen. Bei Produkteinführung galt es als das bis dato wirksamste Mittel, wurde allerdings auch zu einem Rekordpreis eingeführt. In Deutschland kostet die Behandlung im Jahr fast 25.000 Euro, im AIDS-gebeutelten Afrika soll das Medikament gar nicht zu erhalten sein. Roche rechtfertigte den Preis mit hohen Kosten, allein die Entwicklung habe über 600 Millionen Dollar gekostet.
Die gesamte Pharmaindustrie – und damit auch Roche – steht wie kaum eine zweite Branche immer wieder im Kreuzfeuer der Kritik. Zum Beispiel wegen der hohen Preise wichtiger Medikamente in der Dritten Welt. Oder weil Krankheiten in armen Ländern gar nicht erforscht werden. Dort gebe es keinen lukrativen Markt, wie Roche-Deutschland-Chef Hagen PFUNDNER in einem ZEIT CAMPUS-Interview im Dezember 2008 einräumte. Die hohen Medikamentenpreise werden von den forschenden Unternehmen mit den hohen Kosten für deren Entwicklung gerechtfertigt.
Noch mehr Geld werde allerdings für Werbung und Marketing ausgegeben lautet ein anderer Vorwurf. Laut PFUNDNER sei dies nötig, da sich auch ein gutes Pharma-Produkt nicht von allein verkaufe. Allerdings gibt es mehrere Studien, die belegen, dass weit mehr Geld in Werbemaßnahmen als in die Entwicklung neuer Mittel fließt. Auch die Art und Weise wie die Hersteller ihre Mittel an den Patienten bringen möchte, wird nicht von allen gut geheißen. Immer wieder wird über aggressive Marketing- und Verkaufsstrategien der Pharmaindustrie berichtet.
Roche heute
Hoffmann-La Roche steht heute auf den zwei Beinen “Pharmaceuticals” und “Diagnostics”. Beim weltweiten Medikamenten-Umsatz lag der Konzern 2007 auf dem siebten Rang. Die 78.000 Mitarbeiter des Konzerns erwirtschafteten im selben Jahr einen Umsatz von etwa 40 Milliarden Dollar, was ungefähr dem Bruttoinlandsprodukt des EU-Staates Bulgarien entsprach. Stolz wird im Geschäftsbericht eine Führungsposition der Pharma-Division in der Krebsforschung hervorgehoben, sowie die Weltmarkt-Führung im Bereich Diagnostics betont. Filialen gibt es weltweit, unter anderem in Deutschland, Japan, oder den USA. Pharmazeutika sind die bedeutendste Ausfuhrware der Schweiz, 2007 nahm der Medikamentenexport ein Viertel der nationalen Gesamtausfuhr ein. Rang zwei: Industriemaschinen. Auch für seine Heimatstadt Basel ist der Pharmamulti nicht nur als Steuerzahler von großer Bedeutung. Etwa 4 Prozent der knapp 190.000 Einwohner Basels arbeiteten 2007 bei Roche. Die Firma unterhält diverse Stiftungen, veranstaltet Konzerte und tritt als Museumsförderer auf. Die Anteils-Mehrheit bei Roche hält ein Pool aus Gründererben, außerdem ist der ortsansässige Konkurrent Novartis mit etwas weniger als einem Drittel der stimmberechtigten Anteile als Großaktionär vertreten. Eine der Familien-Erbinnen, Gigi Oehri, drückt als Präsidentin beim Schweizer Fußball-Erstligisten FC Basel auch dem Basler Sportgeschehen ihren Stempel auf.
(RÖS)