In dieser Zeit fiel wohl die für die Reporter wichtigste Entscheidung: Sie bekamen jene Rückendeckung von Verlag und Chefredaktion, die für derartige investigative Geschichten unverzichtbar ist.
Herausgefordert durch diesen „Maulkorb“, entschied Chefredakteur Menso Heyl, nicht klein beizugeben. Sondern, im Gegenteil, selbst in die Offensive zu gehen, auch, wenn das eventuell für den Verlag nicht billig werden würde. „Wenn wir uns an dieser Stelle nicht gewehrt hätten, dann könnte künftig von denen, die clevere Anwälte bezahlen können, letztlich bestimmt werden, was in der Zeitung stehen darf und was nicht“, begründet Heyl die damalige Entscheidung.
Die Chance anderer, ohne Einsatz von Anwälten in der Zeitung einen Vertreter ihrer Interessen zu finden, würde dagegen gegen Null sinken.
Mit Rolf Schultz-Süchting wurde ein bekannter Hamburger Anwalt zur Unterstützung unserer Justiziarin Andrea Deters hinzugezogen. Marion Girke bekam mit dem Polizeireporter Christian Denso einen Kollegen an die Seite gestellt, der fortan in der Zentralredaktion des Abenblatts die Fäden zusammen hielt und etwa die Texte vor Abdruck mit den Juristen abstimmte.
Heute, im Nachhinein, ist der erste Bericht im Hauptblatt, die Seite Drei vom 24. März 2006, geradezu ein Sinnbild: Wir schreckten nicht davor zurück, unsere Reportageseite durch einige Dutzend Schwärzungen im Text zu verunstalten, zudem ein Foto von Thea Schädlich zu drucken, das komplett gepixelt und damit unkenntlich gemacht war: Der für jeden somit sichtbar gemachte „Maulkorb“! Ein Wagnis, das uns die Leser dankten, indem sie wieder zum Weitermachen aufforderten: Unzählige Briefe und Anrufe, teilweise mit ähnlichen Schicksalen.