Prof. Dr. G. Keith STILL ist ein führender Experte im Bereich der Veranstaltungssicherheit. Er wird 2011, also über 1 Jahr nach dem Unglück, ein ausführliches Gutachten zum Desaster der Loveparade erstellen. In diesem Gutachten geht er auf die fehlerhafte Planung und die Ursachen ein, die zur verheerenden Katastrophe führten. Er resümiert, dass bereits während der Planung der Veranstaltung, die Zuständigen die Gefahren hätten erkennen müssen. Das Gutachten wird als wesentliche Grundlage für die spätere Anklage im Loveparade Prozess dienen.
Prof. Dr. G. Keith STILL unterrichtet an verschiedenen wissenschaftlichen Institutionen im Bereich der Veranstaltungssicherheit, darunter das britische Cabinet Office Emergency Planning College (EPC). Darüber hinaus ist er wiederholt als unabhängiger Sicherheitsgutachter für eine Vielzahl von Massenveranstaltungen tätig.
Im Rahmen der Prüfung des Loveparade Vorfalls wird er verschiedene theoretische wissenschaftliche Methoden einsetzen, um dem Vorfall genauer zu analysieren. Eines dieser Instrumente ist das sogenannte “Fruin´s Level of Service“
Fruin´s Level of Service ist eine Messmethode aus der Veranstaltungssicherheit, die definiert wie viele Personen sich wo bewegen dürfen: Bewegungsströme zum Beispiel von 2-3 Personen pro Quadratmeter sind optimal, wenn 6-7 Personen pro Quadratmeter (sich berührend) erreicht wird, besteht eine erhebliche Gefahr von Stoßwellen, Gedränge und verletzten Personen.
Die Dichte am Ort des Vorfalls (Loveparade) wird 6 Personen pro Quadratmeter übersteigen, da auf Bild und Videomaterial zu sehen sein wird, wie die Menschen in der Menge sich zu allen Seiten gegenseitig berühren (Verdichtung). Ein solches Maß an Verdichtung ist sehr gefährlich: Menschen versuchen dann, der Menge zu entkommen.
Dort, wo die Menschenmenge versucht zu entkommen, werden 8-10 Personen pro Quadratmeter veranschlagt.
Prof. Dr. G. Keith STILL wird in seinem Gutachten 2011 folgendes feststellen:
„Dies ist eine zu erwartende Gefahr verursacht durch einen Mangel an angemessener Lenkung und Kontrolle der Menschenmenge. Man ließ zu, dass dieser Zustand einen gefährlichen Grad an Verstopfung erreichte und dass die Menschenmenge auf die Bedrohung durch übermäßigen Druck auf die Menschen reagiert und versucht zu fliehen.“
Im Duisburger Fall gibt es Hinweise auf eine Überwachung der Menschenmenge, das heißt, der Einlass der Menschen auf das Gelände wurde überwacht, jedoch wurden nur das gesamte Fassungsvermögen des Geländes einberechnet.
Dies führte dazu, dass auf dem Gesamtgelände noch Kapazitäten waren, jedoch das Ballungszentrum um die Rampe bereits vollkommen überfüllt war. Darüber hinaus kann später nicht nachgewiesen werden, dass alle Ordner, Sicherheitskräfte, Polizeikräfte, Rettungsdienste sowie externe Dienstleister wie z.B. Verkehrsunternehmen ausreichend über die tatsächlich genehmigte Zuschauerzahl informiert waren.
In den vorgelegten Beweismaterialien wird sich letztendlich kein Beleg für ein Steuern oder Regulieren in den Bereichen mit hohem Personendurchfluss in dieser Anlage finden lassen.
Das Versagen einer Regelung des Menschenflusses in Bereichen mit hohem Durchfluss wird die Hauptursache für das Unglück sein.
Man wird auch feststellen, dass an der fraglichen Stelle ein Gullydeckel gebrochen war und mit einem Element eines „Heras“-Zauns (Markenname) abgedeckt worden war: eine erhebliche Stolpergefahr.
Das alles wird man aber erst nach dem Desaster wissen, weil man vorher solches nicht wissen wollte.