Was jetzt so richtig in Fahrt kommt, ist die Geschichte von drei großen Akteuren:
- Harald FRIEDRICH will die Qualitäten beim Trinkwasser verbessern. Dazu muss er vor allem beim Abwasser ansetzen. Denn die Ruhr dient einerseits als Abwasserableiter, zum anderen wird aus der Ruhr Trinkwasser für 4 Millionen Menschen gewonnen. FRIEDRICH will bessere Umweltstandards, sprich bessere Technologien durchsetzen
- genau das will die Wasserwirtschaft an der Ruhr ersteinmal nicht, die es sich in der jahrzehntenlangen Regierungszeit ausschließlich roter Landesregierungen recht bequem eingerichtet hat: mit dem richtigen Parteibuch in der Tasche musste man in NRW keine besonders strengen Umweltauflagen befürchten - FRIEDRICH ist der Wasserwirtschaft ein Pfahl im Fleisch
- genau das hat die Wasserwirtschaft den neuen Umweltminister Eckhardt UHLENBERG auch wissen lassen: in mehreren Briefen hat man indirekt und subtil, aber unmissverständlich gedroht, dass man FRIEDRICH loswerden wolle. UHLENBERG, ein Mann der Wirtschaft, hat dieses Signal verstanden.
Diese Geschichte, die - genau besehen - im Jahre 2000 mit der Einführung neuer EU-Standards beim Trink- und Abwasser begann, haben wir hier rekonstruiert: Über 10 Jahre ziehen sich die vielen Ereignisse hin, die langsam beginnen, nach und nach eskalieren, im Jahr 2006 ihren ersten Showdown erfahren.
Parallel zu diesem Showdown kommt das Thema des krebsfördernden „PFT“ (Perfluorierte Tenside) im Ruhrtrinkwasser auf. David SCHRAVEN von der Welt am Sonntag (WamS) gehört zu jenen Journalisten, die sich nicht mit vordergründigen Erklärungen abspeisen lassen. Dass ausgerechnet Harald FRIEDRICH gefeuert wurde, ließ ihn stutzig werden – er nahm Kontakt mit FRIEDRICH auf. Aus dem Kontakt sollte ein fruchtbare Kooperation werden, denn David SCHRAVEN schrieb nicht nur gegen den amtierenden Umweltminister UHLENBERG an, sondern auch teilweise gegen seine (eher oberflächlich arbeitenden) Kollegen. Für seine hartnäckigen Recherchen und enthüllenden Berichte wurde er Anfang Mai 2008 mit einem „Wächterpreis der Tagespresse“ ausgezeichnet. Dies haben wir unter www.anstageslicht/PFT dokumentiert. Anlass für Minister UHLENBERG im Landtag von NRW und vor aller Öffentlichkeit, dem Journalisten, der Welt am Sonntag und den GRÜNEN eine ausgemachte Kampagne vorzuwerfen.
Nur wenige Tage nach der Wächterpreisverleihung im Mai 2008 kommt es zu einer Steigerung des Showdowns: Harald FRIEDRICH und einige seiner Auftragnehmer, die für das Umweltministerium Gutachten erstellen und Forschung bei den Wasserstandards betreiben, werden in einer Großaktion mit 270 Polizeibeamten durchsucht und FRIEDRICH verhaftet und in U-Haft eingesperrt: wegen des Verdachts des bandenmäßigen Betrugs. Gleichzeitig werden seine und viele andere Telefongespräche abgehört und der gesamte E-mail-Verkehr mitgelesen - es wird eine der größten Lauschaktionen in Deutschland.
Aber auch eine der größten Ermittlungs-'Pleiten': die Vorwürfe des bandenmäßigen Betrugs, der Korruption und Untreue lösen sich nach und nach im Nichts auf: nichts bleibt zum Schluss mehr übrig. Außer Harald FRIEDRICH, der drei Wochen im Gefängnis gesessen und seinen Glauben an den Rechtsstaat ein wenig verloren hat. Dabei ging es nur um besseres Trinkwasser für 4 Millionen Menschen. Aber das gibt es in Nordrhein-Westfalen nicht gegen die Interessen der Wasserwirtschafts-Unternehmen. Und so ist dieser 'Kampf' bis heute nicht endgültig entschieden.
Die relevanten Vorgänge von Anfang an bis heute finden Sie in der Ausführlichen Chronologie aller Ereignisse.
Die erste Auseinandersetzung von Harald FRIEDRICH mit der Wasserwirtschaft haben wir gesondert dokumentiert unter Der erste Konflikt: Die Kläranlagen an der Ruhr.
Auch den zweiten Konflikt, der sich zwangsläufig ergeben musste: Die Stadt Dinslaken, die ihr eigenes Wasser fördern und nicht vom großen Trinkwassermonopol, der Gelsenwasser AG, kaufen wollte, hatte eine eigene hochmoderne Trinkwasseraufbereitungsanlage geplant. Harald FRIEDRICH hatte der Bürgermeisterin zugeraten. Die Gelsenwasser-Manager wurden sauer und schrieben an den neuen Umweltminister UHLENBERG: Der zweite Konflikt: Trinkwasserprobleme in Dinslaken und eine saubere Lösung.
Wer die großen Wasser-Player in NRW sind und wie sie ihre Geschäftspolitik durchsetzen (können), haben wir unter Strukturen der Wasserwirtschaft rekonstruiert.Worum es eigentlich geht - bzw. gehen sollte, finden Sie hier:
Verbindungsdatenvorratsspeicherung ist das eine. Abhören und Belauschen etwas anderes. Letzteres wurde in diesem Zusammenhang bei Harald FRIEDRICH, mehreren anderen und sogar bei einem Landtagsabgeordneten praktiziert: Lauschangriff und "TKÜ": Wie Staatsanwaltschaft und LKA in NRW u.a. auch Landtagsabgeordnete abhören.
Als die Abhöraktion bekannt wurde, schaltete sich der Generalstaatsanwalt in Düsseldorf ein, jene Behörde, die direkt unterhalb des Justizministeriums angesiedelt ist und über allen Staatsanwaltschaften steht. Als sich der sogenannte General die Akten kommen ließ, wa er entsetzt: über den "Tunnelblick" der Wuppertaler Staatsanwaltschaft, die - zusammen mit dem LKA in NRW - die Ermittlungen geführt hatten. Ergebnis: Alle Vorwürfe gegen Harald FRIEDRICH lösten sich nach und nach in Luft auf, die diversen Ermittlungsverfahren wurden eingestellt: Generalstaatsanwalt versus Staatsanwalt.
Der politische und wirtschaftliche Hintergrund der ganzen Aktion(en) konnte erst in einem Parlamentarischen Untersuchungsausschuss aufgeklärt werden. Der tagte 2009 bis 2010. Dann waren wieder Landtagswahlen: Die CDU/FDP-Koalition wurde abgewählt. Jetzt regieren Rot und Grün und der neue Umweltminister ist der ehemals abgehörte Landtagsabgeordnete Johannes REMMEL von den GRÜNEN. Er will weiterführen, was einst Bärbel HÖHN und Harald FRIEDRICH zusammen versucht hatten: für 4 Millionen Menschen einwandfreies Trinkwasser durchzusetzen.
Mit dem Hauptakteur bzw. Betroffenen haben wir uns ebenfalls unterhalten - er stand uns Rede und Antwort: in einem Gespräch mit Harald FRIEDRICH.
Wenn Sie diese Geschichte direkt aufrufen oder verlinken wollen, können Sie dies unter www.anstageslicht.de/HaraldFriedrich tun.
(JL)