In Stuttgart ist es das ehemalige "Hotel Silber" in der Dorotheenstrasse 10, ein heute eher fades altes Gebäude, in dem Beamte des Finanzministeriums ihren Dienst verrichten. Jetzt ist das Gebäude plötzlich und zum Erstaunen aller Stuttgarter zum integralen Bestandteil des "Da Vinci"-Projekts geworden, einem großen zusammenhängenden städtebaulichen Areal - das Kaufhaus Breuninger will sich vergrößern, einen wuchtigeren Eingangsbereich für die Kunden schaffen, neue Ministerien sollen dort siedeln, ein Luxushotel ist geplant sowie Läden zum Shoppen und edle Restaurants (siehe Luftbildgrafik der Stuttgarter Zeitung).
Es gibt aber auch andere Menschen, die etwas mit diesem Ort in der Dorotheenstrasse 10 verbindet: Zum Beispiel Caroline HATJE, Enkelin von Lina HATJE, die in Ausschitz vergast wurde. Zuvor wurde sie von der GeStaPo in Stuttgart gefangen gehalten: in der Dorotheenstrasse 10. Im "Hotel Silber" hatten die Kripobeamten ihr Domizil untergebracht.
Caroline HATJE kämpft heute für den Erhalt des Hauses - sie hatte nie die Chance, ihre Großmutter Lina kennen zu lernen.
Michael OHNEWALD hat es zu Papier gebracht: In einer finsteren Nacht.
Die Diskussionen um die Nutzungsmöglichkeiten des neuen städtebaulichen Gebiets auf der einen Seite, die Frage nach den Orten der Erinnerung auf der anderen schlägt hohe Wellen. Sogar über den Atlantik. Aus den USA meldete sich der inzwischen 81jährige Alfred KANDLER. Neun Jahre seines langen Lebens war Stuttgart seine Heimat. Und die seiner Eltern. Sie galten als "Juden" ...
Jetzt kommt er zum ersten Mal zurück nach Stuttgart. Und zu einem der Orte des Geschehens, zum ehemaligen Hotel Silber - nach 72 Jahren: Vermächtnis eines Vaters.
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