Die Nadel im Heuhaufen: systematische Suche

Das grundsätzliche Problem

Jeder kennt es: Ab und an erhält man einen Hinweis. Mehr aber nicht. Oft ist ein solcher Fingerzeig sehr vage. Und selten vielversprechend. Bleibt der Hinweisgeber auch noch anonym, dann wird es noch aussichtsloser: Sie können keine Rückfragen stellen. 

Wenn sich im positiven Fall eine konkrete Geschichte abzeichnen würde, dann kann es Sinn machen, darüber nachzudenken, wie man es angehen könnte. Auch wenn es sich um eine Nadel im Heuhaufen handelt. 

Heuhaufen meint: Eigentlich aussichtslos. Denn nur wenn man über entsprechende Kapazitäten verfügt, könnte eine Suche unter Umständen erfolgreich sein. Gleichwohl: Ergebnis erst mal offen.

Kriminalisten, die unzählige Akten, etwa Tausende von Emails auswerten oder stundenlange Überwachungsvideos durchsehen müssen, können im Idealfall auf notwendige Ressourcen zugreifen. Manchmal müssen sie es sogar.

Journalisten sind solch ideale Arbeitsbedingungen so gut wie nie gegeben. Freelancern schon gar nicht. Will man dennoch so etwas wagen, dann sollte man es so effizient wie möglich organisieren. Darum geht es hier.

Das Fallbeispiel: der vage Hinweis

Stellen Sie sich vor, Sie bekämen einen anonymen Anruf, der nur aus zwei Sätzen besteht. Sie können nicht nachfragen. Der Anrufer hat unmittelbar danach das Gespräch beendet. Ein real anonymer Anruf also, weil Sie auf Ihrem Display nur “Private Nummer” sehen. Oder “Unknown”. Keine Möglichkeit eines Rückrufs.

Die beiden entscheidenden Sätze:

"Der amtierende Bauminister hat sich von einem Bauträger eine Eigentumswohnung schenken lassen. In der Nähe des Zürichsee."

So vage der Hinweis, so krass die Geschichte, falls sie sich bewahrheiten sollte. Es wäre ein glasklarer Fall von Bestechung. Und der würde politisch Folgen haben. Nicht nur strafrechtlich.

Wie beginnen, wo starten?

Über drei Dinge sollten Sie sich im Klaren sein - von vorneherein:

  1. Wenn man sich darauf einlässt, es zu wagen, dann richtig: Entweder man konzentriert auf der Stelle alle Kräfte darauf. Oder man lässt sich Zeit und organisiert die sytematischen Recherchen längerfristig, dann aber kontinuierlich.
  2. Je mehr Aufwand man in die Recherche investiert, egal ob kurzfristig und dann mit voller Wucht, oder langfristig angelegt, umso eher lässt sich “Kommissar Zufall” herausfordern. Nach der Wahrscheinlichkeitstheorie kommt er umso eher zu Hilfe, je mehr Aktivitäten Sie lostreten. 
  3. Die Suche nach einer Nadel im Heuhaufen sollten Sie systematisch angehen. Darüber werden wir gleich sprechen.

Vorab: Das Fallbeispiel, das wir im Folgenden vorstellen, lässt sich nicht mittels “Google” oder andereren OSINT-Tools lösen. Das liegt nicht so sehr daran, dass der Vorgang - aus heutiger Sicht - “antik” ist, weil es Internet damals (1980er Jahre) noch gar nicht gegeben hat, sondern vornehmlich deswegen, weil sich die Geschichte in einer abgeschotteten Welt abspielt, in die - wäre die von heute - “Google et al” keinen Zutritt haben. Der anonyme Hinweis lässt sich deshalb hauptsächlich nur mit “analogen” Mitteln und Wegen lösen.

Systematik einer Suche nach der Nadel im Heuhaufen

Von den vier Kerninformationen

  1. Bauminister
  2. Bauträger
  3. Eigentumswohnung
  4. Zürichsee

ist nur eine handfest: Die des Politikers. 

Sie bietet einen ersten systematischen Ansatz: eine Art von 

1. Psychogramm bzw. Persönlichkeitsprofil: 

Was weiß man über ihn? Vorlieben? Hobbies? Familie? Parteifreunde? Feinde in der eigenen Partei? Hat die Opposition Informationen? Wo wohnt er privat? Wie groß muss der Anreiz sein, sich im Wege der Bestechung auswärts eine Wohnung übereignen zu lassen, wo doch das heimische Anwesen an nichts zu wünschen übrig lässt? 

Aus solchen Informationen lassen sich weitere Ansatzpunkte generieren. Als begeisterter Segler könnte er ein Boot in einem der am Zürichsee beheimateten Segelvereine deponiert haben, ggfs. sogar Mitglied sein. Oder eher ein Angelfreund? Würde der Bauminister Tennis spielen, könnte man in einem der dortigen Vereine nachfragen. Wäre er Bergsteiger, könnte er das zusammen mit anderen in organisierter (Vereins-)Runde machen. 

So könnte man beginnen: alle passende Vereine, Bootedepots, Tennisclubs, Bergsteiger-, Wander- und Alpinistenvereinigungen z.B. vorab telefonisch abklappern. Natürlich mit einer geeigneten Legende. Zum Beispiel: Ich bin auf der Suche nach Herrn Soundso, der in der Nähe sein Segelboot liegen haben müsste; ist das zufällig bei Ihnen? Kann ich eine Nachricht hinterlassen? Oder wissen Sie zufällig, wo ich ihn erreiche? Er ist mal wieder hier im Urlaub und es ist dringend, in seiner Wohnung bei Ihnen und am Handy habe ich kein Glück."

Mit Glück käme man ggfs. weiter. Die Schweiz ist ein servicefreundliches Land. Datenschutz gibt es zwar auch, aber mit einem netten Tonfall beim Telefonieren und unauffälligem Einfließen von Informationen privater Natur über den Gesuchten würden jedem Eidgenossen signalisieren, dass man jenen gut kennt, nach dem man fragt. 

Im konkreten Fallbeispiel war das alles ohne Bedeutung. Der Politiker ist völlig farblos, unsportlich und auch nicht sonderlich gesellig. Persönlichkeitsprofil und Psychogramm helfen nicht weiter. 

2. Die Suche nach dem korrupten Bauträger

kann man theoretisch ausprobieren, ist realistischerweise aber aussichtlos. Niemand belastet sich selbst, direkte Anfragen also überflüssig. Über das Handelsregister ehemalige Mitstreiter, sprich Mitgesellschafter oder geschasste Geschäftsführer ausfindig machen, wäre eine Option. Hilfreich aber nur dann, wenn entsprechend Gesuchte a) existieren, b) über das Bescheid wissen, wonach man sucht (Ort der Eigentumswohnung) und c) dann auch reden. Insgesamt aufwendig. Könnte als letzter Notnagel in Betracht kommen.

3. und 4.: "In der Nähe des Zürichsee"

Dieser Hinweis besteht bei genauerer Betrachtung aus 2 Informationen: 

  • See und 
  • “in der Nähe”.

Wenn Sie am Zürichsee selbst kein eigenes Domizil haben und auch nicht häufig dort Urlaub machen, Sie nicht sehr viel über diesen See und Umgebung wissen, empfiehlt sich das Aufrufen von “Google Maps”:

Anklicken öffnet GoogleMaps: Zürichsee und Umgebung


Dass der See über 40 Kilometer lang und maximal knapp 4 Km breit ist, links und rechts, sprich westlich und östlich viele Orte zu finden sind, gibt erst mal nicht viel her. Allerdings der Blick auf die Umgebung: Es gibt weitere Seen, insgesamt sechs an der Zahl. Der größte südwestlich heißt Zugersee. Nordöstlich ist es der Greifensee. 

Daraus kann man dies schlussfolgern: Wenn die Wohnung in der “Nähe des Zürichsee” liegt, dann würde sie beispielsweise zwischen Zürichsee und Zugersee mehr in der Nähe des ersten Sees liegen. Denn sonst hätte der anonyme Anrufer ja wohl von “in der Nähe des Zugersee” gesprochen. Gleiches gilt für den Greifensee. Damit ist eine erste Eingrenzung im Heuhaufen möglich: Bestimmte Orte, in denen sich die Eigentumswohnung befinden könnte, fallen aus der Suche raus. Der Umkreis möglicher Ortschaften wird kleiner.

Eine zweite Eingrenzung lässt mit dieser Überlegung bzw. Hypothese anstellen: Der Blick auf die Satellitenkarte von GoogleMaps zeigt rund um den fraglichen See Berge, westlich und östlich des Sees Bebauung. Wenn man weiß, dass der östliche Teil des Sees umgangssprachlich “Goldküste” genannt wird, weil man von dort den Blick auf die gegenüberliegenden Berge und die dahinter untergehende Sonne hat, und Grundstücke deswegen ausgesprochen hochpreisig sind, wohingegen die andere Seite weit weniger von den “Schönen und Reichen” bevorzugt wird, könnte man die Suche ein weiteres Mal eingrenzen. 

Schwach gelb markiert: Die Höhenlinien der Topographie. Anklicken öffnet ein PDF

Geht man davon aus, dass eine schöne Wohnung auch eine schöne Aussicht haben sollte, also etwa einen unverbauten Blick auf den Zürichsee, lassen sich weitere Ortschaften ausgrenzen, die einen solchen Blick nicht bieten können, weil sie hinter den Bergspitzen einen Blick nur etwa auf den Zugersee bieten können. 

Um diese dritte Eingrenzung vornehmen zu können, muss man um die Topographie der Berge wissen. Eine klassische Landkarte beispielsweise zeigt a) Höhenlinien sowie b) Höhenangaben, anhand derer man sehen kann, welche Orte auf der Zürichsee- und welche auf der Zugersee-Seite liegen. Eine solche Landkarte, im Idealfall mit einem Maßstab kleiner als 1:50.000, am besten 1:15.000, hat den Vorteil, dass sie immer dasselbe zeigt. Bei GoogleMaps verschwinden beim Heranzoomen bestimmte Infos und neue tauchen auf. Gleichzeitig geht der Gesamtüberblick verloren. 

Weil wir davon ausgehen - immer noch als Arbeitshypothese - dass sich die gesuchte Immobilie auf der westlichen Zürichsee-Seite befindet, lassen sich alle Ortschaften benennen, die in Frage kommen.

Kein Telefonbucheintrag, aber Telefonbücher und Telefonlisten

Der Heuhaufen hat sich spürbar verkleinert. Jetzt muss man den verbleibenden Rest durchstöbern. 

Der Bauminister ist in der Schweiz - natürlich - in keinem Telefonbuch zu finden. Seine private Handynummer geheim. Trotzdem geht die Suche weiter, jetzt über Telefonbucheinträge. Die Arbeitsthesen: 

  • Wenn der Bauminister sich eine Wohnung schenken lässt und dort ab und an seine Zeit verbringen möchte, macht er das unter Umständen zusammen mit anderen. Die könnten ein Festnetztelefon haben.
  • Oder - andere These - im Festnetztelefonbuch steht noch der Name des edlen Spenders. 

Das gilt es jetzt herauszufinden. 

Kärnerarbeit steht an

Was man wissen sollte: In den Vor-Internetzeiten gab es in großen Städten der deutschen Republik in mindestens einem Postamt die Telefonbücher anderer Länder, zumindest jene der europäischen Staaten. Inzwischen gibt es diesen Service nicht mehr. Man muss entweder auf die im Internet veröffentlichten Telefonlisten zurückgreifen, sortiert nach Ortschaften oder Bezirken oder Kantonen, oder jetzt in die Schweiz fahren, um in einem dortigen Postamt in den fraglichen Telefonbüchern zu wühlen. Im gedruckten Telefonbuch stehen regelmäßig mehr Namen als sie von den Anbietern online ausgewiesen werden. Die erste Variante ist das “amtliche” Nachschlagewerk. Im Internet müssen die Betroffenen einer Veröffentlichung zustimmen.

In den rund 30 Ortschaften, die in Frage kommen, wohnen mehrere Tausend Einwohner, die im Telefonbuch gelistet sind. Die muss man jetzt systematisch durchgehen. Problem in solchen Fällen: Es funktioniert nur, wenn man konzentriert liest. Sonst kann man leicht die entscheidende Informatio übersehen. Also immer kleine Pausen einlegen.

Im konkreten Fall war es der dritte Tag, an dem es zum ersten Mal “Bingo” klingelte. In dem kleinen Ort namens Feusisberg tauchte ein Name auf, den es auch zuhause gab: Der Name eines Architekten, allerdings kein ungewöhnlicher Name. Beim Weiterchecken machte es dann ein zweites Mal “Bingo”: Ein eher ungewöhnlicher Name eines heimischen Inhabers einer Bauträgerfirma. Und als es kurz darauf ein drittes Mal klingelte und dann noch einige Male, wurde klar, dass die Ortschaft ein Volltreffer sein musste: Eine illustre Runde von Personen aus der heimischen Bauwirtschaft. Darunter einer der ganz “Großen”. 

Wenn man auf einem solchen indirekten Weg weiterkommen möchte, in diesem Fall dem potenziellen Umfeld des Bauministers, setzt dies voraus, dass man sich (zumindest ein wenig) auskennt. Über den “Je-mehr-man-weiß-Vorteil” haben wir bereits gesprochen. Ohne die Kenntnis der einschlägigen Szene hätte dieser Weg nicht funktioniert. Deshalb ist es wichtig, dass man sich in die “Betriebssysteme” (vgl. XXXXX) einer Branche einarbeitet, wenn man in einem solchen Feld recherchieren möchte. Denn der Name des für Bau und Wohnen zuständigen Politikers tauchte natürlich nicht bei dieser Suche auf. Aber das war ja zu vermuten.

Die Besonderheit bei den aufgefundenen Namen, sechs an der Zahl: Alle domizilierten in derselben Strasse. Nur die Hausnummern waren unterschiedlich. Die Wahrscheinlichkeit, dass in einem dieser Häuser auch der Minister eine Wohnung sein eigen nennen konnte, war sozusagen 100%.

Wie weiter?

Nun ist ein Telefonanschluß 1) noch lange kein Hinweis auf den oder die dort Wohnenden und 2) schon gar kein Beleg für den jeweiligen Eigentümer, genauso wenig wie 3) eine namentliche Telefonbucheintragung, die dort tatsächlich wohnende(n) Person(en) verraten muss. Alles, was man in diesem Zusammenhang finden kann, sind (erfreuliche) Anhaltspunkte, die weiterhelfen. Und dies funktioniert umso besser, je systematischer man solche Hinweise zu nutzen versteht.

Systematisch bedeutet jetzt: Herauszubekommen, in welcher dieser Wohnungen der Gesuchte sein Glück gefunden hat. Sechs Wohnungen sind eine überschaubare Sache. 

Man könnte jetzt dieses tun: Hinfahren und vor Ort recherchieren. Beispielsweise den Briefträger abfangen. Oder selbst irgendeinen Brief an den Politiker schreiben oder einfach nur ein leeres Papier, dies dann in einen knallroten Umschlag verpacken und schauen, in welchem der Briefkästen der Postbote einwirft. Ist aufwendig, weil man erst mal in die Schweiz fahren und dann beobachten muss. Ob der Name an einem der Klingelschilder auftaucht, weiß man vorher nicht. Der Briefträger orientiert sich möglicherweise (nur) an der Hausnummer. 

Eine andere Option ist eine weitere Arbeitshypothese:

Die Wahrscheinlichkeit, dass sich alle Baulöwen des gleichen Betreuungsservice (Putzfrau, Hausmeister usw.) so weit weg von zu Hause bedienen, kann man als hoch einschätzen. Insofern wäre es nur eine Frage der Zeit, wann man – im Falle von mehreren Telefonnummern bzw. Wohnungen – die Putzfrau an die Strippe bekommt bzw. nach der Wahrscheinlichkeitsrechnung bekommen muss. Oder noch besser, gleich einen der dortigen Wohnungsbesitzer, wobei diese Wahrscheinlichkeit von der Häufigkeit der dortigen Anwesentheit abhängig ist. 

Für jeden Fall dieser Fälle empfiehlt es sich, für eine solche Gesprächssituation gewappnet, sprich vorbereitet sein: Was man fragt und wie man es fragt und vor allem auch: warum man danach fragt, wenn man genau danach zurückgefragt wird, egal ob Reinemacherservice oder Wohnungseigentümer. Auf den Glücksfall, dass man den Bauminister unerwartet an der Strippe hat, sollte man eher nicht setzen, ist eher unwahrscheinlich - trotz “Kommissar Zufall”. 

Hausmeister? Baufirma?

Die letzte Option bedeutet: Man muss auf die Zeit setzen. Irgendwan hat man irgendjemanden am anderen Ende der Leitung. Das muss man dann an unterschiedlichen Tagen zu unterschiedlichen (Arbeits-)Zeiten ausprobieren - eine Recherche, die schon mal bis zu zwei Wochen andauern kann, im schlechtesten Fall auch länger. 

Soll es schneller gehen, könnte man auf einen Hausmeister setzen. Den müsste zumindest jene Firma benennen können, die die Wohnanlage erbaut hat. Denn dies lässt sich jetzt tatsächlich recht flott auf digitalem Weg klären: Wie sieht die Wohnanlage aus? Altbau? Eher unwarhscheinlich, dass man dort mehrere Wohnungen nebeneinander kaufen kann. Neubau? Das schon eher, denn da kann man ggfs. beim Bau Wünsche äußern. 

Bereits die Satellitenkarte von GoogleMaps erweist sich heutzutage in solchen Fällen als außerordentlich hilfreich. Vormals gab es das nicht. Da war eine solche Abklärung aufwendiger.

Die Baufirma ist schnell gefunden, so viele Bauträgerunternehmen und bauausführende Firmen gibt es in dieser Ecke nicht, und die Frage nach einem Hausmeister ist schnell beantwortet. Danach könnte man sogar einen Schritt weiter wagen, indem man konkret nach dem Namen des Bauministers fragt. Natürlich wiederum mit einer passenden Legende, etwa der, ob die zufällig zum Verkauf steht und ob der Bauträger, der den Hauswart beschäftigt und dem die Hausverwaltung obliegt da etwas wisse - so ganz nebenbei gefragt?

Und siehe da, ja, der Geschäftsführer weiß etwas, weil er auf das freundliche und ihm als seriös geführt erscheinende Telefonat ebenfalls freundlich und offen reagiert: Der Politiker sei gerade dabei, seine Wohnung zu verkaufen; er habe sich am Zugersee eine Doppelhaushälfte reservieren lassen. Ob man Interesse an einem Verkaufsprospekt der zu verkaufenden Wohnung habe?

Besser kann “Kommissar Zufall” nicht weiterhelfen. Jetzt weiß man sogar um den Verkehrswert. Und obendrein gibt der Geschäftsführer auf die Frage, ob er denn zufällig wisse, wo genau die neue Immobilie liege, auch darauf konkrete Antwort. Besser geht nicht.

Der letzte Schritt: Grundbuch

Die Schweiz ist ein Land, in dem Service und Zuvorkommenheit groß geschrieben werden. Das kann man auch beim Grundbuch erwarten. Zwar gibt es auch da einen Mindestdatenschutz, aber jetzt mit einem Verkaufsprospekt der fraglichen Immobilie in der Hand macht das Auskunftsbegehren einfach. 

Selbst wenn man so weit nicht wäre, würde man es probieren müssen. Denn der letztendliche Beweis ist nur ein Auszug aus dem Grundbuchamt, aus dem a) der Name des Eigentümers, konkret jener des Bauministers, sowie b) die finanziellen Transaktionsmodalitäten hervorgehen: gekauft oder nicht, übertragen ohne Kaufpreis und Kredit, oder wie auch immer.

Wenn man auf Nummer sicher gehen möchte und jemanden in der Nähe kennt, beispielsweise einen Journalistenkollegen, der des allemannischen Dialekts mächtig ist, umso einfacher. Denn dann taucht im Grundbuchamt kein auf den ersten Blick erkennbarer Ausländer auf, sondern jemand aus dem eidgenössischen Lebens- und Kulturraum. Und da begegnet man einem heimischen Eidgenossen nochmals einen Tick zuvorkommender. 

Damit ist das Rätsel “in der Nähe des Zürichsee” gelöst: Mittels systematischer Eingrenzung vorhandener Suchoptionen sowie Ausdauer beim Suchen, aber auch mit einem kleinen Quäntchen Glück.

Nochmals kompakt: Die Suchoptionen in grafischer Darstellung:

Die Suche nach der Nadel im Heuhaufen in grafisch kompakter Darstellung

Kleiner Nachtrag: Das Ende der Geschichte

Zu einer strafrechtlichen Ermittlung wegen Bestechung kam es nicht. Das Interesse der Öffentlichkeit lag auf einem anderen Aspekt, der ebenfalls mit der Geschichte um den Bauminister verbunden war: Ob beim Kauf einer “steuerlich ausgelutschten” (Fachjargon in der Immobilienbranche) Wohnungsanlage durch eine landeseigene und gemeinnützige Wohnungsbaugesellschaft, deren vormaliger Chef der jetzt amtierende Bauminister war, eine Provision gezahlt worden war oder nicht. Voranggig diese Frage beschäftigte einen danach eingesetzten Parlamentarischen Untersuchungsausschuss. Er ging aus, wie üblich: Natürlich war eine Provision geflossen. Aber der zum Bauminister avancierte Ex-Wohnungsbauchef hatte davon (natürlich) nichts gewusst.

Und auch ein weiteres Detail blieb ohne nennenswerte Beachtung. Der Bauminister teilte sich das neue (Doppelhälften-)Haus am Zugersee mit einem (sehr) guten Bekannten. Der war als Journalist für eine öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt unterwegs. Sein Spezialgebiet: Wohnungspolitik.

(JL)