
Das Jahr 2007 markiert eine Wende, zumindest im Radsport:
Bereits nach dem ersten großen SPIEGEL-Bericht vom April kommt die Universitätsklinik Freiburg nicht mehr umhin, den öffentlich geäußerten Vorwürfen nachzugehen. Sie setzt am 15 Mai eine Kommission ein. Und nur eine Woche später gestehen zwei Hauptakteure schriftlich ein, was die Untersuchungskommission zwei Jahre später, 2009, in ihrem Abschlussbericht dokumentieren wird: Die Sportmediziner
haben aktiv beim Dopen der Deutschen Radsportler und insbesondere im Team Telekom mitgewirkt. Z.B. bei Patrik SINKEWITZ. Jan ULLRICH war schlauer: Sein informeller Mitarbeiter bzw. medizinischer Berater war der spanische Dopingarzt Eufemiano FUENTES in Spanien.
Hier findet sich der 63-seitige Abschlussbericht.
Wie die Unterstützungs- und Dopinginfrastruktur in Deutschland für Jan ULLRICH und das Team Telekom bis 2007 offiziell inoffiziell ausgesehen hatte, haben wir in dieser kleinen aktiven Grafik rekonstruiert:
Weil das Thema Doping nach 2007 nun tatsächlich zum "Thema" wurde — in der Öffentlichkeit, bei einigen (nicht allen) Sportverbänden und auch in der Politik — sah sich das vom Bundesministerium des Innern gegründete und finanziell unterhaltene Bundesinstitut für Sportwissenschaft (BISp) gehalten, sich ebenfalls mit diesem Problem auseinanderzusetzen: Das BISp vergab einen Forschungsauftrag: "Doping in Deutschland von 1950 bis heute aus historisch-soziologischer Sicht im Kontext ethischer Legitimation".
Das Ziel dieses Projekts war es, aufzuklären, ob zwischen 1950 und 2007 ein systematisches Doping in der Bundesrepublik Deutschland stattgefunden hat. Bisher hatte man das nur der DDR und anderen osteuropäischen Staaten unterstellt.
Das Forschungsprojekt wurde von dem Deutscher Olympischen Sportbund (DOSB) initiiert und von dem BISp mit 450.000 Euro finanziert. Bearbeitungszeitraum: 3 Jahre, also bis 2012 einschließlich. Bearbeiter:
Im September 2011 wurden die ersten Zwischenberichte vorgelegt und veröffentlicht. Die wichtigsten Erkenntnisse:
Hier findet sich eine kurze Zusammenfassung des BISp: Doping auch in Westdeutschland.
Die einzelnen Teilstudien der beiden Universitäten finden sich hier:
Einen zusammenfassenden Endbericht gibt es bis heute nicht. Dafür einen aufschlussreichen Artikel im SPIEGEL: Ich will nur eines: Medaillen.
Wie sehr sich alles seither zum Besseren (nicht) verändert hat, beschreibt der bekannte Sportjournalist und 'Dopingexperte' Hajo SEPPELT in seinem Fernsehbericht Stumpfes Schwert (Manuskript), der am 18.März 2013 im WDR in der Reihe Sport Inside gelaufen ist.
(EPlM / JL)