Normalerweise werden vor Beginn des Schnitts sogenannte Konzeptgespräche mit den beteiligten Redakteuren und den Autoren abgehalten. Dabei soll - ganz grob - geklärt werden, in welche Richtung das fertige Stück gehen soll, wie Rechercheergebnisse gewichtet werden und welcher Dramaturgie der Film folgt und wie sich der Sender dabei inhaltlich positioniert.
Bei dieser Produktion läuft es anders. Tim van BEVEREN's Kollege, der - ohne dass BEVEREN dies weiß - alleiniger Autor sein soll, findet dafür keine Zeit. Und nur ein einziges Gespräch zwischen diesen beiden gibt es: auf einem Hotelbalkon in Köln.
Die Folge: Die Dokumentation wird aufgeteilt, jeder soll seinen eigenen Part zusammenstellen. Tim van BEVEREN's Schnitt wird sich schon aufgrund der Materialfülle von dem seines 'Kollegen' unterscheiden. Denn STUMPF hat bisher überhaupt noch nicht einmal das gesamte Material gesichtet.
So kommt es, dass die WDR-Chefredakteurin Sonja MIKISCH bei der Abnahme des Films Anfang Juni 'not amused' ist - sie hatte offenbar mehr erwartet. Jo ANGERER hingegen stimmt zu.
Tim van BEVEREN, der sich dagegen nicht wehren kann, ist ebenfalls nicht erfreut - er hat mit der jetztigen inhaltlich zweigeteilten Version journalistische Probleme. Ihm missfällt etwa die übertriebene Darstellung der gesundheitlich Geschädigten als 'Opfer'. Er sieht sie als Betroffene, von denen sich viele für die Aufklärung des Problems einsetzen. Und er vermisst die wesentlichen investigativen Elemente aus den Recherchen, die ihm zum Teil unter hohen Risiken von Insidern zugespielt wurden. Ihm ist vieles in der jetztigen Doku-Version zu 'weichgespült'.
So bietet Tim van BEVEREN dem WDR einen „Rough Cut“ an, also eine Vorschau einer anderen, zugespitzteren Version des Filmes - eine Version, die aus seiner Sicht die Ereignisse spannender und authentischer widergibt. Jo ANGERER lehnt ab.
Und untersagt ihm auch gleich dazu die Bearbeitung des Materials. Und das obwohl van BEVEREN zumindest immer noch offiziell "Autor" ist. Beziehungsweise nach interner WDR-Auskunft der Lufthansa gegenüber: immerhin noch "fachkundiger Co-Autor". Immerhin hat Tim van BEVEREN maßgebliche Teile mit eigener Kamera selbst gedreht und besitzt somit auch die Rechte an dem Material.