
Von 1993 bis 2000 starben in Washington - der Hauptstadt der so genannten Weltmacht USA - 229 Kinder, die - eigentlich - unter dem Schutz der Regierung standen. Der bekannten Zeitung Washington Post (WP) lagen in 180 der 229 Fälle Dokumente vor, die die Mitschuld des Districts bewiesen und jahrelang vor der Öffentlichkeit geheim gehalten wurden. Die WP hatte diese Dokumente analysiert und eine große Anzahl von Fehlern im "Child Protection System" feststellen können, das eigentlich zum Schutz von Kindern gedacht ist. In 49 Fällen lagen keine Aufzeichnungen vor, weil amtlicherseits keine erstellt wurden oder sie nicht gefunden werden konnten.
Anhand der vorhandenen Dokumente hatte die für investigative Recherchen bekannte Tageszeitung im September 2001 eine vierteilige Artikelserie "The District’s Lost Children“ veröffentlicht, die das Schicksal der Kinder und das Versagen der Behörden aufzeigt. An diesem Projekt wirkten die Autoren Sari HORWITZ, Scott HIGHAM, Sarah COHEN und Jeffrey LEEN mit.
HORWITZ hatte im Jahr zuvor bereits in etwa 30 Artikeln über den Todesfall der zweijährigen Brianna Blackmondberichtet, die aufgrund von Fehlentscheidungen des Richters von Pflegeeltern zurück zu ihrer drogenabhängigen Mutter gebracht und von ihr getötet wurde.
Diese Artikel waren der Anlass für eine weiterführende Recherche nach weiteren Fällen. Schließlich konnten die Journalisten an die Dokumente des Child Fatality Review Commitee gelangen, das jeden Kindstod darauf untersucht, ob die städtischen Behörden eine Mitschuld tragen.
Der zwei Monate alte Wesley LUCAS starb im Februar 1998. Seine Mutter war Crack-abhängig, ihr wurde bereits die Vernachlässigung von drei ihrer sieben Kinder vorgeworfen. Sozialarbeiter waren dafür zuständig, das Kind zu beschützen. Der Junge durfte beim 69-jährigen Freund der Mutter, Charles LUCAS, bleiben. Dieser gab sein Bestes, sich um das Baby zu kümmern, doch Charles LUCAS litt an Lungenkrebs, konnte sich nicht ausreichend um Wesley kümmern. Die Mutter war nie zu Hause. Die Sozialarbeiter stellten einen Pfleger ein, der dreimal pro Woche einen Hausbesuch bei der „Familie“ machte, allerdings nicht am Wochenende. Weitere Hilfen wurden zugesagt.
Am langen Wochenende des „President’s Weekend“ war immer noch keine weitere Hilfe vorhanden, obwohl die Sozialarbeiter von Wesleys Situation wussten. Am Dienstag fand man den Mann und das Kind tot in der Wohnung auf. Charles LUCAS war seiner Krankheit erlegen. Das Baby lag auf ihm, war nach ihm infolge einer De-Hydration (verdurstet) gestorben. Beide waren bereits seit drei Tagen tot.
im Einverständnis mit der Redaktion der Washington Post. Der erste Teil ist eine Zusammenfassung der gesamten Problematik bzw. des Themas und wie dieses Thema entstanden ist. Dies haben wir gerade eben hier in Kurzform beschrieben.
Alle weiteren Teile der investigativen Serie finden Sie hier im Anschluss: in einer komprimierten Form in deutscher Sprache als "Lost Children" Teil 1 bis Teil 3.
Wer die originalen Berichte in englischer Sprache lesen möchte, findet diese als Teil 4 am Ende: Washington Post: "Lost Children".
(as, sm, kr, vz)
Washington Post , 09.09.2001
"A Foster Girl Is Sent Away And Dies Alone"
Washington Post , 09.09.2001
"Without Help, Frail Infants Died"
Washington Post , 09.09.2001
"A Child Endangered, Without A Lifeline"
Washington Post
Die vierteilige Serie der Washington Post im Original
Online am: 28.12.2015