Der Heuhaufen hat sich spürbar verkleinert. Jetzt muss man den verbleibenden Rest durchstöbern.
Der Bauminister ist in der Schweiz - natürlich - in keinem Telefonbuch zu finden. Seine private Handynummer geheim. Trotzdem geht die Suche weiter, jetzt über Telefonbucheinträge. Die Arbeitsthesen:
- Wenn der Bauminister sich eine Wohnung schenken lässt und dort ab und an seine Zeit verbringen möchte, macht er das unter Umständen zusammen mit anderen. Die könnten ein Festnetztelefon haben.
- Oder - andere These - im Festnetztelefonbuch steht noch der Name des edlen Spenders.
Das gilt es jetzt herauszufinden.
Kärnerarbeit steht an
Was man wissen sollte: In den Vor-Internetzeiten gab es in großen Städten der deutschen Republik in mindestens einem Postamt die Telefonbücher anderer Länder, zumindest jene der europäischen Staaten. Inzwischen gibt es diesen Service nicht mehr. Man muss entweder auf die im Internet veröffentlichten Telefonlisten zurückgreifen, sortiert nach Ortschaften oder Bezirken oder Kantonen, oder jetzt in die Schweiz fahren, um in einem dortigen Postamt in den fraglichen Telefonbüchern zu wühlen. Im gedruckten Telefonbuch stehen regelmäßig mehr Namen als sie von den Anbietern online ausgewiesen werden. Die erste Variante ist das “amtliche” Nachschlagewerk. Im Internet müssen die Betroffenen einer Veröffentlichung zustimmen.
In den rund 30 Ortschaften, die in Frage kommen, wohnen mehrere Tausend Einwohner, die im Telefonbuch gelistet sind. Die muss man jetzt systematisch durchgehen. Problem in solchen Fällen: Es funktioniert nur, wenn man konzentriert liest. Sonst kann man leicht die entscheidende Informatio übersehen. Also immer kleine Pausen einlegen.
Im konkreten Fall war es der dritte Tag, an dem es zum ersten Mal “Bingo” klingelte. In dem kleinen Ort namens Feusisberg tauchte ein Name auf, den es auch zuhause gab: Der Name eines Architekten, allerdings kein ungewöhnlicher Name. Beim Weiterchecken machte es dann ein zweites Mal “Bingo”: Ein eher ungewöhnlicher Name eines heimischen Inhabers einer Bauträgerfirma. Und als es kurz darauf ein drittes Mal klingelte und dann noch einige Male, wurde klar, dass die Ortschaft ein Volltreffer sein musste: Eine illustre Runde von Personen aus der heimischen Bauwirtschaft. Darunter einer der ganz “Großen”.
Wenn man auf einem solchen indirekten Weg weiterkommen möchte, in diesem Fall dem potenziellen Umfeld des Bauministers, setzt dies voraus, dass man sich (zumindest ein wenig) auskennt. Über den “Je-mehr-man-weiß-Vorteil” haben wir bereits gesprochen. Ohne die Kenntnis der einschlägigen Szene hätte dieser Weg nicht funktioniert. Deshalb ist es wichtig, dass man sich in die “Betriebssysteme” (vgl. XXXXX) einer Branche einarbeitet, wenn man in einem solchen Feld recherchieren möchte. Denn der Name des für Bau und Wohnen zuständigen Politikers tauchte natürlich nicht bei dieser Suche auf. Aber das war ja zu vermuten.
Die Besonderheit bei den aufgefundenen Namen, sechs an der Zahl: Alle domizilierten in derselben Strasse. Nur die Hausnummern waren unterschiedlich. Die Wahrscheinlichkeit, dass in einem dieser Häuser auch der Minister eine Wohnung sein eigen nennen konnte, war sozusagen 100%.