„Dem Knirschen auf der Spur“, von Christiane Berg, Pharmazeutische Zeitung 37/2003
Gunnar Meinecke: Zur White-Collar-Kriminalität im Gesundheitswesen im Beispiel der Zahnmedizin, Hamburg 2005
Wissenschaftsrat: Empfehlungen zur Weiterentwicklung der Zahnmedizin an den Universitäten in Deutschland, Berlin 2005
„Zahnärzte: Abgezockt, geschlampt und gepfuscht“ (Ökotest, 4/2004, S. 44)
„Vorsicht, Zahnarzt. Großer Test: Jeder dritte Befund ist falsch. Viele Patienten werden abgezockt.“ Von Horst Güntheroth, Anika Geisler, Studie in Stern 50/ 8.12.2011, S. 110-118
„So tricksen Zahnärzte: Unnötige Behandlungen, überteuerte Implantate, unverständliche Rechnungen: Zahnärzte schröpfen die Kassenpatienten“ (FAZ 29.04.2012. S. 43)
Tanja Wolf: Murks im Mund. Missstände in der Zahnmedizin. München 2014
Ebenfalls bekannt ist, dass die Zahnmediziner trotz oder gerade wegen dieser Qualitätsdefizite und Fehlentwicklungen außerordentlich gut verdienen. Stellvertretend für viele, zitiere ich hier aus einem Artikel aus dem Bayrischen Zahnärzteblatt:
„Zur Situation in Deutschland präsentierte Noack einige zum Nachdenken zwingende Fakten: 60 Millionen Füllungen pro Jahr, über zehn Millionen Extraktionen, 6,2 Millionen Wurzelkanalbehandlungen und etwa 1,4 Millionen Individualprophylaxefälle bei Kindern. Der Knackpunkt bei der horrend hohen Zahl von Füllungen: In etwa 70 bis 80 Prozent der Fälle müssen insuffizient gewordene Füllungen ersetzt werden. Als größter Posten schlägt hier die Sekundärkaries zu Buche, wobei die exakte Diagnose offenbar ein großes Problem darstellt. Die diagnostische Qualität der deutschen Zahnärzte wird auf fünf bis 30 Prozent geschätzt. Der Rest? „Fehldiagnosen“, so Noack. Alarmierend ist dabei: Entscheidungen werden offenbar mehr oder minder willkürlich gefällt- dies das Ergebnis einer In-vitro-Studie zur Reproduzierbarkeit von Therapieentscheidungen. Dazu Noack: „Die diagnostischen Fähigkeiten hierzulande sind erschreckend schlecht.“ Und: „Ist der reflexartige Griff zur Turbine wirklich im Sinne unseres medizinischen Auftrags?“
Fazit des Referenten: „Je schlechter die Zahnmedizin, desto besser verdient der Zahnarzt.“ Wohin dies für den Patienten führt, ist für Noack ein klarer und zeitlich sehr absehbarer Fall: „Zur systematischen Entzahnung unserer Patienten!“
Schon im Jahr 1990 wies die Enquete-Kommission des Deutschen Bundestages in ihrem Endbericht: „Strukturreform der gesetzlichen Krankenversicherung“ darauf hin, dass sich defizitäre Therapien und zahnmedizinisch erklärungsbedürftige Behandlungsmuster weniger als Auffälligkeiten bei der Wirtschaftlichkeitsprüfung zeigen als bei der Untersuchung einzelner Zahngeschichten - das heißt den Verläufen von Therapiemaßnahmen vom ersten kariösen Defekt bis zur Extraktion und zum Ersatz des Zahnes.
Mir ist nicht bekannt, dass derartige Untersuchungen auch durchgeführt worden sind. Die mir bekannten Untersuchungen und Veröffentlichungen zur Qualität zahnärztlicher Arbeiten beschränken sich auf Ausschnitte des Behandlungsgeschehens: die Qualität von Zahnersatzarbeiten, die Qualität der Karies-Diagnostik, die Qualität der Befunderhebung vor der Behandlung, die Qualität von Füllungen usw. Keine der mir bekannten Untersuchungen und Veröffentlichungen untersucht die Lebensgeschichte von Zähnen und Gebissen im Verlauf größerer Zeitabschnitte. Keine der mir bekannten Untersuchungen und Veröffentlichungen untersucht und beschreibt das Zusammenspiel der Faktoren, die zur der von Prof. Noack angekündigten „systematischen Entzahnung von Patienten“ führen, im konkreten Verlauf.
